Lipizzanergestüt Piber: Das erste Fohlen des Jahres 2017

Stute & Stutfohlen 2017
Lipizzanergestüt Piber: Das erste Fohlen 2017 – Photocredit: © Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber GöR

Lipizzanergestüt Piber: Das erste Fohlen des Jahres 2017

Ein freudiges Ereignis gibt es im Lipizzanergestüt Piber zu feiern: Das erste Fohlen des Jahres 2017 hat am 1. Februar das Licht der Welt erblickt. Die freudige Nachricht: Es ist ein Mädchen! Fohlen und Mutterstute sind wohlauf.

Die erste Geburt eines Fohlens ist auch im Lipizzanergestüt Piber jedes Jahr etwas ganz Besonderes. Am 1. Februar um 00:30 Uhr hat im Lipizzanergestüt Piber das erste Fohlen des Jahres 2017 das Licht der Welt erblickt. Es ist ein entzückendes, kerngesundes Stutfohlen aus der Stutenfamilie Capriola.

Wie die Spanische Hofreitschule in einer Presseaussendung mitteilte, verlief die Geburt (die ja beim Fluchttier Pferd üblicherweise nachts stattfindet) problemlos. Beide, das Fohlen und seine Mutter Danesia sind wohlauf. Die Kleine muss es wohl recht eilig gehabt haben und kam einige Tage früher als errechnet zur Welt. Einen Namen hat das süße Stutfohlen noch nicht. Entsprechend der Gestütstradition wird es erst im Alter von etwa 6 Monaten einen Namen erhalten, wenn es von der Mutter abgesetzt wird. Doch so viel steht von vornherein fest: Es wird einen traditionellen Namen aus der Stutenfamilie Capriola bekommen.

Die Stammfamilie des Fohlens

Das kleine vierbeinige Madl ist das fünfte Fohlen der Stute Danesia. Der Vater ist der Schulhengst Maestoso Beja I, der von Bereiter Marcus Nowotny an der Spanischen Hofreitschule in Wien ausgebildet und geritten wird. Wie es an der Spanischen Hofreitschule Tradition ist, kehren die besten Schulhengste immer wieder ins Lipizzanergestüt Piber zurück, um als sogenannte „Beschäler“ – als Deckhengste – ihre guten Anlagen an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Die Farbe der Lipizzaner

Wie alle Lipizzaner, ist auch dieses kleine Stutfohlen bei der Geburt schwarz und wird seine typische Schimmelfarbe erst sehr viel später – mit etwa vier bis zehn Jahren – bekommen. Nur selten werden Lipizzaner-Fohlen braun oder mausgrau geboren, und nur ganz wenige von ihnen bleiben braun.

Jene, die auch als ausgewachsene Lipizzaner braun bleiben, sind die „Glücksbringer“ der Spanischen Hofreitschule! Denn es heißt: Solange ein brauner Lipizzaner im Stall steht, wird die Spanische Hofreitschule weiterbestehen, und das Glück wird ihr hold sein! Zurzeit stehen im Stall der „Spanischen“ drei dieser hübschen braunen „Glücksbringer“: Favory Aquileja, Maestoso Alma und Pluto Bellornata.

Ob das erste Fohlen des Jahres 2017 wohl auch einmal ein brauner „Glücksbringer“ werden wird? Nun, braun wird es wohl eher nicht, denn die leichte mausgraue Schattierung deutet bereits jetzt darauf hin, dass auch dieses Stutfohlen – wie seine Mutter – einmal ein Schimmel werden wird. Aber ein „Glücksbringer“ ist es in jedem Falle, dieses erste süße Fohlen des Jahres 2017!

Stutfohlen 2017
Lipizzanergestüt Piber: Stutfohlen 2017 – Photocredit: © Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber GöR

Die Kinderstube der Lipizzaner

Rund 40 Fohlen werden in diesem Frühjahr im Bundesgestüt Piber erwartet. Die ersten 6 Monate verbringen die Kleinen an der Seite ihrer Mutterstuten, in der „Kinderstube“ des Lipizzanergestüts Piber. Mit etwa 6 Monaten sind die Kleinen schon recht selbstständig und werden von ihren Müttern „abgespänt“. Dann wachsen sie – getrennt nach Hengstfohlen und Stutfohlen – in zwei verschiedenen Herden auf.

Fohlenpatenschaften

Für Pferdefreunde, die eines der bedeutendsten Kulturgüter Österreichs unterstützen und gleichzeitig mehr über das Pferdekind und seine Familie erfahren möchten, bietet sich eine der beliebten Fohlenpatenschaften an. Privatpersonen wie auch Unternehmen können eine Patenschaft oder Patronanz für einen der kleinen Schützlinge aus dem Lipizzanergestüt Piber übernehmen. Die Paten erhalten regelmäßige Informationen über das Patenfohlen sowie weitere attraktive Möglichkeiten, eine ganz persönliche Beziehung zu einem Lipizzaner aufzubauen.

Fohlenerlebnistage und Führungen

Auch heuer kann man die Neuankömmlinge im Bundesgestüt Piber wieder im Rahmen der Fohlenerlebnistage im März 2017 hautnah erleben. Bei diesem speziellen Programm werden die Fohlen zusammen mit ihren Mutterstuten dem Publikum präsentiert. Anschließend können die Besucher an einer Führung durch das Gestüt teilnehmen. Obergestütsmeister Harald Neukam weiß viel Interessantes und Launiges aus dem Alltag des Pferdenachwuchses zu berichten. Beginn dieser moderierten Veranstaltungen ist jeweils um 14:00 Uhr. Das gesamte Programm dauert ca. 2 bis 2,5 Stunden. Tickets sind vor Ort im Souvenirshop des Lipizzanergestüts Piber erhältlich.

Erstmals finden in diesem Jahr die Fohlenerlebnistage auch an zwei Samstagen im März statt. Außerdem können Besucher während der Wintersaison täglich um 11:00 Uhr und um 14:00 Uhr eine Gestütsführung genießen.

Die Fohlenerlebnistage finden im Lipizzanergestüt Piber zu folgenden Terminen statt:

Donnerstag, 2. März, 9. März, 16. März und 23. März 2017

Samstag, 18. März und 25. März 2017

Mehr Informationen:

www.piber.com, +43-3144 33 23 oder office@piber.com.

 

Quelle: Presseaussendung der Spanischen Hofreitschule

PA-Spanische Hofreitschule-Bundesgestüt Piber- 1.Fohlen 2017

Photocredit:    © Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber GöR

Happy Birthday! Zum 1. Geburtstag von Lingua & Musica

Happy Birthday! Clipart
Happy Birthday Lingua & Musica! Clipart, CC0 Public Domain, Pixabay

Happy Birthday Lingua & Musica!

Zum 1. Geburtstag von Lingua & Musica

Happy Birthday Lingua & Musica! Heute, am 1. Februar 2017, wird Lingua & Musica ein Jahr alt! Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Vor genau einem Jahr, am 1. Februar 2016, habe ich das Einzelunternehmen Lingua & Musica gegründet. Viele Monate sind seitdem vergangen. Es gab schöne und bewegende Ereignisse.

Vor allem im Bereich der Kulturberichterstattung markierten einige wunderbare Höhepunkte das Jahr 2016. So gab es in der Kategorie Pferde & klassische Reitkunst eine interessante Begegnung mit dem Pferdeflüsterer Monty Roberts in Ebreichsdorf, die Verleihung der UNESCO-Urkunde an die Spanische Hofreitschule im Wiener Burggarten und den Lipizzaner-Almabtrieb in Köflach-Piber.

Auch in der Kategorie Oper & klassische Musik gab es Interessantes zu berichten: Ein besonderes Ereignis war die Rückkehr des Tenors José Carreras auf die Opernbühne in Wien. In der Oper EL JUEZ (Der Richter) von Christian Kolonovits verkörperte der katalanische Tenor die Titelrolle des Richters und wurde im Theater an der Wien mit standing ovations gefeiert. (Der Bericht ist auf Opernnetz.de erschienen.) Zudem beging José Carreras am 5. Dezember 2016 seinen 70. Geburtstag. Auch dieses Ereignis wurde von Lingua & Musica im Rahmen des musikalischen Adventskalenders (unter „Aktuelles/News“, 5. Dezember 2016) sowie in einem ausführlichen Bericht auf meinbezirk.at gewürdigt.

