13. Dezember | Adventskalender
An old trade boat (lodi), one big Christmas tree and some smaller ones on the Town Hall Square (Raekoja plats) in Tartu, Estonia. – Altes Handelsboot und Christbäume am Rathausplatz von Tartu, Estland. – Foto: Marit & Toomas Hinnosaar [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

13. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

13. Dezember

 

Der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica führt uns heute ins Baltikum. Bei dieser Gelegenheit lernen wir interessante Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder aus Estland, Litauen und Lettland kennen.

Estland 

In der Vorweihnachtszeit stellen die Kinder Pantoffeln ans Fenster. Diese werden dann von „päkapikud“ (Weihnachtselfen) mit Süßigkeiten gefüllt. In Estland wird am 24. Dezember Weihnachten gefeiert. Der Heiligabend wird auch „jõululaupäev“ (Weihnachtssamstag) genannt. An Heiligabend beschenkt „jõuluvana“, ein alter Weihnachtsmann, die Kinder. Bevor die Kinder ihre Geschenke erhalten, müssen sie Lieder singen oder Gedichte vortragen. Zum Abendessen gibt es in der Regel Schweinefleisch mit Sauerkraut, gebackene Kartoffeln, Weißwurst und Blutwurst, Kartoffelsalat mit Roter Bete und Pastete. Dazu wird Bier und Glühwein getrunken. Zum Nachtisch gibt es Lebkuchen und Marzipan. Die Reste vom Weihnachtsessen werden über Nacht stehen gelassen. Dieser Brauch geht auf den Glauben zurück, dass die Geister der verstorbenen Verwandten, Bekannten und Freunde zu Besuch kommen und etwas essen möchten. Zu Weihnachten werden in Estland auch Friedhöfe besucht und Kerzen für die Verstorbenen angezündet. Der 25. Dezember wird „jõulupüha“ genannt. An diesem Tag ruhen sich die Esten aus oder besuchen Verwandte. 

Litauen 

In Litauen wird Weihnachten im Familienkreis gefeiert. Der Heiligabend ist der wichtigste Festtag, da man glaubt, dass das folgende Jahr so wird wie die Christnacht. An diesem Tag nehmen viele Litauer ein Bad oder gehen in die Sauna. Am Vormittag schmücken die Kinder den Christbaum mit Strohsternen, Basteleien, Äpfeln, Nüssen und Gebäck. Der Christbaum ist Anfang des 20. Jahrhunderts aus Deutschland nach Litauen importiert worden. Sobald am Abend der erste Stern am Himmel zu sehen ist, beginnt man mit dem Weihnachtsessen. Dieses ist in Litauen ein 12-Gänge-Menü – mit Bezug auf die 12 Monate des Jahres und die 12 Apostel. Vor dem Essen wird gebetet und ein „Gotteskuchen“ herumgereicht. Zum Abendessen gibt es meist Fisch, Mohnmilchsuppe, Gemüse, Salat, Obst, Getreidebrei, Kompott, Pilze, Brot und Gebäck. Dazu wird Wein getrunken. Fleisch und Milchprodukte gibt es an Heiligabend nicht. Nach dem Essen zieht man Strohhalme unter der Tischdecke hervor. Lange, dicke Halme verheißen ein gutes Jahr, dünne oder gebrochene Halme bringen Unglück. Auch in Litauen bleiben die Reste vom Weihnachtsessen stehen, damit die Seelen der verstorbenen Verwandten ebenfalls speisen können. Manchmal werden die Lebensmittel für die Verstorbenen auch auf dem Fensterbord abgestellt. Nach dem Weihnachtsmahl werden die Geschenke ausgepackt, die der Weihnachtsmann gebracht hat. Am 25. Dezember wird auch wieder Fleisch gegessen. Am 26. Dezember besuchen die Litauer oft Freunde.    

Lettland

In Lettland feiert man das Fest der Wintersonnenwende, bei dem sich christliche mit vorchristlichen Bräuchen vermischt haben. Ein beliebter Brauch ist das Ziehen eines Eichenbalkens von Haus zu Haus, der auf dem letzten Hof verbrannt wird. Das Verbrennen des Eichenbalkens soll das Übel vernichten und der Sonne neue Kraft geben. Viele Kinder verkleiden sich als Tier, Sonne oder Tod und ziehen von Haus zu Haus, um böse Geister zu verjagen. Der Christbaum wird gern mit Strohsternen und getrockneten Blumen geschmückt. Zum Weihnachtsessen gibt es meist Blutwurst, Sauerkraut, Erbsen, Bohnen, Graupen, „pírági“ (Speckkuchen), Schweinebraten oder Fisch. Wer neunmal davon isst, soll im nächsten Jahr reich und glücklich werden. Die russisch-orthodoxen Letten feiern erst am 6. Januar Weihnachten.

Weihnachtslieder aus dem Baltikum

Ein schönes Weihnachtslied aus Estland kann man auf YouTube hören. Das Lied heißt „Jõuluingel“ – Christmas Angel:

https://www.youtube.com/watch?v=KmS6UlZqh4A

https://www.youtube.com/watch?v=KmS6UlZqh4A&list=PLFaYa5LNCqOZqscwKL4kysZgsxiMfikO5

Aus Litauen stammt das Weihnachtslied „Kalėdinė vyrų daina“:

https://www.youtube.com/watch?v=HgQLKeVHl54

Ebenso das Weihnachtslied Naujųjų metų rytas – Kalėdinės dainos:

https://www.youtube.com/watch?v=66uFg5JI94w

Aus Lettland stammt die Weihnachtskomposition „On Christmas Eve“ (2006) von VILNIS SALAKS (1939- ):

https://www.youtube.com/watch?v=kzg1j0VCoJ4&list=PLBJ4oo3a998aWIovqqYF7SEUNiuoaipxD

Man kann nicht von Lettland sprechen, ohne auf eine große Stimme aus diesem baltischen Staat hinzuweisen. Hier ist ein großartiger Konzertmitschnitt geistlicher Lieder (Sacred Songs) mit der aus Riga stammenden Mezzosopranistin Elina Garanca:

https://www.youtube.com/watch?v=h_GYVKnt4mk

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

Bildquelle

An old trade boat (lodi), one big Christmas tree and some smaller ones on the Town Hall Square (Raekoja plats) in Tartu, Estonia.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:An_old_trade_boat_in_the_town_hall_square.jpg

Marit & Toomas Hinnosaar [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Veröffentlicht von

Sylvia Kreye

Diplomierte Sängerin und staatlich geprüfte Musiklehrerin, Kulturjournalistin und Übersetzerin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.