21. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

21. Dezember

Weihnachtsbräuche in Osteuropa

Der musikalische Adventskalender ist heute nochmals zu Gast in Osteuropa. Wir bereisen Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Slowenien. Nachdem am 20. Dezember die orthodoxen Weihnachtsbräuche thematisiert wurden, stehen heute die weihnachtlichen Traditionen der vorwiegend römisch-katholischen Länder Osteuropas im Mittelpunkt.

Polen 

Die Weihnachtszeit beginnt in Polen mit dem ersten Advent. Dies ist auch der Beginn der Fastenzeit, die erst am Heiligen Abend mit der Wigilia endet. Wigilia (von vigilare – wachen) wird in Polen das Weihnachtsessen genannt, das aus 12 Gerichten besteht. Es beginnt erst, wenn der erste Stern (Gwiazdka) am Himmel aufgetaucht ist. Dies ist gegen 17 Uhr der Fall. Gwiazdka heißt wörtlich der kleine Stern und bezieht sich auf den Stern von Bethlehem. Gwiazdka bringt in Polen auch die Geschenke. 

Beim Weihnachtsessen wird traditionell ein Gedeck mehr aufgelegt als benötigt. Mit diesem Brauch wird zum einen der Verstorbenen gedacht, zum anderen ist es auch ein Zeichen der Gastfreundschaft, für den Fall, dass unerwarteter Besuch kommt. Gleichzeitig wird dadurch an die Weihnachtsgeschichte und die Herbergssuche von Josef und Maria erinnert. Ein polnisches Sprichwort lautet: „Gość w domu, Bόg w domu“ („Ist ein Gast im Haus, so ist Gott im Haus“). 

Bei jedem Gedeck liegt eine Oblate (Oplatek), die meist mit einem Heiligenbild verziert ist. Vor Beginn des Weihnachtsessens geht jeder mit seiner Oblate herum und gibt den anderen jeweils ein Stück davon ab. Das Brechen der Weihnachtsoblate geht zurück auf die christliche Tradition des Brotbrechens. Dabei wünscht man sich gegenseitig viel Glück für das nächste Jahr. Auf dem Land bekommen auch die Nutztiere etwas von der Oblate, denn die Legende besagt, dass die Tiere in der Weihnachtsnacht mit menschlicher Stimme sprechen können, jedoch nur Menschen, die reinen Herzens sind, könnten diese auch hören. 

Das Weihnachtsessen besteht in Polen aus zwölf Gerichten – in Erinnerung an die zwölf Apostel. Am Heiligen Abend werden nur vegetarische Speisen und Fisch (Rollmops, Hering oder Karpfen) serviert. Außerdem gibt es Barszcz (Borschtsch, Rote-Bete-Suppe) mit Uszka (Ravioli), Pierogi (Teigtaschen) mit Sauerkraut und Pilzen, eine Weihnachtspastete und Chalka (Hefezopf) mit Kompott aus Trockenobst, gekochte Kartoffeln, Rotkohl mit Trockenobst, Sauerkraut mit getrockneten Pilzen und diverse Desserts. 

Nach dem Weihnachtsessen werden Weihnachtslieder (kolędy) gesungen und die Geschenke ausgepackt. Anschließend gehen die Familien zur Mitternachtsmesse (Pasterka). 

Der Weihnachtsbaum wurde in Polen im 19. Jahrhundert eingeführt. Manche Familien legen etwas Heu unter das Tischtuch oder in die vier Ecken des Zimmers, um an die Geburt Christi im Stall zu erinnern. Bisweilen werden auch Geldmünzen unter die Tischdecke oder unter die Teller gelegt, um die Familienmitglieder vor Armut zu schützen. Auch die Polen verstecken gern eine Nuss in einem Kuchen. Wer die Nuss in seinem Stück findet, wird ein gutes neues Jahr haben.   

Auf dem Land ziehen kostümierte Sternsinger von Haus zu Haus und stellen Bibelszenen dar. Dafür bekommen sie Süßigkeiten oder etwas Geld. Nach dem Volksglauben hat der Verlauf der Wigilia einen Einfluss auf das kommende Jahr. Daher bemühen sich die Polen, an diesem Fest Streit zu vermeiden und sich versöhnlich zu begegnen. 

