José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum | Teil 2: 1988-2017

José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum

Teil 2: 1988-2017 

Ein Leben für die Musik 

José Carreras’ 60-jähriges Bühnenjubiläum ist in den Medien irgendwie sang- und klanglos untergegangen. Wurde es einfach vergessen? Vor 60 Jahren, am 3. Januar 1958, stand Josep Carreras in seiner Heimatstadt Barcelona zum ersten Mal auf der Bühne. – Doch könnte der Tenor im September dieses Jahres noch ein weiteres Jubiläum feiern: den 30. Jahrestag seines Comebacks an der Wiener Staatsoper! Dies ist ein Grund mehr, dem großen Tenor auf Lingua & Musica einen ausführlichen Beitrag zu widmen!

Das große Comeback   

Das Jahr 1988 war für José Carreras in jeder Hinsicht ein bedeutendes Jahr. Kurz nach seiner Genesung, im Sommer 1988, standen gleich zwei große Ereignisse an: das große Comeback-Konzert unter dem Arc de Triomf in Barcelona und die Gründung der Fundación Internacional para la lucha contra la Leucemia, der Internationalen José Carreras Leukämie- Stiftung.

Schon Anfang März 1988, nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Seattle, begann er heimlich, Stimmübungen zu machen – sehr zum Leidwesen seines damaligen Arztes in Barcelona, der ihn eindringlich ermahnte, das Singen vorläufig noch zu unterlassen und geduldiger zu sein. Doch Carreras’ Zustand besserte sich von Tag zu Tag, und allmählich konnte er auch mit der Vorbereitung zu seinem Comeback beginnen.

Am 21. Juli 1988 war es endlich soweit: Zum ersten Mal nach seiner schweren Erkrankung konnte José Carreras wieder auftreten. Sein legendäres Comeback-Konzert unter dem Arc de Triomf in seiner Heimatstadt Barcelona wurde zu einem spektakulären Ereignis, das längst in die Geschichte eingegangen ist. In seiner neuen Autobiographie mit dem Titel „Aus vollem Herzen“ erinnert sich José Carreras an dieses emotionale Erlebnis:

„Nur wenige Minuten nach zehn trat ich auf die Bühne, und als ich merkte, mit welcher Wärme man mich empfing, kam es mir vor, als könne ich nicht einmal Guten Abend sagen. Ich hatte einen Kloß in der Kehle, und meine Augen wurden feucht. Ich wusste nicht, wie ich den nötigen Abstand zum Publikum herstellen sollte, und versuchte, an etwas anderes zu denken. Als mir das fast gelungen war, sah ich, dass man auf die Wand eines Hauses auf Katalanisch den Satz projiziert hatte: „José, wir freuen uns, dass du wieder hier bist.“ Meine Landsleute machten es mir wahrlich nicht leicht, doch schließlich gelang es mir, Herr der Lage zu werden, und ich begann zu singen. Für den Anfang hatte ich mich für „T’estimo“ entschieden, die katalanische Fassung von Edvard Griegs Lied „Ich liebe dich“, eins meiner liebsten, und den Schluss bildete „Nessun dorma“, die Arie des Prinzen Kalaf aus Turandot, die ich hinreißend finde, obwohl sie alles andere als einfach zu singen ist.“ (José Carreras mit Màrius Carol: Aus vollem Herzen – Über das Geschenk des Lebens und die Kraft der Musik, aus dem Spanischen von Karl A. Klewer, © 2011 by Siedler Verlag, München, S. 175-176.)

Wenige Wochen später, am 8. August 1988, präsentierte José Carreras in der Arena di Verona die „Grande notte di Verona“, wo er neben vielen Sängerkollegen aus der Opernwelt auftrat und sich mit „Granada“ beim italienischen Publikum zurückmeldete.

Der Benefizabend in der Arena von Verona wurde zu einer langen italienischen Nacht. Es muss dort eine einzigartige Stimmung geherrscht haben, wie man sie wohl nur in Verona erleben kann. Die Erlöse aus den Konzerten in Barcelona und Verona kamen sogleich der neu gegründeten José Carreras Leukämie-Stiftung zugute.

Am 16. September 1988 konnte der wieder genesene Startenor einen weiteren Höhepunkt feiern: seine Rückkehr an die Wiener Staatsoper. An jenem Abend gab Carreras in der Staatsoper einen höchst anspruchsvollen Liederabend, der zu einem historischen Ereignis in der Geschichte der Staatsoper wurde. In seiner Autobiographie „Singen mit der Seele“ erinnert sich der Tenor:

„Nach einer so langen Zwangspause an einen Ort zurückzukehren, an dem man mehr als hundertmal aufgetreten ist, an dem man große Erfolge gefeiert hat, das ist ein unvergleichliches emotionsgeladenes Erlebnis. Noch dazu, wenn sich ein Publikum so herzlich und zugleich enthusiastisch verhält. Das gewisse Etwas lag in der Luft – jene Stimmung, die nicht genau beschreibbar oder definierbar ist, die es nur ganz selten gibt in einem Theater. Man fühlt schon nach dem ersten Schritt auf der Bühne, dass sich etwas Außergewöhnliches ereignen wird. Das Publikum spürt es auch, und diese Wechselwirkung ergibt schließlich das, was man einen großen Abend nennt. Emotionell machten mir die Sekunden meines Auftritts fast mehr zu schaffen als vor dem Arc de Triomf in Barcelona. Das lag wohl auch am vergleichsweise intimen Rahmen des Opernhauses. Im geschlossenen Raum wirkt alles stärker und intensiver. Ein Aufschrei kam mir aus dem Oval entgegen, mit einer langen stehenden Ovation wurde ich begrüßt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass mein Konzert zeitlich die Ausmaße einer kürzeren Wagner-Oper erreichen würde – mehr als drei Stunden, was für einen Liederabend respektabel ist.“ (José Carreras, Singen mit der Seele, © 1989 by Kindler Verlag GmbH, München, Seite 205-206.)   

Die zweite Karriere des Tenors

Neben seinem unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Leukämie ist das Singen natürlich nach wie vor der Lebensinhalt von José Carreras.

Nachdem seine Stimme im Laufe der Jahre dunkler und schwerer geworden ist (was übrigens bei Opernsängern eine ganz normale Entwicklung ist), wechselte Carreras bereits in den 80er Jahren ins sogenannte „Spinto“-Fach. (Der Ausdruck „spinto“ kommt vom italienischen Wort „spingere“ = stoßen und bezeichnet das lyrisch-dramatische Zwischenfach mit seinen dramatischen Akzenten.)

Bereits in den 80er und 90er Jahren übernahm Carreras anspruchsvolle Spinto-Partien von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini, Jules Massenet, Georges Bizet und diversen Komponisten des italienischen Verismo. Der Don José in Bizets Oper Carmen war eine seiner besten Rollen. In den 90er Jahren feierte José Carreras unter anderem in den Verdi-Opern Stiffelio und Jérusalem, als Loris Ipanoff in Fedora von Umberto Giordano, als Jean in Hérodiade von Jules Massenet und als Samson in der Oper Samson e Dalila von Saint-Saëns (unter anderem in Wien, London und Barcelona) große Erfolge.

Auch auf dem Gebiet der zeitgenössischen Oper leistete Carreras einen wichtigen Beitrag für die Opernwelt: 1989 stand er in Barcelona (erstmals nach seiner Krankheit) in der Oper Cristobal Colón von Leonardo Balada auf der Bühne des Liceu. Im Jahre 1998 fanden die Aufführungen der Oper Sly von Ermanno Wolf-Ferrari in Zürich große Beachtung. Die Oper wurde im Jahre 2000 auch in Barcelona aufgeführt. Nach mehrjähriger Abstinenz von der Opernbühne folgte im Jahre 2014 die Uraufführung der Oper El Juez von Christian Kolonovits in Bilbao. Das Werk wurde inzwischen auch in St. Petersburg, im Rahmen der Tiroler Festspiele Erl sowie im Theater an der Wien erfolgreich aufgeführt.

Bei Carreras’ Auftritten an der Wiener Staatsoper ist die Zuneigung zwischen dem Tenor und seinem Wiener Publikum besonders intensiv spürbar. Sein umjubeltes Comeback-Konzert vom 16. September 1988, seine Rückkehr auf die Opernbühne als Don José in Carmen im Jänner 1990 sowie sein 30-jähriges Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper im Februar 2004 sind längst in die Geschichte der Wiener Staatsoper eingegangen.

Interessanterweise waren es ausgerechnet die Spinto-Partien – jene schwereren Opernpartien des dramatischeren Zwischenfachs – mit denen  José Carreras seine größten Erfolge feiern konnte! Somit strafte er sämtliche Skeptiker und Kritiker Lügen, die ihm bereits das Ende seiner Karriere vorausgesagt hatten!

Im Laufe seiner langen Karriere hat José Carreras zahlreiche Opernpartien gesungen und unzählige Liederabende gegeben. Sein Repertoire umfasst inzwischen mehr als 60 Opernpartien und schätzungsweise mehrere Hundert Lieder. In all den Jahren seiner erfolgreichen Karriere wurden dem Tenor zahlreiche Auszeichnungen verliehen. Unter anderem wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Barcelona (1989), der Edinburgh Napier University (2000) und der Universität des Saarlandes (2012) zuerkannt. Darüber hinaus ist er seit 1990 Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper sowie der Royal Academy of Music. Eine lückenlose Aufzählung seiner zahlreichen Erfolge und Auszeichnungen würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Die drei Tenöre

Ein wichtiges Thema sollte in diesem Beitrag auf jeden Fall erwähnt werden: die Konzerte der drei Tenöre. Zusammen mit seinen beiden Tenor-Kollegen Luciano Pavarotti und Placido Domingo konnte José Carreras in den 90er Jahren ganze Fußball-Stadien füllen. Das legendäre Konzert in den Caracalla-Thermen von Rom, das die drei Tenöre am 7. Juli 1990 im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien präsentierten, ist inzwischen in die Geschichte eingegangen und bildete den Auftakt einer ganzen Serie von Konzerten, welche die drei Tenöre um den gesamten Erdball führte. Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaften waren die Konzerte der drei Tenöre und Fußballfans Carreras-Domingo-Pavarotti beinahe schon zu einer Tradition geworden. Besonders spektakulär waren – neben dem Rom-Konzert – auch die Konzerte in Los Angeles (1994) und Paris (1998). Mit dem Tod Pavarottis im Jahre 2007 waren leider auch die Konzerte der drei Tenöre beendet. Verständlicherweise wollten Carreras und Domingo dieses Projekt danach nicht mehr weiterführen, denn Luciano Pavarotti – so waren sich beide einig – war nun einmal nicht zu ersetzen.

Die Internationale José Carreras Leukämie-Stiftung

Bereits kurz nach seiner Erkrankung gründete José Carreras in Barcelona die Internationale José Carreras Leukämie Stiftung. Schon im  Sommer 1988 konnte der Sänger (aus dem Erlös der beiden Konzerte in Barcelona und Verona sowie weiterer Veranstaltungen) ansehnliche Spenden für seine neu gegründete Leukämie-Stiftung sammeln. Die Arbeit für die Leukämie-Stiftung ist für José Carreras – neben dem Singen – zu einem wichtigen Lebensinhalt geworden. Dank seines unermüdlichen Einsatzes und mit Hilfe der Spendengelder konnte José Carreras in all den Jahren seit der Gründung der Leukämie-Stiftung zahlreiche Forschungsprojekte realisieren, unter anderem die spanische Knochenspender-Datenbank REDMO (Registro de Donantes de Médula Ósea). Außerdem konnten viele Kliniken (darunter die Universitätskliniken in Barcelona, Leipzig, Berlin und München) mit Transplantationseinheiten ausgestattet werden.

Auch in den USA, in Deutschland und Japan gründete Carreras Stiftungen, die allesamt ein klar definiertes Ziel verfolgen: „Leukämie muss heilbar werden – immer und bei jedem.“ Im deutschen Fernsehen wird alljährlich im Dezember die große Carreras-Gala ausgestrahlt, bei der die Zuschauer anrufen und spenden können.

Seit 1995 konnte José Carreras mit Unterstützung von vielen internationalen und nationalen Stars in bislang 22 Galas und vielen weiteren Spendenaktionen insgesamt über 200 Millionen Euro an Spenden für den Kampf gegen Leukämie und andere Bluterkrankungen generieren. Mit diesem Geld wurden bereits über 1.100 Projekte finanziert, welche den Bau von Forschungs- und Behandlungseinrichtungen, die Erforschung von Leukämie und ihrer Heilung sowie die Arbeit von Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen zum Ziel haben.

Bei der letzten Carreras-Gala am 16. Dezember 2017 kam erneut ein ansehnlicher Betrag von 3,2 Millionen Euro zusammen. Übertragen wurde das vorweihnachtliche TV-Ereignis auch diesmal live bei SAT.1 Gold im frei empfangbaren Fernsehen.

Privatleben 

Von 1971 bis 1992 war José Carreras mit der Geschichtsprofessorin Mercedes Pérez verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Alberto (*1973) und Julia (*1978). Leider scheiterte die Ehe und wurde nach 21 Ehejahren geschieden. 2006 heiratete José Carreras Jutta Jäger, eine österreichische Flugbegleiterin, die er viele Jahre zuvor auf einem Flug kennengelernt hatte. Aber auch diese zweite Ehe verlief nicht so glücklich, wie Carreras sich das gewünscht hätte: Das Paar ließ sich 2011 wieder scheiden. Inzwischen ist Josep Carreras, wie der Katalane sich gern nennt, fünffacher Großvater. Offensichtlich genießt er diesen Status sowie auch die Zusammenkünfte mit seinen Kindern und Enkelkindern. Ob eines von ihnen wohl jemals in seine Fußstapfen treten wird, bleibt noch abzuwarten. 

