Neujahr 2018: Wiener Klang & Wiener Schmäh

Neujahr 2018: Wiener Klang & Wiener Schmäh 

Auftakt zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Republik Österreich“

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bildete den Auftakt zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Republik Österreich“. Am Abend gab es in der Wiener Staatsoper noch eine Vorstellung der „Fledermaus“ von Johann Strauss, die auch auf den Herbert-von-Karajan-Platz übertragen wurde. 

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Das neue Jahr hat in Wien gut angefangen – mit viel Kultur und Musik. Zunächst fand im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins das traditionelle Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker statt – diesmal unter der Leitung des italienischen Dirigenten Riccardo Muti, den eine langjährige Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern verbindet.

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bildete heuer den Auftakt zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Republik Österreich“ und stand ganz im Zeichen des 650-Jahr-Jubiläums der Österreichischen Nationalbibliothek sowie der Wiener Moderne.

Das Programm des Neujahrskonzerts war auch diesmal wieder vom Feinsten und enthielt zahlreiche „Schmankerln“ der Wiener Musik. Die beiden Konzertwalzer „Geschichten aus dem Wienerwald“ (mit dem schönen Zither-Solo) und „Rosen aus dem Süden“ gehörten zu den Höhepunkten des diesjährigen Programms.

Neben den Werken der Strauss-Dynastie gab es auch in diesem Jahr wieder einige Titel, die zuvor noch nie im Neujahrskonzert gespielt worden waren: von Josef Strauß der Walzer »Wiener Fresken«, von Johann Strauß (Sohn) die Polka »Brautschau« sowie der Walzer »Myrthenblüten« und von Johann Strauß (Vater) der »Marienwalzer« sowie der »Wilhelm-Tell-Galopp«. Die Ouvertüre zu Franz von Suppés Operette »Boccaccio, oder Der Prinz von Palermo« und die »Stephanie-Gavotte« des österreichisch-ungarischen Militärkapellmeisters und Komponisten Alfons Czibulka gehören ebenfalls zu den Neuheiten.

Den krönenden Abschluss bildeten wie immer der Walzer „An der schönen blauen Donau“ und der Radetzky-Marsch.

Eine Aufnahme des Neujahrskonzerts ist auf 2 CDs erschienen und im Handel sowie über Shop24Direct erhältlich:

https://www.shop24direct.at/produkt/neujahrskonzert-2018-2020692

Die DVD des Neujahrskonzerts erscheint am 26. Jänner 2018 und kann bereits jetzt über Shop24Direct vorbestellt werden:

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Die Fledermaus in der Wiener Staatsoper

 Nach bewährter Tradition wird an der Wiener Staatsoper am Silvesterabend und auch am Neujahrstag die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß aufgeführt. Schon seit ein paar Jahren wird die Vorstellung auch live auf den Herbert-von-Karajan-Platz übertragen, wo die Zuschauer auf einer Großleinwand die Operette anschauen können.

Die Live-Übertragungen aus der Wiener Staatsoper haben sich bereits seit vielen Jahren als Highlight im sommerlichen Wiener Kulturkalender etabliert. Die Veranstaltungsreihe, die alljährlich in den Monaten April – Juni und im September unter dem Titel „Oper live am Platz“ stattfindet, ist in Wien bereits seit vielen Jahren eine bewährte und beliebte Tradition.

Bei sommerlichen Temperaturen ist so ein Opernabend, ausgestattet mit einem Picknick und einer Flasche Wein – womöglich noch mit einem Klavierauszug im Gepäck und in Begleitung eines Hundes – eine äußerst nette und kurzweilige Angelegenheit! Als Autorin dieses Artikels besuche ich schon seit vielen Jahren die Veranstaltung „Oper live am Platz“ und zelebriere dabei genüsslich mein Opernpicknick!

Bei winterlichen Temperaturen – so wie jetzt am 1. Jänner – ist eine solche Open-Air-Veranstaltung allerdings doch ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht gerade eine warme Decke dabei hat, in die man sich einhüllen kann. Doch es gibt ja noch eine Option, wo man sich zwischendurch aufwärmen und stärken kann: nämlich im Café Oper (direkt in der Staatsoper) – zum Beispiel bei einem Würstelteller mit der kuriosen Bezeichnung „Drei Tenöre“ oder bei einem g’schmackigen Salat mit so klangvollen Namen wie „Rossini“, „Puccini“, „Walküre“, „Don Carlo“, „Rigoletto“, „Othello“ oder „Romeo und Julia“.

Von dieser kulinarischen Möglichkeit machten meine Freundin und ich am Neujahrstag Gebrauch, als es uns dann doch irgendwann zu kalt wurde. Das Schönste an einem solchen Kaffeehausbesuch direkt in der Oper ist aber, dass man sogar drinnen im Café die Opernvorstellung auf einem Monitor verfolgen kann – ohne frieren zu müssen! Diese Gelegenheit nutzten wir auch am Neujahrstag bei der „Fledermaus“.

Die dreiaktige Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss, deren Textbuch von Carl Haffner und Richard Genée stammt, ist kompositorisch ein Meisterwerk und mit ihrer etwas turbulenten Handlung etwas Ur-Wienerisches! Mit seiner aus drei Teilen bestehenden Handlung spiegelt das Werk die Gesellschaft und das Charakterbild der Menschen des zu Ende gehenden Kaiserreiches wider: Vorbereitung auf das Fest (1. Akt) – rauschende Ballnacht (2. Akt) – Katzenjammer am nächsten Morgen (3. Akt).

Die äußerst gelungene und witzige Wiener Inszenierung der Operette „Die Fledermaus“ geht auf Otto Schenk zurück. Das Bühnenbild stammt von Günther Schneider-Siemssen, die Kostüme von Milena Canonero. Die Aufführung am Neujahrstag stand unter der Leitung des Dirigenten Cornelius Meister. Die Chorleitung hatte an diesem Abend Martin Schebesta. Mit der Choreographie wurde Gerlinde Dill betraut.

Die Ausführenden der Vorstellung am 1. Jänner 2018 waren: Herbert Lippert (Gabriel von Eisenstein), Laura Aikin (Rosalinde), Hans Peter Kammerer (Gefängnisdirektor Frank), Zoryana Kushpler (Prinz Orlofsky), Benjamin Bruns (Alfred), Rafael Fingerlos (Dr. Falke), Peter Jelosits (Dr. Blind), Maria Nazarova (Adele), Lydia Rathkolb (Ida), Jaroslav Pehal (Iwan) und last but not least: Peter Simonischek (eine bewährte Besetzung als Frosch). Im 2. Akt tanzte das Corps de ballet zu den Klängen der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“. – Das Wiener Staatsopernorchester (die Wiener Philharmoniker) präsentierte sich auch an diesem Abend wieder in künstlerischer Hochform.

Das Jahr 2018 begann in Wien also wie immer mit viel Kultur, einer Operette voll Wiener Schmäh und einem „Strauss“ voll Wiener Musik!

Von der „Fledermaus“ gibt es einige Video-Aufnahmen, die auch über Shop24Direct bezogen werden können. Die schöne Wiener Inszenierung von Otto Schenk ist zwar auf Shop24Direct zurzeit nicht verfügbar, kann jedoch über den folgenden Link vorbestellt werden:

https://www.shop24direct.at/produkt/sku/21361

Es gibt auch eine DVD mit Joan Sutherland und Luciano Pavarotti:

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Doch noch viel schöner ist ein Besuch in der Wiener Staatsoper! Es lohnt sich! Tickets können auch online bestellt werden unter:

https://www.wiener-staatsoper.at/ihr-besuch/karten-abos-zyklen/informationen-zum-kartenkauf/

https://www.wiener-staatsoper.at/spielplan-tickets/kalender/

Quellen & Literatur:

Website der Wiener Philharmoniker – Neujahrskonzert:

https://www.wienerphilharmoniker.at/neujahrskonzert/das-neujahrskonzert

Website der Wiener Staatsoper – Archiv – Die Fledermaus:

https://archiv.wiener-staatsoper.at/performances/45091       

Dieter Zöchling, Die Oper – Westermanns farbiger Führer durch Oper, Operette, Musical (mit einem Vorwort von Plácido Domingo), Westermann, Braunschweig 1981, Seite 504-507: Johann Strauss, Die Fledermaus.

Rückblick 2017: zwei Jubilare und ein halbes Jahrhundert voll Musik

Rückblick 2017: zwei Jubilare und ein halbes Jahrhundert voll Musik

Das Jahr 2017 stand musikalisch im Zeichen zweier Jubilare aus Klassik bzw. Unterhaltung, die bereits seit einem halben Jahrhundert auf der Bühne stehen.

Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Placido Domingo an der Wiener Staatsoper

Im Mai 2017 feierte KS Placido Domingo sein 50-jähriges Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper. Der am 21. Januar 1941 in Madrid geborene Opernsänger begann seine Karriere zunächst als Bariton in spanischen Zarzuelas und wechselte später ins Tenorfach. Am 19. Mai 1967 absolvierte er als Don Carlo in Verdis gleichnamiger Oper seinen ersten Auftritt an der Wiener Staatsoper.

Am 19. Mai 2017 – genau 50 Jahre nach seinem Debut an der Wiener Staatsoper – gab der spanische Tenor und Kammersänger zunächst ein umjubeltes Galakonzert im „Haus am Ring“ (wie die Staatsoper bei den Wienern gern genannt wird). In einer konzertanten Aufführung mit Ausschnitten aus Nabucco, La traviata, Un ballo in maschera und Simon Boccanegra präsentierte Domingo sich diesmal in den großen Baritonrollen als Germont, Boccanegra und Ankarström.

Im Juni stand Domingo erneut auf der Bühne der Wiener Staatsoper, und zwar in Verdis Oper „Don Carlo“ – diesmal aber nicht in der Titelpartie, sondern abermals in einer Baritonrolle: als Rodrigo, Marquis von Posa.

Sowohl die Galavorstellung als auch die Don Carlo-Serie an der Wiener Staatsoper waren ein großer Erfolg für den Jubilar Placido Domingo – jenes „Urgestein“ der Opernwelt.

Bekanntlich war Domingo – zusammen mit Luciano Pavarotti und José Carreras – auch Teil der berühmten 3 Tenöre (Carreras – Domingo – Pavarotti). Eine Auswahl an CDs und DVDs mit Placido Domingo bzw. mit den 3 Tenören ist bei Shop24Direct erhältlich:

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Eine Aufnahme des legendären Konzerts der drei Tenöre in Los Angeles (anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA) ist ebenfalls bei Shop24Direct zu beziehen:

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Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum, CD-Cover Heintje und Ich
50-jähriges Bühnenjubiläum: Cover des Duett-Albums „Heintje und Ich“. – Foto: ©Norbert Unfried / German Popp. Mit freundlicher Genehmigung der Telamo GmbH, München.

Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons  

Im Dezember 2017 konnte noch ein anderer bekannter Sänger sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern – wenn auch nicht im Bereich der Oper. Auch er steht bereits seit einem halben Jahrhundert auf der Bühne. Eigentlich wollte er (nach eigener Aussage) immer singen wie Caruso. Trotz seiner auch nach dem Stimmwechsel immer noch sehr schönen Stimme hat er sich dann aber doch auf Schlager und Unterhaltung spezialisiert: Hein Simons – besser bekannt als Heintje.

Der am 12. August 1955 in Holland geborene ehemalige Kinderstar hatte seinen ersten Fernsehauftritt in der ZDF-Fernsehshow „Der Goldene Schuss“ am 21. Dezember 1967. Sein Auftritt mit der deutschen Version von „Mama“ dauerte nur 55 Sekunden! Das reichte aus, um ihn über Nacht berühmt zu machen. (Lingua & Musica berichtete.)

Aus Anlass seines Jubiläums erschien am 1. Dezember bei TELAMO eine musikalische Rarität: Unter dem Titel „Heintje und Ich“ brachten Hein Simons und sein Produzent Christian Geller ein neues, äußerst professionell gelungenes Album heraus, auf dem Hein Simons im Duett mit dem kleinen Heintje – seinem jüngeren Ich – singt.

Rechtzeitig zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons ist im Giger Verlag auch ein sehr lesenswertes, interessantes Buch unter dem Titel „Ich war Heintje“ erschienen.

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

Als Fan-Box:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-fanbox-420469

Das Buch „Ich war Heintje“ ist ebenfalls im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/ich-war-heintje-2020380

Bereits im Dezember hatte Lingua & Musica dem Sänger und seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum einige Artikel gewidmet. Wer die Beiträge im Dezember verpasst hat, kann sie hier noch einmal nachlesen:

Teil 1: Vom Lausbub zum Kinderstar
http://linguamusica.eu/hein-simons-50-jaehriges-jubilaeum-…/

Teil 2: Vom Kinderstar zum „Urgestein“
http://linguamusica.eu/hein-simons-50-jaehriges-jubilaeum-…/

21. Dezember: Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons
http://linguamusica.eu/21-dezember-2017-das-50-jaehrige-buehnenjubilaeum-von-heintje-simons/

Als kleinen Vorgeschmack auf das neue Album „Heintje und Ich“, das sowohl als CD wie auch DVD erhältlich ist, möchte ich den Leser/innen dieses Artikels das folgende Video (ein Medley aus der aktuellen DVD) ans Herz legen, das ich soeben auf YouTube entdeckt habe und hiermit gern teile:


Zum 50-jährigen Bühnenjubiläum von Hein Simons: Auszug aus dem neuen Duett-Album „Heintje und Ich“, erschienen am 01.12.2017 bei Telamo.

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

Als Fan-Box:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-fanbox-420469

Ausblick 2018: 100 Jahre Republik Österreich

Nach einem halben Jahrhundert Musik mit großartigen Künstlern wie Placido Domingo und Hein(tje) Simons – jeder auf seine Weise, so unterschiedlich ihre Musikrichtungen und die Geschmäcker der Hörer auch sein mögen – dürfen wir gespannt sein, was das neue Jahr an musikalischen Überraschungen und Jubiläen für uns bereit hält.

Das Jahr 2018 wird abermals ein bedeutendes Jubiläumsjahr – wenn auch in ganz anderer Hinsicht: das 100-jährige Bestehen der Republik Österreich! Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie wurde am 12. November 1918 durch Staatskanzler Karl Renner die erste Republik Österreich ausgerufen. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Lingua & Musica wird weiter berichten.

21. Dezember 2017: Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons

21. Dezember 2017:
Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons

Der 21. Dezember 2017 ist ein denkwürdiges Datum: Der heutige Tag steht ganz im Zeichen des 50-jährigen Bühnenjubiläums von Hein(tje) Simons. Zurzeit befindet sich der Sänger auf einer großen Weihnachtstournee durch Ostdeutschland. – Leider ist der 21. Dezember 2017 aber auch mit einem traurigen Ereignis verbunden, denn heute ist der 3-jährige Todestag von Udo Jürgens. Doch wenden wir uns zunächst dem erfreulichen Anlass zu.

Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons 

21. Dezember 1967: Heintje wird über Nacht zum Star

Heute vor genau 50 Jahren, am 21. Dezember 1967, hatte Heintje seinen ersten Fernsehauftritt in der ZDF-Show „Der goldene Schuss“ mit Vico Torriani. Heintje sang sein berühmtes Lied „Mama“. Sein Auftritt mit der (gekürzten) deutschen Fassung des italienischen Liedes „Mamma“ (mit zwei „m“) dauerte nur 55 Sekunden! 55 Sekunden, die alles entscheiden und sein Leben verändern sollten. Nach seinem kurzen Auftritt in der Sendung „Der goldene Schuss“ wurde Heintje über Nacht zum Star. In den folgenden Jahren folgte ein Hit nach dem anderen: „Du sollst nicht weinen“, „Ich bau dir ein Schloss“, „Oma so lieb“, „Mamatschi“, „Ich sing ein Lied für dich“, „Schneeglöckchen im Februar“ – um nur einige zu nennen.

50 Jahre ist das alles nun her. – „Der Kandidat hat 100 Punkte!“ Dieses Zitat von Vico Torrianis Assistentin aus der Fernsehshow „Der goldene Schuss“ ist längst zu einem geflügelten Wort geworden und trifft in diesem Zusammenhang auch auf Hein(tje) Simons zu.

21. Dezember 2017: Das 50-jährige Bühnenjubiläum von Hein(tje) Simons

Zurzeit befindet sich Hein(tje) Simons zusammen mit Maximilian Arland und Fernando Express auf einer großen Weihnachtstournee durch Ostdeutschland. Heute gastiert er im sächsischen Marienberg, wo am Abend wohl noch eine ausgelassene After-Show-Party steigen wird. Denn so ein 50-jähriges Bühnenjubiläum ist wahrlich ein Grund zum Feiern!

Rechtzeitig zum Jubiläum ist zum 1. Dezember unter dem Label TELAMO auch ein neues Album von Hein(tje) Simons erschienen. Die CD mit dem Titel „Heintje und Ich“ ist schon jetzt ein Renner und belegt bereits Platz 2 der deutschen Charts. Auf diesem neuen Album singt Hein Simons erstmals im Duett mit seinem jüngeren Ich – eine Weltsensation!

Bereits am 15. November ist im Giger Verlag das Buch „Ich war Heintje“ von Jan Adriaan Zwarteween erschienen. Man erfährt darin auch viele interessante Details, die sich damals hinter den Kulissen so abgespielt haben.

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

Das Buch „Ich war Heintje“ ist ebenfalls im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/ich-war-heintje-2020380

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Hein(tje) Simons hat Lingua & Musica dem Künstler bereits Anfang Dezember einen ausführlichen Artikel in zwei Teilen gewidmet:

Teil 1: Vom Lausbub zum Kinderstar
http://linguamusica.eu/hein-simons-50-jaehriges-jubilaeum-…/

Teil 2: Vom Kinderstar zum „Urgestein“
http://linguamusica.eu/hein-simons-50-jaehriges-jubilaeum-…/

Ein 50-jähriges Bühnenjubiläum ist doch ein denkwürdiges Ereignis, das nicht allen Künstlern zuteil wird. Es verdient daher auch eine entsprechende Würdigung in dem sonst eher klassisch ausgerichteten Online-Magazin von Lingua & Musica.

Der sympathische Holländer Hein(tje) Simons hat sich inzwischen vom Kinderstar zum reifen Mann und einem „Urgestein“ der deutschen Unterhaltungsmusik entwickelt. Wir wollen ihm zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum alles Gute wünschen und heben das Glas auf Hein(tje)s Wohl: „Der Kandidat hat 100 Punkte“!

Soweit zum erfreulichen Teil dieses Beitrags. Doch wie bereits erwähnt, ist das heutige Datum auch mit einem traurigen Ereignis verbunden: dem plötzlichen Tod von Udo Jürgens vor drei Jahren.

Der 3-jährige Todestag von Udo Jürgens

21. Dezember 2014: Udo Jürgens verstirbt unerwartet in der Schweiz

Heute vor genau drei Jahren, am 21. Dezember 2014, hat einer der ganz Großen im Musik- und Showbusiness die Bühne der Welt für immer verlassen: Udo Jürgens, der in Österreich geborene deutschsprachige Sänger, Komponist, Pianist und Entertainer, verstarb am 21. Dezember 2014 in Münsterlingen (Schweiz) ganz unerwartet an einem Herzinfarkt. Zwei Wochen zuvor, am 7. Dezember 2014, hatte er noch ein umjubeltes Konzert im Hallenstadion in Zürich gegeben.

„Mitten im Leben“ (so auch der Titel seiner letzten CD und Tournee) brach Udo Jürgens während eines Spazierganges in Gottlieben, Schweiz, plötzlich bewusstlos zusammen. Sein langjähriger Chauffeur und Freund Billy Todzo hatte noch versucht, ihn zu reanimieren und im nahegelegenen Gemeindeamt einen Defibrillator zu organisieren, um das Leben des Künstlers zu retten, doch seine Bemühungen und selbst die Wiederbelebungsversuche des sofort verständigten Notarztes blieben leider vergeblich. Um 16.25 verstarb Udo Jürgens im Spital in Münsterling.

Zum Gedenken an Udo Jürgens ist im Oktober 2017 auch eine CD-Kollektion mit dem Titel „Danke Udo!“ erschienen. Die Sammlung von fünf CDs ist im Handel und über Shop24Direct erhältlich:

https://www.shop24direct.at/produkt/danke-udo-2020278

Der heutige 21. Dezember steht also ganz im Zeichen dieser beiden bedeutenden Künstler. In drei Tagen ist Weihnachten. Wer noch ein passendes Weihnachtsgeschenk sucht, muss sich nun ein wenig sputen und findet hier vielleicht ein paar Anregungen!

Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum | Teil 2: Vom Kinderstar zum Bariton

Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum

Teil 2: Vom Kinderstar zum Bariton

Hein Simons alias „Heintje“ feiert sein 50-jähriges Jubiläum. Auf seiner neuen CD „Heintje und Ich“ singt er erstmals im Duett mit seinem jüngeren Ich – eine Weltsensation. Zu seinem 50-jährigen Jubiläum ist soeben auch ein Buch mit dem Titel „Ich war Heintje“ erschienen. Mit einer Weihnachtstournee meldet sich der sympathische, mittlerweile 62-jährige Holländer bei seinen Fans zurück.

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
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Als DVD:
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Das Buch „Ich war Heintje“ ist im Giger Verlag erschienen und ebenfalls im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

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Stimmwechsel und Entwicklungspause

Erst mit etwa 16 Jahren kam Heintje in den Stimmwechsel, der allerdings bei ihm nie eine Mutation im üblichen Sinne war. Vielmehr veränderte sich seine Stimme ganz allmählich. Hein Simons erinnert sich: „Einen Stimmbruch im üblichen Sinne – also mit Kieksern und Überschlag – habe ich niemals gehabt. Ich habe aufgehört, weil ich schließlich als 16jähriger nicht mehr ‚Mama’ singen konnte. Weil sich die Themen der Lieder mit zunehmendem Alter zwangsläufig ändern müssen. Und weil ich auch selbst in so eine Art Entwicklungskrise geriet.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 6. Folge, 17.05.1979)

Dass seine Stimme langsam dunkler wurde, ist auf den letzten Aufnahmen des Kinderstars aus den Jahren 1971-1972 (besonders auf der Langspielplatte „Wenn wir alle Sonntagskinder wär’n“ und der Weihnachtsplatte „Fröhliche Weihnacht überall“) deutlich zu hören. Es wurden also damals keine Aufnahmen als sog. „Konserven“ auf Eis gelegt, auch wenn seinerzeit solche Gerüchte im Umlauf waren.

1972 entschlossen sich Heintje und seine Manager zu einer sogenannten Entwicklungspause, damit der Kinderstar sich ganz in Ruhe, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, zu einem erwachsenen Sänger entwickeln und auch in körperlicher wie psychischer Hinsicht zu einem Mann heranreifen konnte.

Bereits während der Zeit seiner Entwicklungspause reifte in ihm der Plan, im belgischen Moresnet einen Reiterhof zu kaufen und sich mit dem Reitsport und der Pferdezucht ein zweites Standbein zu schaffen. Bereits einige Jahre zuvor war der gebürtige Holländer mit seinen Eltern ins belgische Neu-Moresnet gezogen. Dort hatte die Familie Simons die Villa „O sole mio“ erbauen lassen, wo Heins betagte Mutter Johanna Simons bis heute wohnt. Vater Hendrik Simons starb im Oktober 1988 (im Alter von nur 66 Jahren) an Lungenkrebs – als Folge einer Staublunge, die er sich durch seine langjährige und schwere Arbeit als Bergmann unter Tage zugezogen hatte.

Mitte der Siebziger Jahre konnte Hein Simons seinen Plan in die Tat umsetzen und kaufte im ostbelgischen Ort Moresnet, einer Teilgemeinde von Kelmis, das Gut Schimper, das er bis heute bewohnt und wo er einen Reitstall und Einstellbetrieb unterhält. Gut Schimper, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen, ist auch Sitz des dortigen Reitvereins und bietet zahlreiche Einstellplätze mit Weidegang, nicht nur für Hein Simons’ eigene Pferde, sondern auch für rund 60 weitere Pferde anderer Besitzer.

Das Comeback  

Während seiner Entwicklungspause widmete sich Hein(tje) vorwiegend seinen Pferden und dem Reitsport. Im Sommer 1973 nahm er sogar einige Trainingsstunden bei dem bekannten deutschen Springreiter Alwin Schockemöhle.

Daneben „bastelte“ er zusammen mit seinem Manager Addy Kleijngeld und seinem Produzenten Wolfgang Roloff an seiner zweiten Karriere als Sänger.

Im Frühjahr 1973 begab er sich auf eine Tournee nach Indonesien, die für den nun fast erwachsenen Sänger zu einem umjubelten Erfolg wurde. Die Konzertreise diente quasi als Test, wie seine nun gereifte Stimme von den Fans wohl angenommen würde. Die Tournee durch Indonesien wurde ein triumphaler Erfolg für den nun fast erwachsenen Sänger. Allein zum Konzert im Fußballstadion von Djakarta kamen 20.000 Menschen! Schon bei seiner Ankunft am Flughafen wurde er von einer begeisterten Menge empfangen: „Ich war fast 18, noch kein Mann und auch kein Kind mehr. Um zu testen, welche Chancen ich als halb Erwachsener beim Publikum habe, machten wir eine Tournee durch Indonesien. Zwar wusste ich, dass ich dort nicht ganz unbekannt war. Aber mit einem solchen Empfang hatte ich niemals gerechnet. Auf dem Flughafen von Djakarta waren schon Tausende von Menschen versammelt. Im offenen Wagen wurde ich durch die Stadt gefahren, überall waren Transparente gespannt, überall jubelten die Menschen. Ich schaute mich immer um, ob nicht doch irgendein ‚hohes Tier’ gemeint wäre. Aber nein, der ganze Trubel galt mir allein. Es wurde sogar ein ganzes Hotel für uns angemietet, das aber Tag und Nacht von Fans umlagert war. Ich musste über den Balkon klettern, wenn ich zum Auftritt wollte.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 7. Folge, 24.05.1979)

Der Erfolg seiner Auftritte im fernen Osten bestärkte den jungen Sänger, im Herbst des Jahres 1973 unter dem Namen Heintje Simons ein Comeback zu wagen.

Und wieder war es Peter Alexander, der dem erwachsenen Sänger im Dezember 1973 in seinem vorweihnachtlichen Wunschkonzert den Weg für sein Comeback ebnete. Das Lied, mit dem sich Heintje Simons damals in der Peter-Alexander-Show präsentierte, hieß „Ich denk an dich“. Es handelte sich dabei um die deutsche Version des altirischen Volksliedes „Londonderry Air“, auch bekannt als „Danny Boy“. „Ich denk an dich“ war auch der Titel seiner ersten Langspielplatte als erwachsener Sänger. Bereits ein Jahr darauf erschien seine LP „Junger Mann mit 19“. Beide Alben waren sehr ansprechend gelungen; die Texte waren dem Alter entsprechend, und die eher volkstümlich angelegten Melodien passten durchweg sehr gut zu der schönen, jetzt baritonal gefärbten  Stimme des jungen Sängers, die eine gewisse Tendenz zum Tenor erkennen ließ.

Die zweite Karriere des Hein(tje) Simons

Trotz seiner immer noch sehr schönen Stimme wurde es in den folgenden Jahren für Hein Simons immer schwieriger, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Von der LP „Ich denk an dich“ wurden rund 280.000 Exemplare verkauft – was ja im Grunde schon eine ganz beachtliche Zahl ist. Doch leider wurde dieses Ergebnis immer wieder an Heintjes früheren Erfolgen und den 60 Millionen verkauften Tonträgern seiner Zeit als Kinderstar gemessen und nur noch als mäßiger Erfolg gewertet – eine Erwartungshaltung, die dem gerade erwachsenen Sänger gegenüber nicht gerade fair war. Vermutlich war das nachlassende Interesse aber auch eine Folge der zunehmenden anglo-amerikanischen Einflüsse auf dem deutschen Schlagermarkt.

Hein Simons selbst sagte dazu einmal in seiner bodenständigen Art: „Vielleicht haben wir damals den Fehler gemacht, nur einen halben Schritt zu machen und nicht einen ganzen. Vielleicht hatte ich zu spät aufgehört und zu früh wieder angefangen. Vielleicht waren die Lieder falsch ausgewählt. Vielleicht und noch mal vielleicht. Erfolg lässt sich nicht programmieren und auch nicht manipulieren. Was wohl auch ganz gut ist. Die Krise jedenfalls, von der ich geglaubt hatte, sie überwunden zu haben, begann jetzt erst. Im Fernsehen bekam ich nicht einen einzigen Auftritt mehr. Von meiner Plattenfirma kam auch keine Unterstützung. Dabei hatte ich gerade von denen noch Sätze im Ohr wie: ‚Wir sind doch alle eine große Familie.’ Nur, als ich sie brauchte, war keiner da. Auch keiner von den sogenannten Freunden, die zu meiner erfolgreichen Zeit immer so zahlreich zur Stelle waren.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 7. Folge, 24.05.1979)

Für mich war es nie ganz nachvollziehbar, warum Hein Simons als erwachsener Sänger lange Zeit nicht so richtig wahrgenommen wurde und es im Showgeschäft so schwer hatte. Denn schließlich hatte er nicht nur eine tolle Stimme, sondern sah auch noch attraktiv aus! Da hatte man bisweilen den Eindruck, dass die Leute nicht nur auf ihren Ohren, sondern auch auf ihren Augen sitzen!

Höhen und Tiefen

Im März 1974 musste der junge Sänger einen schweren Rückschlag verkraften: Auf Einladung von Radio Luxemburg sollte er in der Dortmunder Westfalenhalle auftreten. Doch dann bekam er eine starke Erkältung, und schnell wurde klar, dass er in diesem Zustand an diesem Abend nicht singen konnte. Moderator Frank Elstner erklärte dies auch dem Publikum und wollte den damals 18-jährigen Heintje wenigstens kurz vorstellen. Der wohlwollende, spontane Applaus des Publikums überwältigte den sensiblen Künstler derart, dass er seine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Hein Simons äußerte sich einmal selbst zu diesem Erlebnis, das damals leider auch negative Schlagzeilen auslöste: „Ich erinnere mich noch gut an eine Löwen-Verleihung. Radio Luxemburg hatte mich eingeladen, im Rahmenprogramm in der Dortmunder Westfalenhalle aufzutreten. Ausgerechnet da bekam ich eine schwere Erkältung. Ich konnte nur krächzen, so heiser war ich. Dass damit der Auftritt ins Wasser fiel, war klar. Frank Elstner holte mich trotzdem auf die Bühne, um mich wenigstens dem Publikum vorzustellen. Zehntausend Menschen klatschten und trampelten mit den Füßen. Aber ich konnte nicht für sie singen. Ich konnte mich auch nicht beherrschen und habe geweint. Doch man darf seine Gefühle wohl nicht zeigen. Angeblich hatte jeder Verständnis, aber am nächsten Tag lauteten die Schlagzeilen: „Heintje versagte die Stimme – Das Goldkehlchen ist verstummt.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 7. Folge, 24.05.1979)

Dies ist leider ein trauriges, aber auch typisches Beispiel dafür, wie in der Presse Tatsachen verdreht werden und Gerüchte entstehen! Die Bretter, die die Welt bedeuten, haben eben auch ihre Schattenseiten, wie wohl jeder Sänger schon erfahren hat.

Damals, als die Schlagerbranche Hein Simons allmählich fallen ließ, machte der junge Sänger aus der Not eine Tugend und trat vermehrt in Volksmusiksendungen auf. Im Herbst 1974 ging er zusammen mit den „Lustigen Musikanten“ (benannt nach der gleichnamigen Radiosendung im Deutschlandfunk) auf Tournee. Diese Konzertreise verlief für den jungen Sänger – allen Unkenrufen zum Trotz – recht erfolgreich und führte ihn auch in den ostwestfälischen Ort Kaunitz, wo die Autorin dieses Artikels erstmals das Glück hatte, ihn live auf der Bühne zu erleben.

Im Frühjahr 1975 folgte eine Tournee durch Südafrika. Auf dieser Konzertreise trug Hein Simons Lieder in mehreren Sprachen vor (Englisch, Deutsch, Holländisch und Afrikaans). Aus diesem Anlass erschienen im selben Jahr auch zwei Alben in Afrikaans.

Auf einer Deutschland-Tournee mit Fredy Brock im Jahre 1976 zeigte Hein Simons noch eine weitere Seite seines künstlerischen Talents: Mit gelungenen Parodien bekannter Sänger-Kollegen wie Peter Alexander, Udo Jürgens, Karel Gott, Roy Black und Rudi Carrell konnte er nicht nur als Sänger, sondern auch als Entertainer überzeugen.

Dann musste der junge Sänger erneut einen schweren Schlag verkraften: Heintjes Manager Addy Kleijngeld starb im Dezember 1977 mit nur 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Sein viel zu früher Tod traf Hein Simons in einer wichtigen Phase seiner Karriere als erwachsener Sänger. Nun war er quasi auf sich allein gestellt und musste sich neu orientieren.

In den späten 70er Jahren trat Hein Simons vermehrt auf Kaffeefahrten auf. Diese Auftritte fanden vorwiegend auf seinem Reiterhof, aber auch im norddeutschen Raum statt, wo ich selbst ihn 1977 zweimal erleben konnte (in Schneverdingen und Fallingbostel).

1978 war Hein Simons zu Gast in der Fernsehshow „Glück und Glas“. Hans Hubberten hatte ihn eingeladen, in der von ihm produzierten Show seine Parodien zum Besten zu geben. Im selben Jahr gelangte Hein Simons mit seinem Titel „Und das alles nur, weil wir uns lieben“ sogar in die Hitparade von Dieter Thomas Heck. Im Juni 1979 hatte Hein Simons erneut zwei größere Fernsehauftritte: in der Galasendung der Fernsehlotterie und in Gisela Schlüters „Zwischenmahlzeit“, wo er zusammen mit Andrea Jürgens im Duett sang.

In den Jahren 1979 – 1980 war Hein Simons auch als Rundfunk-Moderator tätig: Beim holländischen Sender Hilversum 3 präsentierte er regelmäßig montags seine Sendung „Showparade“. Dazu lud er auch Studiogäste ein und machte Interviews mit anderen Künstlern. Hein Simons über sein Interview mit Udo Jürgens: „Mein erster Partner war Udo Jürgens. Wir trafen uns in Wien bei einer Gala. Ausgerüstet mit meinem Tonband ging ich auf ihn zu und bat ihn um ein Interview. Erst dachte Udo, ich wollte ihn auf den Arm nehmen. Schließlich ist es ja sehr ungewöhnlich, wenn ein Sänger den anderen interviewt. Doch dann haben wir ein hervorragendes Gespräch über Musik im Besonderen und im Allgemeinen geführt.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 8. Folge, 31.05.1979)

Auf seiner LP „Ich habe Freunde“ aus dem Jahre 1979 erschienen erstmals auch zwei von ihm selbst komponierte Titel: „So schön könnt’s immer sein“ und „Mädchen“. Auch in den folgenden Jahren brachte der erwachsene Hein Simons unermüdlich neue Schallplatten-Produktionen heraus, komponierte sogar selbst Songs und tingelte durch größere und kleinere Städte. – 1980 begab er sich noch einmal über den großen Teich: Bei seinen Konzerten in Kanada und Amerika wurde er vom Publikum begeistert aufgenommen.

Umbrüche in der Schlagerbranche

Später (etwa Mitte der 80er Jahre) hatte ich den Sänger Hein Simons ein bisschen aus den Augen verloren. Dies lag zum einen daran, dass ich selbst als Musikerin und Sängerin vorwiegend „klassisch“ unterwegs war. Zum anderen war es aber auch eine Reaktion auf die allgemeine Entwicklung in der Schlagerbranche, die leider auch an einem Sänger wie Hein Simons nicht ganz spurlos vorbeiging: Etwa seit dem Ende der 70er bzw. Anfang der 80er Jahre wurde der deutsche Schlager allmählich immer mehr „technisch“ – eine Entwicklung, die wohl zum großen Teil angloamerikanischen Einflüssen geschuldet war und letztlich auch zur Folge hatte, dass viele Musiker arbeitslos wurden. Es schien fast so, als hätte der Begriff „Schlager“ durch die technischen Entwicklungen eine ganz neue Bedeutung erhalten: Statt des angenehmen Klangs der einst so erfolgreichen Unterhaltungsorchester wurde man von nun an durch einen synthetischen, ziemlich gleichförmigen Sound beinahe „erschlagen“! Die früheren Orchesterinstrumente wurden ersetzt durch einen technischen, weitgehend undifferenzierten „Sound“, welcher die Gesangsstimme immer mehr zudeckte.

Man gewinnt fast den Eindruck, als hätten diese technischen Entwicklungen auch zu einem Niedergang der Gesangskultur in der U-Musik beigetragen. Es scheint beinahe so, als ob in einem solchen Umfeld auf gutes Singen überhaupt kein Wert mehr gelegt wird. Schöne, lyrische Stimmen (wie auch jene von Hein Simons) können durch diese Entwicklung leicht ins Hintertreffen geraten. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum der erwachsene Sänger im Showbusiness längere Zeit nicht gebührend wahrgenommen wurde.

Für mich als klassische Sängerin, Musikerin und Freundin gepflegter Unterhaltungsmusik bekam die Bezeichnung „Schlager“ durch den neuen Trend in Richtung einer künstlichen „Plastik-Musik“ immer mehr einen faden Beigeschmack. Dies war auch der Grund, warum ich in den 80er Jahren allmählich das Interesse an dieser Musikgattung verlor – was leider auch zur Folge hatte, dass mir in den folgenden Jahren einige gute Auftritte von Hein Simons entgangen sind!

Neue Erfolge nach der Wende

Die volkstümliche Musik gehört zu jenen Nischen, die dem erfahrenen Sänger mit der lyrischen, gut geführten Naturstimme sehr entgegenkommen. In den 1990er Jahren trat Hein Simons wieder häufig in Volksmusiksendungen auf und erreichte so abermals eine große Fan-Gemeinde. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs eröffneten sich dem längst erwachsenen Sänger und dreifachen Familienvater ungeahnt neue Perspektiven: In der ehemaligen DDR wurden seine Schallplatten ein Renner. Nun konnte er auch in den neuen Bundesländern an seine großen Erfolge anknüpfen.

Seit Mitte der 90er Jahre komponiert und produziert Hein Simons seine Titel vorwiegend selbst. Viele der Liedtexte stammen von Ingrid Reith, die auch einige Jahre lang seine Managerin war. Immer wieder zieht es ihn auf die Bühne – jene Bretter, die die Welt bedeuten. Bei seinen Live-Auftritten versteht es der Sänger immer wieder, sein Publikum zu begeistern und mitzureißen – mittlerweile sogar generationenübergreifend.

Zu den herausragenden Auftritten von Hein Simons gehörte beispielsweise sein Vortrag des Liedes „Hast du dort oben“ in der Fernsehsendung „Showpalast“ mit Dieter Thomas Heck am 5. November 2000. In diesem Titel (der ein wenig an das Wolgalied aus dem „Zarewitsch“ erinnert) kommt sein schönes Timbre meines Erachtens besonders gut zum Ausdruck – vor allem in der etwas höheren Baritonlage.

Ohnehin war ich schon immer der Meinung, dass eine schöne Stimme wie die von Hein Simons zu schade ist, um sich einzig und allein auf das Genre Schlager zu beschränken – auch wenn der deutsche Schlager zurzeit wieder Hochkonjunktur hat! Obwohl Hein Simons keine klassische Gesangsausbildung absolviert hat, wäre ein gelegentlicher „Ausflug“ ins klassisch-romantische Fach sicher ein interessantes und lohnendes Abenteuer – nicht nur für den Sänger, sondern auch für seine zahlreichen Fans! Den besten Beweis für diese These lieferte Hein Simons selbst schon vor einigen Jahren, als er mit seiner Interpretation des Wiegenliedes von Johannes Brahms („Guten Abend, gut‘ Nacht“) bei seinen Zuhörern für Gänsehaut-Momente sorgte! Auch ein Weihnachtskonzert in klassischer Orchesterbesetzung mit Streichern und Bläsern würde sicherlich beiden Seiten – sowohl ihm selbst als auch seinem Publikum – viel Freude bereiten und wäre mal eine schöne Abwechslung im Schlager-Alltag.

Jedes Jahr im August veranstaltet der Sänger auf seinem Reiterhof das sogenannte „Gut Schimper Fest“ – eine Art Hoffest, einen Tag der offenen Tür unter dem Motto „Show trifft Reitsport“. Das lassen sich Pferdefreunde und vor allem seine zahlreichen Fans natürlich nicht nehmen: Aus allen Teilen Deutschlands und der Niederlande reisen sie an, um ihren Lieblingssänger hautnah zu erleben. Auch die Mitglieder des Internationalen Hein Simons Fanclubs folgen immer wieder gern der Einladung und nutzen die Gelegenheit, ihren Hein(tje) persönlich zu treffen.

Hein Simons, der Familienmensch

Trotz seiner Erfolge ist Hein Simons stets bescheiden und bodenständig geblieben. Nach eigener Aussage ist er ein richtiger Familienmensch.

Am 11. Dezember 1981 heiratete Hein Simons die Kosmetikerin Doris Uhl aus Aachen. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Pascal Hendrik Georg (*1982), Gina Silvana (*1989) und Hendrik (*1992). Der Familienvater hat stets Wert darauf gelegt, dass seine Kinder ganz normal aufwachsen konnten.

Was das Singen angeht, sind seine Kinder nicht in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters getreten – bis auf eine Ausnahme im April 1998: In der Show „Das Frühlingsfest der Volksmusik“ sang Hein Simons erstmals mit seiner Tochter Gina im Duett („Ein bisschen Sonnenschein“).

Hein Simons’ Kinder sind ebenfalls begeisterte Reiter, der jüngste Sohn Hendrik arbeitet sogar als Hufschmied. Der älteste Sohn Pascal ist Bauschlosser und Kfz-Mechaniker, Tochter Gina ist gelernte Bankkauffrau.

Leider ist die Ehe des Familienmenschen Hein Simons doch nicht so glücklich verlaufen, wie er sich das erhofft hatte: Im Jahre 2014 – nach 33 Ehejahren! – trennte sich Ehefrau Doris von Hein Simons (angeblich wegen eines anderen Mannes). Auf die Frage, was denn wohl seine größte Niederlage gewesen sei, antwortete der inzwischen 62-Jährige kürzlich in einem Interview mit dem Radiosender B2: „Vielleicht das Scheitern meiner Ehe.“ Bis zu seiner Scheidung 2014 wohnte Hein Simons gemeinsam mit seiner Frau und seinen drei Kindern auf Gut Schimper. Nach wie vor wohnen der Sänger und seine beiden Söhne nebst Anhang auf dem Gut, Tochter Gina wohnt mit ihrer Familie im Nachbarort.

Im Sommer 2015 – pünktlich zu seinem 60. Geburtstag – ist Hein Simons Opa geworden und wird schon sehr bald dreifacher Großvater sein: Zu seinen beiden Enkelkindern Romy (von Tochter Gina) und Collin (von Sohn Hendrik) wird sich bald ein drittes gesellen, denn voraussichtlich im Februar 2018 wird seine Tochter Gina ihr zweites Kind zur Welt bringen.

Zwangspause durch gesundheitliche Probleme

In den vergangenen Jahrzehnten meinte es das Schicksal offenbar nicht immer so gut mit Hein Simons. Zunächst musste der einst begeisterte Fußballer wegen eines Kreuzbandrisses das Fußballspielen (sein zweites großes Hobby neben dem Reiten) aufgeben. Vor einigen Jahren erkrankte Hein Simons an einer Lungenembolie, die sein Leben ernsthaft gefährdete, von der er sich aber Gott sei dank inzwischen gut erholt hat.

Vor einiger Zeit zwangen ihn gesundheitliche Probleme erneut zu einer längeren Bühnenabstinenz: Infolge einer chronischen Herzschwäche und schwerer Herzrhythmusstörungen musste sich Hein Simons einer Herzoperation unterziehen; dabei wurde ihm ein Defibrillator eingesetzt. Gott sei dank ist der Eingriff gut verlaufen, und der Sänger hat sich inzwischen soweit erholt, dass er wieder Auftritte absolvieren und sogar auf Tournee gehen kann. Er kann das Singen einfach nicht lassen – und das ist auch gut so!

Die runden Geburtstage 2005 und 2015

Anlässlich des 50. Geburtstages von Hein Simons am 12. August 2005 entstand das Album „Ich sag’ Danke“, das bei den Fans viel Beachtung fand. Eine besondere Rarität ist die im Jahre 2006 gemeinsam mit dem damals 102-jährigen Johannes Heesters aufgenommene CD mit den beiden Nummern „Plaisir d’amour“ und „Bunte Tulpen“. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Hein Simons 51 Jahre und damit gerade einmal halb so alt wie sein holländischer Landsmann. (Die beiden Titel sind auch auf der CD „Männer sind einfach zu gut“ erschienen.)

Im Jahre 2014 veröffentlichte Hein Simons unter dem Titel „Thuis“ (Zu Haus) nach vielen Jahren wieder ein Album in holländischer Sprache, das von seinen Landsleuten begeistert aufgenommen wurde. So wurden auch seine beiden Konzerte im ausverkauften Antwerpener Sportpalast zu einem triumphalen Erfolg für den Sänger. Anlässlich seines 60. Geburtstages erschien im September 2015 seine CD „Vertrau auf dein Herz“.

Das Jubiläumsjahr 2017

Zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum haben Hein und seine Produzenten sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Auf seiner neuen CD „Heintje und ich“ singt der erwachsene Hein Simons mit dem Kinderstar Heintje im Duett! – Eine Weltsensation, denn es ist das erste Mal, dass ein Sänger mit sich selbst – mit seinem jüngeren Ich – im Duett singt. Die moderne Technik macht dies möglich.

Produzent Christian Geller über das aufwändige Verfahren: Da die vierspurigen Tonbänder mit den alten Aufnahmen im Laufe der Zeit verkleben, mussten sie zunächst in einem speziellen Backofen aufbereitet werden. Danach konnten die Bänder nur ein einziges Mal abgespielt werden. Dieses aufwändige Verfahren birgt natürlich auch das Risiko einer Zerstörung der alten Tonbänder. Um für die Nachwelt erhalten zu bleiben, mussten die Aufnahmen gleich während des ersten Abspielens digitalisiert werden. Die Spuren mit dem ursprünglichen Orchester und Chor wurden im Zuge der Neueinspielung durch einen neuen Orchestersound ersetzt. Dazu wurde die Stimme des erwachsenen Hein Simons im Studio neu eingespielt. Die Texte wurden von Textdichter Tobias Reitz neu bearbeitet und so adaptiert, dass sie den Inhalt aus der Sicht des erwachsenen Sängers wiedergeben.

Die Arrangements sind sehr gut gelungen, und Hein Simons’ angenehmes Timbre kommt bei diesen „Oldies“ sehr gut zur Geltung. Es lohnt sich, beim Anhören dieser CD/DVD auch mal ganz bewusst auf die Stimme des erwachsenen Hein Simons zu hören – ganz besonders, wenn der musikalische Sänger mit seinem jetzt baritonalen Timbre die zweite Stimme zu dem jungen Heintje singt, zum Beispiel in „Ich sing ein Lied für dich“ oder im Bonus-Track „Mein schönstes Lied! Hier singt der erwachsene Hein Simons quasi die „Oberstimme“, jedoch nach unten oktaviert in der Baritonlage, also in der Untersext bzw. Unterterz zur Melodie! Es handelt sich also um eine Rarität, die im Schallplattenarchiv eines echten Heintje-Fans nicht fehlen sollte!

Rechtzeitig zum Jubiläum ist im Giger Verlag am 15. November auch das Buch „Ich war Heintje“ von Jan Adriaan Zwarteween erschienen. Man erfährt darin auch viele interessante Details, die sich damals hinter den Kulissen abgespielt haben. Das Buch ist daher ein Muss für jeden Heintje-/Hein Simons-Fan!

Vom 1. bis 30. Dezember 2017 geht Hein Simons zusammen mit Maximilian Arland und Fernando Express auf eine Weihnachtstournee, die ihn in verschiedene Städte der neuen Bundesländer führt.

Gute Wünsche zum 50-jährigen Jubiläum

Nach sage und schreibe 50 Jahren im Showgeschäft kann man Hein Simons mit Recht als „Urgestein“ der deutschen Unterhaltungsmusik bezeichnen. Nach all den großen Erfolgen, aber auch Rückschlägen, die Hein Simons in letzter Zeit durchlebt hat, bleibt mir als Autorin dieses Artikels nur noch, dem Sänger alles Gute zum 50-jährigen Jubiläum und viel Erfolg für die Weihnachtstournee zu wünschen.

Möge der sympathische Sänger, der trotz seiner Erfolge stets bodenständig und bescheiden geblieben ist, noch viele Jahre seine Fans mit seinen Liedern erfreuen! Und möge es nun zum Jubiläum auch gesundheitlich und privat wieder aufwärts gehen!

Sylvia Kreye, Wien

Hier geht’s zum Teil 1:

Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum | Teil 1: Vom Lausbub zum Kinderstar

Neuerscheinungen zum 50-jährigen Jubiläum

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

http://telamo.click/Hein_Simons_Heintje_und_ichFA

Das Buch „Ich war Heintje“ ist ebenfalls im Handel, über Shop24Direct oder amazon zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/ich-war-heintje-2020380

https://www.amazon.de/Ich-war-HEINTJE-Kinderstar-unvergesslichsten/dp/3906872416

Karten für die Weihnachtstournee sind bei Eventim erhältlich:

http://www.eventim.de/Tickets.html?affiliate=EVE&doc=artistPages%2Ftickets&fun=artist&action=tickets&erid=1932428&includeOnlybookable=true&xtmc=hein_simons&xtnp=1&xtcr=1

Diskographie

1967 Dit is Heintje
1968 Heintje
1969 Ich sing’ ein Lied für Dich
auch bekannt als: Liebe Sonne, lach doch wieder
1970 Dein schönster Tag
auch bekannt als: Ein Strauß voll bunter Blumen
Herzlichst Heintje
1971 Wenn wir alle Sonntagskinder wär’n
1973 Ich denk’ an dich
auch bekannt als: Ik denk aan jou (Niederländische Version)
1974 Junger Mann mit 19
1975 Suid-Afrika, Jou Hart Is Weer Myne
Heintje sing van liefde en verlange
1978 Ich habe Freunde
1989 Herzensmelodie
1992 Ich hab’ so lange gesucht nach dir
1994 Die Heimat darfst du nie vergessen
1996 Mein zweites Leben
1998 Ich schenk’ dir meine Liebe
1999 Noch einmal mit Gefühl
2001 Heute und ein bisschen gestern
2002 Rück ein Stückchen näher
2003 Von Herz zu Herz
2004 Frauen sind was Wunderbares
2005 Ich sag’ Danke
2006 Männer sind einfach zu gut
2008 Träum’ mit mir
2009 Alles halb so schlimm
2011 Leb deinen Traum
2014 Thuis
2015 Vertrau auf dein Herz
2017 Heintje und Ich

Quellen

  • Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje – vom Lausbub zum Star. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1969, 54321 (Bestell-Nr. 6961), 1969.
  • Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje und sein großer Freund Peter Alexander. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1970, 54321 (Bestell-Nr. 8488).
  • Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje: Alle meine Tiere. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1971.
  • Hans-Joachim Eberwein: Heintje. Lizenzausgabe für die Neue Schweizer Bibliothek, Sonderdruck der BUNTEN ILLUSTRIERTEN, Hrsg. Dr. Franz Burda, Burda Druck und Verlag, Offenburg/Baden 1971.
  • „Heintje – Jetzt rede ich“, Serie in 8 Teilen, aufgezeichnet von Heidemarie Lammert, „Frau mit Herz“, 12.04.-31.05.1979
  • Wikipedia, Heintje: https://de.wikipedia.org/wiki/Heintje
  • Internationaler Hein Simons Fanclub, Biographie: http://www.heinsimons.com/html/biography.html
  • Jan Adriaan Zwarteveen: Ich war Heintje – Zum 50-jährigen Jubiläum, aus dem Niederländischen übersetzt von Willy und Silvia Bemer, Giger Verlag, CH-Altendorf, 1. Auflage 2017
  • Heintje und Ich – das TV Spezial 2017, Deutsches Musikfernsehen, Interview mit Hein Simons und Michael Niekammer, auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=S55A_twlfEA

Bildquellen

Teil 1: Coverfoto der CD „Heintje und Ich“ und des Buches „Ich war Heintje“. © Norbert Unfried / German Popp. Mit freundlicher Genehmigung der Telamo GmbH, München.

Teil 2: Pressefoto Hein Simons (20170517 Telamo45653) Fotocredit: German Popp. Mit freundlicher Genehmigung der Telamo GmbH, München.

Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum | Teil 1: Vom Lausbub zum Kinderstar

 Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum


Teil 1: Vom Lausbub zum Kinderstar

Hein Simons alias „Heintje“ feiert sein 50-jähriges Jubiläum. Auf seiner neuen CD „Heintje und Ich“ singt er erstmals im Duett mit seinem jüngeren Ich – eine Weltsensation. Zu seinem 50-jährigen Jubiläum ist soeben auch ein Buch mit dem Titel „Ich war Heintje“ erschienen. Mit einer Weihnachtstournee meldet sich der sympathische, mittlerweile 62-jährige Holländer bei seinen Fans zurück.

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

Das Buch „Ich war Heintje“ ist im Giger Verlag, Schweiz, erschienen und ebenfalls im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/ich-war-heintje-2020380

50 Jahre Hein(tje) Simons

Wie schnell die Zeit vergeht! Am 12. August 2015 konnte Hein Simons alias „Heintje“, der vielen von uns noch als Kinderstar und kleiner Lausbub mit großer Stimme in Erinnerung ist, seinen 60. Geburtstag vollenden. Das ist nun schon wieder mehr als zwei Jahre her!

In diesem Jahr gibt es wieder einen Grund zum Feiern: das 50-jährige Jubiläum von Hein(tje) Simons! Bereits am 25. November vor 50 Jahren kam Heintjes erste Single „Mama“ heraus. Und am 21. Dezember, genau vor 50 Jahren, hatte der 12-jährige Heintje seinen ersten Fernsehauftritt in Vico Torrianis Show „Der Goldene Schuss“. Er sang „Mama“, sein Auftritt dauerte nur 55 Sekunden – 55 Sekunden, die alles entscheiden sollten und den Kinderstar über Nacht berühmt machten!

Obwohl sich Lingua & Musica in erster Linie mit klassischer Musik und Oper befasst, habe ich mich als Autorin entschlossen, das 50-jährige Jubiläum von Hein Simons zum Anlass zu nehmen und dem Sänger einen ausführlichen Artikel zu widmen – hat er doch meine Generation und die Popularmusik der 60er und 70er Jahre wesentlich mitbestimmt.

Ein 50-jähriges Jubiläum ist – gerade in unserer schnelllebigen Zeit – ein besonderes Ereignis, das nur wenigen Künstlern zuteil wird. Immerhin hat der einstige Kinderstar mit seiner Musik nicht nur meine Jugend entscheidend geprägt, sondern auch damals schon mein Interesse am Gesang geweckt. Lang, lang ist’s her! Damals – noch lange bevor ich meine Liebe zur Oper und zur klassischen Musik entdeckte – da hatte der kleine Junge mit der großen Stimme aus Holland auch mein Herz im Sturm erobert!

Wir erinnern uns…

Es war in den wilden 60ern und frühen 70ern: Ich war fast im Teenager-Alter, als die Studentenunruhen das bürgerliche Deutschland in Aufruhr versetzten, als die berüchtigte Baader-Meinhof-Bande (die spätere RAF) mit ihren Anschlägen Angst und Schrecken verbreitete.

Zu jener Zeit stürmten die Beatles gerade die Hitlisten und sorgten für Aufregung in den biederen deutschen Familien. Während die echten „68er“ auf die Beatles und die Rolling Stones geradezu „abfuhren“, wurde ich auf einen holländischen Jungen aufmerksam, der gerade einmal vier Jahre älter war als ich und mit glockenheller, klarer und kräftiger Stimme Lieder sang, die einfach zu Herzen gingen: „Mama“, „Zwei kleine Sterne“, „Du sollst nicht weinen“, „Ich bau dir ein Schloss“. Nicht zu vergessen das berühmte „Mamatschi, schenke mir ein Pferdchen“, das mich als Pferdefreundin schon damals sehr angerührt hat.

Der Kinderstar Heintje, der sich binnen kurzer Zeit in die Herzen von Millionen sang, verstand es nicht nur, die Mamas und Omas zu Tränen zu rühren, sondern auch einem kleinen Mädchen wie mir gehörig den Kopf zu verdrehen! Künstler wie Peter Alexander und Udo Jürgens bewunderte ich, aber Heintje verehrte ich, für ihn schwärmte ich – und das viele Jahre lang! Später (etwa Mitte der 80er Jahre) hatte ich diesen Künstler ein wenig aus den Augen verloren. Doch jetzt, zum 50-jährigen Bühnenjubiläum des Hein(tje) Simons, werden diese Ereignisse plötzlich wieder lebendig. Als ich im Zuge meiner Recherchen für diesen Artikel das beinahe schon vergessene Heintje-Archiv wieder hervorkramte, wurden die alten Erinnerungen wieder geweckt, als wenn das alles erst gestern gewesen wäre! Doch wenden wir uns zunächst seiner Biographie zu.

Caruso und Robertino als Vorbilder

Heintje wurde am 12. August 1955 unter dem bürgerlichen Namen Hendrik Nikolaas Theodoor Simons im holländischen Heerlen geboren. Sein Vater Heinrich war Bergmann und wurde wegen einer Staublunge schon sehr früh pensioniert. Damit die Familie einigermaßen über die Runden kam, eröffnete Heintjes Mutter Johanna eine kleine Gastwirtschaft in Bleijerheide bei Kerkrade: die „Hanny-Bar“. In dieser Bar gab es eine Jukebox, die neben den gängigen Schlagern auch Aufnahmen von den großen Tenören spielte. Besonders Caruso und der italienische Kinderstar Robertino Loreti haben es dem kleinen Heintje angetan. Er sang die Lieder von Robertino nach und konnte „Mamma“ (italienische Version) und „O sole mio“ innerhalb kurzer Zeit auswendig. Schon bald wurden die Gäste auf die Stimme des kleinen Holländers aufmerksam, und Heintje verdiente sich seine erste „Gage“ – in Form von Schokolade!

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Heintje damals – ebenso wie der spanische Tenor José Carreras – durch den Film „Der große Caruso“ dazu inspiriert wurde, Sänger zu werden. Der Film mit Mario Lanza in der Hauptrolle muss seinerzeit eingeschlagen haben wie eine Bombe und hatte offenbar gerade für junge Sänger eine unglaublich starke Wirkung. Heintje war von dem Film über das Leben Carusos tief beeindruckt: „Ich war elf Jahre alt, als ich zum ersten Mal einen Film über ihn sah. Als ich aus dem Kino herauskam, wusste ich: so wie Caruso, so wollte ich werden. So schön singen können, so großen Erfolg haben, überall so gefeiert werden. Nachts in meinen Träumen sah ich das ständig vor mir und durchlebte es regelrecht.“ (Zitat von Heintje aus der Serie: Jetzt rede ich! 3. Folge, Frau mit Herz, 26.04.1979)

Eine Stimme, die zu großen Hoffnungen berechtigt

Heintje sang damals nicht nur in der elterlichen Gaststätte, der Hanny-Bar, sondern ab und zu auch in der Nachbar-Gaststätte eines Bekannten namens Jo Austen: „Mit elf Jahren hab ich sogar schon getingelt. In die Nachbar-Gaststätte von Jo Austen. Jo war es auch, der zu mir sagte: ‚Heintje, du hast eine tolle Stimme. Geh doch mal zum Professor Kukelkorn.’ Das war der Chorleiter von den ‚Maastricher Stars’, einem ganz bekannten Kinderchor. Doch als meine Eltern mit mir hinfuhren, war der Professor gar nicht so begeistert. Er meinte, ich sollte erstmal Gesangsunterricht nehmen. Da war ich vielleicht unglücklich! Aber meine Mutter tröstete mich und meinte: ‚Dann gehst du eben mal zum Talentwettbewerb.’ Und schon strahlte ich wieder, denn ich habe wirklich gern gesungen.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 2. Folge, 19.04.1979)

Es ist nur allzu verständlich, dass die Reaktion des Chorleiters den jungen Sänger zunächst entmutigt hatte. Als ausgebildete Sängerin bringt es mich auf die Palme, wenn ich lese, wie engstirnig und ablehnend einige Gesangsprofessoren doch sein können und welche Konsequenzen es für einen jungen Sänger haben kann, wenn durch den „Tunnelblick“ gewisser Lehrer (meist ohnehin keine richtigen Sänger) ein solches Talent nicht erkannt wird! Nun ja, Heintje hat trotzdem seine Karriere gemacht! Aber wie viele andere werden durch die Inkompetenz und das mangelnde Einfühlungsvermögen gewisser selbst ernannter „Experten“ kaputt gemacht?

Diese Geschichte mag auch erklären, warum der erwachsene Sänger Hein Simons nach seinem Stimmbruch von einer klassischen Gesangsausbildung Abstand nahm und es letztlich doch vorzog, der Schlagerbranche treu zu bleiben – was eigentlich sehr schade ist, wenn man bedenkt, dass selbst avancierte Opernsänger/innen ihm damals eine große Karriere voraussagten. Viele meinten sogar, er könne ein „zweiter Caruso“ werden. In den großen Fernsehshows der 70er Jahre sah man den Kinderstar immer wieder auch an der Seite von großen Opernsängern und Opernsängerinnen.

Wenn ich mich recht erinnere, war es die Sopranistin Erna Berger, die über den Kinderstar einmal sagte: „Heintje hat eine Stimme, die auch nach der Mutation noch zu großen Hoffnungen berechtigt“. Und keine Geringere als Anneliese Rothenberger war damals des Lobes voll: „Du bist also der kleine Junge, der so eine große Stimme hat!“ (Serie: Jetzt rede ich! 3. Folge, Frau mit Herz, 26.04.1979) 

Operettenkönig Robert Stolz sah bereits 1970 bei dem Kinderstar Heintje eine „Revolution ohne Stimmbruch“ voraus. Schon damals war Professor Robert Stolz der Meinung, Heintje habe seinen Stimmbruch bereits „übersungen“, und hörte ihn als zukünftigen Bariton. Anlässlich der Gala zu seinem 90. Geburtstag komponierte Robert Stolz sogar zwei Lieder für Heintje: „Mondlicht geht durch alle Bäume“ und „Bei uns zu Haus ist es schön.“

Im Juni 1971 war Heintje an der Seite des Tenors Rudolf Schock in der Fernsehshow „Wünsch dir was“ mit Vivi Bach und Dietmar Schönherr zu sehen. Ich erinnere mich noch gut an jenes Interview, das Heintje damals in dieser Fernsehshow gab: Als er nach seinen Zukunftsplänen gefragt wurde, antwortete der damals 15-Jährige, er könne es sich gut vorstellen, so wie Rudolf Schock nach dem Stimmbruch eine Laufbahn als klassischer Sänger einzuschlagen. Diese Aussage hatte mich schon damals als Kind sehr beeindruckt. Er schien genau zu wissen, was er wollte. Das passte ja auch zu dem Umfeld, das den holländischen Kinderstar geprägt hatte, als er in der Gaststätte seiner Eltern die Lieder der großen italienischen Tenöre wie Benjamino Gigli und Enrico Caruso schmetterte.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was wäre wohl aus dem ehemaligen Kinderstar Heintje geworden, wenn er damals nach dem Stimmwechsel einen wohlwollenden Mentor gefunden hätte, der es verstanden hätte, seine schöne, nach der Mutation baritonal gefärbte Stimme im Belcanto auszubilden?

Vermutlich wäre er ein lyrischer Bariton (mit einer erkennbaren Tendenz zum Tenor) geworden und hätte – wie seine großen Vorbilder – als Opern- oder Operettensänger Karriere machen können. Vielleicht wäre seine zweite Karriere mit einer klassisch ausgebildeten Stimme sogar noch erfolgreicher verlaufen als die erste. Wahrscheinlich hätten sich ihm dadurch ganz andere Möglichkeiten eröffnet. Jedenfalls war ich immer schon der Meinung, dass Hein Simons‘ warm timbrierte Baritonstimme eigentlich viel zu schön ist, um sich einzig und allein auf Schlager zu beschränken.

Natürlich ist es verständlich, dass Hein Simons sich nach dem Stimmwechsel wieder in der Branche etablieren wollte, die er ja schon in- und auswendig kannte. Dennoch ist es ein wenig schade, dass er die Option einer klassischen Gesangsausbildung (und somit die Chance, so etwas wie ein „zweiter Caruso“ – oder ein „zweiter Cappuccilli“ – zu werden) offensichtlich gar nicht mehr in Betracht gezogen hat.

Andererseits: Wer weiß schon, wie sich das alles entwickelt hätte. Leider gibt es ja auch viele schlechte Gesangslehrer. Und wie wohl jeder Sänger weiß, muss zwischen Sänger und Gesangslehrer immer auch die „Chemie“ stimmen. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, ist es oft besser, sich als Sänger auf seine Naturstimme und die eigene sängerische Intuition zu verlassen.

Große Schallplattenerfolge

Doch zurück zur Biographie: Wie bereits erwähnt, war es vor allem seine Mutter, die Heintje dazu ermutigt hatte, im Jahre 1966 an einem Talentwettbewerb im holländischen Schaesberg teilzunehmen. Dort sang er das Lied „Mamma“ (sogar auf Italienisch!) und gewann prompt den ersten Preis.

Daraufhin wurde Addy Kleijngeld, ein niederländischer Musiker und Produzent, auf ihn aufmerksam. Addy Kleijngeld wurde Heintjes Manager und komponierte auch die meisten Titel für ihn. Addy Kleijngeld, der unter dem Künstlernamen „Ronny“ bekannte Sänger und Produzent Wolfgang Roloff und der Textdichter Hans Hee bildeten damals jenes einzigartige Team, das Heintje während seiner gesamten Karriere beratend zur Seite stand. Nach eigenen Aussagen von Hein Simons ging es damals stets sehr familiär zu, und er wurde zu nichts gezwungen. Mit Addy Kleijngeld hatte er nicht einmal einen offiziellen Vertrag. Addy Kleijngeld sorgte jedoch seinerseits dafür, dass seinem Schützling stets faire Verträge angeboten wurden.

Am 14. August 1967 nahm Heintje seine erste Schallplatte auf Niederländisch auf: „Mama“ und „Ik vergeet je niet“ („Ich vergess dich nicht“, die holländische Version der neapolitanischen Kanzone „Non ti scordar di me“ von Ernesto de Curtis). An seine erste Plattenaufnahme im Bavohuis in der Sumatrastraat in Amsterdam kann sich Hein Simons noch gut erinnern: „Da sah ich zum ersten Mal in meinem Leben ein großes Orchester, eine Harfe, die Streicher, die Cellos, die Bläser und das Schlagzeug. Ich war ein bisschen verwirrt durch diesen Anblick. Hinter dem Technikpult saß Luc Ludolph, ein Ass in Sachen Ton. Er hatte seine eigene Apparatur im Bavohuis aufgestellt, weil er hier für verschiedene Plattenfirmen, so auch für CNR, Aufnahmen machte. Vor dem Orchester stand Addy Kleijngeld, dirigierte und gab Anweisungen. Ich fühlte mich wie eine kleine Maus in einem Käseladen und eigentlich auch etwas verloren.“ (Jan Adriaan Zwarteveen: Ich war Heintje, aus dem Niederländischen übersetzt von Willy und Silvia Bemer,  1. Auflage 2017, © Giger Verlag, CH-8852 Altendorf, S. 57-58)

1967 erschien die deutsche Version des Liedes „Mama“, zunächst als Single in Kombination mit „Zwei kleine Sterne“. Der Titel „Mama“ hielt sich fast ein ganzes Jahr lang in den Charts und war 1968 die meistverkaufte Single in Deutschland. Schon wenig später kam eine weitere Single heraus: „Du sollst nicht weinen“ (eine Neuinterpretation des mexikanischen Titels La Golondrina) und „Ich bau dir ein Schloss“.

In der steilen Karriere des Kinderstars Heintje folgte in den darauffolgenden Jahren ein Hit nach dem anderen: „Oma so lieb“, „Ich sing ein Lied für dich“, „Liebe Sonne, lach doch wieder“, „Eine kleine Abschiedsträne“, „Kleine Kinder, kleine Sorgen“, „Scheiden tut so weh“, „Der schönste Tag in deinem Leben“, „Geh deinen Weg“, „Schneeglöckchen im Februar“ und viele andere mehr. Auch die beiden Weihnachtsalben „Weihnachten mit Heintje“ und „Fröhliche Weihnacht überall“ waren ein großer Erfolg. Viele seiner Titel, ganz besonders sein berühmtes „Mama“, wurden zu Ohrwürmern, welche – ungeachtet der historischen und gesellschaftlichen Ereignisse – inzwischen ein halbes Jahrhundert überdauert haben!

Selbst die im Deutschland der Nachkriegszeit von vielen verschmähten und beinahe schon vergessenen deutschen Volkslieder wurden durch Heintje wieder populär: „Mamatschi“, „Heidschi Bumbeidschi“, „Guter Mond du gehst so stille“, „Die Blümelein, sie schlafen“, „Der Mond ist aufgegangen“, „Sah ein Knab ein Röslein steh’n“, „Letzte Rose in unserm Garten“ (eine Bearbeitung der gleichnamigen Arie aus der Oper „Martha“ von Friedrich von Flotow). Besonders in den besinnlichen Volksliedern beeindrucken seine klare Stimme, seine reine Intonation und schlichte Interpretation bis heute. Es ist daher mehr als verwunderlich, warum seine Einspielungen dieser schönen alten Volkslieder damals so lange in der Schublade liegen blieben und zunächst nur teilweise auf Schallplatten veröffentlicht wurden.

Erst im Jahre 2013 erschien im Rahmen der Sammlung „Heintje – Das Beste – 80 unvergessliche Erfolge“ eine zusätzliche CD mit 16 bis dahin unveröffentlichten Aufnahmen seiner schönsten Volkslieder, was selbst für mich als „alten“ Heintje-Fan eine wahre Überraschung war!

Neben den zahlreichen Schallplatteneinspielungen in deutscher Sprache gab es auch drei Alben in englischer Sprache, darunter „I’m Your Little Boy“ und „You Are The Best Of All“, zwei LPs in Afrikaans sowie einige Veröffentlichungen in holländischer Sprache. Für die englischen Produktionen erhielt Heintje ebenfalls goldene Schallplatten. Anlässlich seiner Fernsehauftritte in China hat der erwachsene Sänger Hein Simons sogar eines seiner alten Lieder („Kleine Kinder, kleine Sorgen“) in chinesischer Sprache (Mandarin) aufgenommen! In China wurde Heintje zunächst durch seine Filme bekannt. Erst daraufhin wurde das chinesische Publikum auch auf seine Lieder aufmerksam.

Die Kinofilme

Schon bald wurde auch das schauspielerische Talent des Kinderstars Heintje entdeckt. In den späten 60er und frühen 70er Jahren wirkte Heintje in sechs Kinofilmen mit:

1968: Zum Teufel mit der Penne (Die Lümmel von der ersten Bank 2. Teil)
1969: Heintje – Ein Herz geht auf Reisen
1969: Hurra, die Schule brennt (Die Lümmel von der ersten Bank 4. Teil)
1970: Heintje – Einmal wird die Sonne wieder scheinen
1970: Heintje – Mein bester Freund
1971: Morgen fällt die Schule aus (Die Lümmel von der ersten Bank 6. Teil)

Da waren zunächst die drei „Lümmel-Filme“ (Die Lümmel von der ersten Bank) mit Hansi Kraus als Partner:
Zum Teufel mit der Penne (Die Lümmel von der ersten Bank 2. Teil)
Hurra, die Schule brennt (Die Lümmel von der ersten Bank 4. Teil)
Morgen fällt die Schule aus (Die Lümmel von der ersten Bank 6. Teil)

Doch vor allem die etwas ernsteren Spielfilme mit Heintje in der Hauptrolle gingen so richtig zu Herzen:
Heintje – Ein Herz geht auf Reisen (mit Heinz Reincke und Gerlinde Locker)
Heintje – Einmal wird die Sonne wieder scheinen (unter anderem mit Heinz Reincke, Gerlinde Locker, Paul Dahlke, Agnes Windeck, Martin Jente und Ralf Wolter)
Heintje – Mein bester Freund (unter anderem mit Heinz Reincke, Gudrun Thielemann, Ralf Wolter, Shmuel Rodensky und dem Don-Kosaken-Chor unter Serge Jaroff)

Auszeichnungen

In den wenigen Jahren seiner großen Karriere als Kinderstar wurde Heintje mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: So erhielt er zweimal (1968 und 1969) den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg, die Goldene Europa (1969), den Bambi und den Edison Award (1970) sowie für seine Kinofilme die Goldene Leinwand (1970). Es folgten weitere Auszeichnungen.

Für seine zahlreichen verkauften Schallplatten erhielt Heintje 40 Goldene Schallplatten und eine Platin-Schallplatte. Stolz bewahrte er diese Trophäen all die Jahre in seinem Elternhaus in Neu-Moresnet (Belgien) auf.

Stammgast in den großen Fernsehshows

Wie bereits erwähnt, dauerte Heintjes erster Auftritt im deutschen Fernsehen nur 55 Sekunden: In der Vico-Torriani-Show „Der Goldene Schuss“ am 21.12.1967 sang er sein „Mama“-Lied. Sein Auftritt schlug ein wie eine Bombe und bescherte ihm über Nacht den Durchbruch zu einer einzigartigen internationalen Karriere, wie sie bis dato von keinem anderen Kinderstar mehr erreicht werden konnte. Spätestens von diesem Datum an war sein Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Ein Jahr später, zu Weihnachten 1968, war er erneut zu Gast in Vico Torrianis Show, diesmal zusammen mit Udo Jürgens und Caterina Valente.

In der Peter-Alexander-Show war Heintje immer wieder ein gern gesehener Gast. Mit „Peter dem Großen“ verband ihn sogar eine jahrelange Freundschaft. Peter Alexander wurde für Heintje (neben Caruso und Robertino) zum großen Idol und Vorbild.

Auch in den anderen großen Shows von ZDF und ARD war Heintje häufig zu Gast, so unter anderem in der Rudi-Carrell-Show, in „Vergissmeinnicht“ mit Peter Frankenfeld und „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff (1969).

Im September 1970 trat Heintje – neben anderen Stars aus Klassik und Unterhaltung – in der großen Gala zum 90. Geburtstag von Robert Stolz auf.

Im März 1971 war Heintje in der Show „Drei mal neun“ mit Wim Thoelke zu Gast, und im Juni desselben Jahres in der bereits erwähnten Show „Wünsch dir was“ mit Dietmar Schönherr. Dies sind jedoch nur wenige Beispiele. Die Liste seiner Fernsehauftritte ist lang und kann hier nur ansatzweise wiedergegeben werden.

Ein Ruf aus Amerika 

1970 erhielt Heintje ein verlockendes Angebot aus Amerika: Nachdem der Kinderstar in den USA mit „Mama“ und „A Mother’s Tears“ große Erfolge feiern konnte und in mehreren Fernsehshows aufgetreten war, wurde ihm vom Plattenlabel MGM ein Vertrag angeboten. Dieser Vertrag hätte ihn jedoch verpflichtet, sich sieben Jahre an die Plattenfirma zu binden. Dies bedeutete auch, monatelang von zu Hause weg zu sein, was Heintje damals ablehnte. Hein Simons erinnert sich: „Ich weiß noch, wie ich Addy Kleijngeld angefleht habe, das trotz der Aussicht auf weitere Erfolge nicht zu unterzeichnen. Mein Vater hat sich dann durchgesetzt: ‚Wir haben immer zum Wohle des Jungen entschieden.’ Damit war klar, dass wir dieses lukrative Angebot ausschlagen würden. Außerdem hatte ich Heimweh nach meinem Zuhause und meinen Pferden und auch mit der ungeliebten fremden Sprache konnte ich mich nicht anfreunden. Als die Tournee endete, sagten wir MGM, dass wir den Vertrag nicht unterschreiben würden. Das war eine der wenigen Entscheidungen, die ich später bereut habe. Wer weiß, was daraus noch hätte werden können.“ Aber Heintjes Heimweh war einfach stärker: „Ich dachte nur noch an meine Ponys Addy und Bubi, die zu Hause auf mich warteten. Keiner hätte mich damals daran hindern können, so bald als möglich nach Hause zu fliegen.“ (Jan Adriaan Zwarteveen: Ich war Heintje, aus dem Niederländischen übersetzt von Willy und Silvia Bemer,  1. Auflage 2017, © Giger Verlag, CH-8852 Altendorf, S. 120-121.) – Diese Episode zeugt einmal mehr von der Bodenständigkeit des Künstlers. Trotz seines Ruhmes ist er stets ein netter und bescheidener Junge geblieben, der auch gelegentlich zu Streichen aufgelegt war!

Lausbubenstreiche

Hein Simons wird in Interviews nicht müde, sein positives Image als Kinderstar und Mustersöhnchen in Frage zu stellen: „Aber ein idealer Sohn bin ich nie gewesen, ich war ein Durchschnittskind mit allen guten und schlechten Eigenschaften.“ (Jan Adriaan Zwarteveen: Ich war Heintje, Giger Verlag, S. 103)

Bekanntlich war er auch derben Späßen und Lausbubenstreichen nicht abgeneigt – besonders während der Dreharbeiten zu den „Lümmel-Filmen“, wenn er mit Hansi Kraus zusammen war. Bereits als Erwachsener mit 23 Jahren erzählte er gern Anekdoten aus dieser Zeit: „Im piekfeinen Frühstücksraum vom Nobelhotel Vier Jahreszeiten in Hamburg hab ich mal Knallfrösche losgelassen. Dem Ober ist das Tablett runtergefallen, eine Dame goss sich den Kaffee übers Kleid. Ein voller Erfolg, nur Papa fand das nicht lustig. Aber alles, was Krach machte, fand ich riesig. Knallkorken zum Beispiel ließen sich hervorragend zwischen Fahrstuhltüren klemmen. Ging die Tür dann zu, fielen die Leute in den Hotelhallen von den Stühlen. Auch Niespulver hat eine hübsche Wirkung, wenn man es zwischen die Anmeldezettel im Hotel streut oder über die Blumenvasen auf den Tischen. In den Fernsehstudios war ich als ‚Horror-Heintje’ berühmt. Was blieb mir auch anderes übrig, als Fußball zwischen den Kulissen zu spielen oder auf Entdeckungsreisen zu gehen. […] Als wir unseren nächsten Film ‚Hurra, die Schule brennt’ drehten, ließ ich im Hotel mal wieder meine Glanznummer los: die Knallfrösche im Frühstücksraum. Ich sehe Theo Lingen noch vor mir. Er zog die linke Augenbraue hoch und sagte trocken: ‚Wir sollten vielleicht den Filmtitel ändern – in Hurra, das Hotel brennt!“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 5. Folge, 10.05.1979)

In einem Interview mit Dieter Thomas Heck (November 2000) erzählte Hein Simons eine Anekdote, die im Studio während der Aufzeichnung zur Verleihung der Goldenen Europa passiert ist: Weil er gerade nichts zu tun hatte, vertrieb Heintje seine Langeweile mit Fußballspielen. Dabei schoss er gleich 6 Gläser vom Tisch herunter!

Fest im Sattel – auch als Reiter, Pferdenarr und Tierfreund

Schon seit seiner frühesten Kindheit war Heintje ein begeisterter Reiter, Pferdenarr und Tierfreund. Um den kleinen Jungen mit dem großen Herz für Tiere ranken sich lustige Anekdoten. Hein Simons selbst berichtete einmal: „Die ersten Kindheitserinnerungen sind nur mit Tieren verbunden. Jedes Mal, wenn ich vom Spielen wieder in die Wohnung kam, fragte meine Mutter schon voller Vorahnungen: ‚Heintje, was hast du wieder in der Tasche?’ Ich hatte ihr nämlich schon ein paar Mal Kröten und Mäuse angeschleppt. Das hatte sie nicht so gerne. Vor allem nicht, seit die letzte Maus zwei Wochen zu Gast war.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 2. Folge, 19.04.1979)

Schon als kleiner Knirps wünschte sich Heintje nichts sehnlicher als ein Pony. Für seine erste LP hatte ihm Addy Kleijngeld ein Pony versprochen: „Pass auf, wir nehmen jetzt eine Langspielplatte auf. Dafür musst du zwölf Lieder lernen. Wenn du das geschafft hast, schenk ich dir ein Pony!“ So erklärt es sich auch, warum Heintje sein erstes Album damals in Rekordzeit eingesungen hat. Hein Simons erinnert sich: „Ich glaube, so schnell ist auf der ganzen Welt noch keine Langspielplatte aufgenommen worden. Bevor wir ins Studio mussten, fuhr Addy mit mir nach Asten zu einer Ponyfarm. Doch der große Augenblick war noch nicht gekommen, Addy sagte nur: ‚Schau mal, das ist der Vater von deinem Pony.’ Ich stand neben ihm, so ein bisschen auf Abstand, denn Respekt hatte ich schon vor diesem ‚Riesentier’. Auf einmal wieherte es – und ich rannte um mein Leben! Addy lachte: ‚Du möchtest wohl doch lieber eine Katze?’ Nein, ich wollte mein Pony. Nun erst recht. Innerhalb von zwei Tagen war die gesamte Langspielplatte dann fertig. Nach jedem Lied sagte dann Addy: ‚So jetzt hast du ein Ohr.’ Dann: ‚Nun ein Bein.’ ‚Noch ein Bein, jetzt den Rumpf.’ Beim Gongschlag 16 Uhr war das Pony komplett. Zwei Tage später stand ich ihm dann leibhaftig gegenüber. Da war es nun, mein Pony, mein Wirklichkeit gewordener Traum. Diesmal rannte ich nicht weg. Nur geheult hab ich vor lauter Freude. Ich habe es ‚Addy’ genannt und noch heute steht es auf meinem Reiterhof, munter und kerngesund.“ (Serie: „Jetzt rede ich“, Frau mit Herz, 4. Folge, 03.05.1979) – Inzwischen ist das Pony „Addy“ leider längst im Pferdehimmel!

Schon bald gesellten sich noch weitere vierbeinige Freunde hinzu: Neben „Bubi“, einem weiteren Pony, bewohnten noch Spitzhündin „Sonja“, Schäferhündin „Cira“ und eine Katze sein Anwesen im belgischen Neu-Moresnet. Später kamen noch „Elegant“, „Exquisit“ und weitere Reitpferde hinzu. In jungen Jahren war Hein(tje) Simons ein begeisterter Springreiter und nahm auch aktiv an Turnieren teil. Außerdem spielte er leidenschaftlich gern Fußball.

Während der Kinderstar ganz allmählich zum erwachsenen Sänger heranreifte, wurde in den Medien immer häufiger über seinen Stimmbruch spekuliert. Doch dieser ließ zunächst noch auf sich warten!

Sylvia Kreye, Wien

Morgen geht’s weiter mit Teil 2: Vom Kinderstar zum „Urgestein“

Hier geht’s zum Teil 2:

Hein Simons: 50-jähriges Jubiläum | Teil 2: Vom Kinderstar zum Bariton

Neuerscheinungen zum 50-jährigen Jubiläum

Das Album „Heintje und ich“ ist zum 1. Dezember bei TELAMO erschienen. Es ist im Handel erhältlich und kann als CD, DVD oder sogar als Fan-Box bei Shop24Direct bezogen werden:

Als CD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-431055

Als DVD:
https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-440121

Das Buch „Ich war Heintje“ ist ebenfalls im Handel, über Shop24Direct oder amazon zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/ich-war-heintje-2020380

https://www.amazon.de/Ich-war-HEINTJE-Kinderstar-unvergesslichsten/dp/3906872416

Karten für die Weihnachtstournee sind bei Eventim erhältlich:

http://www.eventim.de/Tickets.html?affiliate=EVE&doc=artistPages%2Ftickets&fun=artist&action=tickets&erid=1932428&includeOnlybookable=true&xtmc=hein_simons&xtnp=1&xtcr=1

Diskographie

1967 Dit is Heintje
1968 Heintje
1969 Ich sing’ ein Lied für Dich
auch bekannt als: Liebe Sonne, lach doch wieder
1970 Dein schönster Tag
auch bekannt als: Ein Strauß voll bunter Blumen
Herzlichst Heintje
1971 Wenn wir alle Sonntagskinder wär’n
1973 Ich denk’ an dich
auch bekannt als: Ik denk aan jou (Niederländische Version)
1974 Junger Mann mit 19
1975 Suid-Afrika, Jou Hart Is Weer Myne
Heintje sing van liefde en verlange
1978 Ich habe Freunde
1989 Herzensmelodie
1992 Ich hab’ so lange gesucht nach dir
1994 Die Heimat darfst du nie vergessen
1996 Mein zweites Leben
1998 Ich schenk’ dir meine Liebe
1999 Noch einmal mit Gefühl
2001 Heute und ein bisschen gestern
2002 Rück ein Stückchen näher
2003 Von Herz zu Herz
2004 Frauen sind was Wunderbares
2005 Ich sag’ Danke
2006 Männer sind einfach zu gut
2008 Träum’ mit mir
2009 Alles halb so schlimm
2011 Leb deinen Traum
2014 Thuis
2015 Vertrau auf dein Herz
2017 Heintje und Ich

Quellen

• Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje – vom Lausbub zum Star. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1969, 54321 (Bestell-Nr. 6961), 1969.
• Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje und sein großer Freund Peter Alexander. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1970, 54321 (Bestell-Nr. 8488).
• Norbert Unfried, Brigitte Weckelmann, Claus Weckelmann: Heintje: Alle meine Tiere. Bertelsmann Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh 1971.
• Hans-Joachim Eberwein: Heintje. Lizenzausgabe für die Neue Schweizer Bibliothek, Sonderdruck der BUNTEN ILLUSTRIERTEN, Hrsg. Dr. Franz Burda, Burda Druck und Verlag, Offenburg/Baden 1971.
• „Heintje – Jetzt rede ich“, Serie in 8 Teilen, aufgezeichnet von Heidemarie Lammert, „Frau mit Herz“, 12.04.-31.05.1979
• Wikipedia, Heintje: https://de.wikipedia.org/wiki/Heintje
• Internationaler Hein Simons Fanclub, Biographie: http://www.heinsimons.com/html/biography.html
• Jan Adriaan Zwarteveen: Ich war Heintje – Zum 50-jährigen Jubiläum, aus dem Niederländischen übersetzt von Willy und Silvia Bemer, Giger Verlag, CH-Altendorf, 1. Auflage 2017
• Heintje und Ich – das TV Spezial 2017, Deutsches Musikfernsehen, Interview mit Hein Simons und Michael Niekammer, auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=S55A_twlfEA

Bildquellen

Teil 1: Coverfoto der CD „Heintje und Ich“ und des Buches „Ich war Heintje“. © Norbert Unfried / German Popp. Mit freundlicher Genehmigung der Telamo GmbH, München.

Teil 2: Pressefoto Hein Simons (20170517 Telamo45653) Fotocredit: German Popp. Mit freundlicher Genehmigung der Telamo GmbH, München.

A Life in Music – José Carreras im Wiener Konzerthaus

A Life in Music: José Carreras im Wiener Konzerthaus. Foto: © G. Lembergh. Mit freundlicher Genehmigung von Kupfer Kultur Media EAI GmbH

A Life in Music – José Carreras im Wiener Konzerthaus

A Life in Music. Im Rahmen seiner Final World Tour trat José Carreras im Wiener Konzerthaus auf und erntete viel Applaus beim Wiener Publikum.

A Life in Music – José Carreras auf Welt-Tournee

„A Life in Music“ ist das Motto der Final World Tour, mit der sich der katalanische Startenor José Carreras (mit bürgerlichem Namen Josep Carreras) nach und nach von seinem Publikum verabschieden möchte. Im Rahmen seiner Abschiedstournee möchte Carreras noch einmal in allen Städten dieser Welt auftreten, in denen er im Laufe seiner langen Karriere so große Erfolge feiern durfte. Wie er jedoch selbst einräumte, kann sich diese Abschiedstournee durchaus noch über etwa zwei Jahre hinziehen.

Laut Ankündigung sollte der Auftritt des Tenors im Wiener Konzerthaus nun auch der Abschied von seinem treuen Wiener Publikum sein. Doch war es tatsächlich der endgültige Abschied von Wien? Nach einem „Abschied“ im wahrsten Sinne des Wortes fühlte sich die Stimmung im Konzertsaal eigentlich nicht an. Wie auch immer – an diesem Abend im Wiener Konzerthaus lief Carreras noch einmal zu Hochform auf. Die Stimme klang ausgeruht und kraftvoll, so dass man allein von der stimmlichen Disposition her nicht auf das wahre Alter des Sängers schließen würde. Nach wie vor verfügt Carreras über eine sehr schöne Mittellage, für die ihn nicht nur seine Fans, sondern auch Fachleute immer schon bewundert haben. In der oberen Mittellage haben seine Töne immer noch Strahlkraft und Präsenz – auch wenn er in seinen Konzertprogrammen die extremen „acuti“ (jene exponierten Hochtöne, wie jeder Sänger sie aus den italienischen Belcanto-Opern kennt und fürchtet) lieber vermeidet.

Während der Darbietungen des Tenors, der an diesem Abend von zwei Sängerinnen und einem großen Orchester begleitet wurde, wurden auf einer großen Leinwand über der Bühne die verschiedenen Stationen seiner Karriere eingeblendet. Dabei wurde auch sein 66 Bühnenwerke umfassendes Opernschaffen in wechselnden Szenenfotos gewürdigt.

Mediterrane Passion

Das Programm für sein Abschiedskonzert im Wiener Konzerthaus hatte José Carreras wie immer klug und mit viel Bedacht zusammengestellt. Dabei hatte er bewusst jene Arien und Kanzonen ausgewählt, in denen seine mediterranen Wurzeln und seine stimmlichen Möglichkeiten besonders gut zur Geltung kommen. Bereits im ersten Teil seines Programms wurde klar, dass Carreras’ wohlklingende Stimme nach wie vor über Nuancenreichtum und Ausdrucksstärke, aber auch Geschmeidigkeit und Flexibilität verfügt.

In „Canción Húngara“ aus der Zarzuela „Alma de Dios“ von José Serrano und „Eco de tu voz“ von Isaac Albéniz überzeugte Carreras mit guter Stimmpräsenz und energiegeladenem Vortrag. Die Übergänge zwischen dramatischer Diktion und zartem Piano gestaltete er mit der gewohnten Intensität und Ausdrucksstärke. Eine gute Wahl war auch die weniger bekannte Kanzone „Serenata sincera“ von Alessandro Derevitsky im zweiten Teil des Programms. Die italienische Romanze, die bereits von Carlo Bergonzi und Giuseppe di Stefano eingespielt wurde, ist auch für Carreras’ Stimme bestens geeignet. Das „Singen mit der Seele“ und mediterraner Leidenschaft ist nach wie vor das besondere Geheimnis der langen und erfolgreichen Karriere von José Carreras. Dies zeigte sich einmal mehr im Lied „T’estimo“ von Edvard Grieg (der katalanischen Version von „Ich liebe dich“).

Eine besondere Überraschung hielt José Carreras für das Wiener Publikum zum Ende des ersten Teils bereit: Nachdem der Tenor sich in den vergangenen Jahren verstärkt den dramatischeren Partien – dem sogenannten „Spinto“-Fach – gewidmet hatte, wagte er sich noch einmal an das klassische italienische Belcanto-Repertoire heran. Mit der schwierigen Arie „O come il fosco impetuoso nembo – Quell’alme pupille“ aus der Oper „La pietra del paragone“ (Der Prüfstein) von Gioacchino Rossini – im wahrsten Sinne des Wortes ein Prüfstein für jeden Tenor – demonstrierte Carreras, wie wichtig die italienische Belcanto-Technik für eine lange Karriere und die Gesunderhaltung der Stimme ist.

Angesichts der Tatsache, dass Carreras mit dieser Rossini-Arie bereits in jungen Jahren brilliert hatte, wusste man zunächst nicht, was von diesem späten „Ausflug“ ins Reich des klassischen italienischen Belcanto zu erwarten war. Doch Carreras strafte wieder mal alle Skeptiker Lügen: Seine Stimme ist auch mit 70 noch flexibel genug, um selbst diese Herausforderung zu meistern! Das Rezitativ gestaltete er mit der für ihn so charakteristischen Intensität und Leidenschaft, aber auch die schwierigen Koloraturen in der großen Arie bewältigte er mit Geschmeidigkeit und guter Atemkontrolle – was für einen Spinto-Tenor keineswegs selbstverständlich ist. Kein Wunder also, dass Carreras nach dieser Arie beim opernkundigen Wiener Publikum begeisterten Applaus erntete!

Im Terzett mit zwei Sängerinnen

Die Gesangsdarbietungen von José Carreras wurden an diesem Abend ergänzt durch Valentina Nafornita (Sopran) und Lena Belkina (Mezzosopran). Beide Sängerinnen sind dem Wiener Publikum bereits durch ihre Auftritte an der Wiener Staatsoper bekannt. Im Duett „Je te veux“ von Eric Satie harmonierte Valentina Nafornitas Sopran sehr gut mit Carreras’ Tenorstimme. Die Sopranistin überzeugte außerdem mit der lyrischen Arie „Song to the moon“ (Lied an den Mond) aus der Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák sowie mit der Koloraturarie „Les filles de Cadiz“ von Leo Delibes.

Mühelos und geschmeidig bewältigte die ukrainische Mezzosopranistin Lena Belkina die schwierigen Koloraturen in den beiden Arien „Naqui all’affanno – Non più mesta“ aus der Oper „La Cenerentola“ von Gioacchino Rossini und „Carceleras“ aus der Zarzuela „Las hijas del Zebedeo“ von Ruperto Chapí. Bei einer solchen Besetzung – mit Sopran und Mezzo – durfte natürlich auch die berühmte Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach nicht fehlen! Das beschwingte Duett der beiden Sängerinnen war eine schöne Abwechslung im Programm.

Zum krönenden Abschluss präsentierte sich José Carreras zusammen mit den beiden Sängerinnen im Terzett: In einem großen Klassik-Medley begeisterten die drei Interpreten mit berühmten Opernarien und Romanzen aus dem mediterranen Sprachraum. Nach der Arie „Vesti la giubba“ aus der Verismo-Oper „I Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo gab es viel Zwischenapplaus für José Carreras. Den Höhepunkt des Medleys bildete das von den drei Interpreten gemeinsam gesungene „Brindisi“, das berühmte Trinklied aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi.

José Carreras mit den Sängerinnen Valentina Nafornita und Lena Belkina sowie Dirigent David Giménez
Von links: Dirigent David Giménez, Valentina Nafornita (Sopran), Lena Belkina (Mezzosopran) und José Carreras nach dem erfolgreichen Abend im Wiener Konzerthaus. 02 © G. Lembergh – mit freundlicher Genehmigung von Kupfer Kultur & Media, EAI GmbH.

Dirigent und Orchester

Begleitet wurden Carreras und die beiden Sängerinnen vom Ambassade Orchester Wien unter der Leitung von David Giménez. Der Dirigent und das Ensemble hatten den Tenor bereits in früheren Konzerten begleitet und erwiesen sich auch an diesem Abend als kompetente, zuverlässige Partner. Ein paar leichte Divergenzen im Zusammenspiel zwischen Sänger und Orchester (so zum Beispiel am Anfang von „T’estimo“) waren vermutlich auf die akustischen Verhältnisse im Saal zurückzuführen und hatten auf den Gesamteindruck keinen wesentlichen Einfluss.

Mit der Farandole aus der Arlésienne-Suite von Georges Bizet, dem Intermezzo aus der Oper „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini und dem Walzer Nr. 2 aus der Jazz-Suite von Dmitri Shostakovich sorgte das Ambassade Orchester Wien unter der Leitung von David Giménez für orchestrale Höhepunkte.

Der Tenor und sein Wiener Publikum

Die große Zuneigung zwischen José Carreras und seinem Wiener Publikum war auch an diesem Abend im Konzerthaus wieder hautnah zu spüren. Die Wiener lieben „ihren“ Carreras wie kaum einen anderen Sänger und belohnten ihn wie immer mit enthusiastischem Applaus und standing ovations.

Die Veranstaltung war restlos ausverkauft. Dennoch vermisste man im Publikum einige der langjährigen und besonders treuen Carreras-Fans. Dies lag vermutlich daran, dass sich viele Fans (vor allem die älteren, von denen ein Großteil bereits in Pension ist) die hohen Eintrittspreise schlicht und einfach nicht mehr leisten können. Es ist schade, dass durch die überhöhten Kartenpreise (bis über 200 Euro!) nicht nur junge Leute, sondern teilweise auch die echten Appassionati vom Konzertbesuch abgehalten wurden. Ein zusätzliches Angebot an günstigen Sitz- oder Stehplätzen – wie etwa in der Staatsoper oder im Musikverein – hätte hier vielleicht Abhilfe schaffen können.

Ein Leben für den Gesang

Bei seinem Abschiedskonzert im Wiener Konzerthaus zog José Carreras noch einmal alle Register seiner Gesangskunst und zeigte, dass mit seiner schönen Stimme immer noch zu rechnen ist. Mit 70 Jahren noch ein solches Programm zu absolvieren und über eine derartige stimmliche Präsenz zu verfügen, ist eine beachtliche Leistung, die selbst manch einen jüngeren Sänger in den Schatten stellt! Das Wiener Publikum wusste es jedenfalls zu schätzen. José Carreras bedankte sich bei seinen Fans mit einem Extraprogramm aus vielen Zugaben, die er sich jedoch in seiner bescheidenen Art mit seinen beiden Sängerkolleginnen Valentina Nafornita und Lena Belkina teilte.

Wer José Carreras an diesem Abend im Konzerthaus erlebte, wird sich mit Recht fragen, ob dies tatsächlich der letzte Auftritt des Tenors in Wien gewesen sein soll. Denn der beliebte Sänger präsentierte sich in einer Verfassung, die den Gedanken an einen Abschied noch nicht so recht aufkommen lassen wollte. Hier gewann man einmal mehr den Eindruck, dass der leidenschaftliche Katalane Josep Carreras, der sein Leben dem Gesang verschrieben hat, es einfach noch nicht lassen kann. Das Wort „Abschied“ ist also – speziell im Falle Carreras – mit einem gewissen Vorbehalt zu benutzen!

Doch naturgemäß hat alles einmal ein Ende – das ist der Lauf der Dinge! Ein Sprichwort sagt: Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Und natürlich darf auch ein José Carreras, der für die Opernwelt so Großartiges geleistet hat, irgendwann einmal in den wohlverdienten Ruhestand gehen! – Doch was auch immer kommen mag: Der Abend im Wiener Konzerthaus war geprägt von einer besonderen Atmosphäre, von dem gewissen Etwas, wie man es nur bei ganz großen Sängern erlebt – ein Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.

                                                                                              Sylvia Kreye

Big Screen: Danke, Wien!
Großleinwand für José Carreras im Konzerthaus: Danke, Wien! – Foto: Sylvia Kreye (22.03.2017)

Lingua & Musica wünscht FROHE WEIHNACHTEN

Lingua & Musica wünscht allen Besuchern dieser Website, allen Kundinnen & Kunden, allen Musik- und Opernfreunden sowie Sprachbegeisterten

FROHE WEIHNACHTEN! 

Ich hoffe, dass Ihnen der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica gefallen und vielleicht auch ein wenig zum Singen und Musizieren angeregt hat. 

Nachdem im musikalischen Adventskalender vom 23. und 24. Dezember die beiden bekannten Weihnachtslieder O du fröhliche und Stille Nacht präsentiert wurden, kommt hier noch ein spezieller Weihnachtsgruß vom Wiener Stephansplatz. 

Am 23. Dezember zwischen 17 und 18 Uhr konnte man dort den weihnachtlichen Klängen eines Bläserensembles lauschen. Das Ensemble musizierte bei winterlichen Temperaturen am Dach des Wiener Stephansdoms und sorgte in der Hektik des letzten Werktages vor dem Fest für weihnachtliche Stimmung!  

Dabei entstand der folgende Videoclip:

Stille Nacht

Viel Freude beim Anhören der weihnachtlichen Bläserklänge!

Lingua & Musica wünscht Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage sowie ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017! 

Lingua & Musica freut sich, Sie auch im neuen Jahr als Kund/innen begrüßen zu dürfen. Ob Sie nun Musikunterricht oder einen Sprachkurs buchen möchten oder ob Sie gerade eine Übersetzung, einen Text oder einen Fachartikel benötigen, Lingua & Musica freut sich auf Ihre Anfrage und berät Sie gern in musikalischen und sprachlichen Fragen.

Weitere Informationen finden Sie unter den entsprechenden Links dieser Website: 

Musikunterricht – Musikalische Erwachsenenbildung

Sprachtraining – Sprachliche Erwachsenenbildung

Übersetzungen

Deutsche und fremdsprachliche Korrespondenz

Textredaktion und Lektorat

Kulturberichterstattung, Fachartikel

 

24. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

24. Dezember

Stille Nacht, heilige Nacht

Zum krönenden Abschluss präsentiert der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica das berühmte Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht.

Anmerkung der Redaktion

Dezember 2018: Wieder steht das Weihnachtsfest vor der Tür. Seit der Veröffentlichung dieses Beitrages sind inzwischen zwei Jahre vergangen. In diesem Jahr, im Dezember 2018, wird das Lied Stille Nacht genau 200 Jahre alt! Das 200-jährige Jubiläum des Weihnachtsklassikers ist ein Grund mehr, sich näher mit der Geschichte des Liedes zu befassen.

Das Lied Stille Nacht wurde zu Heiligabend 1818 in der ehemaligen Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt. Ausführende waren damals der Komponist Franz Xaver Gruber (1787 – 1863) und der Textdichter Joseph Mohr (1792 – 1848). 

Legenden und Quellenlage 

Stille Nacht, heilige Nacht ist wohl das bekannteste und beliebteste Weihnachtslied im deutschsprachigen Raum überhaupt. Um die Uraufführung des Liedes ranken sich viele Legenden und auch Anekdoten. Es gibt jedoch zwei zuverlässige historische Quellen, welche die Entstehungsgeschichte und die Uraufführung des Liedes belegen: 

  • Die authentische Veranlassung, die vom Komponisten Franz Xaver Gruber im Jahre 1854 in Hallein niedergeschrieben wurde.
  • Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, das erst im Jahre 1995 in Salzburg aufgefunden wurde. 

Diese beiden Quellen ergänzen und bestätigen sich gegenseitig in Bezug auf die Entstehung des Liedes. 

Entstehung 

Im Jahre 1816 verfasste Joseph Mohr, seinerzeit Hilfspfarrer in Mariapfarr im Lungau, den Text zu Stille Nacht in Form eines Gedichts. Auf diesen Umstand weist der Vermerk mpria = manu propria (links unten im Autograph) hin. 

Im Jahre 1818 bat Joseph Mohr Franz Xaver Gruber um die Vertonung seines Gedichts. Dieser Umstand wird belegt durch die Authentische Veranlassung, welche der Komponist Franz Xaver Gruber selbst im Jahre 1854 niederschrieb: 

„Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hilfspriester Herr Joseph Mohr bei der neu errichteten Pfarre St. Nicola in Oberndorf dem Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich auch Schullehrer in Arnsdorf) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen sammt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen.“  

Joseph Mohr war also nicht nur der Dichter, sondern auch der Initiator des Liedes. 

Die Autorschaft Franz Xaver Grubers ist außerdem durch einen Hinweis im Autograph bestätigt: Melodie von Franz Xaver Gruber.

Das Weihnachtslied wurde an Heiligabend des Jahres 1818 in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt. Bei der Erstaufführung wirkte neben Franz Xaver Gruber auch der Dichter Joseph Mohr als Sänger und Gitarrist mit. 

Zu jener Zeit herrschte infolge der Napoleonischen Kriege große Armut und Hunger in der Bevölkerung. Der Legende nach war die Orgel in der Kirche St. Nikola wegen ihres schlechten Zustandes nicht mehr bespielbar. Für die notwendigen Reparaturen war jedoch kein Geld vorhanden. Es wird vermutet, dass dieser Umstand der Hauptgrund dafür gewesen war, warum das Lied Stille Nacht, heilige Nacht in der Fassung für zwei Solostimmen, Chor und Gitarrenbegleitung uraufgeführt wurde. 

Verbreitung 

Bei den Besuchern der Messe in der Kirche St. Nikola in Oberndorf fand das Lied auf Anhieb sehr viel Anklang. Bereits ein Jahr später, an Heiligabend des Jahres 1819, wurde das Lied in Fügen gesungen. Dieser Umstand ist vermutlich dem Orgelbaumeister Karl Mauracher (1789 – 1844) zu verdanken: Als Karl Mauracher die desolate Orgel der Kirche St. Nikola reparierte, hörte er auch das Lied Stille Nacht und brachte es nach Fügen. Dort übernahmen es die Geschwister Rainer, die in Fügen im Kirchenchor sangen. 1822 trugen die Geschwister Rainer das Lied auf Schloss Fügen dem Habsburger Kaiser Franz I. von Österreich und dem Zaren Alexander I. von Russland vor. Die Rainer-Geschwister gaben das Lied schließlich weiter an die Geschwister Strasser, eine Gesangsfamilie aus dem Tiroler Zillertal, die es im Jahre 1832 in Leipzig vortrug und es weiter verbreitete.

Der Erstdruck erschien 1833 in Dresden, zusammen mit drei anderen Liedern, unter dem Titel Vier ächte Tirolerlieder. 1840 wurde es in einer Liedersammlung mit dem Titel Vier ächte Tiroler Lieder veröffentlicht. Infolge der Verbreitung von Stille Nacht als Tiroler Volksweise gerieten die wahren Urheber zunächst in Vergessenheit. Das Lied Stille Nacht wurde sogar fälschlicherweise für ein Werk Michael Haydns (1737 – 1806) gehalten. 

Dass der Komponist Franz Xaver Gruber doch noch zu Ehren kam, ist dem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795 – 1861) zu verdanken, der das Lied besonders gern hörte: Die Hofkapelle des preußischen Königs wandte sich 1854 an das Stift Sankt Peter in Salzburg mit der Bitte um eine Abschrift des Liedes. Dabei stieß man mehr oder weniger zufällig auf den Komponisten Franz Xaver Gruber, der daraufhin seine Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes ‚Stille Nacht, Heilige Nacht’  verfasste.

Um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) wurde das Lied durch katholische und protestantische Missionare auf allen Kontinenten verbreitet. Inzwischen wurde Stille Nacht in mehr als 300 Sprachen übersetzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg durch Überflutung so stark beschädigt, dass sie zwischen 1906 und 1913 abgerissen werden musste. An ihrer Stelle steht heute die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf, die zu einer Touristenattraktion geworden ist. 

Die Dorfschule in Arnsdorf, in der Franz Xaver Gruber einst als Lehrer tätig war, beherbergt heute das Stille-Nacht-Museum. In Hochburg-Ach, dem Geburtsort Franz Xaver Grubers, befindet sich das Gruberhäusl, in dem noch alte Haushaltsgegenstände der Familie Gruber zu sehen sind. Auch im Wallfahrtsort Mariapfarr gibt es ein Wallfahrts- und Stille-Nacht-Museum mit Dokumenten zum Leben von Joseph Mohr. 

Im März 2011 wurde das Lied unter dem Titel Stille Nacht – das Lied zur Weihnacht in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen und auch für die Gesamtliste des Internationalen UNESCO-Kulturerbes vorgeschlagen. 

Text und Musik   

Das Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht besteht aus 6 Strophen, von denen jedoch meist nur die 1., 2. und 6. Strophe gesungen werden: 

Originaltext Gebräuchliche Fassung
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’.
Jesus! in deiner Geburt!
Jesus! in deiner Geburt!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n
Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschengestalt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!
 
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel „Halleluja!“
Tönt es laut bey Ferne und Nah:
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“
Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
Durch der Engel Halleluja.
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter ist da,
Christ, der Retter ist da!
Stille Nacht in der Originalfassung mit 6 Strophen und in der heute gebräuchlichen Fassung mit 3 Strophen.

Inzwischen ist das Lied in über 300 Sprachen übersetzt worden, von denen hier aus Platzgründen nur die englische, französische, italienische und spanische Version wiedergegeben wird: 

Englisch: Silent night, holy night

Silent night, holy night,
All is calm, all is bright
Round yon virgin mother and child.
Holy infant, so tender and mild,
Sleep in heavenly peace,
Sleep in heavenly peace.

Silent night, holy night,
Shepherds quake at the sight;
Glories stream from heaven afar,
Heavenly hosts sing Alleluia!
Christ the Savior is born,
Christ the Savior is born!

Silent night, holy night,
Son of God, love’s pure light;
Radiant beams from thy holy face
With the dawn of redeeming grace,
Jesus, Lord, at thy birth,
Jesus, Lord, at thy birth.

Französisch: Douce nuit, sainte nuit

Tranquille nuit, sainte nuit,
Profond sommeil, il est Minuit
Le saint couple, seul, est en éveil
Doux bambin aux beaux cheveux vermeils
Dans le silence du ciel, dore,
dans le silence, dors.

Tranquille nuit, sainte nuit
Tous les pasteurs sont avertis
Par les anges qui chantent leurs chœurs
Et partout monte un chant de bonheur :
Jésus Christ le Sauveur est là
Christ le Sauveur est là

Tranquille nuit, sainte nuit
Enfant de Dieu, l’amour sourit
Sur la bouche aux contours harmonieux
Alors sonne ce jour merveilleux,
Jésus par son avènement !
Par son avènement

Italienisch: Astro del ciel 

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu che I Vati da lungi sognar,
Tu che angeliche voci nunziar,
Luce dona alle genti
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu di stirpe regale decor,
Tu virgineo, mistico fior,
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu disceso a scontare l’error,
Tu sol nato a parlare d’amor,
Luce dona alle menti,
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Spanisch: Noche de paz, noche de amor

Noche de paz, noche de amor,
Todo duerme alrededor
entre los astros que esparcen su luz
viene anunciando al niño Jesús
Brilla la estrella de paz
Brilla la estrella de paz.

Noche de paz, noche de amor,
Todo duerme alrededor,
Sólo velan en la oscuridad
Los pastores que en el campo están;
Y la estrella de Belén
Y la estrella de Belén.

Noche de paz, noche de amor;
Todo duerme alrededor;
sobre el Santo Niñito Jesús
Una estrella esparce su luz,
Brilla sobre el Rey,
Brilla sobre el Rey.

Stille Nacht, Autograph
Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, aufgefunden in Salzburg 1995
Stille Nacht, Autograph
Autograph VII in der Handschrift Franz Xaver Grubers (ca. 1860), von de:Benutzer:Mezzofortist., gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Die Melodie von Stille Nacht steht im sogenannten Siziliano-Rhythmus, also im Sechs-Achtel-Takt mit punktierten Achtel- und Sechzehntel-Noten bzw. Viertel- und Achtelnoten im Wechsel. Somit steht das Lied in der Tradition einer Hirtenmusik (Pastorale). 

Aufnahmen 

Auf der Website SalzburgerLand Tourismus gibt es interessante Informationen und auch Aufnahmen des traditionellen Weihnachtsliedes Stille Nacht in der originalen Fassung:

http://magazin.salzburgerland.com/das-geheimnis-um-die-stille-nacht/  

Die sechsstrophige Originalversion mit der Liedertafel Oberndorf und Gitarrenbegleitung ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/noten.asp?dat=index&id=220&title=Stille+Nacht+Noten        

In diesem Zusammenhang darf natürlich die Stille-Nacht-Feier nicht vergessen werden, die alljährlich am 24. Dezember um 17 Uhr per Webcam ins Internet übertragen wird und am heimischen Computer live verfolgt werden kann:

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/feier.asp 

In dem folgenden Video auf YouTube gewinnt man einen Eindruck davon, wie das Lied „Stille Nacht“ in verschiedenen Sprachen klingt. Beim Konzert „Christmas in Vienna“ 1999 sangen die drei Tenöre das Lied in vier Sprachen, zunächst in Deutsch (Carreras), dann in Spanisch (Domingo), in Italienisch (Pavarotti) und schließlich in Englisch (alle drei gemeinsam):

https://www.youtube.com/watch?v=XJ3kyGQKoq8

Seltener hört man die niederländische Version. Auf YouTube gibt es eine Aufnahme in Niederländisch mit Heintje. Sie wurde hochgeladen auf der Seite: Een retrospectief van musicus Addy Kleijngeld (Wim Rozema, für Henny de Leeuwe-Kleijngeld). Gerade bei diesem Lied klingt die Stimme des Kinderstars in seiner Muttersprache noch viel schöner als in Deutsch:

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht        

http://magazin.salzburgerland.com/das-geheimnis-um-die-stille-nacht/

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/entstehung.asp?dat=index&id=215&title=Stille+Nacht+Entstehung+und+Verbreitung  

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/oberndorf-salzburg.asp?dat=index&id=218&title=Oberndorf+bei+Salzburg+-+Uraufführung+Stille+Nacht       

http://magazin.salzburgerland.com/weltberuehmt-die-stille-nacht-kapelle-oberndorf/

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/text.asp?dat=index&id=217&title=Stille+Nacht+Text    

https://en.wikipedia.org/wiki/Silent_Night#/media/File:Chapel2.jpg 

Notenquellen

Originalquelle: Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, aufgefunden in Salzburg 1995.        

Autograph VII in der Handschrift Franz Xaver Grubers (ca. 1860), von de:Benutzer:Mezzofortist., gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons 

Singen im Advent, Noten von über 50 Weihnachtsliedern

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/noten.asp?dat=index&id=220&title=Stille+Nacht+Noten                 

Bildquelle

Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg, Foto von Gakuro, 03.12.2005, Wikimedia Commons, license

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChapel2.jpg      

By No machine-readable author provided. Gakuro assumed (based on copyright claims). [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

23. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

23. Dezember

O du fröhliche & O sanctissima

Im musikalischen Adventskalender geht es heute um das Weihnachtslied O du fröhliche und die lateinische Originalversion O sanctissima. 

Das Lied O du fröhliche gehört zweifelsohne zu den bekanntesten deutschsprachigen Weihnachtsliedern. An Heiligabend ist es fester Bestandteil der Christvesper in der evangelischen Kirche. Auch in der katholischen Kirche wird es gesungen.

Die Melodie geht auf ein traditionelles Marienlied zurück, das in der römisch-katholischen Kirche in lateinischer Sprache gesungen wurde. Nach der ältesten bekannten Ausgabe, die 1792 in London erschien, handelt es sich um ein traditionelles Lied aus Sizilien. Jedoch gibt es keine Originalquelle, welche die Herkunft der Melodie oder des Textes bestätigt. Das Lied wird oft Sicilian Mariners Hymn genannt, mit Bezug auf den Brauch, dass die Seeleute früher nachts die Mutter Maria als ihre Beschützerin angerufen haben.

O sanctissima (lateinisch)
O Sanctissima, traditional Latin hymn to the Virgin Mary, earliest known printing, European Magazine and London Review. 22 (5): 385–386, Public Domain, Wikimedia Commons

Nachdem das Lied 1792 anonym im European Magazine und dann 1794 in einem amerikanischen Magazin veröffentlicht worden war, verbreitete sich O sanctissima zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Sprachen. Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) nahm es in seine Sammlung Stimmen der Völker in Liedern auf, die posthum im Jahre 1807 erschien. Sowohl Haydn als auch Beethoven haben Chorbearbeitungen des lateinischen Liedes geschrieben. 

Hier ist der lateinische Originaltext von O sanctissima mit englischer und deutscher Übersetzung.   

O sanctissima (lateinische Textfassung) 

O sanctissima, o piissima,
dulcis Virgo Maria!
Mater amata, intemerata,
ora, ora pro nobis.

Tu solatium et refugium,
Virgo Mater Maria.
Quidquid optamus, per te speramus;
ora, ora pro nobis.

Ecce debiles, perquam flebiles;
salva nos, o Maria!
Tolle languores, sana dolores;
ora, ora pro nobis.

Virgo, respice, Mater, aspice;
audi nos, o Maria!
Tu medicinam portas divinam;
ora, ora pro nobis.

Englische Übersetzung (Wikipedia, O Sanctissima)

O most holy, o most loving,
sweet Virgin Mary!
Beloved Mother, undefiled,
pray, pray for us.

You are solace and refuge,
Virgin, Mother Mary.
Whatever we wish, we hope it through you;
pray, pray for us.

Look, we are weak and deeply deplorable;
save us, o Mary!
Take away our lassitude, heal our pains;
pray, pray for us.

Virgin, look at us, Mother, care for us;
hear us, o Mary!
You bring divine medicine;
pray, pray for us. 

Deutsche Übersetzung (sinngemäß, von Sylvia Kreye)

O heiligste, o gnädigste,
süße Jungfrau Maria!
Geliebte, unbefleckte Mutter,
bitte, bitte für uns.

Du bist Trost und Zuflucht,
Jungfrau Mutter Maria.
Was wir wünschen, erhoffen wir durch dich;
bitte, bitte für uns.

Sieh, wir sind schwach, sehr beklagenswert;
rette uns, o Maria!
Nimm hinweg die Trägheit, heile die Schmerzen;
bitte, bitte für uns.

Jungfrau, sorge für uns, Mutter, schau auf uns;
erhöre uns, o Maria!
Du bringst göttliche Medizin;
bitte, bitte für uns. 

Soweit zur lateinischen Fassung. Die Melodie von O sanctissima wurde für das deutsche Weihnachtslied O du fröhliche und dessen englische Version O, how joyfully sowie für den englischen Schlussgesang Lord, Dismiss Us With Thy Blessing in der anglikanischen Kirche wiederverwendet. 

O du fröhliche (deutsche Textfassung)

O du fröhliche (deutsch)
O du fröhliche, Melodie und deutsche Textfassung, gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Der deutsche Text nimmt nicht auf die Jungfrau Maria, sondern vielmehr auf Jesus selbst und seine Geburt Bezug.   

Die deutschsprachige Fassung O du fröhliche mit dem Originaltext von Johannes Daniel Falk entstand nach neuesten Forschungsergebnissen schon im Jahre 1815. 

Johannes Daniel Falk, der in Weimar ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder gegründet hatte, schrieb den Text zum Lied O du fröhliche, um es zu Weihnachten mit den von ihm betreuten Kindern singen zu können. Die Melodie hatte er in Johann Gottfried Herders Sammlung Stimmen der Völker in Liedern gefunden.

In seiner Urfassung war das Lied zunächst ein „Allerdreifeiertagslied“, wie es Falk selbst nannte. Die ursprüngliche deutsche Version nimmt auf die drei christlichen Hauptfeste, Weihnachten, Ostern und Pfingsten (und somit auf die Dreifaltigkeit) Bezug:

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, Christenheit!

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Osterzeit!
Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden:
Freue, freue dich, Christenheit!

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Pfingstenzeit!
Christ, unser Meister, heiligt die Geister:
Freue, freue dich, Christenheit!  

In dieser Fassung wurde das Lied 1816 veröffentlicht. Der Erstdruck befindet sich in dem am 30. Januar 1817 abgeschlossenen Zweiten Bericht von Falks sozialdiakonischem Förderverein Gesellschaft der Freunde in der Noth. Der Bericht enthält auch eine Liste von Liedern, „die jeder Zögling der Sonntagsschule auswendig wissen und singen muss.“ 

Seinen Siegeszug trat das Lied allerdings nicht als Allerdreifesttagslied,  sondern als Weihnachtslied an. Vom Weihnachtslied O du fröhliche stammt nur noch die erste Strophe von Falk. Die anderen Strophen wurden von Heinrich Holzschuher, einem Mitarbeiter Falks, im Jahre 1829 verfasst. In dieser Form ist das Lied bis heute erhalten geblieben: 

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen Dir Ehre:
Freue, freue dich, o Christenheit! 

Das von Falk und Holzschuher gedichtete Weihnachtslied wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die englische Fassung dürfte wohl am bekanntesten sein:

O how joyfully (englische Textfassung)

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
To a world so lost in sin,
Christ the Savior, enters in:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore!

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
Jesus, born in lowly stall,
With His grace redeems us all:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore!

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
Hosts of angels from on high,
Sing, rejoicing, in the sky:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore! 

Das Weihnachtslied O du fröhliche wurde auch in das Evangelische Kirchengesangbuch (EG 44) und in viele Diözesanhänge des katholischen Gotteslobs aufgenommen. 

Aufnahmen 

Auf YouTube gibt es mehrere Aufnahmen, unter anderem einen Live-Mitschnitt mit den Regensburger Domspatzen und eine sehr feierliche Live-Aufnahme von einer Christmette 2012 mit Orgel und Gemeindegesang (bei der man sogar dem Organisten auf die Finger schauen kann):

Quellen

https://en.wikipedia.org/wiki/O_Sanctissima 

https://de.wikipedia.org/wiki/O_du_fröhliche

https://de.wikisource.org/wiki/O_du_fröliche

https://johannesfalkverein.jimdo.com/o-du-fröhliche/     

http://ingeb.org/Lieder/ODuFrohl.html 

http://www.evangelisch.de/inhalte/129491/17-12-2015/weihnachtslied-oh-du-froehliche-offenbar-aelter-als-bislang-vermutet    

Johannes Daniel Falk: Gesellschaft der Freunde in der Noth aufs Jahr 18[…]: Zweyter Bericht. 1816

Notenquellen

O Sanctissima, traditional Latin hymn to the Virgin Mary, earliest known printing, European Magazine and London Review. 22 (5): 385–386, Public Domain, Wikimedia Commons

https://en.wikipedia.org/wiki/O_Sanctissima#/media/File:OSanctissima1792.jpg     

O du fröhliche, Melodie und deutsche Textfassung:

https://de.wikipedia.org/wiki/O_du_fröhliche#cite_ref-3          

Bildquellen

Der Wiener Stephansdom zur Weihnachtszeit. – Foto: Sylvia Kreye, 23.12.2016 (OLYMPUS DIGITAL CAMERA)

https://www.youtube.com/watch?v=-nKjUEfDSXQ

https://www.youtube.com/watch?v=qsF0c9NT0yY        

22. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

22. Dezember

Vom Himmel hoch

Im musikalischen Adventskalender geht es heute um das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“ von Martin Luther. Im Hinblick auf das Luther-Jahr 2017 sei daran erinnert, dass der Reformator Martin Luther auch die Melodie zu diesem Weihnachtslied komponierte.

Martin Luther schuf zu allen christlichen Festen Lieder; insgesamt waren es über dreißig. Eines seiner Weihnachtslieder ist besonders berühmt geworden: Vom Himmel hoch, da komm’ ich her. Der Text des Liedes, den Luther im Jahre 1535 (angeblich zur Weihnachtsbescherung seiner eigenen Kinder), gedichtet hat, basiert auf dem Lukas-Evangelium (Lukas 2, 8-18). Es ist quasi die Weihnachtsgeschichte in Form eines Krippenspiels.

Zunächst unterlegte Martin Luther seinen aus 15 Strophen gedichteten Text einer weltlichen Melodie, dem Spielmannslied Ich kumm auß frembden landen her und bring euch vil der newen mär. (Es handelte sich dabei also um eine Kontrafaktur, ein Verfahren, bei dem ein bereits bestehendes Werk mit einem neuen Gesangstext unterlegt wird.)

Im Jahre 1539 komponierte er selbst eine Choralmelodie zu dem Text. Die von Luther selbst geschriebene und 1539 veröffentlichte Melodie beginnt ursprünglich mit einem Achtelauftakt, der jedoch in der Barockzeit zu einem Viertelauftakt ausgeglichen wurde. Im Evangelischen Kirchengesangbuch von 1950 wurde jedoch wieder die ursprüngliche Fassung von 1539 verwendet (EKG, Nr. 16), ebenso im Gotteslob von 1975 (Nr. 138). 

Vom Himmel hoch (von Martin Luther)

Vom Himmel hoch da komm' ich her, Melodie
Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk 
  1. Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her,
    ich bring‘ euch gute neue Mär,
    der guten Mär bring‘ ich so viel,
    davon ich sing’n und sagen will.
  1. Euch ist ein Kindlein heut’ geborn
    Von einer Jungfrau auserkorn,
    Ein Kindelein, so zart und fein,
    Das soll eu’r Freud und Wonne sein.
  1. Es ist der Herr Christ, unser Gott,
    Der will euch führn aus aller Not,
    Er will eu’r Heiland selber sein,
    Von allen Sünden machen rein.
  1. Er bringt euch alle Seligkeit,
    Die Gott der Vater hat bereit,
    Daß ihr mit uns im Himmelreich
    Sollt leben nun und ewiglich.
  1. So merket nun das Zeichen recht:
    Die Krippe, Windelein so schlecht,
    Da findet ihr das Kind gelegt,
    Das alle Welt erhält und trägt.
  1. Des laßt uns alle frölich sein
    Und mit den Hirten gehn hinein,
    Zu sehn, was Gott uns hat beschert,
    Mit seinem lieben Sohn verehrt.
  1. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!
    Was liegt dort in dem Krippelein?
    Wes ist das schöne Kindelein?
    Es ist das liebe Jesulein.
  1. Sei mir willkommen, edler Gast!
    Den Sünder nicht verschmähet hast
    Und kommst ins Elend her zu mir,
    Wie soll ich immer danken dir?
  1. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding,
    Wie bist du worden so gering,
    Daß du da liegst auf dürrem Gras,
    Davon ein Rind und Esel aß!
  1. Und wär’ die Welt vielmal so weit,
    Von Edelstein und Gold bereit’,
    So wär sie doch dir viel zu klein,
    Zu sein ein enges Wiegelein.
  1. Der Sammet und die Seide dein,
    Das ist grob Heu und Windelein,
    Darauf du König groß und reich
    Herprangst, als wär’s dein Himmelreich.
  1. Das hat also gefallen dir,
    Die Wahrheit anzuzeigen mir:
    Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
    Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.
  1. Ach, mein herzliebes Jesulein,
    Mach dir ein rein, sanft Bettelein,
    Zu ruhen in meins Herzens Schrein,
    Das ich nimmer vergesse dein.
  1. Davon ich allzeit fröhlich sei,
    Zu springen, singen immer frei
    Das rechte Susaninne schon,
    Mit Herzenslust den süßen Ton.
  1. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
    Der uns schenkt seinen ein’gen Sohn.
    Des freuen sich der Engel Schar
    Und singen uns solch neues Jahr. 

1541 erschien das Lied im Straßburger Gesangbuch unter dem Titel: „Kinderliede auff die Weihenachten“.

Straßburger Gesangbuch, 1541
Straßburger Gesangbuch von 1541: Vom Himmel hoch (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons. – Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kkleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB) 

1555 wurde der Text noch um eine weitere, vorangestellte Strophe von Valentin Triller, ergänzt: 

Es kam ein Engel hell und klar
von Gott aufs Feld zur Hirtenschar;
der war gar sehr von Herzen froh
und sprach zu ihnen fröhlich so:
Valentin Triller (1555)

Bearbeitungen

Das Lied Vom Himmel hoch wurde von zahlreichen Komponisten bearbeitet.

Christian Fürchtegott Gellert dichtete auf die Melodie im Jahre 1755 das Kirchenlied Dies ist der Tag, den Gott gemacht.

Johann Sebastian Bach verwendete das Thema für drei Choräle seines Weihnachtsoratoriums:

  • Ach, mein herzliebes Jesulein
  • Schaut hin, dort liegt im finstern Stall und
  • Wir singen dir in deinem Heer. 

Hier sind die ersten Takte des Chorals Ach, mein herzliebes Jesulein aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach:

Bach: Ach mein herzliebes Jesulein
Johann Sebastian Bach: Ach, mein herzliebes Jesulein, aus dem Weihnachtsoratorium (Anfangstakte) 

 

Später war das Lied Vorlage für Bachs Orgelwerk Canonische Variationen über Vom Himmel hoch, das im Jahre 1748 im Druck erschien. 

Auch Felix Mendelssohn Bartholdy verwendete das Thema für seine Choralkantate Vom Himmel hoch (MWV A 10) für fünfstimmigen Chor und großes Orchester. Bekanntlich wurde Mendelssohn sehr stark von den Werken Johann Sebastian Bachs inspiriert. Die Art und Weise, wie Mendelssohn das Thema des Chorals mit den kompositorischen Stilmitteln der Hochromantik bearbeitet und veredelt hat, ist beeindruckend.

Aufnahmen

Auf YouTube gibt es eine schöne Aufnahme der Choralkantate Vom Himmel hoch von Felix Mendelssohn Bartholdy. Es handelt sich um einen Konzertmitschnitt des WDR mit dem Kölner Domchor und der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford unter der Leitung von Johannes Klumpp.

Hier ist noch einmal der Link zum eingebetteten Video:

https://www.youtube.com/watch?v=ZXDFwdSIPu8

In einer weiteren Aufnahme werden zwei verschiedene Bearbeitungen, von Johann Sebastian Bach und Sebastian Sager, gegenübergestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=SqMRqf8gD9U

Ein Satz von Michael Prätorius ist ebenfalls auf YouTube zu hören:

https://www.youtube.com/watch?v=i6zI9scL_vQ 

Weiters gibt es eine Aufnahme in einer moderneren Bearbeitung mit den Wiener Sängerknaben:

https://www.youtube.com/watch?v=MFrKmyzajak

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her     

Notenquellen

Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk:

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her?uselang=de#/media/File:Vonhimmelhoch.jpg                

Aus dem Straßburger Gesangbuch 1541: „Kinderliede auff die Weihenachten“ (Vom Himmel hoch) (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB)

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:Stra%C3%9Fburger_Gesangbuch_1541_Vom_Himmel_hoch_(Isny).jpg        

Druck von 1567: Luther’s Christmas hymn Vom Himmel hoch in a print from 1567, Digital Image Archive, Pitts Theology Library, Candler School of Theology, Emory University, gemeinfreies Werk

Theology Library, Candler School of Theology, Emory University

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:VomHimmel00007012.jpg

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Ach mein herzliebes Jesulein (Ausschnitt):

Every Note Sheet Music Download

https://everynote.com/choral.show/109810.note  

Die vollständige Ausgabe kann auf der Seite von Every Note gegen Entgelt heruntergeladen werden. 

Bildquellen

Kalenderblatt (aus dem Privatarchiv von Sylvia Kreye). Engel mit Violine und Vers von Martin Luther: Des Himmels Chör freuen sich drob, und die Engel singen Gott Lob; den armen Hirten wird vermeldt der Hirt und Schöpfer aller Welt.