Ein musikalischer Adventskalender begleitete die Besucher der Website von Lingua & Musica durch die Adventszeit (unter „Aktuelles/News“) und brachte täglich interessante Details zu verschiedenen Weihnachtsliedern sowie zu Weihnachtsbräuchen aus anderen Ländern.

Die verschiedenen Beiträge sind auf der Unterseite „Kulturberichterstattung“ (Oper & Musik / Pferde & Reitkunst) bzw. unter „Aktuelles/News“ zu finden:

http://linguamusica.eu/kulturberichterstattung-fachartikel/oper-musik/

http://linguamusica.eu/kulturberichterstattung-fachartikel/pferde-reitkunst/

http://linguamusica.eu/news/

Aber auch in den anderen Fachbereichen war das Gründungsjahr ausgefüllt mit zahlreichen Aktivitäten, vor allem mit Sprachkursen im Fach Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache.

Die Migrationsbewegungen, ausgelöst durch schockierende Ereignisse wie Krieg und Terror, Flucht und Vertreibung sowie unsichere politische Verhältnisse in vielen Ländern dieser Erde – wie beispielsweise in Syrien, im Irak, in Afghanistan und einigen Ländern Afrikas (um nur einige zu nennen), haben natürlich auch in Wien ihre Spuren hinterlassen. So war im Gründungsjahr vor allem auch im sprachlichen und sprachdidaktischen Bereich die fachliche Kompetenz von Lingua & Musica gefragt.

Auch bei den Sprachdienstleistungen gab es bereits die ersten Aufträge, so zum Beispiel die Übersetzung einer Website von Pasta-Spezialitäten ins Französische und einige Schreiben juristischen Inhalts ins Englische.

Für das Jahr 2017 gibt es noch freie Kapazitäten in allen Fachbereichen: von der Kulturberichterstattung über die Textredaktion, von Sprachkursen bis zum Gesangsunterricht (einschließlich der sprachlichen und musikalischen Erwachsenenbildung), von Sprachdienstleistungen wie Übersetzungen und internationale Korrespondenz bis hin zu musikalischen Umrahmungen mit Opernarien und klassischer Musik. Lingua & Musica freut sich auf Ihre Anfrage!

Jedoch gibt es am 1. Februar 2017 gleich einen doppelten Grund zum Feiern. Denn neben dem 1. Geburtstag von Lingua & Musica gibt es an diesem Datum noch ein freudiges Ereignis zu begießen: die Geburt des 1. Fohlens des Jahres 2017 im Lipizzanergestüt Piber! Freuen Sie sich mit mir auf den Bericht – mit einem zuckersüßen Bild vom neugeborenen Fohlen!

Lingua & Musica wünscht EIN FROHES NEUES JAHR

Neujahrsgruß von Lingua & Musica

Lingua & Musica wünscht EIN FROHES NEUES JAHR!  Sylvia Kreye, 01.01.2017, OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Lingua & Musica wünscht

EIN FROHES NEUES JAHR!

Neujahrsgruß von Lingua & Musica – P1010003

Hoffentlich hatten Sie ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und sind gut ins neue Jahr gerutscht!  

Lingua & Musica wünscht allen Kunden & Kundinnen, allen Besucher/innen dieser Website, allen Musik- und Opernfreunden, allen Kultur- und Sprachbegeisterten sowie allen Schüler/innen und Student/innen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr und alles Gute für 2017! 

Mögen alle Ihre Wünsche und guten Vorsätze in Erfüllung gehen! Möge uns das neue Jahr Gesundheit, Erfolg und vor allem Frieden bescheren!

Selbstverständlich steht Ihnen Lingua & Musica auch im neuen Jahr mit sprachlichen und musikalischen Dienstleistungen zur Verfügung und würde sich freuen, Sie weiterhin als Kund/innen begrüßen zu dürfen.

Ob Sie nun Musikunterricht oder einen Sprachkurs buchen möchten, ob Sie gerade eine Übersetzung, einen Text oder einen Fachartikel benötigen, Lingua & Musica freut sich auf Ihre Anfrage und berät Sie gern in sprachlichen und musikalischen Fragen.

Weitere Informationen finden Sie unter den entsprechenden Links dieser Website: 

Musikunterricht – Musikalische Erwachsenenbildung

Sprachtraining – Sprachliche Erwachsenenbildung 

Sprachliche Dienstleistungen 

Übersetzungen 

Deutsche und fremdsprachliche Korrespondenz

Textredaktion und Lektorat

Kulturberichterstattung, Fachartikel 

Nochmals alles Gute für 2017 und PROSIT NEUJAHR wünscht

Sylvia Kreye von Lingua & Musica

Lingua & Musica wünscht FROHE WEIHNACHTEN

Wiener Stephansdom zur Weihnachtszeit

Lingua & Musica wünscht FROHE WEIHNACHTEN! Bild: Der Wiener Stephansdom zur Weihnachtszeit, Foto: Sylvia Kreye, 23.12.2016 

Lingua & Musica wünscht allen Besuchern dieser Website, allen Kundinnen & Kunden, allen Musik- und Opernfreunden sowie Sprachbegeisterten

FROHE WEIHNACHTEN! 

Ich hoffe, dass Ihnen der musikalische Adventskalender von Lingua & Musica gefallen und vielleicht auch ein wenig zum Singen und Musizieren angeregt hat. 

Nachdem im musikalischen Adventskalender vom 23. und 24. Dezember die beiden bekannten Weihnachtslieder O du fröhliche und Stille Nacht präsentiert wurden, kommt hier noch ein spezieller Weihnachtsgruß vom Wiener Stephansplatz. 

Am 23. Dezember zwischen 17 und 18 Uhr konnte man dort den weihnachtlichen Klängen eines Bläserensembles lauschen. Das Ensemble musizierte bei winterlichen Temperaturen am Dach des Wiener Stephansdoms und sorgte in der Hektik des letzten Werktages vor dem Fest für weihnachtliche Stimmung!  

Dabei entstand der folgende Videoclip:

Stille Nacht 

https://www.youtube.com/watch?v=JxOcdMXwZXs

Viel Freude beim Anhören der weihnachtlichen Bläserklänge!

Lingua & Musica wünscht Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und besinnliche Feiertage sowie ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017! 

Lingua & Musica freut sich, Sie auch im neuen Jahr als Kund/innen begrüßen zu dürfen. Ob Sie nun Musikunterricht oder einen Sprachkurs buchen möchten oder ob Sie gerade eine Übersetzung, einen Text oder einen Fachartikel benötigen, Lingua & Musica freut sich auf Ihre Anfrage und berät Sie gern in musikalischen und sprachlichen Fragen.

Weitere Informationen finden Sie unter den entsprechenden Links dieser Website: 

Musikunterricht – Musikalische Erwachsenenbildung

Sprachtraining – Sprachliche Erwachsenenbildung

Übersetzungen

Deutsche und fremdsprachliche Korrespondenz

Textredaktion und Lektorat

Kulturberichterstattung, Fachartikel

 

Stille Nacht, heilige Nacht | Adventskalender

Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf
Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg, Foto von Gakuro, 03.12.2005, Wikimedia Commons, license CC BY-SA 3.0

Der musikalische Adventskalender

24. Dezember 2016 

Stille Nacht, heilige Nacht

Zum krönenden Abschluss des musikalischen Adventskalenders präsentiert Lingua & Musica das berühmte und beliebte Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht. Es wurde zu Heiligabend 1818 in der ehemaligen Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt. Ausführende waren damals der Komponist Franz Xaver Gruber (1787 – 1863) und der Textdichter Joseph Mohr (1792 – 1848). 