21. Dezember - Gedeckter Tisch für traditionelle Wigilia in Polen
Wigilia potrawy in Polen – ein für eine traditionelle Wigilia gedeckter Tisch. – Attribution/Urheberschaft: Przykuta, 24.12.2006, Wikimedia Commons, license CC BY-SA 3.0

Ungarn  

In Ungarn wird am 13. Dezember der Luca-Tag (Luca napja) – ähnlich dem Lucia-Fest in Schweden – gefeiert. In ländlichen Regionen wurde früher an diesem Tag mit dem Bau eines Luca-Stuhles (Luca széke) begonnen, der dann genau zu Heiligabend fertig wurde. 

An Heiligabend (Szenteste) wird in Ungarn traditionell Fischsuppe aus Karpfen gegessen. Der zweite Gang besteht aus gebratenem Fisch. Zu Weihnachten (Karácsony), vor allem am ersten Weihnachtstag, wird traditionell gefülltes Kraut gegessen. Auch in Ungarn wird ein Christbaum aufgestellt. Eine ungarische Spezialität ist das sogenannte szaloncukor (Salonzuckerl), das als Baumbehang verwendet wird. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein in Seide gewickeltes Zuckerstück, heute sind es mit Schokolade überzogene Weihnachtsbonbons. In Ungarn bringt das Christkind (Jézuska) die Geschenke. Zur Zeit des Kommunismus wurde versucht, Jézuska durch Télapó zu ersetzen, der am 6. Dezember auch an die Stelle des Nikolaus (Mikulás) trat.   

In der Weihnachtszeit gehen die Kinder zu Familien und führen ein Krippenspiel auf, das in Ungarn betlehemezés (Betlehemspiel) genannt wird. 

Tschechien 

Auch in Tschechien finden das Weihnachtsessen und die Bescherung am Heiligen Abend statt. Daher heißt Heiligabend auf Tschechisch auch Štědrý večer, bzw. dem Štědrý den (der Großzügige Abend, der Reichliche Tag). Das Christkind, Ježíšek, bringt die Geschenke. Vor dem Weihnachtsmahl wird in Tschechien gefastet. Es wird gesagt, dass man am Abend ein goldenes Schweinchen (ein traditionelles Glückssymbol), Zlaté prasátko, sehen kann, wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat. Zu den volkstümlichen Traditionen gehört auch das Bleigießen. Außerdem werfen die Mädchen ihre Schuhe über die Schultern; wenn die Schuhspitze zur Tür zeigt, steht eine Heirat bevor. 

Das traditionelle Festessen besteht in Tschechien aus Weihnachtskarpfen mit Kartoffelsalat.   

Slowakei 

Am 4. Dezember feiern die Slowaken den Barbaratag. An diesem Tag stellen die jungen Mädchen Kirschzweige ins Wasser. Blühen die Zweige an Heiligabend, verheißt das Liebesglück im kommenden Jahr. Am 12. Dezember gehen Frauen von Haus zu Haus und erschrecken Männer.

An Heiligabend bringt das Christkind, Ježiško, die Geschenke. Das Weihnachtsessen beginnt bei Einbruch der Dunkelheit. In der Regel wird Pilzsuppe, Fisch, Sauerkraut und Gebäck serviert. Anschließend besuchen die Familien die Mitternachtsmesse. Am 25. Dezember wird im Familienkreis, am 26. Dezember im Freundes- und Bekanntenkreis gefeiert. 

Slowenien 

In Slowenien ist die Weihnachtszeit besonders lang: Sie beginnt schon am 13. November mit einem Festessen, das die sechswöchige weihnachtliche Fastenzeit einläutet, und endet erst am 2. Februar. Die Weihnachtskrippe (Jaslice) bleibt die ganze Zeit über im Mittelpunkt der Wohnung stehen. In Slowenien steht am Heiligabend nur der Besuch der Mitternachtsmesse an. Das Weihnachtsessen und die Bescherung finden am 25. Dezember statt. Besuch ist an diesem Tag nicht angesagt, denn Gäste am ersten Weihnachtstag verheißen ein unglückliches neues Jahr. 

Zu einem typischen Festmahl gehört in Slowenien das Weihnachtsbrot, ein aus Roggen, Buchweizen und Weizen gebackenes Brot, dem magische Kräfte zugeschrieben werden. 

In religiösen Familien ist es üblich, das Haus dreimal zu segnen: an Heiligabend, an Silvester und am Dreikönigstag. Die Weihnachtszeit endet in Slowenien erst mit dem Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar. 

