17. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

17. Dezember

Weihnachten in Nordamerika

Der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica führt uns heute über den großen Teich – in die Vereinigten Staaten von Amerika. An vielen Orten der USA werden mit viel Liebe zum Detail und großem Aufwand ganze Häuser und Gärten in funkelnde Weihnachtslandschaften verwandelt. Außerdem finden wir noch zwei bekannte Spirituals.

Von Großbritannien nach Nordamerika

Wie bereits im musikalischen Adventskalender vom 15. Dezember erwähnt, wurden die Weihnachtsbräuche von den britischen Siedlern nach Nordamerika mitgebracht und auch von den ehemaligen britischen Kolonien übernommen. Außerdem verschmolzen die christlichen Weihnachtsbräuche mit alten Bräuchen der Winterfeste aus vorchristlicher Zeit. 

Christmas Eve & Christmas Day, Santa Claus & Turkey

Weihnachten wird in den Vereinigten Staaten in der Regel am 25. Dezember, dem Christmas Day, gefeiert. Der Überbringer der Geschenke heißt in den USA Santa Claus. Die Kinder bekommen viele Geschenke von ihren Eltern und Verwandten. Dies hat dazu geführt, dass der Christmas Day immer mehr kommerzialisiert wurde und die Familien einen großen Teil ihres Einkommens für Geschenke und Nahrung ausgeben. 

Viele Sonntagsschulen, Kirchen und Vereine organisieren spezielle Charity-Events und andere Veranstaltungen wie Krippenspiele, Konzerte oder Theateraufführungen, die häufig ein weihnachtliches Thema behandeln.

Der Besuch eines Gottesdienstes am Sonntag vor Weihnachten und der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend, dem Christmas Eve, gehören ebenso zu den Traditionen. 

Auch in den Vereinigten Staaten hängen die Kinder am Abend des 24. Dezember ihre Socken am Kamin auf, damit Santa Claus diese mit Geschenken befüllen kann. Die Sitte, in der Nähe ein Glas Milch und einen Teller mit Weihnachtsgebäck für Santa Claus abzustellen, ist in den USA ebenfalls verbreitet.

Der gefüllte Truthahn (turkey with stuffing) ist auch in den USA das traditionelle Weihnachtsessen. Dazu werden Kartoffeln, geröstete Gemüse und Cranberry-Sauce serviert. Außerdem gibt es Schinken (ham), Roastbeef und Yorkshire pudding. 

Im Jahre 1870 wurde der 25. Dezember in den Vereinigten Staaten offiziell zum Feiertag erklärt. Am Christmas Day kommt das öffentliche Leben zum Stillstand. Behörden, Betriebe und Schulen sind geschlossen. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht nach dem regulären Fahrplan. Da viele Leute Verwandte und Freunde besuchen, kann es auf den Highways und an den Flughäfen zu Staus kommen. 

Weihnachten wird in den USA durch eine große Auswahl an Figuren und Objekten dargestellt: Das Jesuskind, die Geburt Jesu, die drei Heiligen Könige, aber auch Santa Claus, das Rentier und Elfen, Tannenbäume, Stechpalme, Christbaumschmuck, Lichterketten, Kerzen und Geschenke sind überall gegenwärtig. 

Ethnische Musikstile 

Analog zu den Bevölkerungsgruppen, die nach Amerika eingewandert sind, bildeten sich in der Neuen Welt auch verschiedene ethnische Musikstile heraus, welche (je nach Herkunft) angloamerikanische, afroamerikanische oder auch lateinamerikanische bzw. hispanoamerikanische Merkmale aufweisen. 

Christmas Carols 

Die Christmas carols, die traditionellen Weihnachtslieder, die in den Gottesdiensten der anglikanischen Kirche gesungen werden, wurden durch die weißen Siedler auch in Nordamerika eingeführt.

Wie bereits im Beitrag vom 15. Dezember erwähnt, haben die Christmas carols ihre Wurzeln im England des Mittelalters, als die Minnesänger noch singend von Schloss zu Schloss gezogen sind. In früheren Zeiten gingen auch die Kinder aus ärmeren Familien zu den Häusern der Reichen, um milde Gaben zu erbitten. Christmas Carols sind ein wichtiger Bestandteil der angloamerikanischen Gottesdienste. 

Spiritual Song 

Das Spiritual, auch Spiritual Song genannt (nicht zu verwechseln mit dem sogenannten ’Negro Spiritual’), ist ein geistliches Volkslied der weißen Bevölkerung Amerikas und stammt aus der Zeit der Erweckungsbewegung. Der Begriff hat seinen Ursprung in einer Sammlung protestantischer Gesänge mit dem Titel The whole book of psalmes. With the hymnes evangelicall and songs spirituall von Thomas Ravenscroft (1621). Oft wird das Wort Spiritual Song fälschlicherweise als Synonym für Negro Spiritual gebraucht. 

Negro Spiritual 

Das sogenannte Negro Spiritual ist eine Musikgattung religiöser, jedoch nicht liturgischer Gesänge der Afroamerikaner. Das Negro Spiritual hat seinen Ursprung in den Südstaaten der USA. 

Die Bezeichnung Negro Spiritual – das soll an dieser Stelle ausdrücklich betont werden – wird hier keineswegs abfällig oder diskriminierend verwendet, sondern bezeichnet lediglich den in der Musikgeschichte gebräuchlichen Terminus für einen Musikstil, der ganz charakteristische ethnische – eben afroamerikanische – Merkmale aufweist. Vor dem Hintergrund der Geschehnisse, welche diese Bevölkerungsgruppe im Laufe der Geschichte erleiden musste (Verschleppung und Sklaverei, Ausbeutung und Entrechtung, Rassentrennung und Diskriminierung) wäre es wohl besser, in diesem Zusammenhang von einem Afro-American Spiritual (im Unterschied zum Anglo-American Spiritual) zu sprechen. Jedoch hat sich der Begriff Negro Spiritual in der Musikgeschichte für diese Gattung etabliert und wird nach wie vor in der Fachliteratur gebraucht. 

Das Negro Spiritual hat seinen Ursprung bereits im 17. Jahrhundert, als im Zuge mehrerer Deportationswellen Millionen von Schwarzen aus Afrika nach Amerika verschleppt und versklavt wurden. Sie mussten auf den Baumwoll-Plantagen der weißen Herren harte Arbeit leisten. Jedes Aufbegehren wurde mit Peitschenhieben hart bestraft. 

Durch die Teilnahme an den sonntäglichen Gottesdiensten ihrer weißen Herren lernten die Afroamerikaner bereits ab dem 17. Jahrhundert die protestantischen Spritual Songs kennen und vermischten diese mit ihren afroamerikanischen Stilelementen.

Um ihr schweres Schicksal besser ertragen zu können, sangen die afroamerikanischen Sklaven ihre Gesänge nicht nur im Gottesdienst, sondern auch auf den Plantagen. Während sie ihre Arbeit auf den Plantagen verrichteten, bewegten sie sich im Rhythmus der Gesänge. Die Texte der Negro Spirituals weisen zahlreiche Metaphern und eine Doppeldeutigkeit auf. Weil sich die Sklaven mit Moses und dem geknechteten Volk Israels in Ägypten identifizierten, wurden in ihre Spirituals häufig Themen aus dem Alten Testament aufgenommen. Der Jordan zum Beispiel wurde zum Symbol für den Ohio-Fluss und die Sehnsucht nach dem Jenseits des Flusses, dem Norden.   

Die typische Form des Negro Spirituals ist einstimmig und beruht auf dem Call-Response-Prinzip (Ruf-Antwort-Prinzip): Der erste Teil wird von einem Vorsänger vorgetragen und der Refrain vom Chor gesungen. Der Vortrag wird auch von Zwischenrufen, Fußstampfen und Händeklatschen begleitet. Die Liedform wurde vom Abendland übernommen, jedoch wurde das Thema vielfältig variiert und verziert. Die Rhythmik des Negro Spirituals ist geprägt durch den aus der afrikanischen Musizierpraxis stammenden Offbeat („weg vom Schlag“, also gegen den Schlag). Für die Harmonik sind sogenannte Blue Notes ein charakteristisches Merkmal. Blue Notes (wörtlich: blaue Noten) sind einzelne Töne, die aus der normalen Tonskala herausfallen und vor allem auf der dritten, siebten und fünften Tonstufe vorkommen, wobei die Intonation sich vom westlichen Tonsystem wesentlich dadurch unterscheidet, dass der Ton jeweils zwischen der kleinen und großen Terz, zwischen der kleinen und großen Septime bzw. zwischen der verminderten und reinen Quinte liegt.

Gospel  

Das Gospel, auch Gospel Song genannt (von englisch good spell, ‚Evangelium‘, ‚Gute Nachricht‘, hergeleitet vom Altenglischen gōdspel, gōd ‚gut‘ und spel ‚Erzählung‘, ‚Nachricht), hat sich seit den 1920er Jahren aus dem früheren Negro Spiritual und unter dem Einfluss des Jazz entwickelt. Seinen Ursprung hat das Gospel in den spontanen Zurufen der Gemeindemitglieder während der Auslegung des Evangeliums durch den Prediger. Der Gospelsong wird solistisch und chorisch ausgeführt. Auch hier findet sich das für die afroamerikanische Volksmusik und den Jazz charakteristische Call-Response-Prinzip, das Ruf-Antwort-Muster. 

Go Tell It On The Mountain 

Zu den afroamerikanischen Spirituals gehört auch das Lied Go Tell It On The Mountain, das von der Geburt Jesu Christi handelt und daher auch als Weihnachtslied anzusehen ist. Es entstand gegen Ende der Sezessionskriege und wird auf das Jahr 1865 datiert. 

Da die Gesänge der Schwarzen mündlich überliefert wurden, sind Komponist und Texter unbekannt. John Wesley Work, ein afroamerikanischer Liedersammler und Chordirigent, hat es erstmals schriftlich erfasst und in seiner Sammlung American Negro Songs veröffentlicht. Da die Strophen des mündlich überlieferten Textes stark variierten, fügte Work der Melodie zwei Strophen hinzu. Die von ihm niedergeschriebene Version wurde bereits in den 1880er Jahren von seinem Chor, den Fisk Jubilee Singers, aufgeführt. Die Fassung von John Wesley Work Sr. wurde 1909 in der von Thomas P. Fenner zusammengestellten Liedersammlung Religious Folk Songs of the Negro as Sung on the Plantations veröffentlicht. Die heute bekannte Fassung des Liedes wurde von Works Sohn, John Work III., arrangiert und 1940 in der Ausgabe American Negro Songs And Spirituals veröffentlicht. Unter dem Titel Komm, sag es allen weiter wurde das Lied ins Evangelische Gesangbuch, unter EG 225, aufgenommen.

Go Tell It On The Mountain, Noten
Go Tell It On The Mountain, Thomas P. Fenner, Religious Folk Songs of the Negro as Sung on the Plantations (1909), archive.org, Public Domain

Englischsprachige Originalfassung 

Go, tell it on the mountain,
Over the hills and everywhere.
Go, tell it on the mountain,
That Jesus Christ is born.
 

Sinngemäße deutsche Übersetzung 

Geh, ruf es vom Berg,
Über die Hügel und weit hinaus.
Geh, ruf es vom Berg,
Dass Jesus Christus geboren ist. 

Amazing Grace

Ein bekanntes englischsprachiges geistliches Lied ist Amazing Grace (Erstaunliche Gnade). Es zählt zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt. 1972 kam es in einer Version der Royal Scots Dragoon Guards an die Spitze der britischen Charts. 

Die Entstehung des Liedes Amazing Grace ist auf ein Schlüsselerlebnis des Autors John Newton zurückzuführen. John Newton war Kapitän eines Sklavenschiffs. Am 10. Mai 1748 geriet er in Seenot, wurde jedoch gerettet, nachdem er Gott um Erbarmen angerufen hatte. Dieses Erlebnis sollte seinen weiteren Lebensweg prägen. Er blieb zwar noch einige Jahre Kapitän, behandelte jedoch die Sklaven von nun an menschlicher. Einige Jahre später gab er seinen Beruf ganz auf, wurde Geistlicher und trat gemeinsam mit William Wilberforce für die Bekämpfung der Sklaverei ein.

Amazing Grace ist also kein afroamerikanisches Spiritual, sondern fällt in die Kategorie der angloamerikanischen Spirituals.

Die bekannte Melodie, auch als New Britain bezeichnet, tauchte erstmals in einem Gesangbuch von 1831, dem Virginia Harmony, auf. Die Melodie ist pentatonisch. Ursprünglich soll sie auf amerikanische oder englische Wurzeln zurückgehen. Jedoch wird sie auch James P. Carrell und David S. Clayton zugeschrieben. Der ursprünglich zur Melodie gesungene Originaltext ist verloren gegangen. Der heute üblicherweise gesungene Text stammt von John Newton. Interessant ist die Harmonisierung, wie sie im Gesangbuch Southern Harmony von 1835 geboten wird. Charakteristisch ist für dieses Hymnenbuch, dass die Hauptmelodie in der Mittelstimme liegt und von jeweils einer darüber bzw. darunter liegenden Stimme leise begleitet wird.  

Amazing Grace, Noten
Amazing Grace, nach Southern Harmony, 1835, Public Domain, Wikimedia Commons
Englischer Originaltext Deutsche Übersetzung
Amazing grace, how sweet  the sound,

That saved a wretch like me!

I once was lost, but now I am found,

Was blind, but now I see.

Erstaunliche Gnade, wie süß der Klang,

Die einen armen Sünder wie mich errettete!

Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden,

War blind, aber nun sehe ich.

‚Twas grace that taught my heart to fear,

And grace my fears relieved;

How precious did that grace appear,

The hour I first believed!

Es war Gnade, die mein Herz Furcht lehrte,

Und Gnade löste meine Ängste;

Wie kostbar erschien diese Gnade

In der Stunde, als ich erstmals glaubte!

Through many dangers, toils and snares,

I have already come;

‚Twas grace that brought me safe thus far,

And grace will lead me home.

Durch viele Gefahren, Mühen und Fallen

Bin ich bereits gekommen;

Es ist Gnade, die mich sicher so weit brachte,

Und Gnade wird mich heim geleiten.

The Lord has promised good to me,

His word my hope secures;

He will my shield and portion be,

As long as life endures.

Der Herr hat mir Gutes versprochen,

Sein Wort macht meine Hoffnung sicher;

Er wird mein Schild und Teil sein,

So lange das Leben währt.

Yes, when this flesh and heart shall fail,

And mortal life shall cease;

I shall possess, within the veil,

A life of joy and peace.

Ja, wenn dieses Fleisch und Herz versagen,

Und das sterbliche Leben vergeht,

Werd‘ ich hinter dem Schleier führen,

Ein Leben voll Freude und Frieden.

The earth shall soon dissolve like snow,

The sun forbear to shine;

But God, who call’d me here below,

Will be forever mine.

Die Erde wird sich bald auflösen wie Schnee,

Die Sonne aufhören zu scheinen;

Doch Gott, der mich nach hier unten rief,

Wird ewig mein sein.

Weitere Weihnachtslieder in englischer Sprache

Eine reiche Auswahl an Texten zu englischen und amerikanischen Weihnachtsliedern ist auf den folgenden Websites zu finden:

http://www.santas.net/songs.htm

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs      

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Christmas_carols

Quellen in deutscher Sprache

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit       

https://de.wikipedia.org/wiki/Negro_Spiritual

https://de.wikipedia.org/wiki/Go_Tell_It_on_the_Mountain

https://de.wikipedia.org/wiki/Amazing_Grace                           

Quellen in englischer Sprache

https://www.timeanddate.com/holidays/us/christmas-day      

https://en.wikipedia.org/wiki/Christmas_traditions 

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs         

Notenquellen

Go Tell It On The Mountain: Thomas P. Fenner, Religious Folk Songs of the Negro as Sung on the Plantations (1909), Seite 174, Public Domain, archive.org:

https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive        

http://www.archive.org/stream/religiousfolkson00fenn#page/173/mode/1up   

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 104-105.