Legenden und Quellenlage 

Stille Nacht, heilige Nacht ist wohl das bekannteste und beliebteste Weihnachtslied im deutschsprachigen Raum überhaupt. Um die Uraufführung des Liedes ranken sich viele Legenden und auch Anekdoten. Es gibt jedoch zwei zuverlässige historische Quellen, welche die Entstehungsgeschichte und die Uraufführung des Liedes belegen: 

  • Die authentische Veranlassung, die vom Komponisten Franz Xaver Gruber im Jahre 1854 in Hallein niedergeschrieben wurde.
  • Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, das erst im Jahre 1995 in Salzburg aufgefunden wurde. 

Diese beiden Quellen ergänzen und bestätigen sich gegenseitig in Bezug auf die Entstehung des Liedes. 

Entstehung 

Im Jahre 1816 verfasste Joseph Mohr, seinerzeit Hilfspfarrer in Mariapfarr im Lungau, den Text zu Stille Nacht in Form eines Gedichts. Auf diesen Umstand weist der Vermerk mpria = manu propria (links unten im Autograph) hin. 

Im Jahre 1818 bat Joseph Mohr Franz Xaver Gruber um die Vertonung seines Gedichts. Dieser Umstand wird belegt durch die Authentische Veranlassung, welche der Komponist Franz Xaver Gruber selbst im Jahre 1854 niederschrieb: 

„Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hilfspriester Herr Joseph Mohr bei der neu errichteten Pfarre St. Nicola in Oberndorf dem Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich auch Schullehrer in Arnsdorf) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen sammt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen.“  

Joseph Mohr war also nicht nur der Dichter, sondern auch der Initiator des Liedes. 

Die Autorschaft Franz Xaver Grubers ist außerdem durch einen Hinweis im Autograph bestätigt: Melodie von Franz Xaver Gruber.

Das Weihnachtslied wurde an Heiligabend des Jahres 1818 in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufgeführt. Bei der Erstaufführung wirkte neben Franz Xaver Gruber auch der Dichter Joseph Mohr als Sänger und Gitarrist mit. 

Zu jener Zeit herrschte infolge der Napoleonischen Kriege große Armut und Hunger in der Bevölkerung. Der Legende nach war die Orgel in der Kirche St. Nikola wegen ihres schlechten Zustandes nicht mehr bespielbar. Für die notwendigen Reparaturen war jedoch kein Geld vorhanden. Es wird vermutet, dass dieser Umstand der Hauptgrund dafür gewesen war, warum das Lied Stille Nacht, heilige Nacht in der Fassung für zwei Solostimmen, Chor und Gitarrenbegleitung uraufgeführt wurde. 

Verbreitung 

Bei den Besuchern der Messe in der Kirche St. Nikola in Oberndorf fand das Lied auf Anhieb sehr viel Anklang. Bereits ein Jahr später, an Heiligabend des Jahres 1819, wurde das Lied in Fügen gesungen. Dieser Umstand ist vermutlich dem Orgelbaumeister Karl Mauracher (1789 – 1844) zu verdanken: Als Karl Mauracher die desolate Orgel der Kirche St. Nikola reparierte, hörte er auch das Lied Stille Nacht und brachte es nach Fügen. Dort übernahmen es die Geschwister Rainer, die in Fügen im Kirchenchor sangen. 1822 trugen die Geschwister Rainer das Lied auf Schloss Fügen dem Habsburger Kaiser Franz I. von Österreich und dem Zaren Alexander I. von Russland vor. Die Rainer-Geschwister gaben das Lied schließlich weiter an die Geschwister Strasser, eine Gesangsfamilie aus dem Tiroler Zillertal, die es im Jahre 1832 in Leipzig vortrug und es weiter verbreitete.

Der Erstdruck erschien 1833 in Dresden, zusammen mit drei anderen Liedern, unter dem Titel Vier ächte Tirolerlieder. 1840 wurde es in einer Liedersammlung mit dem Titel Vier ächte Tiroler Lieder veröffentlicht. Infolge der Verbreitung von Stille Nacht als Tiroler Volksweise gerieten die wahren Urheber zunächst in Vergessenheit. Das Lied Stille Nacht wurde sogar fälschlicherweise für ein Werk Michael Haydns (1737 – 1806) gehalten. 

Dass der Komponist Franz Xaver Gruber doch noch zu Ehren kam, ist dem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (1795 – 1861) zu verdanken, der das Lied besonders gern hörte: Die Hofkapelle des preußischen Königs wandte sich 1854 an das Stift Sankt Peter in Salzburg mit der Bitte um eine Abschrift des Liedes. Dabei stieß man mehr oder weniger zufällig auf den Komponisten Franz Xaver Gruber, der daraufhin seine Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes ‚Stille Nacht, Heilige Nacht’  verfasste.

Um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) wurde das Lied durch katholische und protestantische Missionare auf allen Kontinenten verbreitet. Inzwischen wurde Stille Nacht in mehr als 300 Sprachen übersetzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg durch Überflutung so stark beschädigt, dass sie zwischen 1906 und 1913 abgerissen werden musste. An ihrer Stelle steht heute die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf, die zu einer Touristenattraktion geworden ist. 

Die Dorfschule in Arnsdorf, in der Franz Xaver Gruber einst als Lehrer tätig war, beherbergt heute das Stille-Nacht-Museum. In Hochburg-Ach, dem Geburtsort Franz Xaver Grubers, befindet sich das Gruberhäusl, in dem noch alte Haushaltsgegenstände der Familie Gruber zu sehen sind. Auch im Wallfahrtsort Mariapfarr gibt es ein Wallfahrts- und Stille-Nacht-Museum mit Dokumenten zum Leben von Joseph Mohr. 

Im März 2011 wurde das Lied unter dem Titel Stille Nacht – das Lied zur Weihnacht in die Liste des Immateriellen Kulturerbes Österreichs aufgenommen und auch für die Gesamtliste des Internationalen UNESCO-Kulturerbes vorgeschlagen. 

Text und Musik   

Das Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht besteht aus 6 Strophen, von denen jedoch meist nur die 1., 2. und 6. Strophe gesungen werden: 

Originaltext Gebräuchliche Fassung  
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigten Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’.
Jesus! in deiner Geburt!
Jesus! in deiner Geburt!
Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt.
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n
Uns der Gnade Fülle läßt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschengestalt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoß
Und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel „Halleluja!“
Tönt es laut bey Ferne und Nah:
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“
Stille Nacht, heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
Durch der Engel Halleluja.
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter ist da,
Christ, der Retter ist da!
Stille Nacht in der Originalfassung mit 6 Strophen und in der heute gebräuchlichen Fassung mit 3 Strophen.

Inzwischen ist das Lied in über 300 Sprachen übersetzt worden, von denen hier aus Platzgründen nur die englische, französische, italienische und spanische Version wiedergegeben wird: 

Englisch: Silent night, holy night

Silent night, holy night,
All is calm, all is bright
Round yon virgin mother and child.
Holy infant, so tender and mild,
Sleep in heavenly peace,
Sleep in heavenly peace.

Silent night, holy night,
Shepherds quake at the sight;
Glories stream from heaven afar,
Heavenly hosts sing Alleluia!
Christ the Savior is born,
Christ the Savior is born!

Silent night, holy night,
Son of God, love’s pure light;
Radiant beams from thy holy face
With the dawn of redeeming grace,
Jesus, Lord, at thy birth,
Jesus, Lord, at thy birth.

Französisch: Douce nuit, sainte nuit

Tranquille nuit, sainte nuit,
Profond sommeil, il est Minuit
Le saint couple, seul, est en éveil
Doux bambin aux beaux cheveux vermeils
Dans le silence du ciel, dore,
dans le silence, dors.

Tranquille nuit, sainte nuit
Tous les pasteurs sont avertis
Par les anges qui chantent leurs chœurs
Et partout monte un chant de bonheur :
Jésus Christ le Sauveur est là
Christ le Sauveur est là

Tranquille nuit, sainte nuit
Enfant de Dieu, l’amour sourit
Sur la bouche aux contours harmonieux
Alors sonne ce jour merveilleux,
Jésus par son avènement !
Par son avènement

Italienisch: Astro del ciel 

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu che I Vati da lungi sognar,
Tu che angeliche voci nunziar,
Luce dona alle genti
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu di stirpe regale decor,
Tu virgineo, mistico fior,
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Astro del ciel, Pargol divin,
Mite Agnello Redentor!
Tu disceso a scontare l’error,
Tu sol nato a parlare d’amor,
Luce dona alle menti,
Pace infondi nei cuor!
Luce dona alle genti,
Pace infondi nei cuor!

Spanisch: Noche de paz, noche de amor

Noche de paz, noche de amor,
Todo duerme alrededor
entre los astros que esparcen su luz
viene anunciando al niño Jesús
Brilla la estrella de paz
Brilla la estrella de paz.

Noche de paz, noche de amor,
Todo duerme alrededor,
Sólo velan en la oscuridad
Los pastores que en el campo están;
Y la estrella de Belén
Y la estrella de Belén.

Noche de paz, noche de amor;
Todo duerme alrededor;
sobre el Santo Niñito Jesús
Una estrella esparce su luz,
Brilla sobre el Rey,
Brilla sobre el Rey.

Stille Nacht, Autograph
Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, aufgefunden in Salzburg 1995

Autograph VII in der Handschrift Franz Xaver Grubers (ca. 1860), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Stille Nacht, Autograph
Autograph VII in der Handschrift Franz Xaver Grubers (ca. 1860), von de:Benutzer:Mezzofortist., gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

 Die Melodie von Stille Nacht steht im sogenannten Siziliano-Rhythmus, also im Sechs-Achtel-Takt mit punktierten Achtel- und Sechzehntel-Noten bzw. Viertel- und Achtelnoten im Wechsel. Somit steht das Lied in der Tradition einer Hirtenmusik (Pastorale). 

Aufnahmen 

Auf der Website von SalzburgerLand Tourismus bzw. auf YouTube gibt es ein paar schöne Aufnahmen des traditionellen Weihnachtsliedes Stille Nacht in der originalen Fassung mit Gitarrenbegleitung:

http://magazin.salzburgerland.com/das-geheimnis-um-die-stille-nacht/  

Die sechsstrophige Originalversion mit der Liedertafel Oberndorf ist unter folgendem Link abrufbar:

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/noten.asp?dat=index&id=220&title=Stille+Nacht+Noten        

In diesem Zusammenhang darf natürlich die Stille-Nacht-Feier nicht vergessen werden, die alljährlich am 24. Dezember um 17 Uhr per Webcam ins Internet übertragen wird und am heimischen Computer live verfolgt werden kann:

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/feier.asp 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht        

http://magazin.salzburgerland.com/das-geheimnis-um-die-stille-nacht/

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/entstehung.asp?dat=index&id=215&title=Stille+Nacht+Entstehung+und+Verbreitung  

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/oberndorf-salzburg.asp?dat=index&id=218&title=Oberndorf+bei+Salzburg+-+Uraufführung+Stille+Nacht       

http://magazin.salzburgerland.com/weltberuehmt-die-stille-nacht-kapelle-oberndorf/

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/text.asp?dat=index&id=217&title=Stille+Nacht+Text    

https://en.wikipedia.org/wiki/Silent_Night#/media/File:Chapel2.jpg 

Notenquellen: 

Originalquelle: Das älteste erhaltene Autograph des Texters Joseph Mohr, datiert auf die Zeit um 1823, aufgefunden in Salzburg 1995.        

Autograph VII in der Handschrift Franz Xaver Grubers (ca. 1860), von de:Benutzer:Mezzofortist., gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons 

Singen im Advent, Noten von über 50 Weihnachtsliedern

http://www.stillenacht.info/de/stille-nacht/noten.asp?dat=index&id=220&title=Stille+Nacht+Noten                 

Bildquellen: 

Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg, Foto von Gakuro, 03.12.2005, Wikimedia Commons, license

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChapel2.jpg      

By No machine-readable author provided. Gakuro assumed (based on copyright claims). [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

 

O du fröhliche & O sanctissima | Adventskalender

Der Wiener Stephansdom
Der Wiener Stephansdom zur Weihnachtszeit, Foto: Sylvia Kreye, 06.12.2016

Der musikalische Adventskalender

23. Dezember 2016 

O du fröhliche & O sanctissima

Im musikalischen Adventskalender geht es heute um das bekannte Weihnachtslied O du fröhliche und die lateinische Originalversion O sanctissima. 

Das Lied O du fröhliche gehört zweifelsohne zu den bekanntesten deutschsprachigen Weihnachtsliedern. An Heiligabend ist es fester Bestandteil der Christvesper in der evangelischen Kirche und auch der Christmette in vielen katholischen Kirchen.

Die Melodie geht auf ein traditionelles Marienlied zurück, das in der römisch-katholischen Kirche in lateinischer Sprache gesungen wurde. Nach der ältesten bekannten Ausgabe, die 1792 in London erschien, handelt es sich um ein traditionelles Lied aus Sizilien. Jedoch gibt es keine Originalquelle, welche die Herkunft der Melodie oder des Textes bestätigt. Das Lied wird oft Sicilian Mariners Hymn genannt, mit Bezug auf den Brauch, dass die Seeleute früher nachts die Mutter Maria als ihre Beschützerin angerufen haben.

O sanctissima (lateinisch)
O Sanctissima, traditional Latin hymn to the Virgin Mary, earliest known printing, European Magazine and London Review. 22 (5): 385–386, Public Domain, Wikimedia Commons

Nachdem das Lied 1792 anonym im European Magazine und dann 1794 in einem amerikanischen Magazin veröffentlicht worden war, verbreitete sich O sanctissima zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Sprachen. Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) nahm es in seine Sammlung Stimmen der Völker in Liedern auf, die posthum im Jahre 1807 erschien. Sowohl Haydn als auch Beethoven haben Chorbearbeitungen des lateinischen Liedes geschrieben. 

Hier ist der lateinische Originaltext von O sanctissima mit englischer und deutscher Übersetzung.   

O sanctissima (lateinische Textfassung) 

O sanctissima, o piissima,
dulcis Virgo Maria!
Mater amata, intemerata,
ora, ora pro nobis.

Tu solatium et refugium,
Virgo Mater Maria.
Quidquid optamus, per te speramus;
ora, ora pro nobis.

Ecce debiles, perquam flebiles;
salva nos, o Maria!
Tolle languores, sana dolores;
ora, ora pro nobis.

Virgo, respice, Mater, aspice;
audi nos, o Maria!
Tu medicinam portas divinam;
ora, ora pro nobis.

Englische Übersetzung (Wikipedia, O Sanctissima)

O most holy, o most loving,
sweet Virgin Mary!
Beloved Mother, undefiled,
pray, pray for us.

You are solace and refuge,
Virgin, Mother Mary.
Whatever we wish, we hope it through you;
pray, pray for us.

Look, we are weak and deeply deplorable;
save us, o Mary!
Take away our lassitude, heal our pains;
pray, pray for us.

Virgin, look at us, Mother, care for us;
hear us, o Mary!
You bring divine medicine;
pray, pray for us. 

Deutsche Übersetzung (sinngemäß, von Sylvia Kreye)

O heiligste, o gnädigste,
süße Jungfrau Maria!
Geliebte, unbefleckte Mutter,
bitte, bitte für uns.

Du bist Trost und Zuflucht,
Jungfrau Mutter Maria.
Was wir wünschen, erhoffen wir durch dich;
bitte, bitte für uns.

Sieh, wir sind schwach, sehr beklagenswert;
rette uns, o Maria!
Nimm hinweg die Trägheit, heile die Schmerzen;
bitte, bitte für uns.

Jungfrau, sorge für uns, Mutter, schau auf uns;
erhöre uns, o Maria!
Du bringst göttliche Medizin;
bitte, bitte für uns. 

Soweit zur lateinischen Fassung. Die Melodie von O sanctissima wurde für das deutsche Weihnachtslied O du fröhliche und dessen englische Version O, how joyfully sowie für den englischen Schlussgesang Lord, Dismiss Us With Thy Blessing in der anglikanischen Kirche wiederverwendet. 

O du fröhliche (deutsche Textfassung)

O du fröhliche (deutsch)
O du fröhliche, Melodie und deutsche Textfassung, gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Der deutsche Text nimmt nicht auf die Jungfrau Maria, sondern vielmehr auf Jesus selbst und seine Geburt Bezug.   

Die deutschsprachige Fassung O du fröhliche mit dem Originaltext von Johannes Daniel Falk entstand nach neuesten Forschungsergebnissen schon im Jahre 1815. 

Johannes Daniel Falk, der in Weimar ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder gegründet hatte, schrieb den Text zum Lied O du fröhliche, um es zu Weihnachten mit den von ihm betreuten Kindern singen zu können. Die Melodie hatte er in Johann Gottfried Herders Sammlung Stimmen der Völker in Liedern gefunden.

In seiner Urfassung war das Lied zunächst ein „Allerdreifeiertagslied“, wie es Falk selbst nannte. Die ursprüngliche deutsche Version nimmt auf die drei christlichen Hauptfeste, Weihnachten, Ostern und Pfingsten (und somit auf die Dreifaltigkeit) Bezug:

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, Christenheit!

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Osterzeit!
Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden:
Freue, freue dich, Christenheit!

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Pfingstenzeit!
Christ, unser Meister, heiligt die Geister:
Freue, freue dich, Christenheit!  

In dieser Fassung wurde das Lied 1816 veröffentlicht. Der Erstdruck befindet sich in dem am 30. Januar 1817 abgeschlossenen Zweiten Bericht von Falks sozialdiakonischem Förderverein Gesellschaft der Freunde in der Noth. Der Bericht enthält auch eine Liste von Liedern, „die jeder Zögling der Sonntagsschule auswendig wissen und singen muss.“ 

Seinen Siegeszug trat das Lied allerdings nicht als Allerdreifesttagslied,  sondern als Weihnachtslied an. Vom Weihnachtslied O du fröhliche stammt nur noch die erste Strophe von Falk. Die anderen Strophen wurden von Heinrich Holzschuher, einem Mitarbeiter Falks, im Jahre 1829 verfasst. In dieser Form ist das Lied bis heute erhalten geblieben: 

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen:
Freue, freue dich, o Christenheit!

O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen Dir Ehre:
Freue, freue dich, o Christenheit! 

Das von Falk und Holzschuher gedichtete Weihnachtslied wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die englische Fassung dürfte wohl am bekanntesten sein:

O how joyfully (englische Textfassung)

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
To a world so lost in sin,
Christ the Savior, enters in:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore!

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
Jesus, born in lowly stall,
With His grace redeems us all:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore!

O how joyfully,
O how blessedly,
Comes the glory of Christmastime!
Hosts of angels from on high,
Sing, rejoicing, in the sky:
Praise Him, Praise Him Christians, evermore! 

Das Weihnachtslied O du fröhliche wurde auch in das Evangelische Kirchengesangbuch (EG 44) und in viele Diözesanhänge des katholischen Gotteslobs aufgenommen. 

Aufnahmen 

Auf YouTube gibt es mehrere Aufnahmen, von denen hier nur einige genannt werden können: ein Live-Mitschnitt mit den Regensburger Domspatzen, eine Audio-Aufnahme mit Jonas Kaufmann und eine sehr feierliche Live-Aufnahme von einer Christmette 2012 mit Orgel und Gemeindegesang (bei der man sogar dem Organisten auf die Finger schauen kann):

https://www.youtube.com/watch?v=-nKjUEfDSXQ        

https://www.youtube.com/watch?v=IHsN7uPU4Lw       

https://www.youtube.com/watch?v=qsF0c9NT0yY        

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/O_Sanctissima 

https://de.wikipedia.org/wiki/O_du_fröhliche

https://de.wikisource.org/wiki/O_du_fröliche

https://johannesfalkverein.jimdo.com/o-du-fröhliche/     

http://ingeb.org/Lieder/ODuFrohl.html 

http://www.evangelisch.de/inhalte/129491/17-12-2015/weihnachtslied-oh-du-froehliche-offenbar-aelter-als-bislang-vermutet    

Johannes Daniel Falk: Gesellschaft der Freunde in der Noth aufs Jahr 18[…]: Zweyter Bericht. 1816

Notenquellen:

O Sanctissima, traditional Latin hymn to the Virgin Mary, earliest known printing, European Magazine and London Review. 22 (5): 385–386, Public Domain, Wikimedia Commons

https://en.wikipedia.org/wiki/O_Sanctissima#/media/File:OSanctissima1792.jpg     

O du fröhliche, Melodie und deutsche Textfassung:

https://de.wikipedia.org/wiki/O_du_fröhliche#cite_ref-3          

Bildquellen:

Der Wiener Stephansdom zur Weihnachtszeit, Foto: Sylvia Kreye, 06.12.2016

 

Vom Himmel hoch | Adventskalender

Engel mit Violine & Vers von Martin Luther
Kalenderblatt (aus dem Privatarchiv von Sylvia Kreye): Engel mit Violine & Vers von Martin Luther

Der musikalische Adventskalender

22. Dezember 2016 

Vom Himmel hoch

Im Hinblick auf das bevorstehende Luther-Jahr 2017 präsentiert Lingua & Musica heute das Weihnachtslied Vom Himmel hoch, da komm’ ich her von Martin Luther.  

Martin Luther schuf zu allen christlichen Festen Lieder; insgesamt waren es über dreißig. Eines seiner Weihnachtslieder ist besonders berühmt geworden: Vom Himmel hoch, da komm’ ich her. Der Text des Liedes, den Luther im Jahre 1535 (angeblich zur Weihnachtsbescherung seiner eigenen Kinder), gedichtet hat, basiert auf dem Lukas-Evangelium (Lukas 2, 8-18). Es ist quasi die Weihnachtsgeschichte in Form eines Krippenspiels.

Zunächst unterlegte Martin Luther seinen aus 15 Strophen gedichteten Text einer weltlichen Melodie, dem Spielmannslied Ich kumm auß frembden landen her und bring euch vil der newen mär. (Es handelte sich dabei also um eine Kontrafaktur, ein Verfahren, bei dem ein bereits bestehendes Werk mit einem neuen Gesangstext unterlegt wird.)

Im Jahre 1539 komponierte er selbst eine Choralmelodie zu dem Text. Die von Luther selbst geschriebene und 1539 veröffentlichte Melodie beginnt ursprünglich mit einem Achtelauftakt, der jedoch in der Barockzeit zu einem Viertelauftakt ausgeglichen wurde. Im Evangelischen Kirchengesangbuch von 1950 wurde jedoch wieder die ursprüngliche Fassung von 1539 verwendet (EKG, Nr. 16), ebenso im Gotteslob von 1975 (Nr. 138). 

Vom Himmel hoch (von Martin Luther)

Vom Himmel hoch da komm' ich her, Melodie
Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk 
  1. Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her,
    ich bring‘ euch gute neue Mär,
    der guten Mär bring‘ ich so viel,
    davon ich sing’n und sagen will.
  1. Euch ist ein Kindlein heut’ geborn
    Von einer Jungfrau auserkorn,
    Ein Kindelein, so zart und fein,
    Das soll eu’r Freud und Wonne sein.
  1. Es ist der Herr Christ, unser Gott,
    Der will euch führn aus aller Not,
    Er will eu’r Heiland selber sein,
    Von allen Sünden machen rein.
  1. Er bringt euch alle Seligkeit,
    Die Gott der Vater hat bereit,
    Daß ihr mit uns im Himmelreich
    Sollt leben nun und ewiglich.
  1. So merket nun das Zeichen recht:
    Die Krippe, Windelein so schlecht,
    Da findet ihr das Kind gelegt,
    Das alle Welt erhält und trägt.
  1. Des laßt uns alle frölich sein
    Und mit den Hirten gehn hinein,
    Zu sehn, was Gott uns hat beschert,
    Mit seinem lieben Sohn verehrt.
  1. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!
    Was liegt dort in dem Krippelein?
    Wes ist das schöne Kindelein?
    Es ist das liebe Jesulein.
  1. Sei mir willkommen, edler Gast!
    Den Sünder nicht verschmähet hast
    Und kommst ins Elend her zu mir,
    Wie soll ich immer danken dir?
  1. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding,
    Wie bist du worden so gering,
    Daß du da liegst auf dürrem Gras,
    Davon ein Rind und Esel aß!
  1. Und wär’ die Welt vielmal so weit,
    Von Edelstein und Gold bereit’,
    So wär sie doch dir viel zu klein,
    Zu sein ein enges Wiegelein.
  1. Der Sammet und die Seide dein,
    Das ist grob Heu und Windelein,
    Darauf du König groß und reich
    Herprangst, als wär’s dein Himmelreich.
  1. Das hat also gefallen dir,
    Die Wahrheit anzuzeigen mir:
    Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
    Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.
  1. Ach, mein herzliebes Jesulein,
    Mach dir ein rein, sanft Bettelein,
    Zu ruhen in meins Herzens Schrein,
    Das ich nimmer vergesse dein.
  1. Davon ich allzeit fröhlich sei,
    Zu springen, singen immer frei
    Das rechte Susaninne schon,
    Mit Herzenslust den süßen Ton.
  1. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
    Der uns schenkt seinen ein’gen Sohn.
    Des freuen sich der Engel Schar
    Und singen uns solch neues Jahr. 

1541 erschien das Lied im Straßburger Gesangbuch unter dem Titel: „Kinderliede auff die Weihenachten“.

Straßburger Gesangbuch, 1541
Straßburger Gesangbuch von 1541: Vom Himmel hoch (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons. – Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kkleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB) 

1555 wurde der Text noch um eine weitere, vorangestellte Strophe von Valentin Triller, ergänzt: 

Es kam ein Engel hell und klar
von Gott aufs Feld zur Hirtenschar;
der war gar sehr von Herzen froh
und sprach zu ihnen fröhlich so:
Valentin Triller (1555)

Bearbeitungen

Christian Fürchtegott Gellert dichtete auf die Melodie im Jahre 1755 das Kirchenlied Dies ist der Tag, den Gott gemacht.

Das Lied Vom Himmel hoch wurde von zahlreichen Komponisten bearbeitet. Johann Sebastian Bach verwendete das Thema für drei Choräle seines Weihnachtsoratoriums: Ach, mein herzliebes Jesulein, Schaut hin, dort liegt im finstern Stall und Wir singen dir in deinem Heer. 

Hier sind die ersten Takte des Chorals Ach, mein herzliebes Jesulein aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach:

Bach: Ach mein herzliebes Jesulein
Johann Sebastian Bach: Ach, mein herzliebes Jesulein, aus dem Weihnachtsoratorium (Anfangstakte) 

 

Später war das Lied Vorlage für Bachs Orgelwerk Canonische Variationen über Vom Himmel hoch, das im Jahre 1748 im Druck erschien. 

Auch Felix Mendelssohn Bartholdy verwendete das Thema für seine Kantate Vom Himmel hoch.

Aufnahmen:

In einer Aufnahme auf YouTube werden zwei verschiedene Bearbeitungen, von Johann Sebastian Bach und Sebastian Sager, gegenübergestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=SqMRqf8gD9U

Ein Satz von Michael Prätorius ist ebenfalls auf YouTube zu hören:

https://www.youtube.com/watch?v=i6zI9scL_vQ 

Weiters gibt es eine Aufnahme in einer moderneren Bearbeitung mit den Wiener Sängerknaben:

https://www.youtube.com/watch?v=MFrKmyzajak

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her     

Notenquellen:

Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk:

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her?uselang=de#/media/File:Vonhimmelhoch.jpg                

Aus dem Straßburger Gesangbuch 1541: „Kinderliede auff die Weihenachten“ (Vom Himmel hoch) (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB)

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:Stra%C3%9Fburger_Gesangbuch_1541_Vom_Himmel_hoch_(Isny).jpg        

Druck von 1567: Luther’s Christmas hymn Vom Himmel hoch in a print from 1567, Digital Image Archive, Pitts Theology Library, Candler School of Theology, Emory University, gemeinfreies Werk

Theology Library, Candler School of Theology, Emory University

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:VomHimmel00007012.jpg

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Ach mein herzliebes Jesulein (Ausschnitt):

Every Note Sheet Music Download

https://everynote.com/choral.show/109810.note  

Die vollständige Ausgabe kann auf der Seite von Every Note gegen Entgelt heruntergeladen werden. 

Bildquellen:

Kalenderblatt (aus dem Privatarchiv von Sylvia Kreye). Engel mit Violine und Vers von Martin Luther: Des Himmels Chör freuen sich drob, und die Engel singen Gott Lob; den armen Hirten wird vermeldt der Hirt und Schöpfer aller Welt.

 

Weihnachtsbräuche in Osteuropa | Adventskalender

Gedeckter Tisch für traditionelle Wigilia in Polen
Ein für traditionelle Wigilia gedeckter Tisch, von Przykuta, 24.12.2006, Wikimedia Commons, license CC BY-SA 3.0

Der musikalische Adventskalender

21. Dezember 2016 

Weihnachtsbräuche in Osteuropa

Der musikalische Adventskalender stellt heute Weihnachtsbräuche in Osteuropa vor. Wir sind zu Gast in Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Slowenien. Nachdem am 20. Dezember die orthodoxen Weihnachtsbräuche thematisiert wurden, stehen heute die weihnachtlichen Traditionen der römisch-katholischen Länder im Mittelpunkt.

geht es heute um weihnachtliche Traditionen in den römisch-katholischen Ländern Osteuropas. 

Polen 

Die Weihnachtszeit beginnt in Polen mit dem ersten Advent. Dies ist auch der Beginn der Fastenzeit, die erst am Heiligen Abend mit der Wigilia endet. Wigilia (von vigilare – wachen) wird in Polen das Weihnachtsessen genannt, das aus 12 Gerichten besteht. Es beginnt erst, wenn der erste Stern (Gwiazdka) am Himmel aufgetaucht ist. Dies ist gegen 17 Uhr der Fall. Gwiazdka heißt wörtlich der kleine Stern und bezieht sich auf den Stern von Bethlehem. Gwiazdka bringt in Polen auch die Geschenke. 

Beim Weihnachtsessen wird traditionell ein Gedeck mehr aufgelegt als benötigt. Mit diesem Brauch wird zum einen der Verstorbenen gedacht, zum anderen ist es auch ein Zeichen der Gastfreundschaft, für den Fall, dass unerwarteter Besuch kommt. Gleichzeitig wird dadurch an die Weihnachtsgeschichte und die Herbergssuche von Josef und Maria erinnert. Ein polnisches Sprichwort lautet: „Gość w domu, Bόg w domu“ („Ist ein Gast im Haus, so ist Gott im Haus“). 

Bei jedem Gedeck liegt eine Oblate (Oplatek), die meist mit einem Heiligenbild verziert ist. Vor Beginn des Weihnachtsessens geht jeder mit seiner Oblate herum und gibt den anderen jeweils ein Stück davon ab. Das Brechen der Weihnachtsoblate geht zurück auf die christliche Tradition des Brotbrechens. Dabei wünscht man sich gegenseitig viel Glück für das nächste Jahr. Auf dem Land bekommen auch die Nutztiere etwas von der Oblate, denn die Legende besagt, dass die Tiere in der Weihnachtsnacht mit menschlicher Stimme sprechen können, jedoch nur Menschen, die reinen Herzens sind, könnten diese auch hören. 

Das Weihnachtsessen besteht in Polen aus zwölf Gerichten – in Erinnerung an die zwölf Apostel. Am Heiligen Abend werden nur vegetarische Speisen und Fisch (Rollmops, Hering oder Karpfen) serviert. Außerdem gibt es Barszcz (Borschtsch, Rote-Bete-Suppe) mit Uszka (Ravioli), Pierogi (Teigtaschen) mit Sauerkraut und Pilzen, eine Weihnachtspastete und Chalka (Hefezopf) mit Kompott aus Trockenobst, gekochte Kartoffeln, Rotkohl mit Trockenobst, Sauerkraut mit getrockneten Pilzen und diverse Desserts. 

Nach dem Weihnachtsessen werden Weihnachtslieder (kolędy) gesungen und die Geschenke ausgepackt. Anschließend gehen die Familien zur Mitternachtsmesse (Pasterka). 

Der Weihnachtsbaum wurde in Polen im 19. Jahrhundert eingeführt. Manche Familien legen etwas Heu unter das Tischtuch oder in die vier Ecken des Zimmers, um an die Geburt Christi im Stall zu erinnern. Bisweilen werden auch Geldmünzen unter die Tischdecke oder unter die Teller gelegt, um die Familienmitglieder vor Armut zu schützen. Auch die Polen verstecken gern eine Nuss in einem Kuchen. Wer die Nuss in seinem Stück findet, wird ein gutes neues Jahr haben.   

Auf dem Land ziehen kostümierte Sternsinger von Haus zu Haus und stellen Bibelszenen dar. Dafür bekommen sie Süßigkeiten oder etwas Geld. Nach dem Volksglauben hat der Verlauf der Wigilia einen Einfluss auf das kommende Jahr. Daher bemühen sich die Polen, an diesem Fest Streit zu vermeiden und sich versöhnlich zu begegnen. 

Ungarn  

In Ungarn wird am 13. Dezember der Luca-Tag (Luca napja) – ähnlich dem Lucia-Fest in Schweden – gefeiert. In ländlichen Regionen wurde früher an diesem Tag mit dem Bau eines Luca-Stuhles (Luca széke) begonnen, der dann genau zu Heiligabend fertig wurde. 

An Heiligabend (Szenteste) wird in Ungarn traditionell Fischsuppe aus Karpfen gegessen. Der zweite Gang besteht aus gebratenem Fisch. Zu Weihnachten (Karácsony), vor allem am ersten Weihnachtstag, wird traditionell gefülltes Kraut gegessen. Auch in Ungarn wird ein Christbaum aufgestellt. Eine ungarische Spezialität ist das sogenannte szaloncukor (Salonzuckerl), das als Baumbehang verwendet wird. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein in Seide gewickeltes Zuckerstück, heute sind es mit Schokolade überzogene Weihnachtsbonbons. In Ungarn bringt das Christkind (Jézuska) die Geschenke. Zur Zeit des Kommunismus wurde versucht, Jézuska durch Télapó zu ersetzen, der am 6. Dezember auch an die Stelle des Nikolaus (Mikulás) trat.   

In der Weihnachtszeit gehen die Kinder zu Familien und führen ein Krippenspiel auf, das in Ungarn betlehemezés (Betlehemspiel) genannt wird. 

Tschechien 

Auch in Tschechien finden das Weihnachtsessen und die Bescherung am Heiligen Abend statt. Daher heißt Heiligabend auf Tschechisch auch Štědrý večer, bzw. dem Štědrý den (der Großzügige Abend, der Reichliche Tag). Das Christkind, Ježíšek, bringt die Geschenke. Vor dem Weihnachtsmahl wird in Tschechien gefastet. Es wird gesagt, dass man am Abend ein goldenes Schweinchen (ein traditionelles Glückssymbol), Zlaté prasátko, sehen kann, wenn man den ganzen Tag nichts gegessen hat. Zu den volkstümlichen Traditionen gehört auch das Bleigießen. Außerdem werfen die Mädchen ihre Schuhe über die Schultern; wenn die Schuhspitze zur Tür zeigt, steht eine Heirat bevor. 

Das traditionelle Festessen besteht in Tschechien aus Weihnachtskarpfen mit Kartoffelsalat.   

Slowakei 

Am 4. Dezember feiern die Slowaken den Barbaratag. An diesem Tag stellen die jungen Mädchen Kirschzweige ins Wasser. Blühen die Zweige an Heiligabend, verheißt das Liebesglück im kommenden Jahr. Am 12. Dezember gehen Frauen von Haus zu Haus und erschrecken Männer.

An Heiligabend bringt das Christkind, Ježiško, die Geschenke. Das Weihnachtsessen beginnt bei Einbruch der Dunkelheit. In der Regel wird Pilzsuppe, Fisch, Sauerkraut und Gebäck serviert. Anschließend besuchen die Familien die Mitternachtsmesse. Am 25. Dezember wird im Familienkreis, am 26. Dezember im Freundes- und Bekanntenkreis gefeiert. 

Slowenien 

In Slowenien ist die Weihnachtszeit besonders lang: Sie beginnt schon am 13. November mit einem Festessen, das die sechswöchige weihnachtliche Fastenzeit einläutet, und endet erst am 2. Februar. Die Weihnachtskrippe (Jaslice) bleibt die ganze Zeit über im Mittelpunkt der Wohnung stehen. In Slowenien steht am Heiligabend nur der Besuch der Mitternachtsmesse an. Das Weihnachtsessen und die Bescherung finden am 25. Dezember statt. Besuch ist an diesem Tag nicht angesagt, denn Gäste am ersten Weihnachtstag verheißen ein unglückliches neues Jahr. 

Zu einem typischen Festmahl gehört in Slowenien das Weihnachtsbrot, ein aus Roggen, Buchweizen und Weizen gebackenes Brot, dem magische Kräfte zugeschrieben werden. 

In religiösen Familien ist es üblich, das Haus dreimal zu segnen: an Heiligabend, an Silvester und am Dreikönigstag. Die Weihnachtszeit endet in Slowenien erst mit dem Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar. 

Weihnachtslieder aus Osteuropa 

Bóg się rodzi (Polnische Weihnachtshymne) 

In Polen werden in der Mitternachtsmesse am Heiligen Abend viele Weihnachtslieder, darunter die polnische Weihnachtshymne Bóg się rodzi (Christus ist geboren), gesungen. Der Liedtext wurde 1792 von Franciszek Karpiński  verfasst. Der Komponist ist unbekannt. Auf YouTube findet man mehrere Versionen der feierlichen Weihnachtshymne:   

https://www.youtube.com/watch?v=vA7WGw5SSfM

https://www.youtube.com/watch?v=ke2Kz8pvdaI          

Lulei ze jezuniu 

Lulajże, Jezuniu ist ein polnisches Weihnachtslied aus dem 17. Jahrhundert. Die älteste erhaltene polnische Version befindet sich im Erzbischöflichen Archiv in Posen. Von dem Lied gibt es verschiedene deutsche Übersetzungen.

Lulajże, Jezuniu, Noten
Lulajże, Jezuniu: Liederprojekt, Benefizprojekt für das Singen mit Kindern (kostenlos), CARUS Verlag

Das Liederprojekt des CARUS-Verlages ist ein kostenloses Benefizprojekt, um das Singen mit Kindern zu fördern. Auf der Website des CARUS-Verlages findet sich zum Liederprojekt folgener Text:

„Auf www.liederprojekt.org bietet das LIEDERPROJEKT ein umfangreiches, kostenloses Liedarchiv an. Nahezu alle Lieder des Projekts mit Noten und Strophen, Instrumentalfassungen und gesungenen Fassungen sowie über 170 Podcasts mit ausführlichen Hintergrundinformationen, sind hier kostenlos verfügbar. Lassen Sie sich inspirieren und singen Sie mit!“

Von dem Lied Lulei ze jezuniu gibt es ein paar gute Aufnahmen auf YouTube, einmal in einer Interpretation mit dem Warschauer Philharmonischen Chor und Orchester, dann in einer Chorfassung mit polnischen und englischen Untertiteln, und schließlich in einer Version mit den drei Tenören:     

https://www.youtube.com/watch?v=tPc20BS3hC8        

https://www.youtube.com/watch?v=y6umHA47qs4      

https://www.youtube.com/watch?v=0dBaSvuznmU       

Ungarn: Mennyböl az Angyar 

Traditionelle ungarische Weihnachtslieder sind Kis karácsony, nagy karácsony (Kleine Weihnachten und große Weihnachten) und Mennyből az angyal (Engel aus dem Himmel). Letzteres wollen wir im heutigen Adventskalender vorstellen. Aus verlagsrechtlichen Gründen wollen wir uns hier auf die Gesangsstimme beschränken. 

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)

Engel aus dem Himmel (ungarisch)
Mennyből az angyal – Engel aus dem Himmel, Gesangsstimme (Ausschnitt) 

Eine vollständige Bearbeitung des Liedes, mit Klavierbegleitung und Akkordbezifferungen, ist im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt von Kurt Pahlen, Edition Hug 11582, enthalten.

Von dem Lied Mennyböl az Angyar gibt es auf YouTube zwei gute Aufnahmen, einmal mit einem ungarischen Kinderchor und eine Version mit der ungarischen Opernsängerin Erika Miklósa:

https://www.youtube.com/watch?v=RhMHXOgVLmQ

https://www.youtube.com/watch?v=SG-QAXGFa_Y      

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

https://de.wikipedia.org/wiki/Wigilia      

http://www.urlaub-ungarn.at/kultur/weihnachten-in-ungarn.html      

http://www.tschechien-online.org/basisinfo/weihnachten-tschechien      

http://www.myczechrepublic.com/de/tschechische-kultur/feiertage-traditionen/weihnachten-tschechien.html

http://slovakia.travel/de/weihnachten-24-26-dezember          

http://www.bookanddrink.com/weihnachten/weltweit/slowakei.htm 

http://www.ich-will-weihnachten.de/weihnachten-weltweit/weihnachten-in-slowenien/

http://www.bookanddrink.com/weihnachten/weltweit/slowenien.htm                        

Eine Auswahl an fremdspachigen Weihnachtsliedern ist auf der folgenden Website zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_fremdsprachiger_Weihnachtslieder#Russisch     

Weitere Weihnachtslieder aus Osteuropa sind im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus aller Welt von Kurt Pahlen, Hug & Co. Zürich, Edition Hug 11582, enthalten. 

Notenquellen:        

Lulajże, Jezuniu: Liederprojekt, Benefizprojekt für das Singen mit Kindern, CARUS Verlag

http://liederprojekt.org/lied39164.html 

Mennyből az angyal: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co. Zürich, Edition Hug 11582, Seite 134-135.  

Bildquellen: 

Ein Tisch, der für eine traditionelle Wigilia gedeckt wurde, von Przykuta, 24.12.2006, Wikimedia Commons, license CC BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AWigilia_potrawy_554.jpg

By Przykuta (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0)], via Wikimedia Commons

Weihnachtsbräuche aus Lateinamerika | Adventskalender

Piñata in Mexiko
Piñata, Wikimedia Commons, Public Domain, von Jediknight 1970, 18.12.2006

Der musikalische Adventskalender

19. Dezember 2016 

Weihnachtsbräuche aus Lateinamerika

Der musikalische Adventskalender stellt heute Weihnachtsbräuche und Weihnachtslieder (Villancicos) aus Lateinamerika vor.

Nachem wir uns am 17. Dezember mit afroamerikansichen und angloamerikanischen Spirituals befasst haben, geht es heute um lateinamerikanische Weihnachtsbräuche. Da der musikalische Adventskalender am 7. Dezember bereits in Argentinien zu Gast war, steht heute vor allem Mittelamerika im Fokus.

In Lateinamerika findet das Weihnachtsfest in der Regel bei sommerlichen Temperaturen statt. Die Weihnachtsbräuche sind weniger besinnlich als in Europa, sondern eher ausgelassen und fröhlich. 

Die Weihnachtskrippe (el nacimiento, el belén oder el pesebre) spielt in den Ländern Mittel- und Südamerikas eine bedeutende Rolle. In manchen Städten gibt es sogar Krippenwettbewerbe.

Mexiko: Posadas

In Mexiko, Lateinamerika und im Südwesten der USA werden an insgesamt neun Tagen vor Weihnachten die sogenannten Posadas (vom spanischen Wort posada, das Gasthaus, die Herberge) gefeiert. Jeder dieser neun Tage bedeutet einen Monat der Schwangerschaft Marias. Die Posadas symbolisieren die Suche Marias und Josephs nach einer Herberge auf ihrem Weg von Nazareth nach Bethlehem. Die letzte Posada findet am Heiligabend, dem Tag der Geburt Jesu Christi, statt.

Die Posadas sind ein alter Brauch, welcher von den Augustiner-Mönchen in Südamerika eingeführt wurde, um die Atzteken zum Christentum zu bekehren. Zu diesem Zwecke wurden die Sitten der Atzteken übernommen und an das Christentum angepasst. Die erste Posada fand im Kloster von Alcolman statt. (Das Kloster liegt im Nordosten von Mexico-Stadt.) Die Posadas werden nicht nur von römisch-katholischen, sondern auch von evangelisch-lutherischen Christen gefeiert. Auch in Guatemala, Kolumbien und El Savador sind sie Tradition.

Piñata & Ponche

Piñatas sind in Mexiko der Inbegriff einer Fiesta. Piñatas sind bunt gestaltete Figuren (meist aus Pappmaché), die mit Süßigkeiten und Früchten gefüllt werden. Sie sind in Lateinamerika, vor allem in Mexiko, zur Weihnachtszeit sehr beliebt. Eine Piñata ist ein lustiges Spiel: Ähnlich wie beim „Topfschlagen“, so schlagen auch hier die Kinder mit einem Stock und verbundenen Augen auf die von der Decke herabhängende Piñata ein. Wird diese getroffen und zerbricht, regnet es Überraschungen. Um das Spiel noch lustiger und spannender zu machen, wird das Seil mit der Piñata manchmal auch hoch und runter gezogen. Um dem Kind zu helfen, die Piñata zu finden und zu treffen, wird ein Lied gesungen:

Spanischer Text

Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Mide la distancia
Que hay en el camino
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Dale, dale, dale
Dale y no le dio
Quítenle el palo
Porque sigo yo

Sinngemäße Übersetzung

Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel (wörtl. Treffsicherheit)
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel
Miss die Entfernung
Die noch vor dir liegt
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Er/sie schlägt und hat nicht getroffen
Nimm ihm/ihr den Stock weg
Denn jetzt bin ich dran

Die traditionelle Piñata ist eine Figur mit sieben kegelförmigen Spitzen, welche die sieben Todsünden symbolisieren. Der Stock, auch Piñatabuster genannt, steht symbolisch für die von Gott gegebene Kraft, das Böse zu bekämpfen, die verbundenen Augen für den Glauben. Die nach dem Zerschlagen herabfallenden Früchte und Süßigkeiten symbolisieren den Segen für die Teilnehmer des Spiels. Neben der religiösen Symbolik dienen die Piñatas aber vor allem dem Spaß. Auch die Formen der Piñatas haben sich inzwischen verändert: Manche Piñatas werden sogar als Politiker dargestellt; auf diese wird dann besonders gern draufgehauen!

Während der Posadas werden Buñuelos (süße Krapfen) gegessen. Dazu wird Ponche, eine Art Punsch mit typisch mexikanischen Früchten, getrunken. Am Heiligen Abend werden zum Abendessen Truthahn, Kabeljau und andere Spezialitäten serviert. Um Mitternacht wird das Jesuskind symbolisch in die Krippe gelegt. Erst dann werden die Geschenke geöffnet.

In Mexiko werden die Geschenke erst am 6. Januar gebracht. Die Kinder stellen am Vorabend ihre Schuhe ans Fenster, damit diese mit Geschenken gefüllt werden.

In El Salvador wird auf den Straßen ein Feuerwerk veranstaltet. In Guatemala setzen die Menschen eine Purtina, einen ausgefallenen Hut, auf und tanzen dann gemeinsam einen Reigen.

In Venezuela ziehen zu Weihnachten Musikgruppen, die Alguinaldos, von Haus zu Haus und musizieren für die Bewohner. Am 24. Dezember wird Weihnachten gefeiert und Hallaca (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen aus Maismehl und Hühnerbrühe) gegessen. