150 Jahre Wiener Staatsoper – Jubiläumskonzert vor der Oper
150 Jahre Wiener Staatsoper: Viel Applaus gab es für die Mitwirkenden des Jubiläumskonzerts vor der Oper am 26. Mai 2019. – Foto: Sylvia Kreye

150 Jahre Wiener Staatsoper – Jubiläumskonzert vor der Oper

150 Jahre Wiener Staatsoper

Jubiläumskonzert vor der Oper

150 Jahre Wiener Staatsoper – das wäre eigentlich ein würdiger Anlass, der Wiener Staatsoper zu ihrem Jubiläum eine ausführliche Berichterstattung zu widmen. Gern hätte ich zu den wichtigsten Festvorstellungen Rezensionen verfasst und an dieser Stelle veröffentlicht. Aber leider sollte es anders kommen…

150 Jahre Wiener Staatsoper – die Festvorstellungen zum Jubiläum

Der Besuch einiger Festvorstellungen zum 150-jährigen Jubiläum der Wiener Staatsoper (zwecks ausführlicher Berichterstattung auf Lingua & Musica) war bereits eingeplant. Zur Auswahl standen zunächst folgende Vorstellungen:

  • Andrea Chénier von Umberto Giordano (20., 24. oder 28. Mai)
  • Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss (25. oder 30. Mai)
  • Jubiläumskonzert vor der Oper (26. Mai)
  • Geburtstagsmatinee (25. Mai)

Leider jedoch wurde meine Anfrage nach Pressekarten negativ beantwortet. Am 13. Mai erhielt ich von der Presseabteilung der Wiener Staatsoper eine enttäuschende Rückmeldung:

Sehr geehrte Frau Kreye,

vielen Dank für Ihre Nachricht – bitte entschuldigen Sie die sehr späte Antwort!

Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen leider keine Pressekarten zur Verfügung stellen können. Unsere Kapazitäten für Pressekarten sind sehr eingeschränkt und die Anfragen überschreiten diese bei Weitem, weshalb wir gezwungen sind, aus dieser Vielzahl an Anfragen eine Auswahl zu treffen.

Von meinem ursprünglichen Vorhaben einer ausführlichen Berichterstattung musste ich also bedauerlicherweise Abstand nehmen, denn ohne Pressekarten ist nun einmal keine fachlich fundierte Berichterstattung möglich! Aus besagtem Grund muss ich mich also auf ein paar Impressionen vom Jubiläumskonzert vor der Wiener Staatsoper beschränken.

150 Jahre Wiener Staatsoper
Bei freiem Eintritt konnte das Publikum den Darbietungen der Wiener Staatsoper lauschen. – Foto: Sylvia Kreye

Das Jubiläumskonzert vor der Oper

Zum 150jährigen Geburtstag hatte die Wiener Staatsoper Opernfreund/innen, Wiener Bürger/innen und Wien-Besucher/innen bei freiem Eintritt zum Konzert auf den Platz vor der Oper eingeladen. Auf dem Platz war eine große Freilicht-Bühne installiert worden, auf der Orchester und Chor der Wiener Staatsoper und natürlich die Solisten Platz hatten.

Die Überraschung: Einige Solisten sangen aus luftiger Höhe – direkt von der Empore am Dach der Wiener Staatsoper beziehungsweise von den Balkonen des gegenüberliegenden Hotels Bristol.

150 Jahre Wiener Staatsoper
Von der Empore am Dach der Wiener Staatsoper sang der koreanische Bassist Jongmin Park die Arie „Come dal ciel precipita“ (Wie vom Himmel stürzt herab…) aus der Oper „Macbeth“ von Giuseppe Verdi. – Foto: Sylvia Kreye

Die Mitwirkenden

Die Liste der Gesangssolist/innen konnte sich sehen und hören lassen: Nina Stemme, Thomas Konieczny, Jongmin Park, Olga Bezsmertna, Erwin Schrott, Valentina Naforniţă, Benjamin Bernheim, Camilla Nylund, Ferruccio Furlanetto, Roberto Alagna, Aleksandra Kurzak, Stephanie Houtzeel, Chen Reiss, Sonya Yoncheva und Günther Groissböck. Am Dirigentenpult stand Marco Armiliato.

150 Jahre Wiener Staatsoper
Aus luftiger Höhe sang die Sopranistin Valentina Naforniţă das „Lied an den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák . – Foto: Sylvia Kreye

Das Programm

Auf dem Programm standen berühmte Opernarien, Duette und Ensembles aus dem umfangreichen Repertoire der Wiener Staatsoper:

Richard Wagner | „Dich teure Halle …“ aus Tannhäuser
(Nina Stemme)

Ludwig van Beethoven | „Ha, welch ein Augenblick“ aus Fidelio
(Tomasz Konieczny)

Giuseppe Verdi | „Come dal ciel precipita“ aus Macbeth
(Jongmin Park)

Giuseppe Verdi | „Va, pensiero“ aus Nabucco
(Chor der Wiener Staatsoper)

Wolfgang A. Mozart | „Dove sono“ aus Le nozze di Figaro
(Olga Bezsmertna)

Wolfgang A. Mozart | „Fin ch’an dal vino“ aus Don Giovanni
(Erwin Schrott)

Wolfgang A. Mozart | „Là ci darem la mano“ aus Don Giovanni
(Valentina Naforniţă, Erwin Schrott)

Jules Massenet | „Pourquoi me réveiller“ aus Werther
(Benjamin Bernheim)

Erich W. Korngold | „Glück, das mir verblieb“ aus Die tote Stadt
(Camilla Nylund)

Giuseppe Verdi | „O tu Palermo“ aus I vespri siciliani
(Ferruccio Furlanetto)

Giuseppe Verdi | Duett „Già nella notte densa“ aus Otello 
(Roberto Alagna, Aleksandra Kurzak)

Antonín Dvořák | „Lied an den Mond“ aus Rusalka
(Valentina Naforniţă)

Richard Strauss | Schlussterzett aus Der Rosenkavalier
(Nina Stemme, Stephanie Houtzeel, Chen Reiss)

Piotr I. Tschaikowsky | Arie des Gremin aus Eugen Onegin
(Günther Groissböck)

Charles Gounod | „Je veux vivre“ aus Roméo et Juliette
(Aleksandra Kurzak)

Jacques F. Halévy | „Rachel, quand au Seigneur“ aus La Juive
(Roberto Alagna)

Giacomo Puccini | „Un bel dì“ aus Madama Butterfly
(Sonya Yoncheva)

Mit dem berühmten „Brindisi“ aus Verdis „La Traviata“ als Zugabe verabschiedeten sich die Mitwirkenden vom Publikum.

150 Jahre Wiener Staatsoper
Das Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Marco Armiliato musizierte wie immer auf hohem Niveau. – Foto: Sylvia Kreye

Ein unvergesslicher Abend

Es war ein unvergesslicher Abend mit einer einzigartigen Stimmung. Die Gesangssolist/innen boten allesamt eindrucksvolle Leistungen. Chor und Orchester der Wiener Staatsoper musizierten auf hohem Niveau. Marco Armiliato erwies sich als erfahrener und souveräner Dirigent. Das Wiener Publikum reagierte begeistert auf die musikalischen Darbietungen „ihres“ Opernhauses. Nach jeder Arie gab es viel Applaus und Bravo-Rufe. Man kann geradezu süchtig werden nach dieser wunderbaren Musik! Auch Petrus hatte ein Einsehen: Bis auf ein paar Regentropfen blieb das Wetter stabil.

150 Jahre Wiener Staatsoper
Viel Applaus für die Mitwirkenden des Jubiläumskonzerts. Als Zugabe durfte das berühmte „Brindisi“ aus Verdis „La Traviata“ natürlich nicht fehlen! – Foto: Sylvia Kreye

Geschichte der Wiener Staatsoper

Das „Haus am Ring“, wie die Wiener Staatsoper auch genannt wird, hat im Laufe seiner 150-jährigen Geschichte viele Sternstunden der Oper, aber auch dunkle Kapitel erlebt. Es lohnt sich daher, an dieser Stelle mal einen Rückblick auf die Geschichte der Wiener Staatsoper zu werfen.

Geplant wurde das Opernhaus von den Wiener Architekten August Sicard von Sicardsburg (1813-1868) und Eduard van der Nüll (1812-1868). August Sicard von Sicardsburg entwarf den Grundplan, Eduard van der Nüll gestaltete die Innendekoration. Aber auch andere bedeutende Künstler wirkten mit. Moritz von Schwind malte die Fresken im Foyer und den berühmten „Zauberflöten“-Freskenzyklus in der Loggia. Tragischerweise durften die beiden Architekten die Eröffnung „ihres“ Opernhauses nicht mehr erleben. Der sensible van der Nüll beging Selbstmord, sein Freund Sicardsburg erlag nur zwei Monate später einem Schlaganfall. (Anmerkung: Als Todesursache wird in vielen Quellen aber auch Herzversagen bzw. Tuberkulose angegeben.)

Die Wiener Staatsoper wurde in den ersten Jahren nach ihrem Bau in der Öffentlichkeit heftig kritisiert. Kaiser Franz Joseph nannte die damalige Hofoper verächtlich „die versunkene Kiste“. Diesen Spitznamen erhielt das Bauwerk durch den Umstand, dass das Niveau der Wiener Ringstraße nach Baubeginn des Opernhauses um einige Meter angehoben wurde, wodurch das Opernhaus „versunken“ zu sein schien. In Zeitungsberichten wurde die Oper auch als „Königgrätz der Baukunst“ bezeichnet – in Anspielung an die Schlacht von Königgrätz von 1866, welche für die damalige Monarchie eine folgenschwere militärische Niederlage und tiefe Demütigung war. Die harte Kritik an seinem Bauwerk hatte vermutlich auch zum Freitod van der Nülls beigetragen.

Am 25. Mai 1869 wurde das Haus mit Mozarts Oper Don Juan (Don Giovanni) in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth feierlich eröffnet. Den künstlerischen Leistungen der ersten Direktoren Franz von Dingelstedt, Johann Herbeck, Franz Jauner und Wilhelm Jahn ist es zu verdanken, dass auch die Popularität des Bauwerks in der Bevölkerung allmählich zunahm. Unter dem Direktor und Komponisten Gustav Mahler erlebte die Wiener Oper einen ersten Höhepunkt. Mahler erneuerte das veraltete Aufführungssystem, stärkte Präzision und Ensemblegeist und reformierte die Bühnenästhetik.

Das wohl dunkelste Kapitel in der bisherigen Geschichte des Hauses am Ring waren die Jahre von 1938 bis 1945, als während des Nationalsozialismus viele Mitglieder des Hauses verfolgt, vertrieben und ermordet wurden und zahlreiche Werke nicht mehr gespielt werden durften. Am 12. März 1945 wurde das Haus am Ring durch einen Bombenangriff der Amerikaner weitgehend zerstört. Lediglich die Eingangshalle, die Feststiege, das Vestibül mit dem Schwind-Foyer und dem Teesalon blieben beinahe unversehrt. Bereits am 1. Mai 1945 wurde der Betrieb der Wiener Staatsoper unter dem Namen „Staatsoper in der Volksoper“ mit einer Aufführung von Mozarts Die Hochzeit des Figaro wieder aufgenommen. Am 6. Oktober 1945 folgte die Wiedereröffnung des in aller Eile restaurierten Theaters an der Wien mit Beethovens Fidelio. Mit der Volksoper und dem Theater an der Wien standen für die folgenden zehn Jahre zwei Spielstätten zur Verfügung, in denen die Aufführungen der Wiener Staatsoper stattfanden. Während dieser Zeit wurde das eigentliche Stammhaus mit großem Aufwand wiedererrichtet.  Bereits am 24. Mai 1945 hatte der Staatssekretär für öffentliche Bauten, Ing. Julius Raab, den Wiederaufbau der Wiener Staatsoper verkündet. Nur die Hauptfassade, die Feststiege und das Schwind-Foyer waren von den Bomben verschont geblieben.  Am 5. November 1955 fand mit Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Karl Böhm die glanzvolle Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper statt. Im Zuge des Wiederaufbaus waren auch der Zuschauerraum erneuert und die Technik modernisiert worden. Die Eröffnungsfeierlichkeiten wurden vom Österreichischen Fernsehen übertragen und in der ganzen Welt zugleich als Lebenszeichen der neu erstandenen Zweiten Republik verstanden.

Heute gilt die Wiener Staatsoper als eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt. Vor allem hat sich die Wiener Staatsoper als das Haus mit dem größten Repertoire einen Namen gemacht. Hier werden allabendlich Opern auf höchstem Niveau aufgeführt. Direktor ist seit 1. September 2010 Dominique Meyer, Ballettdirektor Manuel Legris.

Die Wiener Staatsoper ist heute eines der Wahrzeichen und wichtigstes Symbol der Musikmetropole Wien.

Quellen

Programm des Jubiläumskonzerts:

Programmheft 150 Jahre Wiener Staatsoper

https://www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/aktuelles/150-jahre/

Geschichte der Wiener Staatsoper:

https://www.wiener-staatsoper.at/die-staatsoper/das-haus/geschichte/

https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Staatsoper

https://kurier.at/chronik/wien/das-drama-um-die-wiener-oper/753.200

https://derstandard.at/2231980/Die-Geschichte-einer-versunkenen-Kiste

https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4682089/Vor-70-Jahren_Die-Zerstoerung-der-Wiener-Staatsoper

https://www.habsburger.net/de/kapitel/die-versunkene-kiste-der-bau-der-wiener-hofoper-am-ring

https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Sicard-Sicardsburg_August_1813_1868.xml

 

Veröffentlicht von

Sylvia Kreye

Diplomierte Sängerin und staatlich geprüfte Musiklehrerin, Kulturjournalistin und Textredakteurin, Übersetzerin und Fremdsprachenkorrespondentin

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