Amazing Grace: nach Southern Harmony, 1835 (dreistimmiger Satz mit Hauptmelodie in der Mittelstimme), von Brian Ammon, 04.09.2012, Public Domain, license CC0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAmazingGrace.svg    

By Brian Ammon (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons 

Bildquelle

Rockefeller Center Christmas Tree 2016

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rockefeller_Center_Christmas_Tree_2016_(31016740890).jpg

Attribution/Urheberschaft:

Michael Vadon [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

 

16. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

16. Dezember

English Christmas Carols

Im musikalischen Adventskalender geht es heute um traditionelle English Christmas carols, die ihren Ursprung im Vereinten Königreich haben. Bevor wir einen „Sprung“ über den großen Teich nach Nordamerika machen, wollen wir uns noch einmal mit den Christmas carols befassen, die in der anglikanischen Kirche traditionell zu Weihnachten gesungen werden und vom Vereinten Königreich dann auch in die Vereinigten Staaten exportiert wurden. 

Christmas Carols aus dem Vereinten Königreich 

Christmas carols, festliche Weihnachtslieder, werden traditionell in den  britischen Weihnachtsgottesdiensten gesungen. Auch das Weihnachtssingen der Kinder ist in England weit verbreitet. Dabei gehen die Kinder singend von Haus zu Haus. 

Wie bereits im musikalischen Adventskalender vom 15. Dezember erwähnt, haben die Christmas carols ihre Wurzeln im England des Mittelalters, als die Minnesänger noch singend von Schloss zu Schloss gezogen sind. In früheren Zeiten gingen auch die Kinder aus ärmeren Familien zu den Häusern der Reichen, um milde Gaben zu erbitten. Dieser alte Brauch ist in der Tradition der Sternsinger, die Geld für wohltätige Zwecke sammeln, erhalten geblieben. 

Hark The Herald Angels Sing 

Eines der bekanntesten Christmas carols ist das Lied Hark the Harald Angels Sing (Horch, der Engelsboten Sang), das im Adventskalender vom 15. Dezember bereits vorgestellt wurde.   

The First Nowell

The First Nowell (auch: The First Noel, abgeleitet vom französischen Wort noël für Weihnachten) ist ein traditionelles englisches Weihnachtslied. The First Nowell bedeutet: Das erste Weihnachtsfest. Das Lied handelt von der Geburt Jesu Christi und die Anbetung des Jesuskindes durch die drei Weisen aus dem Morgenland. Das aus Cornwall stammende Lied wurde erstmals in der Sammlung Carols Ancient and Modern von 1823 veröffentlicht. Im Laufe der Jahre haben sich zahlreiche Bearbeitungen und Textfassungen herausgebildet. 

Der englische Komponist Ralph Vaughan Williams (1872 – 1958) schrieb 1958 den Vokalsatz The First Nowell für Solisten, Chor und kleines Orchester.

The First Nowell
The First Nowell, in Carols New And Old, 1879, public domain
Englischer Originaltext
Deutsche Übersetzung
The first Nowell the angel did say
was to certain poor shepherds in fields as they lay;
in fields as they lay, keeping their sheep,
on a cold winter’s night that was so deep.Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
Born is the King of Israel.They looked up and saw a star
shining in the east, beyond them far,
and to the earth it gave great light,
and so it continued both day and night.

Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
born is the King of Israel.

And by the light of that same star
three wise men came from country far;
to seek for a King was their intent,
and to follow the star whersoever it went.

Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
born is the King of Israel.

This star drew nigh to the northwest,
o’er Bethlehem it took its rest,
and there it did both stop and stay
right over the place where Jesus lay.

Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
born is the King of Israel.

Then entered in those wise men three
full reverently upon their knee
and offered there in his presence
their gold, and myrrh, and frankincense.

Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
born is the King of Israel.

Then let us all with one accord
sing praises to our heavenly Lord;
that hath made heaven and earth of nought,
and with his blood mankind hath bought.

Nowell, Nowell, Nowell, Nowell,
born is the King of Israel.

Das erste Weihnachtsfest, so sagte der Engel,
war für einige arme Schafhirten, die in den Feldern lagen,
in den Feldern lagen sie und hüteten und ihre Schafe,
in einer kalten Winternacht, die so dunkel war.Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.Sie schauten auf und sahen einen Stern
weit über ihnen im Osten leuchten.
Und die Erde erleuchtete er hell
und so ging es weiter, bei Tag und Nacht.

Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.        

Und durch das Licht desselben Sterns kamen drei Weise aus fernen Landen,
Um nach einem König zu suchen, war ihre Absicht, und um dem Stern zu folgen, wohin auch immer er ging.

Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.

Dieser Stern zog im Nordwesten herauf,
über Bethlehem hielt er schließlich an.
Und dort hielt er an und blieb stehen,
genau über der Stelle, wo Jesus lag.                                             

Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.

Dann gingen die Drei Weisen hinein,
fielen ehrfürchtig auf ihre Knie
Und opferten in seiner Gegenwart
Gold, Myrrhe und Weihrauch.

Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.        

Lasset uns alle einmütig preisen,
unserem himmlischen Herrn lobsingen,
der Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen hat
und mit seinem Blut die Menschheit erlöst hat.

Noël, Noël, Noël, Noël,
geboren ist der König von Israel.

Auf YouTube gibt es eine gute Aufnahme mit dem King’s College Cambridge in einer Bearbeitung von David Willcocks:

https://www.youtube.com/watch?v=QbbagyVukSE

Joy To The World 

Joy To The World (Freue dich, Welt) ist eines der beliebtesten Weihnachtslieder aus dem angelsächsischen Sprachraum. Der Text wurde von Isaac Watts (1674 – 1748) im Jahre 1719 nach dem zweiten Teil des Psalms 98 verfasst (Die Psalmen Davids in der Sprache des Neuen Testaments für den christlichen Stand und Gottesdienst).   

Die Musik wurde von Lowell Mason im Jahre 1836 nach einer älteren Melodie adaptiert und für vierstimmigen Chor arrangiert. 

Aufgrund der Ähnlichkeit der ersten vier Noten mit dem Chor Lift Up Your Heads (Hoch tut euch auf) aus dem Oratorium Messiah (Der Messias) sowie dem Chor Glory To God (Ehre sei Gott) von Händel, wurde das Werk zunächst Georg Friedrich Händel zugeschrieben. Nach neuesten Erkenntnissen jedoch ist Händel nicht der einzige Verfasser.

Joy To The World
Joy To The World: Traditional, Isaac Watts & Lowell Mason – Public Domain, Choral Public Domain License
Englisch Deutsche Übersetzung
Joy to the world, the Lord is come!
Let earth receive her King;
Let every heart prepare Him room,
And heaven and nature sing,
And heaven and nature sing,
And heaven, and heaven, and nature sing.Joy to the earth, the Savior reigns!
Let men their songs employ;
While fields and floods, rocks, hills and plains
Repeat the sounding joy,
Repeat the sounding joy,
Repeat, repeat, the sounding joy.

No more let sins and sorrows grow,
Nor thorns infest the ground;
He comes to make His blessings flow
Far as the curse is found,
Far as the curse is found,
Far as, far as, the curse is found.

Freue dich, Welt, dein König naht.
Mach deine Tore weit.
Er kommt nach seines Vaters Rat,
der Herr der Herrlichkeit,
der Herr der Herrlichkeit,
der Herr, der Herr, der Herrlichkeit.Jesus kommt bald, mach dich bereit.
Er hilft aus Sündennacht.
Sein Zepter heißt Barmherzigkeit
und Lieb ist seine Macht,
und Lieb ist seine Macht,
und Lieb und Lieb ist seine Macht.

Freuet euch doch, weil Jesus siegt,
sein wird die ganze Welt.
Des Satans Reich darnieder liegt,
weil Christ ihn hat gefällt,
weil Christ ihn hat gefällt,
weil Christ, weil Christ ihn hat gefällt.

Von Joy To The World gibt es auf YouTube einige gute Aufnahmen. Interessant sind zum Beispiel die Aufnahmen mit dem Libera Choir in Ireland, mit dem George Fox University Choir oder dem Mormon Tabernacle Choir (in verschiedenen Bearbeitungen):

https://www.youtube.com/watch?v=6oOwa0CWVVQ   

https://www.youtube.com/watch?v=DLT9dSt8cwg        

The Holly And The Ivy

The Holly And The Ivy (Die Stechpalme und der Efeu) ist ein beliebtes traditionelles englisches Weihnachtslied. Die Stechpalme ist mit ihren dunkelgrünen stacheligen Blättern ein christliches Symbol für die Dornenkrone Jesu, die roten Beeren symbolisieren seine Blutstropfen. 

Von dem Lied gibt es verschiedene Fassungen. Die bekannteste Fassung stammt von Cecil Sharp. Eine weitere bekannte Fassung ist in Christmas Carols New And Old von Henry Ramsden Bramley und John Stainer enthalten. Weitere Bearbeitungen des Liedes stammen von Walford Davies, Reginald Jacques, Matthew Owens und John Rutter. 

Es ist außerdem in vielen Carol-Sammlungen enthalten, zum Beispiel im Oxford Book of Carols (in einer Fassung von Martin Shaw) oder in 100 Carols for Choirs (in einer Fassung von Walford Davies).

The Holly And The Ivy
The Holly And The Ivy, Traditional, Nine Lessons and Carols, Public Domain
Englisch Deutsche Übersetzung von Johannes Haas (1962)
The holly and the ivy,
now are both well grown,
Of all the trees that are in the wood,
the holly bears the crown.

Refrain
Oh, the rising of the sun
and the running of the deer,
The playing of the merry organ,
sweet singing in the choir.The holly bears a blossom
as white as lily flower,
And Mary bore sweet Jesus Christ
to be our sweet saviour

Refrain

The holly bears a berry
as red as any blood,
And Mary bore sweet Jesus Christ
to do poor sinners good.

Refrain

The holly bears a prickle
as sharp as any thorn,
And Mary bore sweet Jesus Christ
on Christmas Day in the morn.

Refrain

The holly bears a bark
as bitter as any gall,
And Mary bore sweet Jesus Christ
for to redeem us all.

Refrain

Die Stechpalme und der Efeu,
Sind nun beide ganz ausgewachsen;
Von allen Bäumen im Wald
Trägt die Stechpalme allein die Krone.

Refrain
O, der Aufgang der Sonne
und das Springen der Hirsche,
Das fröhliche Spiel der Orgel,
der süsse Gesang des Chores.Die Stechpalme trägt eine Blüte
So weiß wie die einer Lilie
Und Maria gebar den süßen Jesus Christ
Damit er unser süßer Heiland sei.

Refrain

Die Stechpalme trägt eine Beere
So rot wie alles Blut
Und Maria gebar den süßen Jesus Christ
Damit er den armen Sündern Gutes tun kann.

Refrain

Die Stechpalme trägt einen Stachel
So spitz wie ein jeder Dorn;
Und Maria gebar den süßen Jesus Christ
Am Morgen des Weihnachtstages.

Refrain

Die Stechpalme trägt eine Rinde
So bitter wie jede Galle;
Und Maria gebar den süßen Jesus Christ
Um uns alle zu erlösen.

Refrain

Von The Holly And The Ivy gibt es auf YouTube einige Aufnahmen, zum Beispiel mit dem St. Paul’s Cathedral Choir bzw. dem Westminster Abbey Choir:

https://www.youtube.com/watch?v=pI7NY7IFTt4 

https://www.youtube.com/watch?v=lmXf4chXbV0         

Eine Rarität ist sicher auch die Aufnahme mit Natalie Cole und José Carreras, welche während Konzerts A Celebration Of Christmas in Wien im Jahre 1995 entstanden ist:

https://www.youtube.com/watch?v=FxH60hIb9TM        

Weitere Christmas carols

Auch die englische Fassung des Weihnachtsliedes Adeste fideles (O Come All Ye Faithful, englische Übersetzung von Frederick Oakeley) wird in den englischen Gottesdiensten immer wieder gern gesungen. (Auf das Lied Adeste fideles wurde ja bereits im Beitrag vom 11. Dezember ausführlich eingegangen.)

Eine reiche Auswahl an Liedtexten (lyrics) zu englischen Christmas carols ist auf der Website Santa’s Net zu finden:

http://www.santas.net/songs.htm 

Gute Aufnahmen der englischen Christmas carols von bekannten Chören – wie etwa dem King’s College Choir   – sind auf YouTube zu finden. Hier ein paar Links:

https://www.youtube.com/watch?v=7HItFqKBAQE&t=28s    

https://www.youtube.com/watch?v=SQbalpebT9Y 

Quellen in deutscher Sprache

https://de.wikipedia.org/wiki/The_First_Nowell      

https://de.wikipedia.org/wiki/Joy_to_the_World     

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Holly_and_the_Ivy

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_fremdsprachiger_Weihnachtslieder        

Quellen in englischer Sprache

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Christmas_carols  

https://en.wikipedia.org/wiki/Carol_(music)   

http://www.santas.net/songs.htm

http://www.santas.net/britishchristmas.htm  

http://www.learnenglish.de/culture/christmas.html          

Notenquellen

The First Nowell, in Carols New And Old, 1879, gemeinfreies Werk

hymnsandcarolsofchristmas.com, The First Nowell from an 1879 book by Henry Ramsden Bramley

https://de.wikipedia.org/wiki/The_First_Nowell#/media/File:First_Nowell_stainer.jpg        

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 84. 

Joy To The World: Traditional, Text von Isaac Watts, Bearbeitung von Lowell Mason, Cantorion, Choral Public Domain License

http://cantorionnoten.de/music/55/The-First-Noel-Voice          

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 85. 

The Holly And The Ivy: Traditional, Nine Lessons and Carols, Cantorion, Choral Public Domain License

http://cantorionnoten.de/music/4140/The-Holly-and-the-Ivy-SATB-Gesang    

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 100. 

Bildquelle

Holly on an old book of Christmas carols, by RosieLea, Public Domain, CC0, pixabay.com

Stechpalmzweig auf einem alten Buch mit Christmas carols, von RosieLea, gemeinfrei, CC0, pixabay.com

https://pixabay.com/de/buch-alte-weihnachten-carol-1076196/ 

 

15. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

15. Dezember

Weihnachten in Großbritannien

Weihnachten in Großbritannien – Christmas in Great Britain – ist das heutige Thema in unserem musikalischen Adventskalender. Im Mittelpunkt stehen britische Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder. Die Ursprünge des traditionellen Weihnachtsfestes gehen auf das 6. Jahrhundert zurück. Bräuche aus vorchristlicher Zeit wurden in die Weihnachtstraditionen einbezogen. Viele davon sind erhalten geblieben. Die Weihnachtsbräuche der britischen Inseln wurden auch von den ehemaligen britischen Kolonien in Nordamerika, Australien und Neuseeland übernommen. 

Christmas Cards  

Das Versenden von Weihnachtskarten hat in Großbritannien große Bedeutung. Bereits Anfang oder Mitte Dezember werden die aufwändig gestalteten Weihnachtskarten verschickt. Die erhaltenen Karten werden auf dem Kaminsims aufgestellt oder an einer Schnur über dem Türrahmen aufgehängt. 

Christmas Fairs & Christmas Lights

In der Vorweihnachtszeit finden in vielen britischen Städten Weihnachtsmärkte (Christmas fairs) statt, wo auch deutsche oder österreichische Spezialitäten angeboten werden. Besonders romantisch sind die traditionell gestalteten viktorianischen Weihnachtsmärkte, die vor allem in kleinen Städten vor historischen Kulissen stattfinden. 

Das Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung (Christmas lights switch on) wird in vielen Städten gefeiert. Besonders berühmt ist die Weihnachtsbeleuchtung in der Oxford Street in London, die von Jahr zu Jahr größer und aufwändiger wird. Das große ’switch on’ zu Anfang November ist hier immer ein besonderes Spektakel. 

Christmas Tree, Mistle, Holly & Ivy  

Bereits am 1. Dezember werden in Großbritannien die Wohnungen festlich geschmückt. Im Wohnzimmer wird ein Weihnachtsbaum (Christmas tree) aufgestellt, der mit Lichterketten (fairy lights), Lametta (tinsel) und Weihnachtskugeln (baubles) bunt geschmückt wird. Der Weihnachtsbaum gelangte erst im 19. Jahrhundert nach Großbritannien; Prinz Albert, der Ehemann von Queen Victoria, brachte diesen Brauch aus Deutschland mit. 

An den Türrahmen werden Mistelzweige (mistle toes) aufgehängt. Der Mistel wurden von jeher magische Kräfte nachgesagt. Wer sich unter einem mit Mistelzweigen dekorierten Türrahmen trifft, darf sich küssen. Der Kamin, das Treppengeländer und die Haustür werden mit frischen Kränzen (wreaths) und Weihnachtsgirlanden (garlands) aus Tannengrün und Efeu (ivy) verziert.

Auch Stechpalmzweige (hollies) kommen beim Schmücken der Wohnungen zum Einsatz. Der Stechpalme (holly) mit ihren roten Beeren und dunkelgrünen stacheligen Blättern wurden früher magische Kräfte nachgesagt; ihr wurde die Fähigkeit zugeschrieben, böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Besonders in Nordeuropa, wo man in den Winterstürmen der langen und kalten Winternächte die Stimmen der Geister, Dämonen, Hexen und Werwölfe zu hören glaubte, wurden die magischen Kräfte der Mistel und der Stechpalme sehr ernst genommen.

Der Efeu (ivy) war zu römischen Zeiten das Symbol des Weingottes Bacchus. Da man ihn mit heidnischen Festen assoziierte, war der Efeu in christlichen Häusern lange Zeit verboten. Heute gehört er wieder zum traditionellen Weihnachtsfest.  

Advent Calendar & Advent Wreath

Der Adventskalender (advent calendar) ist auch in Großbritannien verbreitet. Der Adventskalender hat seinen Ursprung im protestantischen Deutschland des 19. Jahrhunderts und wurde später auch in Großbritannien eingeführt. Der erste bekannte Adventskalender kam zum Advent des Jahres 1851 heraus. Da Weihnachten in Großbritannien erst am 25. Dezember gefeiert wird, hat der britische Adventskalender meist 25 Türchen. 

Die Adventskerze (advent candle) ist in Großbritannien ebenfalls üblich. Sie hat 25 Markierungen. Jeden Tag wird von der Kerze ein kleines Stück bis zur nächsten Markierung heruntergebrannt. Der Adventskranz (advent wreath) mit vier Kerzen für jede Adventswoche wurde ebenfalls aus dem deutschen Sprachraum nach Großbritannien importiert. Er ist jedoch nicht ganz so gebräuchlich wie im deutschsprachigen Raum. 

Mince Pies & Mulled Wine 

In der Weihnachtszeit finden in Großbritannien überall Advent- und Weihnachtsmärkte statt. Auch Charity-Aktionen und Weihnachtspartys haben Hochsaison. Bei diesen Veranstaltungen gibt es Mince Pies, das traditionelle britische Weihnachtsgebäck, und Mulled Wine (Glühwein). Mince Pies sind kleine Früchtekuchen, gefüllt mit einer Mischung aus Trockenfrüchten wie Rosinen, Sultaninen, Orangen- und Zitronenschale, Äpfeln und Gewürzen, die oft noch mit Brandy, Whisky oder Sherry verfeinert werden. 

Christmas Eve 

Heiligabend (Christmas Eve) hat in Großbritannien nicht so eine starke Bedeutung wie in anderen Ländern. Wichtiger ist der erste Weihnachtstag (Christmas Day) und der zweite Weihnachtstag (Boxing Day). Der Besuch einer Messe mit Weihnachtsliedern (Christmas carols) und einem Krippenspiel (nativity play) oder der Christmette um Mitternacht (midnight church services) ist ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsabends. 

Nativity Scene & Nativity Play

Weihnachtskrippen (nativity scenes, auch: Christmas crèches) sind auch in Großbritannien beliebt. Zu Weihnachten werden oft Krippenspiele (nativity plays) aufgeführt, vor allem von Grund- und Sonntagsschulen. Dabei schlüpfen die Kinder in die Kostüme der biblischen Gestalten. 

Christmas Stockings & Father Christmas 

Am Heiligen Abend (Christmas Eve) werden in Großbritannien Strümpfe (stockings) am Kamin aufgehängt, denn in der Nacht zum 25. Dezember kommt der Weihnachtsmann (Father Christmas) durch den Kamin und füllt die Strümpfe der Kinder mit Geschenken. Für den Weihnachtsmann werden kleine Früchtekuchen (mince pies) und Sherry, für sein Rentier Karotten abgelegt. Dieser alte Weihnachtsbrauch geht auf die Legende von Saint Nicholas zurück, der die Mitgift für die drei Töchter eines verarmten Mannes durch den Schornstein in die am Kamin aufgehängten Strümpfe geworfen haben soll.   

Christmas Day  

Das eigentliche Weihnachtsfest wird in Großbritannien am Christmas Day, dem 25. Dezember, gefeiert. Gleich nach dem Aufstehen findet die Bescherung statt. Wenn die Kinder am Morgen aufwachen, öffnen sie die aufgehängten Strümpfe und packen die Geschenke aus. Dann frühstücken die Familien gemeinsam. 

Christmas Dinner – das Weihnachtsmahl 

Am späten Mittag bzw. am Nachmittag findet das Christmas Dinner, das traditionelle Weihnachtsmahl statt. Zur Dekoration liegen auf jedem Platz die sogenannten Christmas crackers (bunte Knallbonbons), die mit Papierhüten und kleinen Geschenken gefüllt sind. Oft befindet sich in einem Cracker auch ein Zettel mit einer Scherzfrage. Durch Ziehen an den Enden werden die Cracker noch vor dem Essen geöffnet, was ein leichtes explosionsartiges Plop-Geräusch erzeugt. Dann entnehmen die Familienmitglieder den Crackern die Papierhüte und Geschenke. Die lustigen bunten Hüte setzen sie zum Weihnachtsmahl auf. 

Turkey & Plumpudding 

Das Christmas Dinner am Nachmittag des ersten Weihnachtstages ist in Großbritannien stets der Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten. Als Vorspeise gibt es häufig Garnelen oder Räucherlachs. Als Hauptgericht wird in den meisten britischen Familien Truthahn (turkey) serviert, der entweder mit Backpflaumen und Äpfeln oder mit Hackmasse und Brot gefüllt ist. In manchen Familien kommt auch eine Gans auf den Tisch. Dazu werden Röstkartoffeln, Rosenkohl (brussel sprouts) und andere Gemüsesorten serviert. 

Zum Dessert gibt es den Christmas pudding, auch plum pudding genannt. Der plum pudding ist ein dunkler, reichhaltiger Früchtepudding. Er besteht aus getrockneten Früchten, Nüssen, Gewürzen, schwarzer Melasse und einer ganzen Menge Sherry oder Brandy. Der plum pudding wird schon einige Tage vor Weihnachten hergestellt, da es einige Zeit braucht, bis der Alkohol in die Früchte eingezogen ist. Plum pudding wird mit Brandy-Sauce oder Brandy-Butter serviert.

The Queen’s Speech     

Um 15 Uhr – in der Regel noch während des Weihnachtsmahls – wird im Fernsehen die Weihnachtsansprache der Queen (Queen’s speech) übertragen. Der größte Teil der Briten sitzt dann vor dem Fernseher. Daher ist der erste Weihnachtstag für die britischen Fernseh- und Radiosender auch immer der Tag mit den höchsten Einschaltquoten. 

Boxing Day 

Der 26. Dezember, der zweite Weihnachtstag oder Stefanitag, ist in Großbritannien der Boxing Day, ein Geschenktag, an dem die Briten Verwandte und Freunde besuchen. Vor allem aber werden an diesem Tag jene Menschen beschenkt, die im Alltag für einen reibungslosen Ablauf sorgen. So erhalten am Boxing Day auch Hausangestellte, Briefträger, Busfahrer und das Personal von der Müllabfuhr Geschenke. Auch Arme und Bedürftige werden am Boxing Day bedacht. 

Christmas Carols 

Christmas carols, alte Weihnachtslieder, werden traditionell in den Weihnachtsgottesdiensten gesungen. Aber auch das Weihnachtssingen der Kinder ist in England weit verbreitet. Dabei gehen die Kinder von Haus zu Haus und singen die bekannten Christmas carols. 

Die Christmas carols haben ihre Wurzeln im England des Mittelalters, als die Minnesänger noch singend von Schloss zu Schloss gezogen sind. In früheren Zeiten gingen auch die Kinder aus ärmeren Familien zu den Häusern der Reichen, um milde Gaben zu erbitten. Dieser alte Brauch hat sich mit den Sternsingern fortgesetzt, die Geld für wohltätige Zwecke sammeln. 

Das Weihnachtslied Hark the Harald Angels Sing (Horch, der Engelsboten Sang) wird in der anglikanischen Kirche zu Weihnachten immer wieder gern gesungen. Der Text stammt von Charles Wesley und wurde 1739 in dessen Sammlung Hymns and Sacred Poems veröffentlicht. Zunächst wurde der Text auf die Melodie von Amazing Grace gesungen. Die heutige Melodie geht auf Felix Mendelssohn Bartholdy zurück und war ein Teil des Festgesangs zum Gutenbergfest, den Mendelssohn 1840 zur „vierten Säcularfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst“ in Leipzig komponiert hatte. 

Hark The Herald Angels Sing

Hark! The herald angels sing
Hark! The herald angels sing, Gesangsstimme, gemeinfreies Werk

Englisch 

Hark the herald angels sing
„Glory to the newborn King!
Peace on earth and mercy mild
God and sinners reconciled“
Joyful, all ye nations rise
Join the triumph of the skies
With the angelic host proclaim:
„Christ is born in Bethlehem“
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“
Christ by highest heav’n adored
Christ the everlasting Lord!
Late in time behold Him come
Offspring of a Virgin’s womb
Veiled in flesh the Godhead see
Hail the incarnate Deity
Pleased as man with man to dwell
Jesus, our Emmanuel
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“
Hail the heav’n-born Prince of Peace!
Hail the Son of Righteousness!
Light and life to all He brings
Ris’n with healing in His wings
Mild He lays His glory by
Born that man no more may die
Born to raise the sons of earth
Born to give them second birth
Hark! The herald angels sing
„Glory to the newborn King!“

Eine gute deutsche Übersetzung des Liedes (Bearbeitung mit Klavierbegleitung und Akkordbezifferungen) ist im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt von Kurt Pahlen, Edition Hug 11582, Seite 92-93, erschienen.

Deutsche Übersetzung 

Horch, der Engel Sang von fern:
„Ruhm dem neugebornen Herrn!“
Fried’ auf Erden, Lieb’ und Gnad’,
Gott verzeiht die Sündentat!“
Freudig, lobet, Völker weit,
Himmels Sieg für alle Zeit!
Alles kündet uns seitdem
Christs Geburt in Bethlehem!“
Horch, der Engel Sang von fern:
„Ruhm dem neugebornen Herrn!“
Christus, unser Herr und Gott,
Christus, unser höchst’ Gebot!
Auserwählt für alle Zeit,
Retter für die Ewigkeit!
Gott, der Mensch ward auf der Welt,
Gott weit übers Sternenzelt,
der du auf der Erde gingst,
der du an dem Kreuze hingst!
Horch, der Engel Sang von fern:
„Ruhm dem neugebornen Herrn!“
Deine Würde legst du ab,
zu erlösen uns vom Grab.
Der den Tod nicht fürchten lehrt,
hat das Jenseits uns verklärt.
Aufersteh’n, ja aufersteh’n,
Seele, du wirst nie vergeh’n!
Heil und Segen ewig dir,
Friedensfürst, dir huld’gen wir!
Horch, der Engel Sang von fern:
„Ruhm dem neugebornen Herrn!“

Eine stimmungsvolle Aufnahme aus St. Paul’s Cathedral – mit einer eindrucksvollen Steigerung in der dritten Strophe (in der Bearbeitung von David Willcocks) – ist auf YouTube zu finden: 

https://www.youtube.com/watch?v=LDPwNPAV6tA      

Auch die englische Fassung des Weihnachtsliedes Adeste fideles (O Come All Ye Faithful, englische Übersetzung von Frederick Oakeley) wird in den englischen Gottesdiensten immer wieder gern gesungen. (Auf das Lied Adeste fideles wurde ja bereits im Beitrag vom 11. Dezember ausführlich eingegangen.) 

Weihnachtslieder in englischer Sprache

Eine reiche Auswahl an Texten zu englischen Weihnachtsliedern ist auf der Website Santa’s Net zu finden: 

http://www.santas.net/songs.htm

Lustiges Video – Very British!

Damit die Lachmuskeln im Training bleiben, wollen wir unseren heutigen musikalischen Adventskalender mit einem lustigen Video abschließen, in dem der schwarze britische Humor hervorragend zur Darstellung kommt: The Christmas Turkey – mit keinem Geringern als Rowan Atkinson alias Mr. Bean! Viel Spaß! 

https://www.youtube.com/watch?v=A0m_o2gxbsU      

Quellen in deutscher Sprache 

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit       

http://www.grossbritannien.org/grossbritannien-feiert-weihnachten-gebraeuche-und-sitten-zum-fest-der-liebe/    

http://www.weihnachtsmarkt.net/Weihnachtsbraeuche/Weihnachten-England.html

http://grossbritannien.alltag-in.de/england-weihnachten/       

http://www.studium-ratgeber.de/blog/weihnachten-in-england.html

http://www.englisch-hilfen.de/texte/weihnachten.htm     

Quellen in englischer Sprache 

http://www.learnenglish.de/culture/christmas.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Christmas_traditions 

http://www.reindeerland.org/christmas-traditions/christmas-traditions-in-great-britain.htm        

https://www.timeanddate.com/holidays/uk/christmas-day      

http://www.santas.net/britishchristmas.htm  

http://www.whychristmas.com/cultures/uk.shtml   

Hier ist noch ein interessantes Video zum Thema Weihnachtsbräuche:

https://www.youtube.com/watch?v=YzSGEeaYvJc       

Quelle Noten

Felix Mendelssohn Bartholdy, Hark the Herald Angels Singing, komponiert 1840, Text von Charles Wesley, Weihnachtslied, Nine lessons and carols, Public Domain (gemeinfreies Werk) / Choral Public Domain License, Cantorion – freie Noten, Notenblätter und Konzertangebote 

http://cantorionnoten.de/music/3707/Hark!-The-Herald-Angels-Sing-Gesang-SATB        

Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 92.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hark!_The_Herald_Angels_Sing          

Bildquelle

The small plaza outside the Royal Exchange in the City of London.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:London_MMB_%C2%BB2L7_Royal_Exchange.jpg 

Attribution/Urheberschaft:

mattbuck (category) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0), CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], von Wikimedia Commons

14. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

14. Dezember

Weihnachtsbräuche in Skandinavien 

Im musikalischen Adventskalender begeben wir uns heute in den hohen Norden und lernen Weihnachtsbräuche aus Skandinavien kennen. Dazu bereisen wir Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. In den skandinavischen Ländern sind die Weihnachtsbräuche sehr ähnlich. Alte heidnische Volksbräuche haben sich mit christlichen Traditionen vermischt und sind teilweise (in veränderter Form) bis heute erhalten geblieben. 

Julafton, Julbock & Jultomte 

In den skandinavischen Ländern bringt nicht das Christkind, sondern der Weihnachtsmann die Geschenke. Das Weihnachtsfest wird in Skandinavien wie bei uns traditionell am Heiligen Abend (schwedisch: Julafton, dänisch: Juleaften, norwegisch: Julaften, finnisch: Jouluaatto) gefeiert. 

Der Weihnachtsbock (schwedisch: Julbock, auch: Julgumse, dänisch: Julebuk, norwegisch: Julebukk, finnisch: Joulupukki) konnte sich in den skandinavischen Ländern auch nach der Christianisierung über viele Jahrhunderte halten. Der Julbock hat seine Wurzeln in der germanischen Religion und war in vorchristlicher Zeit ein Symbol für die alljährlich wiederkehrende, von den Göttern gegebene Fruchtbarkeit der Erde (Getreidebock). Bis heute ist der Julbock in Skandinavien als Weihnachtsschmuck in Form einer Ziegenbockfigur aus Stroh erhalten geblieben. Nach skandinavischer Tradition brachte der Julbock früher die Geschenke, bevor er vom Weihnachtsmann (dänisch: Julemand, norwegisch: Julenisse, schwedisch: Jultomte) ersetzt wurde. 

Julbord & Glögg 

Das Julbord, in Schweden auch Smörgåsbord, in Dänemark Julefrokost genannt, ist ein reichhaltiges nordisches Buffet mit diversen kalten und warmen Speisen. Das Julbord besteht aus diversen Fischspezialitäten, Brot, Butter, Salaten, Räucherwaren und warmen Fleischgerichten. Das Julbord oder Julefrokost wird nicht nur am Heiligabend in den Familien veranstaltet, sondern auch von vielen Betrieben und Vereinen schon in der Vorweihnachtszeit angeboten.    

Ein traditionelles Getränk ist in Skandinavien der Glögg, ein Glühwein aus Rotwein, meist noch mit Korn oder Wodka und vielen Gewürzen. Dazu werden Rosinen und Mandeln serviert, die nach Belieben in den warmen Glögg hineingegeben werden.  

Das Lucia-Fest  

Am 13. Dezember wird vor allem in Schweden, aber auch in Dänemark, Norwegen und Finnland zum Gedenken an die Heilige Lucia das Lucia-Fest gefeiert. Vor Einführung des gregorianischen Kalenders in Schweden (1752) war dieser Gedenktag gut ein Jahrhundert lang der kürzeste Tag des Jahres. Das Lucia-Fest steht in der Tradition der Sonnenwendfeierlichkeiten, denn in den mehr als hundert Jahren vor 1752 fiel der 13. Dezember auf die Wintersonnenwende (deren Datum sich im Julianischen Kalender im Laufe der Jahrhunderte verschob). 

Typische Bräuche zum Lucia-Fest sind das Tragen von weißen Gewändern und Kerzen, der Verzehr von traditionellem Safrangebäck (lussekatter), das Singen von Lucia-Liedern und die Wahl einer Lucia aus dem jeweiligen Ort. 

Dänemark  

In Dänemark beginnt die Weihnachtszeit mit dem ersten Adventssonntag. Adventskranz und Adventskalender sind auch in Dänemark verbreitet. Der Adventskranz wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Schleswig aus in Dänemark eingeführt. In der Adventszeit sieht man an vielen Fenstern in Dänemark eine Kalenderkerze (Kalenderlys), deren Tagesabschnitte jeden Tag bis zum 24. Dezember heruntergebrannt werden. Diese Kalenderkerze wurde 1942 von der Kopenhagener Kerzenfabrik Asp & Holmblad auf den Markt gebracht. 

Das Julefrokost (vom dänischen Jul: Weihnachten und frokost:  Mittagessen) ist in Dänemark ein fester Bestandteil der Advents- und Weihnachtszeit. Dabei werden unter anderem Æbleskiver (ein Siedegebäck der dänischen Küche) gegessen und Glögg (Glühwein) oder Julebryg (das dänische Weihnachtsbräu) getrunken.

Zu Juleaften, Heiligabend, wird das Wohnzimmer festlich geschmückt und ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Der Weihnachtsbaum wurde aus Deutschland nach Dänemark importiert und ist erstmals 1808 belegt. Er ist in Dänemark häufig mit geflochtenen Weihnachtsherzen (Julehjerter) oder kleinen Täschchen aus Papier (Kræmmerhuse) geschmückt.   

In den Nachmittagsstunden an Heiligabend schauen die Familien gemeinsam das Weihnachtsprogramm im Fernsehen. Dann folgt das Weihnachtsessen, zu dem Gans, Ente oder Schweinebraten mit Rotkohl und glasierten Kartoffeln serviert werden. Zum Dessert gibt es Mandelmilchreis mit einer untergerührten Mandel. Die Person, die die Mandel erwischt, bekommt ein kleines Geschenk (Mandelgave).

In Dänemark ist es ein besonderer Brauch, auf dem Dachboden oder vor der Tür eine Schüssel mit Grütze für den Nis Puk abzustellen. Der Nis Puk, auch Nes Pük genannt, ist (wie in Norwegen der Nisse) eine Sagengestalt aus dem Bereich der Volksmärchen. Er wohnt auf dem Dachboden oder in der Scheune und beschützt das Haus, den Hof und die Tiere. Nisser sind nordische Wichtel, die „dem Weihnachtsmann zuarbeiten“. Der Name Nis Puk verbindet die Bezeichnungen Nisse und Puk. Auch in Dänemark ist das Aufstellen des Julebuks weit verbreitet.

Nach dem Essen werden in Dänemark Weihnachtslieder gesungen, und man tanzt um den geschmückten Weihnachtsbaum. Dann werden die unter dem Baum liegenden Weihnachtsgeschenke ausgeteilt. Viele Familien besuchen an Heiligabend einen Weihnachtsgottesdienst. 

Schweden 

Auch in Schweden beginnt die Weihnachtszeit mit dem ersten Adventssonntag. Lillejulafton ist der kleine Weihnachtsabend am 23. Dezember. Julafton, der Heiligabend, wird in Schweden mit einem stimmungsvollen God Jul eingeläutet. Am 24. Dezember feiern die Schweden das Julfest mit dem weihnachtlichen Julbord. Dabei darf der Julskinka, ein besonderer Weihnachtsschinken nicht fehlen. Auch diverse Süßigkeiten, Nüsse, Feigen und Datteln kommen auf den Tisch. 

Vor dem traditionellen Julbord beginnt der Heilige Abend in Schweden um 15 Uhr mit dem Schauen einer Donald-Duck-Sendung im Fernsehen. Nach dem Weihnachtsessen werden die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt. Am 25. Dezember gehen viele Schweden zur Frühmesse in die Kirche, die bereits um 6 oder 7 Uhr beginnt.  

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein galt der Julbock in Schweden als Überbringer der Geschenke – bis er schließlich von Jultomte, dem Weihnachtsmann, abgelöst wurde. Die drei Kobolde Tomte, Tomtebisse und Nisse konnten sich in Schweden als Überbringer der Geschenke bis heute behaupten. Der Julbock ist als beliebter Weihnachtsschmuck erhalten geblieben. Auf dem Schlossplatz des Städtchens Gävle wird alljährlich nach alter Tradition ein 13 Meter hoher Julbock aufgestellt.

Julbock in Gävle
Der Julbock auf dem Schlossplatz von Gävle, von Christian Gidlöf, released into the public domain, Wikimedia Commons

Norwegen  

In der Adventszeit werden in Norwegen nach alter Tradition sieben verschiedene Sorten Weihnachtsplätzchen gebacken. Auch der Adventskalender ist in Norwegen verbreitet. Eine originelle Variante des Adventskalenders ist eine Orange, die mit 24 Nelken bestückt wird. An jedem Tag wird eine Nelke aus der Frucht herausgezogen.

In Norwegen ist der 24. Dezember bis 16 Uhr eigentlich noch ein Arbeitstag, jedoch schließen die meisten Geschäfte an diesem Tag frühzeitig. Der Julaften (Heiligabend) beginnt mit einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem Milchreis gegessen wird. Um 17 Uhr läuten im ganzen Land die Kirchenglocken den Weihnachtsabend ein. Viele Familien besuchen einen Weihnachtsgottesdienst. Nach dem Weihnachtsgottesdienst folgt das festliche Abendessen. Gerichte wie Lammrippen und Kabeljau sind in Norwegen weit verbreitet. Zum Essen gibt’s das traditionelle Weihnachtsbier und Aquavit. Zum Dessert wird ein Sahnemilchreis mit einer versteckten Mandel serviert. Wer die Mandel in seinem Nachtisch findet, bekommt ein kleines Geschenk. Der Julekake, eine Art Christstollen mit Rosinen, Nüssen und Kardamom, ist ein traditioneller Bestandteil des Weihnachtsmahles.  

Nach dem Weihnachtsessen kommt die Bescherung: Die Geschenke werden in Norwegen vom Julenisse gebracht. Der Julenisse ist eine Art Kobold, quasi eine Mischung aus dem Heiligen Nikolaus und einem norwegischen Troll. Der Name Nisse ist vom Namen Niels, der dänischen Form für Nikolaus, abgeleitet. Der Nisse, ein kleiner alter Mann mit einem weißen Bart und einer roten Mütze, lebt nach norwegischer Tradition in Häusern und Ställen. Er beschützt das Grundstück und die Haustiere. Auch an die Tiere wird zu Weihnachten gedacht; sie bekommen ebenfalls ein spezielles Futtergeschenk.   

Der 25. Dezember ist in Norwegen ein stiller Tag. Am 26. Dezember dagegen werden an vielen Orten Partys gefeiert. Die Kinder verkleiden sich als Julebukk und verlangen Bonbons (so wie in anderen Ländern zu Halloween). 

Finnland 

In Finnland werden in den Vereinen und Betrieben schon im November die ersten Weihnachtsfeiern mit der Bezeichnung Pikkujoulu, kleine Weihnacht, ausgerichtet. Am ersten Advent gibt es zahlreiche Adventskonzerte in allen Teilen des Landes. Der Nikolaustag am 6. Dezember ist in Finnland gleichzeitig der Unabhängigkeitstag und somit ein gesetzlicher Feiertag. 

Jouluaatto, der Heiligabend ist in Finnland der wichtigste Teil des Weihnachtsfestes. Nach alter Tradition wird in der ehemaligen finnischen Hauptstadt Turku um 12 Uhr der Weihnachtsfrieden ausgerufen. In Finnland ist es (wie an Allerheiligen) Tradition, am Weihnachtsabend Kerzen auf die Gräber zu stellen, um der Toten zu gedenken. Vor dem Weihnachtsessen steht in den meisten finnischen Familien ein Saunagang an. Anschließend erfolgt die Bescherung durch den Weihnachtsmann. 

Der Weihnachtsmann, der im finnischen Teil von Lappland beheimatet ist, heißt in Finnland Joulupukki – in Anlehnung an den Julbock, den skandinavischen Weihnachtsbock. Der Joulupukki hat seinen Wohnsitz auf dem Korvatunturi, einem Berg in Lappland, im finnisch-russischen Grenzgebiet. Er trägt einen roten Mantel und hat einen Gehstock. Der Joulupukki fährt auf einem Rentierschlitten zu den Häusern und klopft zu Weihnachten an die Haustür. Seine erste Frage lautet dabei stets: „Onkos täällä kilttejä lapsia?“ („Gibt es hier artige Kinder?“) Eines seiner Rentiere heißt Petteri Punakuono und wurde zum Vorbild für Rudolph the Red-Nosed Reindeer.  

Nach der Bescherung wird das traditionelle Festessen serviert. Zum Weihnachtsessen werden in Finnland Fischgerichte, der als Joulukinkku bezeichnete Weihnachtsschinken, Kartoffel- und Steckrübenauflauf sowie Rote-Bete-Salat serviert. Als Weihnachtsgebäck kommen Piparkakut (Pfefferkuchen) und Joulutortut (sternförmige, mit Pflaumenmus gefüllte Blätterteigtaschen) auf den Tisch. Als Getränk wird Glögi, ein Weihnachtspunsch, serviert. Auch der Haferbrei, in dem eine Mandel versteckt ist, hat in Finnland Tradition. Die Person, die die Mandel im Dessert findet, soll ein gutes Jahr vor sich haben. In Finnland ist es Tradition, dass zu Weihnachten auch an die Tiere gedacht wird: Jedes Haustier bekommt ein eigenes Geschenk. Für die Vögel in der freien Natur werden Sonnenblumenringe aufgehängt. 

Weihnachtslieder aus Skandinavien 

In Skandinavien gibt es einige schöne Weihnachtslieder, die hierzulande nur wenig bekannt sind. Das volkstümliche Weihnachtslied När juldagsmorgon glimmar kommt aus Schweden. Die Melodie ist jedoch fast Note für Note identisch mit dem deutschen Volkslied Ich hab mich ergeben. In Schweden wurde diese Melodie mit einem weihnachtlichen Text unterlegt und entwickelte sich zu einem populären Weihnachtslied.

När juldagsmorgon glimmar

När juldagsmorgon glimmar (1)

När juldagsmorgon glimmar (2)
När juldagsmorgon glimmar, Weihnachtslied aus Schweden, Gesangsstimme

Die vollständige Ausgabe des Weihnachtsliedes (Strophen 1 – 3 mit deutscher Übersetzung, Klavierbegleitung und Akkordbezifferungen) ist im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt von Kurt Pahlen, Edition Hug 11582, Seite 112, erschienen.

Schwedisch

Nu Juldagsmorgon glimmar,
Jag will till stallet gå,
Der Gud i nattens timmar
Re’n hwilar uppå strå.

Hur god Du war som wille
Till jorden komma ner!
Nu ej i synd jag spille
Min barndomsdagar mer!

Dig, Jesu, wi behöfwa,
Du käre Barnawän!
Jag will ej mer bedröfwa
Med synder dig igen. 

Deutsche Übersetzung 

Es glüht der Weihnachtsmorgen,
zur Krippe lasst uns geh’n
und Gottes Sohn geborgen
dort liegen seh’n!
Wie groß ist deine Güte,
dass du zur Erde kamst,
auf unserem Gemüte
die Sünd’ für immer nahmst!
Herr Jesus, steig hernieder,
die Kinder rufen dich,
zur Erde kehre wieder,
erlös’ von Sünden mich!

Auf dem Skandinavien-Portal Elchburger.de findet man eine YouTube-Aufnahme dieses schwedischen Weihnachtsliedes:

http://www.elchburger.de/schweden/kultur/musik/das-schwedische-weihnachtslied-naer-juldagsmorgon-glimmar      

Eines der beliebtesten Weihnachtslieder aus Skandinavien ist das schwedische Lied Jul, Jul, strålande Jul. Es wurde 1921 von Gustaf Nordqvist komponiert. Der Text stammt von Edvard Evers. Es wird besonders gern von Chören und Vokalensembles gesungen. Das Lied beschreibt weiße Weihnachten mit viel Schnee und schließt mit dem Wunsch, dass das Weihnachtsfest Licht und Frieden bringen möge. (Leider ist keine deutsche Übersetzung vorhanden.)

Jul, Jul, strålande Jul

Jul, jul, strålande jul, glans över vita skogar,
himmelens kronor med gnistrande ljus,
glimmande bågar i alla Guds hus,
psalm som är sjungen från tid till tid,
eviga längtan till ljus och frid!
Jul, jul, strålande jul, glans över vita skogar!

Kom, kom, signade jul! Sänk dina vita vingar
över stridernas blod och larm,
över all suckan ur människobarm,
över de släkten som gå till ro,
över de ungas dagande bo!
Kom, kom, signade jul, sänk dina vita vingar!

Auf YouTube gibt es einige Video-Mitschnitte dieses Weihnachtsliedes. Hier zwei Aufnahmen, einmal mit Chor und einmal als Solo, gesungen von Carola Häggkvist:

https://www.youtube.com/watch?v=wIAx_VMy3P4                

https://www.youtube.com/watch?v=Zldxz85J7HQ         

Eine schwedische Version des bekannten Weihnachtsliedes Minuit, chrétiens (O holy night) von Adolphe Adam gibt es ebenfalls auf YouTube – noch dazu in einer Interpretation des legendären schwedischen Tenors Jussi Bjørling! Besonders die Opernfreunde sollten sich das nicht entgegen lassen! Hier ist der Link zum schwedischen Weihnachtslied O helga natt mit Jussi Bjørling:  

https://www.youtube.com/watch?v=kVYCudlVMSM      

Ein weiteres schönes Weihnachtslied aus Schweden, gesungen von Helen Sjöholm & Benny Andersson, kann man auf der Seite Skandinavien.eu anklicken:

http://skandinavien.eu/reportagen/schweden/weihnachten-in-schweden.html

Eine reiche Auswahl an skandinavischen Weihnachtsliedern – noch dazu mit stimmungsvollen Impressionen der skandinavischen Landschaften und Weihnachtsbräuche – findet man auf der Website Elchburger.de – das große Skandinavien-Portal:

http://www.elchburger.de/schweden/kultur/musik/schwedische-weihnachtslieder    

http://www.elchburger.de/norwegen/kultur/musik/norwegische-weihnachtslieder     

http://www.elchburger.de/finnland/kultur/musik/finnische-weihnachtslieder     

Zum Abschluss unserer musikalischen Reise nach Skandinavien kommt nun noch etwas Lustiges – ein Gruß aus Finnland von Rudolph the Red-Nosed Reindeer:

https://www.youtube.com/watch?v=eqOJRpzlh3w        

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit       

http://www.elchburger.de/schweden-weihnachten        

http://www.elchburger.de/norwegen-weihnachten

http://www.elchburger.de/finnland-weihnachten   

Quelle Noten und Text

När juldagsmorgon glimmar (aus Schweden):

Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 112.

https://sv.wikisource.org/wiki/När_juldagsmorgon_glimmar     

Bildquellen

Beitragsbild: Carl Larsson (1904), Weihnachtsabend, public domain, Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AJulaftonen_av_Carl_Larsson_1904.jpg        

Der Julbock auf dem Schlossplatz von Gävle, Foto von Christian Gidlöf, public domain, Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AGavle_christmas_billy_goat.jpg

By Christian Gidlöf (Photo taken by Christian Gidlöf) [Public domain, GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

13. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

13. Dezember

 

Der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica führt uns heute ins Baltikum. Bei dieser Gelegenheit lernen wir interessante Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder aus Estland, Litauen und Lettland kennen.

Estland 

In der Vorweihnachtszeit stellen die Kinder Pantoffeln ans Fenster. Diese werden dann von „päkapikud“ (Weihnachtselfen) mit Süßigkeiten gefüllt. In Estland wird am 24. Dezember Weihnachten gefeiert. Der Heiligabend wird auch „jõululaupäev“ (Weihnachtssamstag) genannt. An Heiligabend beschenkt „jõuluvana“, ein alter Weihnachtsmann, die Kinder. Bevor die Kinder ihre Geschenke erhalten, müssen sie Lieder singen oder Gedichte vortragen. Zum Abendessen gibt es in der Regel Schweinefleisch mit Sauerkraut, gebackene Kartoffeln, Weißwurst und Blutwurst, Kartoffelsalat mit Roter Bete und Pastete. Dazu wird Bier und Glühwein getrunken. Zum Nachtisch gibt es Lebkuchen und Marzipan. Die Reste vom Weihnachtsessen werden über Nacht stehen gelassen. Dieser Brauch geht auf den Glauben zurück, dass die Geister der verstorbenen Verwandten, Bekannten und Freunde zu Besuch kommen und etwas essen möchten. Zu Weihnachten werden in Estland auch Friedhöfe besucht und Kerzen für die Verstorbenen angezündet. Der 25. Dezember wird „jõulupüha“ genannt. An diesem Tag ruhen sich die Esten aus oder besuchen Verwandte. 

Litauen 

In Litauen wird Weihnachten im Familienkreis gefeiert. Der Heiligabend ist der wichtigste Festtag, da man glaubt, dass das folgende Jahr so wird wie die Christnacht. An diesem Tag nehmen viele Litauer ein Bad oder gehen in die Sauna. Am Vormittag schmücken die Kinder den Christbaum mit Strohsternen, Basteleien, Äpfeln, Nüssen und Gebäck. Der Christbaum ist Anfang des 20. Jahrhunderts aus Deutschland nach Litauen importiert worden. Sobald am Abend der erste Stern am Himmel zu sehen ist, beginnt man mit dem Weihnachtsessen. Dieses ist in Litauen ein 12-Gänge-Menü – mit Bezug auf die 12 Monate des Jahres und die 12 Apostel. Vor dem Essen wird gebetet und ein „Gotteskuchen“ herumgereicht. Zum Abendessen gibt es meist Fisch, Mohnmilchsuppe, Gemüse, Salat, Obst, Getreidebrei, Kompott, Pilze, Brot und Gebäck. Dazu wird Wein getrunken. Fleisch und Milchprodukte gibt es an Heiligabend nicht. Nach dem Essen zieht man Strohhalme unter der Tischdecke hervor. Lange, dicke Halme verheißen ein gutes Jahr, dünne oder gebrochene Halme bringen Unglück. Auch in Litauen bleiben die Reste vom Weihnachtsessen stehen, damit die Seelen der verstorbenen Verwandten ebenfalls speisen können. Manchmal werden die Lebensmittel für die Verstorbenen auch auf dem Fensterbord abgestellt. Nach dem Weihnachtsmahl werden die Geschenke ausgepackt, die der Weihnachtsmann gebracht hat. Am 25. Dezember wird auch wieder Fleisch gegessen. Am 26. Dezember besuchen die Litauer oft Freunde.    

Lettland

In Lettland feiert man das Fest der Wintersonnenwende, bei dem sich christliche mit vorchristlichen Bräuchen vermischt haben. Ein beliebter Brauch ist das Ziehen eines Eichenbalkens von Haus zu Haus, der auf dem letzten Hof verbrannt wird. Das Verbrennen des Eichenbalkens soll das Übel vernichten und der Sonne neue Kraft geben. Viele Kinder verkleiden sich als Tier, Sonne oder Tod und ziehen von Haus zu Haus, um böse Geister zu verjagen. Der Christbaum wird gern mit Strohsternen und getrockneten Blumen geschmückt. Zum Weihnachtsessen gibt es meist Blutwurst, Sauerkraut, Erbsen, Bohnen, Graupen, „pírági“ (Speckkuchen), Schweinebraten oder Fisch. Wer neunmal davon isst, soll im nächsten Jahr reich und glücklich werden. Die russisch-orthodoxen Letten feiern erst am 6. Januar Weihnachten.

Weihnachtslieder aus dem Baltikum

Ein schönes Weihnachtslied aus Estland kann man auf YouTube hören. Das Lied heißt „Jõuluingel“ – Christmas Angel:

https://www.youtube.com/watch?v=KmS6UlZqh4A

https://www.youtube.com/watch?v=KmS6UlZqh4A&list=PLFaYa5LNCqOZqscwKL4kysZgsxiMfikO5

Aus Litauen stammt das Weihnachtslied „Kalėdinė vyrų daina“:

https://www.youtube.com/watch?v=HgQLKeVHl54

Ebenso das Weihnachtslied Naujųjų metų rytas – Kalėdinės dainos:

https://www.youtube.com/watch?v=66uFg5JI94w

Aus Lettland stammt die Weihnachtskomposition „On Christmas Eve“ (2006) von VILNIS SALAKS (1939- ):

https://www.youtube.com/watch?v=kzg1j0VCoJ4&list=PLBJ4oo3a998aWIovqqYF7SEUNiuoaipxD

Man kann nicht von Lettland sprechen, ohne auf eine große Stimme aus diesem baltischen Staat hinzuweisen. Hier ist ein großartiger Konzertmitschnitt geistlicher Lieder (Sacred Songs) mit der aus Riga stammenden Mezzosopranistin Elina Garanca:

https://www.youtube.com/watch?v=h_GYVKnt4mk

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

Bildquelle

An old trade boat (lodi), one big Christmas tree and some smaller ones on the Town Hall Square (Raekoja plats) in Tartu, Estonia.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:An_old_trade_boat_in_the_town_hall_square.jpg

Marit & Toomas Hinnosaar [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

12. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender 

12. Dezember

Weihnachtsbräuche in Frankreich

Im heutigen Adventskalender geht es um Weihnachtsbräuche in Frankreich und zwei bekannte französische Weihnachtslieder: Les anges dans nos campagnes (Hört der Engel helle Lieder) und Cantique de Noël (Minuit, chrétiens – Mitternacht, Christen) von Adolphe Adam. 

Le Sapin de Noël et la Crèche de Noël 

Je nach Region sind die Weihnachtsbräuche in Frankreich unterschiedlich. Viele Bräuche, wie das Schmücken der Häuser und der Wohnungen, sind in Frankreich ebenso üblich wie im deutschen Sprachraum. Die Franzosen dekorieren ihre Wohnungen zu Weihnachten gern mit Mistel- oder Stechpalmzweigen. Auch einen Weihnachtsbaum, den Sapin de Noël, findet man in den französischen Wohnzimmern. Die Tradition des Weihnachtsbaumes hat ihren Ursprung im französischen Elsass und verbreitete sich von hier aus in ganz Europa. Auch die Crèche de Noël, die Weihnachtskrippe, ist in Frankreich an allen Orten anzutreffen. Im Gegensatz zu Deutschland und Österreich ist in Frankreich jedoch nur der 25. Dezember ein Feiertag, nicht jedoch der 26. Dezember. 

La Messe de Minuit  

Am 24. Dezember wird in Frankreich noch gearbeitet. Erst am Abend beginnen die Weihnachtsfeierlichkeiten. Am Weihnachtsabend gehen viele französische Familien in die Kirche zur Messe de Minuit, der Weihnachtsmesse (anders als der Name vermuten lässt, findet diese häufig schon am frühen Abend stattfindet). Nach der Messe findet zu Hause das Réveillon (Weihnachtsessen) statt. Das ausgedehnte Réveillon ist bei den Franzosen der Höhepunkt am Weihnachtsabend und zieht sich über mehrere Stunden hin. 

Le Réveillon

Das mehrstündige Réveillon ist der kulinarische Höhepunkt des Weihnachtsabends. Es wird sowohl in Frankreich als auch im belgischen Wallonien, in der französischen Schweiz, in Québec (Kanada) und im italienischen Aostatal ausgiebig zelebriert. Bei diesem ausgedehnten Weihnachtsmahl werden nach religiöser Tradition 7 Mahlzeiten und 13 (!) Desserts serviert. Die Anzahl der Desserts symbolisiert das letzte Abendmahl der zwölf Apostel mit dem Messias. Das Kosten aller 13 Nachspeisen soll für das kommende Jahr Glück und Gesundheit versprechen. 

  1. Zum Auftakt des siebengängigen Menüs gibt es einen Apperitif (meist ein Pastis). Dazu gibt es Oliven oder Salzgebäck.
  2. Das Weihnachtsessen wird dann mit Austern auf Salat, angerichtet mit Räucherlachs, eröffnet. Dazu gibt es einen herben Weißwein.
  3. Dann folgt die Gänsestopfleber, foie gras, die entweder mit Zwiebelkonfitüre oder Himbeerpüree, geröstetem Toastbrot und einem lieblichen Weißwein serviert wird. (Tierfreunde beschränken sich bei diesem Gang lieber auf das Toastbrot oder greifen, falls möglich, zu einer Alternative!)
  4. Den Hauptgang bildet der mit Maronen gefüllte Truthahn, die sogenannte dinde aux marrons. In manchen Regionen gibt es statt des Truthahns einen Lamm- oder Rinderbraten, einen gefüllten Kapaun oder die Ente à l’orange. Dazu gibt es diverse Gemüsebeilagen und einen aromatischen Rotwein.
  5. Je nach Region, kommt als fünfter Gang ein Fischgericht auf den Tisch. Dazu wird in der Regel ein Weißwein serviert.
  6. Eine Käseplatte, serviert mit Butter und Brot, bildet den Abschluss des Reigens an Hauptgerichten. Auch dazu wird meist noch ein passender Weißwein kredenzt.
  7. Den krönenden Abschluss bilden die 13 Desserts. Die Bûche de Noël (Weihnachtsbaumstamm, Weihnachtsscheit, Julscheit), ein traditioneller Kuchen, der aussieht wie ein Baumstamm, gehört zu jedem Weihnachtsmahl. Diese Sitte hat ihren Ursprung in den ländlichen Regionen, wo früher jeder Gast einen echten Baumstamm mitbrachte, damit das Haus beheizt werden konnte. Der von einem Oliven- oder Kirschbaum stammende Baumstamm wurde am Weihnachtsabend im Kamin verbrannt. Die Asche wurde nach den Feiertagen auf den Feldern verstreut; dieser Brauch sollte Glück und eine gute Ernte bringen. Vor allem in der Provence hat sich dieser Weihnachtsbrauch bis heute erhalten. Zum Reigen der 13 Desserts kommen noch hinzu: Fougasse, Pistazien, weißer Haselnussnougat, schwarzer Nougat, getrocknete Honigfeigen, getrocknete Rosinen, Mandeln, Datteln, Birnen, Trauben, Orangen. 

Spätestens jetzt wird klar, was der Ausspruch „Essen wie der Herrgott in Frankreich“ bedeutet! 

Le Père Noël 

Das Austauschen und Auspacken der Geschenke findet in Frankreich in der Regel erst am 25. Dezember statt. Die Kinder finden die Weihnachtsgeschenke unter dem Sapin de Noël. Früher wurden die Kinder auch noch am 6. Dezember vom Saint Nicolas beschenkt (so wie im deutschen Sprachraum am Nikolaustag). 

Der Weihnachtsmann wird in Frankreich Père Noël – auch Papa Noël – genannt. Er bringt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember die Geschenke. Er trägt ein langes, rotes Gewand mit Zipfelmütze. Seine Geschenke trägt er in einer Holzkiepe auf dem Rücken. Nach alter Sitte stellen die Kinder ihre Schuhe in die Nähe des Schornsteins, des Kamins oder unter den Weihnachtsbaum, damit der Père Noël dort seine Geschenke ablegen kann. Der Père Noël klettert in der Nacht zum 25. Dezember durch den Schornstein, um die Schuhe der Kinder mit Geschenken zu füllen. 

An diesen Brauch erinnert das populäre französische Weihnachtslied Petit Papa Noël, das vor allem von Pop-Sängern gern gesungen wird und alljährlich vor Weihnachten an die Spitze der Charts rückt. 

Les anges dans nos campagnes
(Hört der Engel helle Lieder)

Am bekanntesten ist wohl das Weihnachtslied Les anges dans nos campagnes. Sowohl der Text als auch die Melodie stammen aus Frankreich. Die älteste gedruckte Quelle des Liedes, dessen Entstehung vermutlich auf das 18. Jahrhundert zurückgeht, ist die Sammlung Choix de cantiques sur des airs nouveaux (1842) des Abbé Louis Lambillotte. Von dem Lied gibt es zahlreiche Übersetzungen. Am meisten verbreitet ist wohl die deutsche Textfassung von Otto Abel (1905 – 1977) unter dem Titel Hört der Engel helle Lieder. Diese Version entstand 1954 und fand Aufnahme in das Evangelische Kirchengesangbuch (EG 54). Ebenfalls 1954 entstand die deutsche Textfassung Engel auf den Feldern singen von Maria Luise Thurmair, welche im Gotteslob (2013) unter der Nummer 250 enthalten ist. 

Les anges dans nos campagnes, S. 1

Les anges dans nos campagnes, S. 2
Édition originale du chant Les Anges dans nos campagnes, Louis Lambillotte: Choix de cantiques sur les airs nouveaux pour toute les fêtes de l’année, Paris 1855 – Wikimedia Commons, CC0, Public Domain

 

Les anges dans nos campagnes 

Les anges dans nos campagnes
ont entonné l’hymne des cieux;
et l’echo de nos montagnes
redit ce chant melodieux.

Gloria in excelsis Deo!
Gloria in excelsis Deo!

Bergers, pour qui cette fête?
Quel est l’objet de tous ces chants?
Quel vainqueur, quelle conquête
mérite ces cris triomphants?

Gloria in excelsis Deo!
Gloria in excelsis Deo!

Ils annoncent la naissance
du libérateur d’Israël;
et pleins de reconnaissance
chantent en ce jour solennel.

Gloria in excelsis Deo!
Gloria in excelsis Deo!
 

Am meisten verbreitet ist die nachfolgende deutsche Textfassung, welche mit der Version von Otto Abel fast identisch ist, jedoch einige Abweichungen in der zweiten und dritten Strophe aufweist:

Hört der Engel helle Lieder 

Hört, der Engel helle Lieder
klingen das weite Feld entlang,
und die Berge hallen wider
von des Himmels Lobgesang:
Glo- ri- a, in excelsis Deo,
Glo- ri- a, in excelsis Deo.

Hirten, warum wird gesungen?
Sagt mir doch eures Jubels Grund!
Welch ein Sieg ward dem errungen,
den uns die Chöre machen kund?
Glo- ri- a, in excelsis Deo,
Glo- ri- a, in excelsis Deo.

Sie verkünden uns mit Schalle,
dass der Erlöser nun erschien,
dankbar singen sie heut alle
an diesem Fest und grüßen ihn.
Glo- ri- a, in excelsis Deo,
Glo- ri- a, in excelsis Deo.
 

Adolphe Adam: Cantique de Noël (Minuit, chrétiens)

Ein sehr schönes französisches Weihnachtslied ist auch Cantique de Noël (Minuit, chrétiens) von Adolphe Adam (1803-1856). Es ist sehr bekannt und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Der französische Originaltext stammt von Placide Cappeau. Die Melodie komponierte Adolphe Adam im Jahre 1847.

Das Lied ist in viele Sprachen übersetzt und für die unterschiedlichsten Ensembles bearbeitet worden. Besonders bekannt ist die englische Version O Holy Night von John Sullivan Dwight. Deutsche Übersetzungen bzw. freie Neutextierungen existieren unter anderem von Johannes Haas (1966), Manfred Paul (1972) und Dagmar Heizmann-Leucke (1996).

Von dem Lied gibt es viele Versionen, sowohl für Sologesang als auch für Chor. Schon Enrico Caruso nahm das Lied im Jahre 1912 auf.

Französischer Originaltext

Minuit, chrétiens, c’est l’heure solennelle,
Où l’Homme-Dieu descendit jusqu’à nous
Pour effacer la tache originelle
Et de Son Père arrêter le courroux.
Le monde entier tressaille d’espérance
En cette nuit qui lui donne un Sauveur.

Peuple à genoux, attends ta délivrance.
Noël, Noël, voici le Rédempteur!

De notre foi que la lumière ardente
Nous guide tous au berceau de l’Enfant,
Comme autrefois une étoile brillante
Y conduisit les chefs de l’Orient.
Le Roi des rois naît dans une humble crèche:
Puissants du jour, fiers de votre grandeur,

A votre orgueil, c’est de là que Dieu prêche.
Courbez vos fronts devant le Rédempteur.

Le Rédempteur a brisé toute entrave:
La terre est libre, et le ciel est ouvert.
Il voit un frère où n’était qu’un esclave,
L’amour unit ceux qu’enchaînait le fer.
Qui Lui dira notre reconnaissance,
C’est pour nous tous qu’Il naît, qu’Il souffre et meurt.

Peuple debout! Chante ta délivrance,
Noël, Noël, chantons le Rédempteur!

Deutsche Übersetzung

Mitternacht, Christen, dies ist die feierliche Stunde,
da der Gott-Mensch zu uns herabstieg,
um den Makel der Erbsünde zu tilgen
und den Zorn seines Vaters aufzuhalten.
Die ganze Welt bebt vor Hoffnung
in dieser Nacht, die ihr den Heiland schenkt.
Volk, auf die Knie, erwarte deine Befreiung.
Weihnacht, Weihnacht, hier ist der Erlöser!

Möge das glühende Licht unseres Glaubens
uns alle zur Wiege des Kindes führen,
wie damals ein strahlender Stern
die Könige des Morgenlands dorthin führte.
Der König der Könige wird in einer armseligen Krippe geboren:
Ihr Mächtigen des Tages, stolz auf eure Größe,
an euren Hochmut richtet sich, was Gott predigt.
Neigt eure Stirnen vor dem Erlöser.

Der Erlöser hat jede Fessel gesprengt:
Die Erde ist frei, und der Himmel ist offen.
Er sieht einen Bruder, wo nur ein Sklave war.
Die Liebe vereint die, die das Eisen aneinander kettete.
Wer sagt ihm unsere Dankbarkeit?
Für uns alle ist er geboren, leidet und stirbt er.
Auf, Volk! Besinge deine Befreiung!
Weihnacht, Weihnacht, singen wir dem Erlöser!

Die Noten zu Minuit, chrétiens findet man im Internet unter dem folgenden Link:

http://artsongcentral.com/2007/adam-cantique-de-noel/      

Auf YouTube gibt es mehrere gute Aufnahmen von diesem Lied, das immer wieder gern als Höhepunkt in Konzerten gesungen wird. Hier ist ein Konzertmitschnitt mit dem Tenor Jonas Kaufmann aus dem Jahre 2014: 

https://www.youtube.com/watch?v=ivDLDFAooMw

Auch von der Mezzosopranistin Elina Garanca gibt es einen schönen Konzertmitschnitt:

https://www.youtube.com/watch?v=-PE-fWJZhCU  

Weitere französische Weihnachtslieder, sogar mit den passenden Videos, sind auf der Website Paris 360° zu finden: 

http://www.paris360.de/magazin/franzoesische-weihnachtslieder   

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit        

http://www.frankreich-info.de/themen/kultur/weihnachten-in-frankreich   

http://www.paris360.de/thema/weihnachten-frankreich 

http://www.paris360.de/stadt-leute/essen-trinken/das-traditionelle-weihnachtsessen-in-frankreich 

http://www.paris360.de/magazin/franzoesische-weihnachtslieder  

https://fr.wikipedia.org/wiki/Crèche_de_Noël

https://de.wikipedia.org/wiki/Les_Anges_dans_nos_campagnes  

https://de.wikipedia.org/wiki/Minuit,_Chr%C3%A9tiens

Louis Lambillotte: Choix de cantiques sur les airs nouveaux pour toute les fêtes de l’année, Paris 1855

Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 68-69.

Quelle Notentext

Édition originale du chant Les anges dans nos campagnes, gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Les_Anges_dans_nos_campagnes?uselang=de#/media/File:Les_Anges_dans_nos_campagnes_1.jpg    

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Les_Anges_dans_nos_campagnes_2.jpg?uselang=de      

Bildquelle

Crèche de Noël, église de Saumane, France, Véronique Pagnier, 08.01.2011, Wikimedia Commons

By Véronique PAGNIER (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ACr%C3%A8che_Saumane.JPG 

 

11. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

11. Dezember

Adeste fideles

O Come, O Ye Faithful

Herbei, o ihr Gläubigen / Nun freut euch, ihr Christen

Im musikalischen Adventskalender geht es heute um das Weihnachtslied Adeste fideles und seine Übersetzungen. Die Originalfassung des Liedes wurde in lateinischer Sprache geschrieben. Später kamen auch verschiedene deutsche Übersetzungen hinzu: Herbei, o ihr Gläubigen (Evangelisches Kirchengesangbuch) bzw. Nun freut euch, ihr Christen (Gotteslob, katholisches Gebet- und Gesangbuch). Auch die englische Version ist sehr bekannt und wird in der anglikanischen Kirche immer wieder gern gesungen: O Come All Ye Faithful

Dieses Weihnachtslied mit seiner schönen, einprägsamen Melodie erfreut sich überall großer Beliebtheit. Selbst von großen Sänger/innen wird es immer wieder gern in die weihnachtlichen Konzertprogramme aufgenommen. 

Adeste fideles, Notentext
     Adeste fideles, Notentext nach John Francis Wade – Wikimedia Commons, Public Domain (gemeinfreies Werk)

Geschichte 

Das Lied ist etwa seit Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert. Die Herkunft der Melodie ist nicht ganz geklärt. Die ältesten Nachweise finden sich in Handschriften des Engländers John Francis Wade (1711–1786). Ob Wade jedoch auch der Komponist des Liedes war, konnte bisher nicht geklärt werden. Die Melodie hat auffallende Ähnlichkeiten mit einer Air Anglois aus der Opéra comique Acajou (1745) von Charles Simon Favart. Aber auch hier bestehen Zweifel, ob die Arie tatsächlich als Vorbild diente oder ob die Ähnlichkeiten nur zufällig sind.

Der Musikverleger Vincent Novello (1781 – 1861) vertrat die Auffassung, dass das Lied bereits 1680 von dem Organisten John Reading (1645 – 1692) komponiert worden sei. Jedoch fehlen auch für diese Vermutung die Belege. Der in vielen Notenausgaben veröffentlichte Hinweis, dass das Lied portugiesischen Ursprungs sei, scheint nach den neuesten Forschungsergebnissen nicht korrekt zu sein. Auch die Vermutung, dass es vom portugiesischen Komponisten Marcos António Portugal oder gar vom portugiesischen König Johann IV. komponiert worden sei, ist durch die Forschung widerlegt worden. 

Überlieferungen 

1782 erschien die Melodie erstmals in gedruckter Form, in dem von Samuel Webbe herausgegebenen Essay or Instruction for Learning the Church Plain Chant. Die Melodie erscheint hier erstmals im 2/2-Takt, also in der heute bekannten Version. John Francis Wade hatte das Lied noch im 3er-Takt notiert. 

In den ältesten Quellen sind sieben Strophen von dem lateinischen Text überliefert. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam eine achte Strophe hinzu.

Von dem lateinischen Originaltext gibt es zwei verschiedene Überlieferungen von jeweils vierstrophigen Fassungen, von denen die erste Strophe übereinstimmt, die anderen drei Strophen jedoch differieren. Hinsichtlich der Verbreitung der Quellen bezeichnet man diese auch als englische bzw. französische Tradition. 

Die vorwiegend in den englischen Quellen anzutreffende Überlieferung geht auf John Francis Wade zurück. Jedoch lässt sich nicht belegen, ob Wade den Text selbst verfasste oder nur einen vorgegebenen Text abschrieb. Die einzelnen Strophen in der englischen Überlieferung sind heterogen, d. h. ihre Aussagen stehen nicht miteinander im Zusammenhang. 

In den französischen Quellen findet sich primär ein Text, der mit dem Abbé und späteren Bischof von Versailles, Étienne-Jean-François Borderies, in Verbindung gebracht wird. Die französische Überlieferung hat gegenüber der englischen Tradition den Vorteil, dass die einzelnen Strophen einen klaren dramaturgischen Aufbau, eine konsequente Entwicklung des Geschehens, aufweisen. 

Übersetzungen 

Im englischen Sprachraum existieren viele Übersetzungen des Liedes. Am weitesten verbreitet ist die Fassung O Come All Ye Faithful von Frederick Oakeley, die erstmals 1852 in Murray’s Hymnal veröffentlicht wurde. 

In den deutschsprachigen Kirchengesangbüchern sind sowohl die englische als auch die französische Überlieferung des lateinischen Textes anzutreffen.

Die im Evangelischen Kirchengesangbuch unter der Nummer 45 erschienene deutsche Übersetzung Herbei, o ihr Gläubigen stammt von Friedrich Heinrich Ranke (1798 – 1876) und basiert auf der englischen Überlieferung von John Francis Wade. 

Im katholischen Gesangbuch, dem Gotteslob, setzte sich dagegen die französische Tradition durch. Im Gotteslob (neue Ausgabe von 2013) findet sich unter der Nummer 241 jene deutsche Übersetzung, die Joseph Hermann Mohr 1873 in seinem Gesangbuch Cäcilia unter dem Titel Auf, gläubige Seelen veröffentlicht hatte. In der Textfassung von Joseph Hermann Mohr wurde allerdings der erste Vers zu Nun freut euch, ihr Christen abgeändert. Die lateinische Version findet man ebenfalls im Gotteslob unter der Nummer 242.

Hier ist eine Übersicht der beiden Überlieferungen des lateinischen Textes mit der entsprechenden deutschen und englischen Übersetzung. 

Lateinischer Text und deutsche Übersetzung nach der englischen Tradition:

Lateinisch Deutsch
Adeste Fideles Herbei o ihr Gläub’gen
Text von John Francis Wade

 

Deutsche Übersetzung von Friedrich Heinrich Ranke
Adeste fideles
laeti triumphantes,
Venite, venite
in Bethlehem.
Natum videte
Regem angelorum.
Venite adoremus
Dominum.
Deum de Deo,
lumen de lumine,
Gestant
puellae viscera.
Deum verum,
genitum non factum.
Venite adoremus
Dominum.

Cantet nunc ‚Io‘
chorus angelorum;
Cantet nunc
aula caelestium,
Gloria! Soli Deo Gloria!

Venite adoremus
Dominum.

Ergo qui natus
die hodierna,
Jesu,
tibi sit gloria,
Patris aeterni
Verbum caro factum.
Venite adoremus
Dominum.

Herbei, o ihr Gläub’gen,
fröhlich triumphieret,
o kommet, o kommet
nach Bethlehem!
Sehet das Kindlein,
uns zum Heil geboren!
O lasset uns anbeten
den König!Du König der Ehren,
Herrscher der Heerscharen,
verschmähst nicht
zu ruhn in Marien Schoß,
Gott, wahrer Gott
von Ewigkeit geboren.
O lasset uns anbeten
den König!

Kommt, singet dem Herren,
singt, ihr Engelchöre!
Frohlocket, frohlocket,
ihr Seligen:
Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden!

O lasset uns anbeten
den König!

Ja, dir, der du heute
Mensch für uns geboren,
Herr Jesu,
sei Ehre und Preis und Ruhm,
Dir, fleischgewordnes
Wort des ewgen Vaters!
O lasset uns anbeten
den König!

Lateinischer Text und englische Übersetzung nach der englischen Tradition:

Lateinisch Englisch
Adeste Fideles O Come, All Ye Faithful
Text von John Francis Wade

 

Englische Übersetzung von Frederick Oakeley
Adeste fideles
laeti triumphantes,
Venite, venite
in Bethlehem.
Natum videte
Regem angelorum.
Venite adoremus
Dominum.
Deum de Deo,
lumen de lumine,
Gestant
puellae viscera.
Deum verum,
genitum non factum.
Venite adoremus
Dominum.

Cantet nunc ‚Io‘
chorus angelorum;
Cantet nunc
aula caelestium,
Gloria! Soli Deo Gloria!
Venite adoremus
Dominum.

Ergo qui natus
die hodierna,
Jesu,
tibi sit gloria,
Patris aeterni
Verbum caro factum.
Venite adoremus
Dominum.

O come, all ye faithful,
joyful and triumphant!
O come ye, O come ye
to Bethlehem;
Come and behold him born,
the King of Angels:
O come, let us adore Him,
Christ the Lord.God of God,
light of light,
Lo, he abhors not
the Virgin’s womb;
Very God,
begotten, not created:
O come, let us adore Him,
Christ the Lord.

Sing, choirs of angels,
sing in exultation,
Sing, all ye citizens of Heaven above!
Glory to God, glory in the highest:
O come, let us adore Him,
Christ the Lord.

Yea, Lord, we greet thee,
born this happy morning;
Jesus,
to thee be glory given!
Word of the Father,
now in flesh appearing!
O come, let us adore Him,
Christ the Lord.

Lateinischer Text und deutsche Übersetzung nach der französischen Tradition:

Lateinisch Deutsch
Adeste Fideles Nun freut euch, ihr Christen
Text von Jean-François Borderies Joseph Hermann Mohr
Adeste fideles
laeti triumphantes,
venite, venite
in Bethlehem.
Natum videte
Regem angelorum.
Venite adoremus
Dominum.

En grege relicto
humiles ad cunas
vocati pastores
approperant:
Et nos ovanti gradu
festinemus.

Venite adoremus
Dominum.

Aeterni parentis
splendorem aeternum
velatum sub carne
videbimus,
Deum infantem
pannis involutum.
Venite adoremus
Dominum.

Pro nobis egenum
et foeno cubantem
piis foveamus
amplexibus.
Sic nos amantem
quis non redamaret?
Venite adoremus
Dominum.

Nun freut euch, ihr Christen,
singet Jubellieder
und kommet, o kommet
nach Betlehem.
Christus der Heiland
stieg zu uns hernieder.
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

O sehet, die Hirten
eilen von den Herden
und suchen das Kind
nach des Engels Wort;
gehn wir mit ihnen,
Friede soll uns werden.

Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

Der Abglanz des Vaters,
Herr der Herren alle,
ist heute erschienen
in unserm Fleisch;
Gott ist geboren
als ein Kind im Stalle.
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

Schaut, wie er in Armut
liegt auf Stroh gebettet,
o schenken wir
Liebe für Liebe ihm!
Jesus, das Kindlein,
das uns all errettet:
Kommt, lasset uns anbeten
den König, den Herrn.

Eine neuere Übersetzung des lateinischen Originaltextes stammt von Kurt Pahlen und ist in der Ausgabe Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, enthalten. Der Band ist im Musikverlag Hug, Zürich, Edition Hug 11582, erschienen.

Aufnahmen

Eine schöne historische Audio-Aufnahme mit dem legendären Tenor Beniamino Gigli ist unter Wikimedia Commons unter folgendem Link abrufbar:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Adeste_Fideles_-_Beniamino_Gigli.ogg?uselang=de     

Auch der Live-Mitschnitt eines Konzerts in Montréal von 1978, mit dem damals 43jährigen Luciano Pavarotti ist inzwischen von historischer Bedeutung: 

https://www.youtube.com/watch?v=TbV3CrQ6Sa0        

Von den drei Tenören (Carreras-Domingo-Pavarotti) gibt es ebenfalls eine CD-Einspielung, und zwar mit der lateinischen und englischen Textfassung der ersten Strophe: Die Aufnahme entstand am 23. Dezember 1999 im Wiener Konzerthaus und ist im Label SONY Music Entertainment erschienen. Die Aufnahme von „Adeste Fideles“ ist auch auf YouTube veröffentlicht:

Neben Andrea Bocelli haben auch viele Pop-Sänger/innen – unter anderem Bing Crosby, Céline Dion, Frank Sinatra, Nat King Cole, Mahalia Jackson, Elvis Presley, Mariah Carey – dieses traditionelle Weihnachtslied eingespielt.   

Quellen 

https://de.wikipedia.org/wiki/Adeste_Fideles

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Adeste_fideles?uselang=de#/media/File:Adeste,_fideles_(earliest_version).jpg

Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 142-143.

Bildquelle

Krippe im Wiener Stephansdom – Foto: Sylvia Kreye

 

 

 

10. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

10. Dezember

Wiegenlieder der Romantik

In unserem musikalischen Adventskalender geht es heute um bekannte Wiegenlieder aus dem 19. Jahrhundert, der Epoche der Romantik. Thematisiert werden das Wiegenlied von Franz Schubert, von dem es auch eine italienische Version gibt, das Wiegenlied von Johannes Brahms und das Volkslied Heidschi bumbeidschi.

Das Wiegenlied von Franz Schubert

Das Wiegenlied op. 98 Nr. 2, D 498, von Franz Schubert entstand im Jahre 1816. Der deutsche Text, Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe, wurde zunächst Matthias Claudius zugeschrieben, jedoch ist die Autorschaft nicht gesichert.

Die Melodie der Originalfassung dürfte wohl allen Freunden der klassischen Musik bekannt sein. Aus Gründen des Copyrights werden hier nur die ersten beiden Takte wiedergegeben:

Wiegenlied von Schubert, Anfang
Franz Schubert, Wiegenlied op. 98 No. 2, Takte 1 -2

Die italienische Version mit dem Titel Mille cherubini in coro (Tausend Englein im Chor, nach dem Wiegenlied op. 98/2), die von italienischen Opernsängern immer wieder gern in Weihnachtskonzerten gesungen wird, bedarf näherer Erläuterungen.

Das Eingangsthema, Mille cherubini in coro, kommt in der deutschen Originalversion von Franz Schubert gar nicht vor. Es handelt sich dabei um eine Bearbeitung für Solostimme und Orchester von Alois Melichar (1896 – 1976). Melichar war ein österreichischer Dirigent, Musikkritiker, Komponist und Arrangeur.  

Der erste Teil der italienischen Version dürfte jedoch vielen Musikfreunden bekannt vorkommen: Es ist ein Thema aus der Ballettmusik zu Rosamunde und stammt ebenfalls von Franz Schubert – wenn es auch ursprünglich für das Wiegenlied gar nicht vorgesehen war. Die italienische Fassung, eine Kombination des Rosamunde-Themas (Mille cherubini in coro) mit dem Thema des Wiegenliedes (Dormi, dormi), wurde von Melichar im Jahre 1935 für den Film Vergiß mein nicht bearbeitet. Ausführende waren damals der berühmte Tenor Beniamino Gigli und das Orchester der Berliner Staatsoper.

Die Bearbeitung von Melichar stoßt bei Musikkritikern und Puristen häufig auf Ablehnung, erfreut sich aber dennoch großer Beliebtheit, sowohl bei italienischen Opernsängern als auch bei Freunden des italienischen Belcanto.

Aus verlagsrechtlichen Gründen werden hier nur die ersten Takte wiedergegeben. Die italienische Fassung ist im Jahre 1935 im Beboton-Verlag GmbH Berlin / Hamburg erschienen. Die Ausgabe für Gesang und Klavier ist im Verlag Sikorski, Editionsnummer SIK 6/4 164 (2002), erschienen.

Mille cherubini in coro, Anfang

Mille cherubini in coro, Zeile 2
Mille cherubini in coro, nach dem Wiegenlied von Franz Schubert, aus dem Film „Vergiß mein nicht“, (C) by Beboton-Verlag GmbH Berlin / Hamburg

Deutsch: Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe 

Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe, 
Leise wiegt dich deiner Mutter Hand;
 
Sanfte Ruhe, milde Labe
 
Bringt dir schwebend dieses Wiegenband.
 

Schlafe, schlafe in dem süßen Grabe, 
Noch beschützt dich deiner Mutter Arm,
 
Alle Wünsche, alle Habe
 
Faßt sie liebend, alle liebwarm.
 

Schlafe, schlafe in der Flaumen Schoße, 
Noch umtönt dich lauter Liebeston,
 
Eine Lilie, eine Rose,
 
Nach dem Schlafe werd‘ sie dir zum Lohn.

Italienisch: Mille cherubini in coro

Mille cherubini in coro
ti sorridono dal ciel.
Una dolce canzone
t’accarezza il crin
Una man ti guida lieve
fra le nuvole d’or,
sognando e vegliando
su te, mio tesor,
proteggendo il tuo cammin.
Su te, mio tesor,
proteggendo il tuo cammin.

Dormi, dormi,
sogna, piccolo amor mio.
Dormi, sogna,
posa il capo sul mio cor.

Chiudi gli occhi,
ascolta gli angioletti,
dormi, dormi,
sogna, piccolo amor.

Dormi, dormi,
sogna, piccolo amor mio.
Dormi, sogna,
posa il capo sul mio cor.

Chiudi gli occhi,
ascolta gli angioletti,
dormi, dormi,
sogna, piccolo amor.

Von der deutschen Fassung des Wiegenliedes von Franz Schubert gibt es mehrere sehr gute Aufnahmen, unter anderem von Fritz Wunderlich und Gundula Janowitz:

https://www.youtube.com/watch?v=mzT9DPHdINc      

https://www.youtube.com/watch?v=QSII_tDIBa4 

Für die Liebhaber großer italienischer Belcanto-Stimmen gibt es auf YouTube mehrere gute Aufnahmen der italienischen Version.

Eine historische Aufnahme für Gesang mit Klavier mit dem legendären Beniamino Gigli ist unter folgendem Link abrufbar:

https://www.youtube.com/watch?v=vAivZ25enps

Auch von dem inzwischen verstorbenen Tenor Luciano Pavarotti gibt es Einspielungen und ein Audio-Video auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=MrJihqdhoBc

Eine schöne Einspielung von José Carreras gibt es als Audio auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=zCrgdu0XJXY

Das Wiegenlied von Johannes Brahms

Das Wiegenlied op. 49 Nr. 4 von Johannes Brahms mit dem Titel Guten Abend, gut Nacht ist eines der bekanntesten Wiegenlieder überhaupt. Es geht auf ein Gedicht deutscher Volkspoesie aus dem 19. Jahrhundert zurück. Nach der Volksliedforschung geht der 1. Vers auf eine niederdeutsche Fassung des 15. Jahrhunderts zurück. Die hochdeutsche Fassung ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.

Kein Geringerer als Clemens Brentano (1778 – 1842) hat das Gedicht aus dem Niederdeutschen ins Hochdeutsche übertragen. Der erste Vers mit dem Titel „Gute Nacht, mein Kind“ wurde 1808 im dritten Band der Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ veröffentlicht. Diese Sammlung wurde von den romantischen Schriftstellern Achim von Arnim (1781 – 1881) und Clemens Brentano herausgegeben.

Als Verfasser der zweiten Strophe wird in vielen Liederbüchern Georg Scherer (1828 – 1909) angegeben. Seine Autorschaft ist wahrscheinlich, aber nicht hundertprozentig belegt.

Die schlichte, von Johannes Brahms im Jahre 1868 komponierte Melodie steht im Dreivierteltakt. Grundlage für die von Brahms komponierte Melodie mit Klavierbegleitung war eine Volksweise, die auf einen oberösterreichischen Ländler zurückgeht. Unter dem Titel Brahms Lullaby wurde das Lied  auch im englischen Sprachraum berühmt. Aus Gründen des Copyrights werden hier nur die ersten acht Takte der Gesangsstimme wiedergegeben:

Guten Abend, gut Nacht

10. Dezember - Wiegenlied von Brahms
Johannes Brahms, Wiegenlied: Guten Abend, gut Nacht, Takte 1-8 – Public Domain (gemeinfreies Werk)

Guten Abend, gut’ Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Näglein besteckt,
schlupf unter die Deck’:
Morgen früh, wenn Gott will,
wirst du wieder geweckt.

Guten Abend, gut’ Nacht,
von Englein bewacht,
die zeigen im Traum
dir Christkindleins Baum.
Schlaf nun selig und süß,
schau im Traum ’s Paradies.

Die Metaphorik der ersten Strophe geht auf das Spätmittelalter zurück: Die Rosen sollen ein schützendes Dach bilden. Die Näglein sind eine veraltete, regional aber auch heute noch gebräuchliche Bezeichnung für Gewürznelken. Mit ihren ätherischen Ölen sollen sie Schutz bieten vor Ungeziefer und Krankheiten.

Von dem Wiegenlied op. 49 Nr. 4 von Johannes Brahms gibt es ebenfalls sehr gute Aufnahmen bekannter Interpreten.

So kann man auf YouTube eine historische Aufnahme mit Elisabeth Schwarzkopf hören:

https://www.youtube.com/watch?v=uXnrlKFu6ps 

Auch die Sopranistin Elisabeth Grümmer hat das Lied eingespielt:

https://www.youtube.com/watch?v=RVglLyTqkfM          

Mit dem Bariton Dietrich Fischer-Dieskau gibt es eine schöne Aufnahme aus dem Jahre 1958:

https://www.youtube.com/watch?v=Dt_R6xOg6Jw          

Innig ist auch die Interpretation durch den Bariton Hermann Prey:

https://www.youtube.com/watch?v=-6VEkG09Qkc          

Aufgrund seines technischen Anspruchs (Oktavsprung im zweiten Teil der Melodie) ist das Wiegenlied von Brahms ein Kunstlied und wird daher meist von ausgebildeten Stimmen gesungen. Wegen seines Bekanntheitsgrads haben auch einige Interpreten der Popularmusik das Lied in volkstümlichen Versionen eingespielt. So gibt es zum Beispiel Aufnahmen von Heintje & Hein Simons, Heino, Nana Mouskouri und Vicky Leandros sowie eine neuere Einspielung von Céline Dion. 

Heidschi bumbeidschi

Das Wiegenlied Heidschi bumbeidschi ist kein Kunstlied, sondern ein deutschsprachiges Volkslied in bayerisch-österreichischer Mundart, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts überliefert ist. Die früheste bekannte Quelle ist das Lied Haidl Bubaidl, das in Österreich aufgezeichnet und 1819 veröffentlicht wurde. Die heute gesungene Melodie fand zusammen mit dem Text ab 1905 Verbreitung durch ein Liederheft des Deutschen Volkslied-Vereins Wien. Die heute verbreitete Textfassung Aber heidschi bumbeidschi ist seit 1926 nachgewiesen.

Zum Text gibt es verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Von vielen Autoren wird vermutet, dass sich das Lied auf die hohe Säuglingssterblichkeit während der Frühen Neuzeit bezieht und mit „Heidschi Bumbeidschi“ daher der Tod gemeint ist. Andere Quellen beziehen den Begriff auf das österreichische Wort hutschen für „in den Schlaf wiegen“. Der Volksliedforscher Franz Magnus Böhme meinte dazu: „Die sinnlos erscheinenden Anfangssilben sind Varianten von ‚Heia Bubbeia‘. Sie sagen so viel wie ‚Schlaf, Bübchen!‘“

Hier ist nun der Originaltext des Wiegenliedes in Mundart:

Åber heidschi bumbeidschi, schlåf långe,
es is jå dein Muatter ausgånga;
sie is jå ausgånga und kimmt neamer hoam
und låßt dås kloan Biabele gånz alloan!
Åber heidschi bumbeidschi bum bum,
åber heidschi bumbeidschi bum bum.

Åber heidschi bumbeidschi, schlåf siaße,
die Engelen låssn di griaßn!
Sie låssn di griaßn und låssn di frågn,
ob du in’ Himml spaziern willst fåhrn.
Åber heidschi bumbeidschi …

Åber heidschi bumbeidschi, in’ Himmel,
då fåhrt di a schneeweißer Schimml,
drauf sitzt a kloans Engei mit oaner Låtern,
drein leicht’ von’ Himml der ållerschenst Stern.
Åber heidschi bumbeidschi …

Der Heidschi bumbeidschi is kumma
und håt ma mein Biable mitgnumma;
er håt ma’s mitgnumma und håts neamer bråcht,
drum winsch i mein’ Biaberl a recht guate Nåcht!
Åber heidschi bumbeidschi …

Nun wird der Text des Liedes in der heute gebräuchlichen hochdeutschen Fassung wiedergegeben: 

Aber Heidschi bumbeidschi es schlafen
Am Himmel die Schäflein die braven
Sie ziehen dahin an dem himmlischen Zelt
Vergessen den Schmerz und den Kummer der Welt

Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum
Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum

Aber Heidschi bumbeidschi wirst sehen
Wie schnell alle Sorgen vergehen
Und bist du auch einsam und bist so allein
Dort schaun ja die Engel zum Fenster herein

Singen Heidschi bumbeidschi bum, bum
Singen Heidschi bumbeidschi bum, bum

Aber Heidschi bumbeidschi, schlaf lange
Und ist auch dein‘ Mutter gegangen
Und ist sie gegangen und kehrt nicht mehr heim
Und läßt ihr kleins Bübchen so ganz allein

Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum
Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum

Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum
Aber Heidschi bumbeidschi bum, bum

Von dem Wiegenlied Heidschi bumbeidschi gibt es viele Einspielungen, sowohl von klassischen Sänger/innen als auch von Interpreten der Popularmusik. Bekannt und beliebt ist zum Beispiel die Aufnahme von Heintje aus dem Jahr 1969, die der erwachsene Hein Simons 2017 in einer Duett-Version mit seinem jüngeren Ich neu aufgenommen hat. Die Neuaufnahme, die durch moderne Technik möglich wurde, fand viel Beachtung:

https://www.youtube.com/watch?v=G1UDObBEx0M

Das Lied ist auch auf der neuen 2CD-Weihnachts-Edition von Hein Simons (Heintje und Ich – Weihnachten) erschienen:

https://www.shop24direct.at/produkt/heintje-und-ich-weihnachten-431238

Quellen

Franz Schubert, Wiegenlied von M. Claudius. (?) Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte, in Eusebius Mandyczewski, Franz Schubert’s Werke, Serie XX: Sämtliche einstimmige Lieder und Gesänge, Nr. 277, Leipzig: Breitkopf & Härtel, Seite 239

Paul Lohmann, Das Lied im Unterricht, Ausgabe für hohe Stimme, Schott Mainz, ED 2907

Wiegenlied, Mille cherubini in coro (Tausend Englein im Chor), aus dem Trio / Cine-Italia-Film im Gloria-Verleih „Vergiß mein nicht“, (C) 1935 by Beboton-Verlag GmbH, Berlin / Hamburg

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASchubert_Wiegenlied_D498_first_two_measures.svg

https://en.wikipedia.org/wiki/Wiegenlied,_D_498_(Schubert) 

https://de.wikipedia.org/wiki/Guten_Abend,_gut%E2%80%99_Nacht   

http://www.lieder-archiv.de/guten_abend_gut_nacht-notenblatt_300030.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Heidschi_Bumbeidschi  

https://genius.com/Heintje-heidschi-bumbeidschi-lyrics

Bildquelle

Benvenuto Tisi (1481-1559) Le sommeil de l’Enfant Jésus, um 1550 – Musée du Louvre, Paris

Wikimedia Commons – Public Domain

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABenvenuto_Tisi-Garofalo-Baby_Jesus_Sleeping.jpg 

9. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

9. Dezember

Weihnachten in Italien

Im heutigen musikalischen Adventskalender geht es um italienische Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder aus der Heimat des Belcanto.

Italien ist aber nicht nur das Land der Oper und des schönen Gesangs, sondern auch des Genusses, der Weihnachtsbräuche und Traditionen!

Natale, das italienische Weihnachtsfest, ist gekennzeichnet durch die Verbindung von Traditionen aus neuerer Zeit und Überresten aus dem alten Rom.

Ab dem 8. Dezember, dem Fest der unbefleckten Empfängnis Marias, wird in Italien alles festlich geschmückt. An allen Orten werden Weihnachtsbäume und Krippen aufgestellt. Die Weihnachtskrippe (Il presepe), deren Einführung auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurückgeht, hat in Italien einen hohen Stellenwert. Besonders in früheren Jahren wurde in den italienischen Familien ein großer Aufwand mit dem Krippenbau betrieben; ganze Krippenlandschaften wurden gebaut. Der Weihnachtsbaum wurde von den nördlichen Ländern übernommen.

Am Heiligen Abend (Vigilia di Natale) besuchen die meisten italienischen Familien die Christmesse und essen kein Fleisch. Erst am 25. Dezember findet das große Weihnachtsessen (Il pranzo die Natale) in den Familien statt – mit verschiedenen Fleischsorten, Käse und Süßigkeiten. Gerade zu Weihnachten spielt das Essen eine große Rolle. Natürlich darf die Pasta auch an der Weihnachtstafel nicht fehlen! Außerdem kommen Süßspeisen wie der Panettone (ein süßes Brot mit Rosinen) oder der Pandoro (ein noch süßeres Brot mit Schokolandenstückchen) auf den Tisch. Oft wird das Weihnachtsessen noch mit Mascarpone-Creme abgerundet. Am 26. Dezember wird in Italien der Stefanitag gefeiert. Die Geschenke werden in Italien zumeist am 25. Dezember ausgetauscht. Gebracht werden die Geschenke entweder vom Gesù bambino (dem Christkindl), vom Babbo Natale (Vater Weihnachten) oder von der Befana, einer alten Witwe, die erst am Dreikönigstag kommt.

Italien ist das Mutterland des Belcanto (des schönen Gesangs) und der Oper. Schon deshalb sind die italienischen Melodien sehr sanglich. Die Weihnachtslieder sind häufig Wiegenlieder im langsamen Tempo und im 2/4- oder 4/4-Takt geschrieben, jedoch kommt auch häufig ein wiegender 6/8-Takt, der sogenannte Siciliano-Rhythmus, vor. 

Dormi, dormi, bel bambin

Das italienische Wiegenlied Dormi, dormi, bel bambin, ist in Licra Sacra, einer Sammlung von beliebten Gesängen aus Korsika, enthalten. Es besteht aus einem langsamen ersten Teil im 4/4-Takt und einem lebhaften Schlussteil im 6/8-Takt:

Dormi, dormi, bel bambino, Notentext

Dormi, dormi, bel bambino, Zeile 2

Dormi, dormi, bel bambino, Noten, Zeile 3

Dormi, dormi, bel bambino, Noten, Zeile 4

Dormi, dormi, bel bambino, Noten, Zeile 5

Dormi, dormi, bel bambino, Noten, Zeile 6
Dormi, dormi, bel bambino, italienisches Weihnachtslied, Wikimedia Commons

Italienisch

Dormi, dormi, bel bambin, Re divin, Re divin,
fa la nanna, bel bambino. Re divin, Re divin,
fa la nanna, bel bambino.
Fa la ninna, fa la nanna,
fa la ninna, nanna a Gesù,
gli Angioletti su nel cielo
vegliaran su te, Gesù.
Fa la la la la la Fa la la la la la,
Fa la la la la la Fa la la la. 

Deutsche Übersetzung

Schlafe, schlaf in süßer Ruh, König du, König du,
schlaf und schließe deine Augen, König du, König du,
schlaf und schließe deine Augen.
Schlaf und träume, schlaf und träume,
schlaf und träume, Jesus, mein Kind,
alle Englein drob’ im Himmel
hüten dich, mein Jesuskind.
La la la la la la la la la la la la,
la la la la la la la la la la.

Tu scendi dalle stelle

Tu scendi dalle stelle, das wohl bekannteste italienische Weihnachtslied, wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts vom neapolitanischen Theologen und späteren Bischof Alfonso Maria de Liguori (1696 – 1787) komponiert. Das Lied umfasst im Original sieben Strophen, jedoch werden zumeist nur die ersten drei gesungen.

Dank seiner volksliedhaften und einprägsamen Melodie und dem wiegenden Sechsachteltakt wurde das Lied in Italien schnell vom Volk übernommen und ist auch heute noch sehr beliebt.

Von dem Lied gibt es verschiedene Ausgaben. Eine gute Ausgabe für Gesang und Klavier mit italienischem und deutschem Text ist im Musikverlag Jürgen Binder, Birnbach, (C) 1982, unter der Editionsnummer 131033 erschienen. Aus Gründen des Copyrights werden an dieser Stelle nur die ersten acht Takte der Gesangsstimme wiedergegeben:

Tu scendi dalle stelle, Noten (1)

Tu scendi dalle stelle, Noten (2)
Tu scendi dalle stelle, Gesangsstimme, Takte 1-8

Italienisch

Tu scendi dalle stelle, o Re del Cielo,
e vieni in una grotta, al freddo al gelo.
O Bambino mio Divino, io ti vedo qui a tremar,
O Dio Beato, ahi, quanto ti costò l’avermi amato!
A te, che sei del mondo il Creatore,
mancano panni e fuoco; o mio Signore!
Caro eletto Pargoletto,
quanto questa povertà più mi innamora!
Giacché ti fece amor povero ancora!

Deutsche Übersetzung

Du steigst von den Sternen herab, o König des Himmels,
und kommst in eine Höhle, bei Kälte und Eis.
O mein göttliches Kindlein, ich sehe dich hier zittern.
O mein heiliger Gott!
Ach, soviel hat es dich gekostet, mich zu lieben.
Dir, der du der Schöpfer der Welt bist,
fehlt es an Decken und Feuer, o mein Herr.
Liebes auserwähltes Kindlein, wie sehr macht deine Armut
mich dich mehr lieben, da Liebe dich auch noch arm gemacht.

Das Lied Tu scendi dalle stelle wird in der Weihnachtszeit sowohl von Solisten als auch von Chören gern gesungen. Giuseppe Verdi soll einmal gesagt haben, ohne dieses Lied wären Weihnachten keine Weihnachten. Der neapolitanische Text von Alfonso Maria de Liguori konnte sich offenbar nicht durchsetzen. Der heute übliche Text des Liedes stammt angeblich von Papst Pius IX.

Die hier vorgestellten Weihnachtslieder aus Italien sind in verschiedenen Ausgaben im Fachhandel erhältlich. Im Internet findet man (mit Ausnahme der „Commons“, der gemeinfreien Literatur) in der Regel nicht die vollständigen Notenausgaben – was ja auch nachvollziehbar ist. 

Auf der Website „Mein Italien“ gibt es einen Link zu einem YouTube-Video mit Andrea Bocelli als Interpret des Liedes Tu scendi dalle stelle. Es gab auch eine sehr schöne historische Aufnahme mit dem legendären Tenor Giuseppe di Stefano! Leider jedoch wurde dieses Audio-Video aus YouTube entfernt. Als Tonträger (Vinyl oder CD) ist es aber vermutlich noch im Handel erhältlich.

Natürlich darf an dieser Stelle der Hinweis auf Luciano Pavarotti nicht fehlen! Auch von ihm gibt es sehr schöne Einspielungen dieses italienischen Weihnachtliedes. Unter anderem ist es auf der CD „Weihnachten mit den DREI TENÖREN“ erschienen.

Quellen 

http://www.mein-italien.info/wissenswertes/natale.htm  

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit        

Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Edition Hug 11582, Seite 42: Dormi, dormi, bel bambino

https://co.wikipedia.org/wiki/Dormi,_dormi,_bel_Bambin        

https://de.wikipedia.org/wiki/Tu_scendi_dalle_stelle     

Bildquelle

Weihnachten in Rom, Italien
Pixabay – CC0 Creative Commons – juliacasado1

https://pixabay.com/de/rom-italien-ort-nacht-weihnachten-515878/

8. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

8. Dezember

Mariä Empfängnis

Im heutigen musikalischen Adventskalender geht es um den Feiertag Mariä Empfängnis und um das Adventslied Maria durch ein Dornwald ging. Der 8. Dezember ist in Österreich – wie in den meisten katholischen Ländern – ein Feiertag. Aber was genau feiern wir eigentlich am 8. Dezember – außer dass wir uns über einen zusätzlichen freien Tag freuen?

Am 8. Dezember feiert die Katholische Kirche das Fest Mariä Empfängnis – genauer gesagt: das Fest der „unbefleckten Empfängnis“ Marias. Diese Bezeichnung hat immer wieder zu Missverständnissen geführt. Als ich heute mal wieder (wie jeden Sonntag) meinen geliebten Klassiksender Radio Stephansdom einschaltete und das Hochamt mit Kardinal Schönborn anhörte, habe ich etwas Wichtiges über diesen katholischen Feiertag erfahren, was mir (wie vielen anderen) vorher gar nicht so recht klar gewesen war:  

Die Eltern Marias, Joachim und Anna, haben ein lang ersehntes Kind empfangen. Sie werden ihm bei seiner Geburt den Namen Maria geben. Maria wurde also auf ganz normalem Wege gezeugt und empfangen. Marias Geburt wird erst am 8. September gefeiert.

Die Immaculata, die unbefleckte Empfängnis Marias, bedeutet nichts anderes, als dass Maria von Anfang an von der Erbsünde, welche in Adam und Eva ihren Ursprung hat, befreit war und von Gott berufen wurde, die Mutter Jesu zu werden. Der 8. Dezember ist daher auch das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“.

Mit dem Begriff Immaculata (unbefleckte Empfängnis Marias) ist also nicht die Jungfräulichkeit der Gottesmutter, sondern ihre besondere Berufung gemeint. Sie wurde von Gott auserwählt, die Mutter des Erlösers Jesus Christus zu werden. Der 8. Dezember ist jedoch nicht, wie so oft angenommen, das Fest der Empfängnis Jesu (denn dieses wird erst am 25. März gefeiert), sondern das Fest der Empfängnis Marias. Man gedenkt also am 8. Dezember jenes Tages, an dem Anna, die Großmutter Jesu, seine Mutter Maria empfangen hat.

Maria durch ein Dornwald ging

Das Adventslied „Maria durch ein Dornwald ging“ beschreibt eine andere Szene: Maria ist bereits eine junge Frau. Sie ist schwanger und trägt das Jesuskind unter ihrem Herzen. Maria ist unterwegs „in eine Stadt im Bergland von Juda“. Sie ist auf dem Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth, einer für damalige Verhältnisse schon älteren Frau, die als unfruchtbar galt und im höheren Alter dann doch noch schwanger wurde. Diese Frau namens Elisabeth ist schwanger mit einem Kind, das später als Johannes der Täufer in die biblische Geschichte eingehen wird.

Der schwierige Weg ins Bergland wird im Lied zum „Dornwald“ stilisiert, der „in sieben Jahr’n kein Laub getragen“ hat. Der Dornwald, durch den Maria geht, steht symbolisch für den dornenreichen Weg des Menschen auf Erden, für eine sündige Welt voller „Dornen und Disteln“ (Genesis 3,18; Jesaja 5,6), die ohne wahres Leben („kein Laub“) ist.

In der zweiten Strophe wird bereits die Erneuerung der Menschheit und die Erlösung durch Jesus Christus angedeutet: „Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen“. Maria ist (anders als in der Genesis beschrieben) „ohne Schmerzen“, was auf ihre Bedeutung als „Mutter der erlösten Menschheit“ hindeutet.

Die Erlösung der Menschheit durch Jesus Christus kommt ganz besonders in der dritten Strophe zum Ausdruck: Indem Maria das Kind Jesus durch den „Dornwald“ trägt, beginnt die Erneuerung der verlorenen Welt: „Da haben die Dornen Rosen getragen“. „Im dürren, düsteren, dornigen Wald beginnen Rosen zu blühen“, wie es Kardinal Schönborn in seinen Gedanken zum Evangelium vom 23.12.2012 formuliert. Die finstere Welt wird in lichte Freude verwandelt.

Melodie und Text 

Maria durch ein Dornwald ging, Noten
Maria durch ein Dornwald ging, Erstdruck (1850), Ausschnitt, Wikimedia Commons

 

Maria durch ein Dornwald ging, Kyrie eleison.
Maria durch ein Dornwald ging,
der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.
Jesus und Maria.
Was trug Maria unter ihrem Herzen? Kyrie eleison.
Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen,
das trug Maria unter ihrem Herzen.
Jesus und Maria.
Da haben die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison.
Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.
Jesus und Maria.

Ursprung des Liedes

„Maria durch ein Dornwald ging“ ist ursprünglich ein Wallfahrtslied. Über die Herkunft des Liedes ist nur wenig bekannt. Die Quellenangaben sind sehr unterschiedlich. Der Ursprung des Liedes geht vermutlich auf das 16. Jahrhundert zurück, was sich jedoch nicht eindeutig belegen lässt. Im Andernacher Gesangbuch von 1608 findet sich unter dem Lied Jesum und seine Mutter zahrt der Vermerk: „nach der Melodie Maria ging durch diesen Wald“. Daher wird die Entstehung des Liedes gelegentlich auf das 16. Jahrhundert datiert. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das Lied zunächst mündlich, ausgehend vom katholischen Eichsfeld, im Bistum Paderborn. 1850 erschien das Lied in der Sammlung „Geistliche Volkslieder“ von August von Haxthausen und Dietrich Bocholtz-Asseburg.

Quellen

Mit Liedern Richtung Weihnachten, Katholische Kirche, Erzdiözese Wien, 01.12.2016

https://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/imkirchenjahr/advent/article/53928.html

Maria durch ein Dornwald ging, Gedanken zum Evangelium, von Kardianal Christoph Schönborn, 23.12.2012

https://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/christ/bibel/gedankenzumevangelium/article/37116.html

Bildquellen

Beitragsbild: Swakopmund, Maria durch ein Dornwald ging, Ansichtskarte, Wikimedia Commons, 25476-Swakopmund-1930-Maria durch ein Dornwald ging, Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, erstellt: 1. Januar 1930

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:25476-Swakopmund-1930-Maria_durch_ein_Dornwald_ging-Brück_%26_Sohn_Kunstverlag.jpg?uselang=de

Notentext: Erstdruck des Liedes „Maria durch ein Dornwald ging“ (1850), siebenstrophige Fassung, erschienen in: August von Haxthausen, Geistliche Volkslieder mit ihren ursprünglichen Weisen, Paderborn 1850. Den Noten ist die letzte Strophe unterlegt.  Wikimedia Commons.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Maria_durch_ein_Dornwald_ging_(1850).jpg?uselang=de