Weihnachtslieder aus Osteuropa 

Bóg się rodzi (Polnische Weihnachtshymne) 

In Polen werden in der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend viele Weihnachtslieder, darunter die polnische Weihnachtshymne Bóg się rodzi (Christus ist geboren), gesungen. Der Liedtext wurde 1792 von Franciszek Karpiński  verfasst. Der Komponist ist unbekannt. Auf YouTube findet man mehrere Versionen der feierlichen Weihnachtshymne:   

https://www.youtube.com/watch?v=vA7WGw5SSfM

https://www.youtube.com/watch?v=ke2Kz8pvdaI          

Lulei ze jezuniu 

Lulajże, Jezuniu ist ein polnisches Weihnachtslied aus dem 17. Jahrhundert. Die älteste erhaltene polnische Version befindet sich im Erzbischöflichen Archiv in Posen. Von dem Lied gibt es verschiedene deutsche Übersetzungen.

Lulajże, Jezuniu, Noten
Lulajże, Jezuniu: Liederprojekt, Benefizprojekt für das Singen mit Kindern (kostenlos), CARUS Verlag

Das Liederprojekt des CARUS-Verlages ist ein kostenloses Benefizprojekt, um das Singen mit Kindern zu fördern. Auf der Website des CARUS-Verlages findet sich zum Liederprojekt folgener Text:

„Auf www.liederprojekt.org bietet das LIEDERPROJEKT ein umfangreiches, kostenloses Liedarchiv an. Nahezu alle Lieder des Projekts mit Noten und Strophen, Instrumentalfassungen und gesungenen Fassungen sowie über 170 Podcasts mit ausführlichen Hintergrundinformationen, sind hier kostenlos verfügbar. Lassen Sie sich inspirieren und singen Sie mit!“

Von dem Lied Lulei ze jezuniu gibt es ein paar gute Aufnahmen auf YouTube, einmal in einer Interpretation mit dem Warschauer Philharmonischen Chor und Orchester, dann in einer Chorfassung mit polnischen und englischen Untertiteln, und schließlich in einer Version mit den drei Tenören:     

https://www.youtube.com/watch?v=tPc20BS3hC8        

https://www.youtube.com/watch?v=y6umHA47qs4         

Ungarn: Mennyböl az Angyar 

Traditionelle ungarische Weihnachtslieder sind Kis karácsony, nagy karácsony (Kleine Weihnachten und große Weihnachten) und Mennyből az angyal (Engel aus dem Himmel). Letzteres wollen wir im heutigen Adventskalender vorstellen. Aus verlagsrechtlichen Gründen wollen wir uns hier auf die Gesangsstimme beschränken. 

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)
Mennyből az angyal – Engel aus dem Himmel, Gesangsstimme (Ausschnitt) 

Eine vollständige Bearbeitung des Liedes, mit Klavierbegleitung und Akkordbezifferungen, ist im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt von Kurt Pahlen, Edition Hug 11582, enthalten.

Von dem Lied Mennyböl az Angyar gibt es auf YouTube zwei gute Aufnahmen, einmal mit einem ungarischen Kinderchor und eine Version mit der ungarischen Opernsängerin Erika Miklósa:

https://www.youtube.com/watch?v=RhMHXOgVLmQ

https://www.youtube.com/watch?v=SG-QAXGFa_Y      

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

https://de.wikipedia.org/wiki/Wigilia      

http://www.urlaub-ungarn.at/kultur/weihnachten-in-ungarn.html      

http://www.tschechien-online.org/basisinfo/weihnachten-tschechien      

http://www.myczechrepublic.com/de/tschechische-kultur/feiertage-traditionen/weihnachten-tschechien.html

http://slovakia.travel/de/weihnachten-24-26-dezember          

http://www.bookanddrink.com/weihnachten/weltweit/slowakei.htm 

http://www.ich-will-weihnachten.de/weihnachten-weltweit/weihnachten-in-slowenien/

http://www.bookanddrink.com/weihnachten/weltweit/slowenien.htm                        

Eine Auswahl an fremdspachigen Weihnachtsliedern ist auf der folgenden Website zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_fremdsprachiger_Weihnachtslieder#Russisch     

Weitere Weihnachtslieder aus Osteuropa sind im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt von Kurt Pahlen, Hug & Co. Zürich, Edition Hug 11582, enthalten. 

Notenquellen

Lulajże, Jezuniu: Liederprojekt, Benefizprojekt für das Singen mit Kindern, CARUS Verlag

http://liederprojekt.org/lied39164.html 

Mennyből az angyal: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co. Zürich, Edition Hug 11582, Seite 134-135.  

Bildquellen

Beitragsbild:

Prague Christmas Market – Weihnachtsmarkt in Prag

Christmas market on Old Town Square, Prague 2006

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Prague_christmas_market_9949a.jpg   

Attribution/Urheberschaft:

Hynek Moravec [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], from Wikimedia Commons

Bild im Text:

Wigilia potrawy – Ein Tisch, der für eine traditionelle Wigilia gedeckt wurde, von Przykuta, 24.12.2006, Wikimedia Commons, license CC BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AWigilia_potrawy_554.jpg

By Przykuta (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

20. Dezember | Adventskalender

Der musikalische Adventskalender

20. Dezember

Orthodoxe Weihnachtsbräuche

Heute ist der musikalische Adventskalender zu Gast in Osteuropa und stellt orthodoxe Weihnachtsbräuche vor. Wir bereisen Russland, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien und Griechenland. Bei dieser Gelegenheit werfen wir auch einen Blick in die orthodoxen Kirchen und lernen den Stil der schönen orthodoxen Gesänge kennen.

Russland

Der Heiligabend am 6. Januar heißt auf Russisch сочельник [satschélnik]. Da in der russisch-orthodoxen Kirche nach wie vor der julianische Kalender maßgeblich ist, wird das eigentliche Weihnachtsfest erst am 7. Januar gefeiert. Der im Jahre 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführte gregorianische Kalender wurde von der orthodoxen Kirche nicht übernommen. Der 7. Januar entspricht nach dem julianischen Kalender dem 25. Dezember des gregorianischen Kalenders. Somit findet das orthodoxe Weihnachtsfest 13 Tage später statt als in der römisch-katholischen und evangelischen Kirche. In der Nacht auf den 7. Januar wird in den russisch-orthodoxen Kirchen die festliche Weihnachtsmesse gefeiert.

In Russland gibt es auch die Tradition des Ded Moros (Дед Мороз – Väterchen Frost), der von seiner Enkelin Snegurotschka (Schneemädchen, Schneeflöckchen) begleitet wird. Nach einer Legende fährt er in einer Troika (einem Schlitten, der von drei Pferden gezogen wird) und bringt den Kindern Geschenke.

Viele russische Weihnachtsbräuche gehen auf die Reisen Peters des Großen im späten 17. Jahrhundert zurück. So wurde auch der Weihnachtsbaum (ёлка – „jolka“) in Russland eingeführt.

Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurden die Weihnachtsbräuche – wie alle religiösen Traditionen – von den Bolschewisten verboten, und die russisch-orthodoxen Christen konnten ihr Weihnachtsfest viele Jahrzehnte lang nicht feiern. Indem die kommunistische Regierung viele Weihnachtstraditionen auf Silvester und Neujahr verlegte, konnten diese alten Weihnachtsbräuche jedoch erhalten bleiben. Aus dem Weihnachtsbaum wurde eine Art Silvesterbaum. Auch die Geschenke wurden zum Jahreswechsel ausgetauscht. Väterchen Frost übernahm stellvertretend für den Weihnachtsmann diese Aufgabe.

Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion werden die alten russisch-orthodoxen Weihnachtsbräuche wieder neu belebt und gefeiert, und die Russen dürfen ihr Weihnachtsfest wieder offiziell am 7. Januar feiern. Der Heilige Abend ist in Russland am 6. Januar. Seit 1991 ist Weihnachten in Russland wieder ein offizieller Feiertag.

40 Tage vor dem russisch-orthodoxen Weihnachtsfest, also vom 28. November bis 6. Januar, ist für alle russisch-orthodoxen Christen die Fastenzeit. Dieses Fasten dient der Reinigung des Körpers, um die Geburt Jesu Christ angemessen feiern zu können. Während dieser 40 Tage ist der Verzehr von tierischen Produkten untersagt. Weder Fleisch und Wurst, noch Eier und Milchprodukte dürfen in dieser Zeit verzehrt werden. Montags, mittwochs und freitags darf erst nach der Abendmesse gegessen werden. Dabei sollen Fisch, Öl und Wein gemieden werden. An Samstagen und Sonntagen ist der Verzehr von Fisch sowie der Konsum von Wein und anderen alkoholischen Getränken erlaubt. Vom 2. bis 6. Januar soll auch der Fisch weggelassen werden. Um Null Uhr am 7. Januar endet für die russisch-orthodoxen Christen die 40tägige Fastenzeit.

Während des Weihnachtsfastens werden in Russland vor allem warme Suppen, Gemüse und Brei mit Pilzen oder Trockenfrüchten gegessen. Die Suppen werden während der Fastenzeit mit Gemüsebrühe zubereitet.

Der wahre Sinn des Fastens ist die Enthaltsamkeit in allen Lebensbereichen. Während des Fastens sollte nicht sündigen und bereit sein, anderen Menschen zu verzeihen.

Am 6. Januar, dem Heiligen Abend, auf Russisch сочельник [satschélnik], wird gar nichts gegessen, bis der erste Stern am Himmel erstrahlt. Dann stellen die orthodoxen Christen eine Kerze ans Fenster und bereiten sich mit Liedern und Gebeten auf den abendlichen Weihnachtsgottesdienst vor. Zur Stärkung gibt es Kutja, einen süßen Brei aus Rosinen, Mohn, Honig, Zucker und Nüssen. Das traditionelle Weihnachtsessen findet erst nach dem abendlichen Gottesdienst statt. Der Weihnachtsgottesdienst kann durchaus mehrere Stunden dauern und wird dann noch mit einer Lichterprozession beendet. Zum traditionellen Weihnachtsmenü gibt es meist fleischlose Speisen, häufig Fisch. Die Bescherung findet traditionell am 6. Januar statt. Am 7. Januar besuchen die Russen den morgendlichen Gottesdienst. Anschließend feiern sie mit ihren Familien und Freunden bei einem ausgedehnten Festmahl Weihnachten.

Nicht für alle orthodoxen Christen ist der julianische Kalender maßgebend. Viele orthodoxe Kirchen haben den neujulianischen Kalender übernommen, der bis zum Jahr 2800 dem gregorianischen Kalender entspricht.

20. Dezember - Weihnachten in Moskau
“Celebrating Christmas in Moscow”. A festive celebration of Christmas nearby the Cathedral of Christ the Savior in Moscow. – Attribution/Urheberschaft:
RIA Novosti archive, image #143897 / Dmitry Korobeinikov / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Serbien

In Serbien wird das Weihnachtsfest ebenfalls nach dem julianischen Kalender, also am 7. Januar, gefeiert. Am 6. Dezember wird Heiligabend (Badnji dan) gefeiert. Traditionell geht man an diesem Tag am frühen Morgen in den Wald, um einen Eichenbaum (Badnjak) zu fällen. Der Badnjak ersetzt den hierzulande bekannten Christbaum, wird jedoch bei den Serben symbolisch mit Silvester verbunden. Am Abend wird der Eichenast im Garten aufs Feuer gelegt, als Symbol für Licht und Wärme. Ein kleiner Zweig davon wird als Glücksbringer über den Hauseingang gehängt.

Auch dem serbisch-orthodoxen Weihnachtsfest geht eine 40tägige Fastenzeit voraus. In dieser Zeit ist der Verzehr von tierischen Produkten verboten. Erst ab dem 7. Jänner darf wieder geschlemmt werden. Das Weihnachtsfrühstück beginnt nach der Morgenmesse. Zum serbischen Weihnachtsessen wird Česnica verteilt, ein rundes Brot, in dem eine kleine Münze versteckt ist. Der Finder der Münze darf im kommenden Jahr mit einem Geldsegen rechnen. Außerdem kommt pečenica auf den Tisch. Pečenica ist eigentlich ein Spanferkel, es kann aber auch ein Schaf oder auch ein Hendl sein, das am 6. Januar vorbereitet wird. 

Rumänien

Heiligabend (Ajunul Crăciunului) wird in Rumänien am 24. Dezember, Weihnachten (Crăciunul) am 25. und 26. Dezember gefeiert.

Auch in Rumänien fielen viele traditionelle Weihnachtsbräuche dem Kommunismus zum Opfer. Als 1947 Rumänien der UdSSR übergeben und eine kommunistische Republik wurde, mussten die orthodoxen Rumänen ihre Weihnachtsbräuche aufgeben. Seit dem Fall des Ceaușescu-Regimes im Jahre 1989 werden die alten Weihnachtsbräuche wieder neu belebt.

Das Singen von Weihnachtsliedern (Colinde) ist ein wichtiger Bestandteil der rumänischen Weihnachtsfeierlichkeiten. Am ersten Weihnachtstag ziehen singende Kinder (Colindători) von Haus zu Haus, tragen Gedichte und Weihnachtslieder vor. Dabei tragen sie einen Stern aus Karton, auf dem Szenen aus der Bibel abgebildet sind. Der Anführer der Gruppe trägt einen Holzstern (Steaua), der mit Glocken und farbigen Bändern verziert ist. In der Mitte des Sterns, der an einem langen Stil befestigt ist, befindet sich ein Bild von der Geburt Christi. Beliebte rumänische Weihnachtslieder sind: Steaua, Trei Pastori und Moș Crăciun. Zur Belohnung erhalten die Kinder Brezeln, Obst oder Pfefferkuchen.

Auch in Rumänien wird vor Weihnachten 6 Wochen gefastet. Erst ab dem 25. Dezember dürfen die rumänisch-orthodoxen Christen wieder Fleisch essen. Am Weihnachtsabend gehen die rumänischen Christen in die Kirche. Zu Weihnachten wird der Weihnachtsbaum festlich geschmückt. Der Weihnachtsmann, der den Kindern die Geschenke bringt, heißt auf Rumänisch Moș Crăciun.

Das Weihnachtsessen (Crăciun) in Rumänien ist ein Festmahl mit vielen Gängen. Unter anderem werden Würstchen, Gurken und Sarmale (Sauerkrautblätter, gefüllt mit Rind- oder Schweinefleisch, Reis, Thymian und Gewürzen) serviert. Dazu wird Rotwein und Pflaumenwein getrunken. Als Dessert gibt es Cozonac, ein traditioneller Kuchen mit Rosinen und Nüssen (oft auch mit Schokolade, Rosinen und Gelee).

Bulgarien

Das bulgarische Weihnachtsfest, auf Bulgarisch Koleda oder Roschdestwo Christowo genannt, findet am 25. Dezember statt.

Vom 15. November bis zum 24. Dezember dauert für die bulgarisch-orthodoxen Christen die weihnachtliche Fastenzeit.

Am Heiligen Abend wird eine ungerade Zahl an Gerichten vorbereitet, in der Regel 7, 9 oder 13 Speisen. Da der 24. Dezember der letzte Tag der Fastenzeit ist, enthalten die Gerichte keine tierischen Produkte, weder Fleisch noch Eier oder Milchprodukte. Typische Gerichte sind mit Bohnen gefüllte Paprika, mit Reis gefüllte Weinblätter, Bohnensuppe und mit Kürbis gefüllte Teigblätter (Tikvenik). Zu Beginn des Festmahles wird ein rundes Brot, in dem eine Münze versteckt ist, an die Familienmitglieder verteilt. Wer die Münze bekommt, den erwartet ein gesundes und glückliches Jahr. Das älteste Familienmitglied geht mit Weihrauch durch alle Zimmer, um das Böse vom Haus fernzuhalten.

In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember bringt der Weihnachtsmann Geschenke (Djado Koleda) für alle, die brav waren.

Ab Mitternacht bis zum Sonnenaufgang des ersten Weihnachtstages ziehen junge Männer, die sogenannten Koledari, singend von Haus zu Haus. Mit ihren Liedern sollen sie die bösen Geister verjagen. Mit dekorierten Stöcken aus Kornelkirschen tätscheln sie den Bewohnern der Häuser den Rücken und übermitteln ihre Glückwünsche. Dafür werden sie von den Leuten mit Brezeln, Wein oder Geld beschenkt.

Am 25. Dezember wird in den bulgarischen Familien üppig gegessen. Der 25. und 26. Dezember sind in Bulgarien nationale Feiertage.

Mazedonien

Die orthodoxe Kirche in Mazedonien begeht das Weihnachtsfest am 7. Januar. Auch in Mazedonien gibt es den Brauch, einen Brotlaib mit einer Münze aufzuteilen. Dem Finder der Münze soll ein glückliches Jahr bevorstehen. Das Weihnachtsessen besteht aus Fisch, gebackenen Bohnen und Sauerkraut, Walnüssen und Rotwein. Auch in Mazedonien darf während der Fastenzeit kein Fleisch gegessen werden.

Griechenland

Einige orthodoxe Gemeinden, wie die griechisch-orthodoxe Kirche, übernahmen den im Jahre 1582 eingeführten gregorianischen Kalender und feiern das Weihnachtsfest zeitgleich mit den römisch-katholischen und evangelischen Christen.

Zu Weihnachten ziehen die Kinder von Haus zu Haus und singen die sogenannte Kalanda. Dafür werden sie mit Rosinen, Feigen und Gebäck belohnt.

In Griechenland findet die Bescherung jedoch nicht am Heiligen Abend, sondern erst am 31. Dezember, zum Fest des Heiligen Vassilius, statt.

Das traditionelle Weihnachtsgebäck heißt in Griechenland Kourambiedes (Butterplätzchen mit Mandeln und Puderzucker) und Melomakarona (ein Gebäck mit Honig).

Orthodoxe Weihnachtsgesänge

Die orthodoxen Gottesdienste verlaufen nach anderen Riten als in der römisch-katholischen oder evangelischen Kirche. Die oftmals mehrstündigen orthodoxen Gottesdienste werden sogar im Stehen abgehalten! Außerdem gibt es in den orthodoxen Kirchen keine Orgel. Nach der orthodoxen Tradition soll der Mensch Gott mit seinem natürlichen, von Gott gegebenen Instrument, der menschlichen Stimme, loben. Daher werden die orthodoxen Gesänge nicht von einer Orgel begleitet, sondern grundsätzlich a cappella gesungen. Da verwundert es nicht, dass gerade die russischen Chöre ein so hohes musikalisches Niveau haben.

Эта ночь святая – Diese Heilige Nacht

Russischer Text

Эта ночь святая, эта ночь спасенья
Возвестила вему миру
Тайну Боговоплощенья.

В эту ночь у стада пастухи не спали.
Светлый ангел прилетел к ним
Из небесной светлой дали.

Страх объял великий тех детей пустыни,
Но сказал он: о, не бойтесь, —
Всему миру радость ныне.

Ныне Бог родился людям на спасенье,
Вы пойдите, посмотрите
На великое смиренье.

И с высот небесных раздалось вдруг пенье:
Слава, слава в вышних Богу,
На земли благоволенье.

Sinngemäße deutsche Übersetzung: Diese Heilige Nacht

Diese heilige Nacht, in dieser Nacht des Heils
ward der Welt zuteil
Das Geheimnis der Menschwerdung.

In dieser Nacht schliefen die Hirten nicht bei der Herde.
Ein heller Engel kam zu ihnen
Von dem himmlisches Licht gegeben wurde.

Angst ergriff die großen Kinder der Wüste,
Aber er sagte: Fürchtet euch nicht –
Ich verkündige euch große Freude.

Euch ist heute der Heiland geboren,
Und sie gingen und sahen,
In großer Demut.

Und von den Höhen des Himmels klang plötzlich der Gesang:
Ruhm, Ehre sei Gott in der Höhe,
und den Menschen ein Wohlgefallen.

Deutsche Übersetzung: Google, nach dem Lukas-Evangelium sinngemäß angepasst von Sylvia Kreye (ohne Gewähr).

Das bekannteste russische Weihnachtslied ist В лесу родилась ёлочка (Im Walde steht ein Tannenbaum), das 1903 entstanden ist:

В лесу родилась ёлочка

Im Walde wuchs ein Tannenbaum, Noten
лесу родилась ёлочка, Im Walde wuchs ein Tannenbaum, 1903, Russisch online lernen und üben

Im Walde wuchs ein Tannenbaum

В лесу родилась ёлочка,
В лесу она росла ,
Зимой и летом стройная ,
Зелёная была. 
Im Walde steht ein Tannenbaum
im immergrünen Kleid,
ist schlank und lieblich anzuschaun
zu jeder Jahreszeit.
Метель ей пела песенку:
„Спи, ёлочка, бай-бай !“
Мороз снежком укутывал:
„Смотри, не замерзай !“ 
Der Sturm singt Dir ein Wiegenlied,
„..Schlaf, Jolotschka, Ei Ei….“
und deckt mit Schnee und Eis dich zu
dass es schön warm Dir sei…
Трусишка зайка серенький
Под ёлочкой скакал .
Порою волк , сердитый волк,
Рысцою пробегал.
Ein kleines Häschen hat vor Angst
sich unter Dir versteckt,
der böse Wolf der lief vorbei
und hat es nicht entdeckt..
Чу! Снег по лесу частому
Под полозом скрипит .
Лошадка мохноногая
Торопится , бежит.
Horch, unter Kufen knirscht der Schnee,
er glitzert wieß und kalt,
ein zottelbeinig Pferdchen zieht
den Schlitten durch den Wald.
Везёт лошадка дровеньки
А в дровнях старичок .
Срубил он нашу ёлочку
Под самый корешок .
Der Schlitten fährt, man hört es kaum,
drauf sitzt ein alter Mann,
er hat den kleinen Tannenbaum
gefällt im dichten Tann.
Теперь она, нарядная ,
На праздник к нам пришла.
И много-много радости
Детишкам принесла.
Nun steht das Tannenbaümchen hier,
gar festlich schön geschmückt,
hat alle Kinder hoch erfreut
und jedes Herz beglückt.

Quelle: Russisch online lernen und üben
http://www.russian-online.net/de_start/leseecke/ng.php

Auf der Seite Russisch online lernen und üben findet man auch ein nettes Video von einem Zeichentrickfilm mit dem Lied Im Walde wuchs ein Tannenbaum!

Aufnahmen

Auf YouTube findet man ein paar schöne Aufnahmen traditioneller russischer Gesänge. Hier ist eine Aufnahme des oben zitierten Liedes Эта ночь святая – Diese Heilige Nacht:

В лесу родилась ёлочка – Im Walde wuchs ein Tannenbaum:

Russisch online lernen und üben

http://www.russian-online.net/de_start/leseecke/ng.php

Einer guten Freundin und Kollegin aus Rumänien verdanke ich den Hinweis auf dieses Video mit wunderschönen rumänischen Weihnachtsliedern:

COLINDE ROMANESTI MIT DEM CHOR MADRIGAL           

https://www.youtube.com/watch?v=xerEH8UAJvU

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

http://www.lehrerweb.at/materials/gs/su/gemeinschaft/print/weihnachten/weihnacht_in_and_laendern.pdf      

http://religion.orf.at/stories/2623784/   

http://www.br.de/interkulturell/interkultureller-kalender-russisch-orthodoxes-weihnachten100.html         

http://www.russlandjournal.de/russland/feiertage/weihnachten/     

https://de.sputniknews.com/zeitungen/20121226265226619/        

http://weihnachten.kiovok.com/weihnachten-in-rumanien.html       

http://weihnachten.lecovok.com/christmas-in-rumanien.html 

https://www.study-in.de/blog/general/ein-fest-und-zwei-wege-es-zu-feiern-weihnachten-in-rumanien-und-deutschland/    

http://www.dasbiber.at/content/warum-wir-2-mal-weihnachten-feiern      

http://www.russian-online.net/de_start/links/showtipps.php?auswahl=anfaenger_tipp 

Eine Auswahl an fremdspachigen Weihnachtsliedern ist auf der folgenden Website zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_fremdsprachiger_Weihnachtslieder#Russisch     

Zwei russische Weihnachtslieder sind auch im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt von Kurt Pahlen enthalten: Ruhm und Ehre (Seite 130-131) und Das Lied vom Feuerspan (Seite 132).

Notenquellen

Эта ночь святая – Diese Heilige Nacht:

Canticum novum    

http://canticumnovum.ru/index.php/noty/rozhdestvo/file/157-ehta-noch-svyataya?tmpl=component&start=40   

В лесу родилась ёлочка – Im Walde wuchs ein Tannenbaum: 

Russisch online lernen und üben

http://www.russian-online.net/de_start/leseecke/ng.php          

Bildquellen

Beitragsbild:

“Christmas service at the Cathedral of Christ the Saviour”. Parishioners and priests at vespers in honor of the Nativity in the Cathedral of Christ the Saviour.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_1011996_Christmas_service_at_the_Cathedral_of_Christ_the_Saviour.jpg    

Attribution/Urheberschaft:

RIA Novosti archive, image #1011996 / Алексей Филиппов / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Bild im Text:

“Celebrating Christmas in Moscow”. A festive celebration of Christmas nearby the Cathedral of Christ the Savior in Moscow.    

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RIAN_archive_143897_Celebrating_Christmas_in_Moscow.jpg            

Attribution/Urheberschaft:

RIA Novosti archive, image #143897 / Dmitry Korobeinikov / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]