Katalonien und der Fußball

Wie bereits erwähnt, musste José Carreras zur Zeit der Franco-Diktatur den kastilischen Vornamen „José“ annehmen. Seinen katalanischen Vornamen „Josep“ durfte er erst nach der Rückführung Spaniens in eine konstitutionelle Monarchie führen.

Privat ist Josep Carreras ein begeisterter Fußballfan und Anhänger des katalanischen Fußballteams FC Barcelona. Die Begeisterung für den Verein beruht nicht nur auf sportlichen Interessen, sondern ist auch Ausdruck der nationalen Identität des katalanischen Volkes:

„Das hat nicht nur mit der sportlichen Seite des Klubs zu tun, sondern vielmehr mit der Rolle, die er als gesellschaftliche Institution während der Franco-Diktatur  gespielt hat. Zu dieser Zeit mussten wir unsere Identität, unsere Wurzeln und Traditionen gegen die Repression von General Franco verteidigen. Die einzige Möglichkeit, unseren Selbstwert nach außen zu zeigen, war, zu den Spielen des FC Barcelona zu gehen. Nur im Camp Nou zeigten wir offen unsere wahren Gefühle, unsere Identität als eigenes kleines Land. Deshalb hat der FC Barcelona bis heute diese unglaubliche soziale Stärke und Bedeutung. Barça war und ist schon immer viel mehr gewesen als nur Sport.“ Und über seine Heimat Katalonien sagte der Sänger in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Katalonien ist mein Land, mein kleines Land. Ich liebe die Spanier, ich habe einen spanischen Pass, Spanien ist ein phantastisches Land, aber wir Katalanen fühlen da ein bisschen anders. Nicht besser, nicht schlechter. Einfach anders.“ (José Carreras im Gespräch „Eine eigene Nationalmannschaft für Katalonien“ – Interview in FAZ.net vom 4. Juni 2008.)

60 Jahre José Carreras – ein Leben für die Musik 

José Carreras hat sein Leben stets der Musik gewidmet. Derzeit befindet er sich auf seiner Abschiedstournee, die ihn noch einmal durch alle Städte führen soll, in denen er seine großen Erfolge feiern konnte. „A Live in Music“ ist der sprichwörtliche Titel seiner sogenannten World Final Tour, die sich insgesamt über einen Zeitraum von 2 – 3 Jahren hinziehen soll. Doch wie Carreras bereits verlauten ließ, gibt es für seinen Abschied von der Bühne nach wie vor keine genaue „Deadline“.

Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dass José Carreras kurz nach seinem Comeback einmal sagte, er glaube, dass mit 53 Jahren ein guter Zeitpunkt sei, sich von der Bühne zu verabschieden. Doch wie viele Jahre sind seitdem schon vergangen, und er singt immer noch – Gott sei dank!

Im Jahre 2009 hieß es, dass José Carreras sich von der Opernbühne endgültig verabschieden und nur noch Liederabende geben wolle. Ein paar Jahre lang hatte es tatsächlich den Anschein, als wolle der Sänger seinem Vorsatz treu bleiben – bis zu seinem großartigen Comeback auf die Opernbühne mit der Oper El Juez (Der Richter) von Christian Kolonovits im Jahre 2014.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Die lange und erfolgreiche Karriere des José Carreras, eines der größten Tenöre unserer Zeit, ist noch lange nicht zu Ende! Er kann’s einfach (noch) nicht lassen! Und solange er gesund bleibt und seine Fans ihn hören wollen, ist das auch gut so! Auch wenn viele Kritiker ihm schon vor vielen Jahren das Ende seiner Karriere prophezeit haben: Er ist immer noch da! Wie sich Menschen doch irren können! Es bleibt daher zu hoffen, dass wir ihn doch noch einige Male auf der Bühne erleben werden, bevor er sich eines Tages in den wohlverdienten Ruhestand zurückzieht!

Als Autorin dieses Beitrages möchte ich diese Gelegenheit benutzen, meinem großen Vorbild José Carreras zu seinem 60. Bühnenjubiläum die herzlichsten Glückwünsche zu übermitteln und ihm für die weitere Zukunft alles Gute zu wünschen. Vor allem aber wünsche ich ihm weiterhin eine gute Gesundheit, denn das ist – ungeachtet der großen Erfolge – doch immer noch das Wichtigste im Leben!

Sylvia Kreye, Wien

Tipps für Musikfreunde & Carreras-Fans  

Der erste Teil des Artikels zum 60-jährigen Bühnenjubiläum von José Carreras ist am 30.01.2018 auf Lingua & Musica erschienen und unter folgendem Link abrufbar:

José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum | Teil 1: 1958-1987

Über das Konzert im Wiener Konzerthaus am 22. März 2017 wurde auf Lingua & Musica bereits ausführlich berichtet:

http://linguamusica.eu/a-life-in-music-jose-carreras-im-wiener-konzerthaus/

Ein weiterer Artikel über José Carreras – mit persönlichen Erinnerungen und Begegnungen – ist bereits anlässlich seines 70. Geburtstages am 5. Dezember 2016 auf Lingua & Musica (Musikalischer Adventskalender vom 5. Dezember) erschienen:

http://linguamusica.eu/der-musikalische-adventskalender-5-dezember-2016/

Hier noch ein paar Tipps für Carreras-Fans: Die aktuelle CD zur Abschiedstournee „A Live in Music“ ist im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

https://www.shop24direct.at/produkt/a-life-in-music-118028

Es gibt nur noch 3 Exemplare – also rasch zugreifen!

Die neue Biographie von José Carreras, entstanden in Zusammenarbeit mit Màrius Carol und erschienen 2011 im Siedler Verlag trägt den Titel „Aus vollem Herzen“ und ist ebenfalls über Shop24Direct erhältlich:

https://www.shop24direct.at/produkt/sku/1487118

Weitere CDs und DVDs von José Carreras sind unter folgendem Link zu finden:

https://www.shop24direct.at/catalogsearch/result/?filter=&q=Jos%C3%A9+Carreras

Quellen & Literatur

José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum | Teil 1: 1958-1987

José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum

Teil 1: 1958-1987

60 Jahre auf der Bühne – ein Leben für die Musik

José Carreras’ 60-jähriges Bühnenjubiläum ist in den Medien irgendwie sang- und klanglos untergegangen. Wurde es einfach vergessen? Vor 60 Jahren, am 3. Januar 1958, stand Josep Carreras in seiner Heimatstadt Barcelona zum ersten Mal auf der Bühne. – Doch könnte der Tenor im September dieses Jahres noch ein weiteres Jubiläum feiern: den 30. Jahrestag seines Comebacks an der Wiener Staatsoper! Dies ist ein Grund mehr, dem großen Tenor auf Lingua & Musica einen ausführlichen Beitrag zu widmen!

A Live in Music – die Abschiedstournee des Tenors

José Carreras hat sein Leben stets der Musik gewidmet. Derzeit befindet sich der Tenor auf seiner Abschiedstournee, die ihn noch einmal durch alle Städte führen soll, in denen er seine großen Erfolge feiern konnte. „A Live in Music“ ist der Titel seiner sogenannten World Final Tour, die sich insgesamt über einen Zeitraum von 2 – 3 Jahren hinziehen soll. Doch wie Carreras bereits verlauten ließ, gibt es für seinen Abschied von der Bühne nach wie vor keine genaue „Deadline“.

Viel Beachtung fanden im vergangenen Jahr zwei Konzerte, die José Carreras im Rahmen seiner World Final Tour in Österreich gab: das Konzert im Wiener Konzerthaus am 22. März 2017 und das letzte Konzert des Tenors im Großen Festspielhaus Salzburg am 20. Dezember 2017 (siehe Beitragsbild). Zu Wien und Salzburg hat der Tenor schon immer eine besonders enge Beziehung gehabt, denn in beiden Städten konnte er besonders große Erfolge feiern. Die Salzburger Festspiele und die Zusammenarbeit mit dem legendären Dirigenten Herbert von Karajan bildeten einen absoluten Höhepunkt seiner Karriere.

Ebenso erfolgreich waren José Carreras’ Auftritte an der Wiener Staatsoper, in den späten Jahren vor allem mit Opernpartien des dramatischeren Spinto-Fachs. Sein umjubeltes Comeback-Konzert vom 16. September 1988, seine Rückkehr auf die Opernbühne als Don José in Carmen im Jänner 1990 sowie sein 30-jähriges Bühnenjubiläum an der Wiener Staatsoper im Februar 2004 sind längst in die Geschichte der Wiener Staatsoper eingegangen.

Ein 60-jähriges Bühnenjubiläum ist ein Anlass, ein wenig Rückschau zu halten und einen Blick auf die Biographie des Sängers zu werfen.

Kindheit und Debüt mit elf Jahren

José Carreras, mit bürgerlichem Namen Josep Maria Carreras-Coll, wurde am 5. Dezember 1946 in Barcelona, im Stadtviertel Sants, als drittes Kind von José Carreras-Soler und Antonia Coll-Saigi, geboren. Katalonien stand seinerzeit unter dem Joch der Franco-Diktatur. Zur Zeit Francos war die katalanische Sprache verboten – die offizielle Staatssprache war Kastilisch. Dies war auch der Grund, warum José Carreras seinen katalanischen Vornamen „Josep“ offiziell nicht führen durfte. Erst viel später, nach der Rückführung Kataloniens in eine konstitutionelle Monarchie, durfte José Carreras sich wieder „Josep“ nennen – so wie er auch von seiner Familie und seinen Freunden stets genannt wurde.

Wie die meisten Katalanen war Carreras’ Vater, José Carreras-Soler, glühender Republikaner. Nachdem er im spanischen Bürgerkrieg an der Seite der Republikaner gegen das Franco-Regime gekämpft hatte, bekam auch die Familie Carreras die Repressalien des Regimes zu spüren. Nach 1939, dem Ende des Bürgerkrieges, durfte Josés Vater seinen Beruf als Französischlehrer nicht mehr ausüben. Ein Lehrer als Republikaner war für das Franco-Regime untragbar. Stattdessen wurde ihm eine Stelle als Verkehrspolizist bei der „Guardia Urban“ angeboten, die Carreras’ Vater notgedrungen annahm. Wegen der wirtschaftlichen und politischen Situation beschloss die Familie Carreras im Herbst 1951 (der kleine Josep war damals nicht einmal fünf Jahre alt), nach Argentinien auszuwandern. Jedoch erkannte die Familie schon sehr bald, dass sich der Traum von einem besseren Leben in Argentinien nicht erfüllen würde, und kehrte schon nach elf Monaten nach Katalonien zurück, denn auch in Argentinien war keine Besserung der Lebensumstände zu erwarten.

Wieder daheim in Barcelona, nahm der Vater seine Arbeit als Verkehrspolizist wieder auf. Die Mutter, Antonia Coll-Saigi, führte einen kleinen Friseursalon. Ein Kinobesuch der Familie Carreras sollte schon bald zu einem besonderen Erlebnis werden: Als eines Tages im Kino der Film „Der große Caruso“ mit Mario Lanza gespielt wurde, änderte sich das Leben des kleinen Josep schlagartig. José Carreras erinnert sich:

„Was mich an dem Film faszinierte, war aber weniger die Story. Ich bekam zwar das Wunder dieser Karriere irgendwie mit, mir gefielen die Reisen, der Ruhm, der Reichtum – aber was mir viel mehr imponierte, war die Musik. Die Opernarien und wie sie von Mario Lanza, dem Film-Caruso, gesungen wurden.“ (José Carreras, Singen mit der Seele, © 1989 by Kindler Verlag GmbH, München, Seite 75.)

Von nun an schmetterte der knapp sechsjährige Josep alle Arien, die er im Film gehört hatte, nach. Tagaus, tagein sang er zu Hause die Arien rauf und runter. Sein Favorit war die Arie des Herzogs aus der Oper Rigoletto – was ihm in der Schule schon bald den Spitznamen „Rigoletto“ einbrachte! Er sang und sang; seine Eltern und Geschwister trugen es mit Geduld und Fassung! „Can you imagine my poor family“, sagte José Carreras selbst einmal humorvoll in einem Interview! 

„Was am nächsten Tag passierte, war für meine Familie fast ein Schock. Nicht nur, dass ich sämtliche Arien aus dem Caruso-Film vollkommen richtig nachsang, obwohl ich sie nie vorher gehört hatte – ich sang keineswegs so, wie Kinder eben singen, sondern ich imitierte gleich die Art der Tenöre, Arien zu singen. Für meine Familie begann eine schwere Zeit. Ich sang und sang und sang. Als man mir nach einiger Zeit bedeutete, mein Gesang sei zwar wunderschön, gehe aber allen allmählich auf die Nerven, begab ich mich auf die Suche nach geeigneten Orten für meine musikalischen Darbietungen. Da ich an Zuhörern ohnehin nicht sehr interessiert war, schloss ich mich stundenlang auf dem Klo ein oder verbrachte längere Zeiten unter der Dusche als je zuvor in meinem Leben. Wo immer ich ein ruhiges Plätzchen fand, sang ich aus Leibeskräften. […]“ (José Carreras, Singen mit der Seele, © 1989 by Kindler Verlag GmbH, München, Seite 75-76.)

Der Film „Der große Caruso“ mit Mario Lanza hatte in dem sechsjährigen Josep Carreras eine unbändige Lust am Singen erweckt. Ansonsten jedoch verlief das Leben des kleinen Josep völlig normal. Er ging zur Schule wie alle anderen Jungen seines Alters, spielte Fußball und Handball, vor allem aber Basketball. Bald darauf erhielt der kleine Josep seinen ersten Musikunterricht bei Magda Prunera, einer Freundin seiner Mutter, im „Orfeon de Sants“, der örtlichen Musikschule. Schon nach einem Jahr konnte er an das städtische Konservatorium der Stadt Barcelona wechseln. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war für den achtjährigen Josep Carreras sein erster Opernbesuch im Teatro del Liceu von Barcelona. Zusammen mit seinem Vater erlebte er ganz oben auf der fünften Galerie des traditionsreichen Opernhauses eine Aida-Vorstellung mit Renata Tebaldi als Aida und Umberto Borso als Radames. Von dem Moment an war für den achtjährigen Josep klar, dass dies einmal seine Welt sein sollte, dass er hierher gehöre.

Schon bald darauf – es war in der Weihnachtszeit – trat der Achtjährige in einer Benefizsendung des Radio Nacional d’Espana auf. Er sang ein katalanisches Weihnachtslied und – wie könnte es anders sein – die Arie des Herzogs aus Rigoletto: La donna è mobile!

Am 3. Januar 1958 – mit gerade einmal 11 Jahren – trat Josep Carreras zum ersten Mal im Gran Teatre del Liceu von Barcelona auf: In der Oper El Retablo del Maese Pedro von Manuel de Falla sang er die Knabenrolle des Trujamán. Der berühmte spanische Pianist und Dirigent José Iturbi dirigierte die Vorstellung. Der Auftritt wurde für den Elfjährigen zu einem großen Erfolg. In den folgenden Jahren erhielt Josep Carreras noch weitere Angebote vom Liceu: jeweils eine Knabenrolle in der Oper Amunt von Manuel Altisent und in Puccinis La Bohème. Für die Saison 1959/60 erhielt Josep ein weiteres Angebot des Liceu: Als nächstes sollte er den Hänsel in Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel singen. Doch dann kam es anders: Der Stimmbruch machte ihm einen Strich durch die Rechnung, und er musste seine Mitwirkung in der Produktion Hänsel und Gretel absagen.

Die Ausbildung

Im Jahre 1964 begann José Carreras mit der Gesangsausbildung, zunächst bei Francisco Puig – jenem Gesangslehrer, der auch seinen Landsmann Jaime (Giacomo) Aragall unterrichtet hatte.

Im Herbst 1965 – nur ein Jahr, nachdem José Carreras sein Gesangsstudium aufgenommen hatte, wurde bei seiner Mutter Krebs im Endstadium diagnostiziert. Sie hatte nur noch wenige Tage zu leben und starb im Alter von nur 51 Jahren. Der damals 18jährige Josep hat sehr unter diesem Verlust gelitten und diesen Schicksalsschlag lange Zeit nicht überwunden.

Nach dem Tod seiner Mutter nahm José Carreras zunächst ein Chemie-Studium an der Universität von Barcelona auf, da sein Bruder und sein Schwager gerade dabei waren, eine Kosmetikfirma aufzubauen. Neben dem Studium nahm er weiterhin Gesangsunterricht und half im Betrieb seines Bruders und Schwagers. Nach dem Studienjahr 1967/68 jedoch entschied sich José Carreras endgültig für die Welt der Oper und gab das Chemie-Studium auf. – Da kommt unwillkürlich die Frage auf: Was wäre wohl aus Carreras geworden, wenn er nicht Sänger geworden wäre und das Chemie-Studium fortgesetzt hätte? Nicht auszudenken! Wie gut, dass er sich dann doch für den Gesang entschieden hat!

Nachdem José Carreras etwa drei Jahre lang bei Francisco Puig studiert hatte, spürte er, dass er etwas brauchte, was ihm Maestro Puig nicht geben konnte. In dieser Zeit lernte er Juan Ruax kennen, einen Mann mit einer schönen Tenorstimme, der jedoch nach einer Kinderlähmung an den Rollstuhl gefesselt war. Juan Ruax war von Beruf Zahntechniker und widmete sich der Ausbildung des jungen Tenors mit großem Einsatz. Er hatte einen untrüglichen Instinkt für die Stimme seines Schützlings und wusste genau, was dieser gerade brauchte. José Carreras über seinen Lehrer Juan Ruax:

„Das Faszinierende an dem Unterricht bei ihm war, dass er mehr mit mir über das Singen sprach, als dass er mit mir das Singen übte. Es war auch so, dass er weniger versuchte, mir beizubringen, wie man singen muss, sondern wesentlich mehr darüber sprach, wie man es   n i c h t   tun soll. Er war immer bemüht, meinen natürlichen Instinkt für das Singen und mein Talent weiterzuentwickeln. Natürlich korrigierte er mich, wenn ich etwas falsch machte. Aber die Hauptsache war: Es gibt kaum Grundregeln beim Singen, die man auf jeden Menschen anwenden kann. Was für den einen gut ist, muss es noch lange nicht für den anderen sein. Es gibt kein todsicheres System, denn gäbe es eines, existierten viel mehr erstklassige Sänger. Jede Kehle ist anders, jedes Talent auch, die Intelligenz funktioniert beim Singen unterschiedlich. Und Maestro Ruax hatte eben ein untrügliches Gespür für mich. Er wusste einfach instinktiv, wo er ansetzen musste, ohne das, was von mir selbst kam, zu gefährden. Sein Grundsatz lautete: Folge dem, was deine Intuition dir sagt, und opfere niemals einen Ausdruck, einen Akzent oder eine Note der Technik. Er war das klassische Gegenbeispiel zu jenen sturen Gesangslehrern, die ihren Schützlingen eine bestimmte Methode aufzwingen.“ (José Carreras, Singen mit der Seele, © 1989 by Kindler Verlag GmbH, München, Seite 93-94.)    

Debüt als erwachsener Sänger im Liceu

Im Frühjahr 1969 ging José Carreras – ermuntert durch seinen Lehrer Juan Ruax – zu einem Vorsingen ins Teatre del Liceu in Barcelona. Der damalige Direktor Juan Antonio Pamias war von seinem Vortrag so angetan, dass er ihm gleich die Rolle des Flavio in Bellinis Norma anbot. Die Premiere im Januar 1970 – an der Seite der großen Sopranistin Montserrat Caballé – wurde nicht nur für die Stars der Aufführung, sondern auch für José Carreras zu einem großen Erfolg. Montserrat Caballé war von der Stimme des jungen Tenors so begeistert, dass sie ihn fortan förderte. So sang José Carreras noch im selben Jahr seine erste Hauptrolle im Teatro del Liceu: den Gennaro in Donizettis Lucrezia Borgia. Die Premiere von Lucrezia Borgia im Dezember 1970 betrachtet Carreras als sein eigentliches Debüt. Wenig später erhielt der junge José Carreras auch die Tenorrolle in der neuen Produktion von Verdis Nabucco.

Regisseur de Giuseppe Tomasi war es auch, der den jungen Tenor animierte, am Verdi-Gesangswettbewerb in Parma teilzunehmen, den Carreras im Oktober 1971 gewann. Anlässlich des Wettbewerbs in Parma traf José Carreras zum ersten Mal mit seinem großen Vorbild Guiseppe di Stefano – genannt Pippo – zusammen. „Wie alle anderen, war auch ich sehr aufgeregt und zitterte wie ein Pudding, als der große Pippo vor mir stand“, erinnert sich Carreras an diese Begegnung.

Carlos Caballé, der Bruder und Manager von Montserrat Caballé, dem José Carreras bereits während seines Studiums begegnet war, wurde schließlich auch Carreras’ Manager und Impresario.

Auf den Opernbühnen der Welt

Von da an war die steile Karriere des jungen Carreras nicht mehr aufzuhalten. Engagements an allen großen Opernhäusern folgten: Von der New York City Opera in New York ging es im Januar 1974 nach Wien, wo ihm während einer Aufführung von Rigoletto ein Malheur passierte: Ausgerechnet am Ende von „La donna è mobile“ – jener Arie, die er zuvor tausendmal gesungen hatte – blieb ihm die Stimme weg. Obwohl Carreras wegen dieses peinlichen Zwischenfalls für mehrere Jahre einen großen Bogen um Wien machte, hatte ihn das Wiener Publikum – trotz oder gerade wegen dieses Missgeschicks – gleich ins Herz geschlossen.

Von Wien aus führte der Weg des jungen Sängers über London, Wien, München und New York nach Mailand – dem „Mekka“ für Opernsänger. In Mailand traf Carreras erneut mit seinem Vorbild Giuseppe di Stefano zusammen. Während der Proben zur Premiere von „Un ballo in maschera“ kam es damals zu einer lustigen Begebenheit: Weil das Kostüm für den schlanken José Carreras zu groß war, verehrte ihm der große „Pippo“ sein Ballo-Kostüm – eine Anekdote, die sich in Mailand schnell herumsprach.

Das Scala-Debüt im Februar 1975 wurde für Carreras zu einem triumphalen Erfolg. Kurz darauf wurde auch der große Herbert von Karajan auf den jungen Sänger aufmerksam, der ihn im April 1976 für Verdis Messa da Requiem im Rahmen der Salzburger Osterfestspiele engagierte. Noch im selben Jahr vertraute ihm Herbert von Karajan für die Salzburger Festspiele die Titelpartie in Verdis Don Carlos an. Die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan und die Salzburger Festspiele waren für José Carreras, wie er selbst einmal in einem Interview sagte, der absolute Höhepunkt seiner Karriere. Weitere große Projekte mit Herbert von Karajan folgten: La Bohème an der Wiener Staatsoper (1977), Aida (Salzburger Festspiele 1979 und 1980), Don Carlos (Salzburger Festspiele 1977 und 1978, Wiener Staatsoper 1979 und 1980, Osterfestspiele 1986). Ein weiterer Höhepunkt in der Zusammenarbeit mit Karajan war die Carmen (Salzburger Festspiele 1985) – mit jenem legendären hohen b im pianissimo am Ende der Blumen-Arie, das in seiner poesievollen Gestaltung bis heute einzigartig geblieben ist. Es ist diese unvergleichliche Piano- und Legato-Kultur, mit der José Carreras Maßstäbe gesetzt hat und seine Fans auf der ganzen Welt immer wieder begeistert.

Auch für Liederabende kehrte José Carreras immer wieder gern nach Salzburg zurück, so zum Beispiel 1981, 1989, 2002, 2012 und zuletzt im Dezember 2017. Seine Recitals im Großen Festspielhaus haben ebenfalls Maßstäbe gesetzt.

Im Laufe seiner Karriere hat José Carreras mit allen namhaften Dirigenten zusammengearbeitet, darunter Carlo Maria Giulini, Claudio Abbado, Riccardo Muti – um nur einige zu nennen. Unter der Leitung von Leonard Bernstein persönlich entstand auch die berühmte Einspielung des Musicals Westside Story.

Die Leukämie-Erkrankung

Das Jahr 1987 sollte für José Carreras zu einem schweren Schicksalsjahr werden. Noch im Frühjahr 1987 war der Tenor an der Mailänder Scala als Canio in der Oper I Pagliacci erfolgreich aufgetreten – ohne zu wissen, dass dies vorläufig sein letzter Opernauftritt sein sollte. Anfang Juli hatte Carreras seine Schallplattenaufnahme der Misa criolla unter der Leitung des Komponisten Ariel Ramirez eingespielt. Am 5. Juli fand – ohne dass er es ahnen konnte – sein vorläufig letztes Konzert in Oviedo statt. Bereits am nächsten Morgen begannen in Paris die Dreharbeiten zu einem Bohème-Film mit dem italienischen Regisseur Luigi Comencini, mit Carreras als Rudolfo. Während der Dreharbeiten machte José Carreras eine Zahnentzündung zu schaffen. Trotz der Antibiotika, die er dagegen einnahm, fühlte er sich von Tag zu Tag schlechter. Nach einem Check-up im Amerikanischen Hospital von Paris erhielt er schließlich die niederschmetternde Diagnose erhielt: Leukämie. Es folgte eine monatelange Behandlung mit Chemotherapie, Strahlenbehandlung und allen erdenklichen Nebenwirkungen.

Um nahe bei der Familie zu sein, unterzog sich Carreras der Behandlung zunächst in Barcelona. Im Herbst 1987 begab er sich zur weiteren Behandlung nach Seattle ins Fred Hutchinson Cancer Research Center. Da kein geeigneter Knochenmarkspender gefunden wurde, konnte nur eine autologe Knochenmarktransplantation (vom eigenen Knochenmark) das Leben des Sängers retten. Diese wurde – nach einer erneuten quälenden Phase mit Knochenmarkentnahme, Chemotherapie und Bestrahlung – im November 1987 vorgenommen. Doch bei aller Tragik gibt es auch eine kuriose Anekdote aus der Zeit in Seattle, die Carreras in seiner Autobiographie festgehalten hat:

„Da es in dem Raum keine Uhr gab, auf der ich die dahinkriechenden Minuten hätte verfolgen können, half ich mir mit der Oper. Leise summend oder manchmal sogar nur in Gedanken repetierte ich Arien – von La Bohème bis Aida, von Turandot bis La Gioconda. Schließlich weiß jeder Tenor auswendig, wie viele Minuten „Che gelida manina“, „Celeste Aida“, „Nessun dorma“ oder „Cielo e mar“ dauern. Nun, diese Zeiten zählte ich zusammen und wusste relativ genau, dass die Bestrahlungszeit nach der nächsten Arie vorbei sein musste. Manchmal holten mich die Krankenschwestern schon ab, während ich noch mitten im „Singen“ war. Da sie mir nicht eine Sekunde schenkten, muss mich in diesen Fällen wohl ein in breite Tempi verliebter Dirigent begleitet haben…“ (José Carreras, Singen mit der Seele, © 1989 by Kindler Verlag GmbH, München, Seite 41-42.)   

Die Nachricht von Carreras’ Leukämie-Erkrankung löste bei Fans in aller Welt – einschließlich meiner Person – eine wahre Schockstarre aus. Überwältigend war die Anteilnahme, die dem Sänger entgegengebracht wurde. Aus allen Teilen der Welt erhielt er Genesungswünsche. Schon während dieser Zeit in Seattle reifte in ihm der Plan, eine Stiftung für Leukämiekranke zu gründen. Und eines wusste er ganz sicher: Er wollte nicht nur wieder gesund werden, sondern auch wieder singen! Im Februar 1988 wurde Carreras aus dem Krankenhaus in Seattle entlassen und durfte endlich in seine Heimatstadt Barcelona zurückkehren. Am Flughafen von Barcelona wurde er von seinen Landsleuten begeistert empfangen. Mit der Rückkehr in seine Heimat begann für den Sänger ein neues Leben.

Sylvia Kreye, Wien

Morgen geht’s weiter mit Teil 2: 1988 – 2017

Tipps für Musikfreunde & Carreras-Fans

Hier noch ein paar Tipps für Carreras-Fans: Die aktuelle CD zur Abschiedstournee „A Live in Music“ ist im Handel oder über Shop24Direct zu beziehen:

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Es gibt dort nur noch 3 Exemplare – also rasch zugreifen!

Die neue Biographie von José Carreras, entstanden in Zusammenarbeit mit Màrius Carol und erschienen 2011 im Siedler Verlag, trägt den Titel „Aus vollem Herzen“ und ist ebenfalls über Shop24Direct erhältlich:

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Weitere CDs und DVDs von José Carreras sind unter folgendem Link zu finden:

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Hier geht’s zum zweiten Teil des Artikels zum 60-jährigen Bühnenjubiläum von José Carreras:

José Carreras: 60-jähriges Bühnenjubiläum | Teil 2: 1988-2017

Über das Konzert im Wiener Konzerthaus am 22. März 2017 wurde auf Lingua & Musica bereits ausführlich berichtet:

http://linguamusica.eu/a-life-in-music-jose-carreras-im-wiener-konzerthaus/

Ein weiterer Artikel über José Carreras – mit persönlichen Erinnerungen und Begegnungen – ist bereits anlässlich seines 70. Geburtstages am 5. Dezember 2016 auf Lingua & Musica (Musikalischer Adventskalender vom 5. Dezember) erschienen:

http://linguamusica.eu/der-musikalische-adventskalender-5-dezember-2016/

Quellen & Literatur

A Life in Music – José Carreras im Wiener Konzerthaus

A Life in Music: José Carreras im Wiener Konzerthaus. Foto: © G. Lembergh. Mit freundlicher Genehmigung von Kupfer Kultur Media EAI GmbH

A Life in Music – José Carreras im Wiener Konzerthaus

A Life in Music. Im Rahmen seiner Final World Tour trat José Carreras im Wiener Konzerthaus auf und erntete viel Applaus beim Wiener Publikum.

A Life in Music – José Carreras auf Welt-Tournee

„A Life in Music“ ist das Motto der Final World Tour, mit der sich der katalanische Startenor José Carreras (mit bürgerlichem Namen Josep Carreras) nach und nach von seinem Publikum verabschieden möchte. Im Rahmen seiner Abschiedstournee möchte Carreras noch einmal in allen Städten dieser Welt auftreten, in denen er im Laufe seiner langen Karriere so große Erfolge feiern durfte. Wie er jedoch selbst einräumte, kann sich diese Abschiedstournee durchaus noch über etwa zwei Jahre hinziehen.

Laut Ankündigung sollte der Auftritt des Tenors im Wiener Konzerthaus nun auch der Abschied von seinem treuen Wiener Publikum sein. Doch war es tatsächlich der endgültige Abschied von Wien? Nach einem „Abschied“ im wahrsten Sinne des Wortes fühlte sich die Stimmung im Konzertsaal eigentlich nicht an. Wie auch immer – an diesem Abend im Wiener Konzerthaus lief Carreras noch einmal zu Hochform auf. Die Stimme klang ausgeruht und kraftvoll, so dass man allein von der stimmlichen Disposition her nicht auf das wahre Alter des Sängers schließen würde. Nach wie vor verfügt Carreras über eine sehr schöne Mittellage, für die ihn nicht nur seine Fans, sondern auch Fachleute immer schon bewundert haben. In der oberen Mittellage haben seine Töne immer noch Strahlkraft und Präsenz – auch wenn er in seinen Konzertprogrammen die extremen „acuti“ (jene exponierten Hochtöne, wie jeder Sänger sie aus den italienischen Belcanto-Opern kennt und fürchtet) lieber vermeidet.

Während der Darbietungen des Tenors, der an diesem Abend von zwei Sängerinnen und einem großen Orchester begleitet wurde, wurden auf einer großen Leinwand über der Bühne die verschiedenen Stationen seiner Karriere eingeblendet. Dabei wurde auch sein 66 Bühnenwerke umfassendes Opernschaffen in wechselnden Szenenfotos gewürdigt.

Mediterrane Passion

Das Programm für sein Abschiedskonzert im Wiener Konzerthaus hatte José Carreras wie immer klug und mit viel Bedacht zusammengestellt. Dabei hatte er bewusst jene Arien und Kanzonen ausgewählt, in denen seine mediterranen Wurzeln und seine stimmlichen Möglichkeiten besonders gut zur Geltung kommen. Bereits im ersten Teil seines Programms wurde klar, dass Carreras’ wohlklingende Stimme nach wie vor über Nuancenreichtum und Ausdrucksstärke, aber auch Geschmeidigkeit und Flexibilität verfügt.

In „Canción Húngara“ aus der Zarzuela „Alma de Dios“ von José Serrano und „Eco de tu voz“ von Isaac Albéniz überzeugte Carreras mit guter Stimmpräsenz und energiegeladenem Vortrag. Die Übergänge zwischen dramatischer Diktion und zartem Piano gestaltete er mit der gewohnten Intensität und Ausdrucksstärke. Eine gute Wahl war auch die weniger bekannte Kanzone „Serenata sincera“ von Alessandro Derevitsky im zweiten Teil des Programms. Die italienische Romanze, die bereits von Carlo Bergonzi und Giuseppe di Stefano eingespielt wurde, ist auch für Carreras’ Stimme bestens geeignet. Das „Singen mit der Seele“ und mediterraner Leidenschaft ist nach wie vor das besondere Geheimnis der langen und erfolgreichen Karriere von José Carreras. Dies zeigte sich einmal mehr im Lied „T’estimo“ von Edvard Grieg (der katalanischen Version von „Ich liebe dich“).

Eine besondere Überraschung hielt José Carreras für das Wiener Publikum zum Ende des ersten Teils bereit: Nachdem der Tenor sich in den vergangenen Jahren verstärkt den dramatischeren Partien – dem sogenannten „Spinto“-Fach – gewidmet hatte, wagte er sich noch einmal an das klassische italienische Belcanto-Repertoire heran. Mit der schwierigen Arie „O come il fosco impetuoso nembo – Quell’alme pupille“ aus der Oper „La pietra del paragone“ (Der Prüfstein) von Gioacchino Rossini – im wahrsten Sinne des Wortes ein Prüfstein für jeden Tenor – demonstrierte Carreras, wie wichtig die italienische Belcanto-Technik für eine lange Karriere und die Gesunderhaltung der Stimme ist.

Angesichts der Tatsache, dass Carreras mit dieser Rossini-Arie bereits in jungen Jahren brilliert hatte, wusste man zunächst nicht, was von diesem späten „Ausflug“ ins Reich des klassischen italienischen Belcanto zu erwarten war. Doch Carreras strafte wieder mal alle Skeptiker Lügen: Seine Stimme ist auch mit 70 noch flexibel genug, um selbst diese Herausforderung zu meistern! Das Rezitativ gestaltete er mit der für ihn so charakteristischen Intensität und Leidenschaft, aber auch die schwierigen Koloraturen in der großen Arie bewältigte er mit Geschmeidigkeit und guter Atemkontrolle – was für einen Spinto-Tenor keineswegs selbstverständlich ist. Kein Wunder also, dass Carreras nach dieser Arie beim opernkundigen Wiener Publikum begeisterten Applaus erntete!

Im Terzett mit zwei Sängerinnen

Die Gesangsdarbietungen von José Carreras wurden an diesem Abend ergänzt durch Valentina Nafornita (Sopran) und Lena Belkina (Mezzosopran). Beide Sängerinnen sind dem Wiener Publikum bereits durch ihre Auftritte an der Wiener Staatsoper bekannt. Im Duett „Je te veux“ von Eric Satie harmonierte Valentina Nafornitas Sopran sehr gut mit Carreras’ Tenorstimme. Die Sopranistin überzeugte außerdem mit der lyrischen Arie „Song to the moon“ (Lied an den Mond) aus der Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák sowie mit der Koloraturarie „Les filles de Cadiz“ von Leo Delibes.

Mühelos und geschmeidig bewältigte die ukrainische Mezzosopranistin Lena Belkina die schwierigen Koloraturen in den beiden Arien „Naqui all’affanno – Non più mesta“ aus der Oper „La Cenerentola“ von Gioacchino Rossini und „Carceleras“ aus der Zarzuela „Las hijas del Zebedeo“ von Ruperto Chapí. Bei einer solchen Besetzung – mit Sopran und Mezzo – durfte natürlich auch die berühmte Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach nicht fehlen! Das beschwingte Duett der beiden Sängerinnen war eine schöne Abwechslung im Programm.

Zum krönenden Abschluss präsentierte sich José Carreras zusammen mit den beiden Sängerinnen im Terzett: In einem großen Klassik-Medley begeisterten die drei Interpreten mit berühmten Opernarien und Romanzen aus dem mediterranen Sprachraum. Nach der Arie „Vesti la giubba“ aus der Verismo-Oper „I Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo gab es viel Zwischenapplaus für José Carreras. Den Höhepunkt des Medleys bildete das von den drei Interpreten gemeinsam gesungene „Brindisi“, das berühmte Trinklied aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi.

José Carreras mit den Sängerinnen Valentina Nafornita und Lena Belkina sowie Dirigent David Giménez
Von links: Dirigent David Giménez, Valentina Nafornita (Sopran), Lena Belkina (Mezzosopran) und José Carreras nach dem erfolgreichen Abend im Wiener Konzerthaus. 02 © G. Lembergh – mit freundlicher Genehmigung von Kupfer Kultur & Media, EAI GmbH.

Dirigent und Orchester

Begleitet wurden Carreras und die beiden Sängerinnen vom Ambassade Orchester Wien unter der Leitung von David Giménez. Der Dirigent und das Ensemble hatten den Tenor bereits in früheren Konzerten begleitet und erwiesen sich auch an diesem Abend als kompetente, zuverlässige Partner. Ein paar leichte Divergenzen im Zusammenspiel zwischen Sänger und Orchester (so zum Beispiel am Anfang von „T’estimo“) waren vermutlich auf die akustischen Verhältnisse im Saal zurückzuführen und hatten auf den Gesamteindruck keinen wesentlichen Einfluss.

Mit der Farandole aus der Arlésienne-Suite von Georges Bizet, dem Intermezzo aus der Oper „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini und dem Walzer Nr. 2 aus der Jazz-Suite von Dmitri Shostakovich sorgte das Ambassade Orchester Wien unter der Leitung von David Giménez für orchestrale Höhepunkte.

Der Tenor und sein Wiener Publikum

Die große Zuneigung zwischen José Carreras und seinem Wiener Publikum war auch an diesem Abend im Konzerthaus wieder hautnah zu spüren. Die Wiener lieben „ihren“ Carreras wie kaum einen anderen Sänger und belohnten ihn wie immer mit enthusiastischem Applaus und standing ovations.

Die Veranstaltung war restlos ausverkauft. Dennoch vermisste man im Publikum einige der langjährigen und besonders treuen Carreras-Fans. Dies lag vermutlich daran, dass sich viele Fans (vor allem die älteren, von denen ein Großteil bereits in Pension ist) die hohen Eintrittspreise schlicht und einfach nicht mehr leisten können. Es ist schade, dass durch die überhöhten Kartenpreise (bis über 200 Euro!) nicht nur junge Leute, sondern teilweise auch die echten Appassionati vom Konzertbesuch abgehalten wurden. Ein zusätzliches Angebot an günstigen Sitz- oder Stehplätzen – wie etwa in der Staatsoper oder im Musikverein – hätte hier vielleicht Abhilfe schaffen können.

Ein Leben für den Gesang

Bei seinem Abschiedskonzert im Wiener Konzerthaus zog José Carreras noch einmal alle Register seiner Gesangskunst und zeigte, dass mit seiner schönen Stimme immer noch zu rechnen ist. Mit 70 Jahren noch ein solches Programm zu absolvieren und über eine derartige stimmliche Präsenz zu verfügen, ist eine beachtliche Leistung, die selbst manch einen jüngeren Sänger in den Schatten stellt! Das Wiener Publikum wusste es jedenfalls zu schätzen. José Carreras bedankte sich bei seinen Fans mit einem Extraprogramm aus vielen Zugaben, die er sich jedoch in seiner bescheidenen Art mit seinen beiden Sängerkolleginnen Valentina Nafornita und Lena Belkina teilte.

Wer José Carreras an diesem Abend im Konzerthaus erlebte, wird sich mit Recht fragen, ob dies tatsächlich der letzte Auftritt des Tenors in Wien gewesen sein soll. Denn der beliebte Sänger präsentierte sich in einer Verfassung, die den Gedanken an einen Abschied noch nicht so recht aufkommen lassen wollte. Hier gewann man einmal mehr den Eindruck, dass der leidenschaftliche Katalane Josep Carreras, der sein Leben dem Gesang verschrieben hat, es einfach noch nicht lassen kann. Das Wort „Abschied“ ist also – speziell im Falle Carreras – mit einem gewissen Vorbehalt zu benutzen!

Doch naturgemäß hat alles einmal ein Ende – das ist der Lauf der Dinge! Ein Sprichwort sagt: Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Und natürlich darf auch ein José Carreras, der für die Opernwelt so Großartiges geleistet hat, irgendwann einmal in den wohlverdienten Ruhestand gehen! – Doch was auch immer kommen mag: Der Abend im Wiener Konzerthaus war geprägt von einer besonderen Atmosphäre, von dem gewissen Etwas, wie man es nur bei ganz großen Sängern erlebt – ein Ereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.

                                                                                              Sylvia Kreye

Big Screen: Danke, Wien!
Großleinwand für José Carreras im Konzerthaus: Danke, Wien! – Foto: Sylvia Kreye (22.03.2017)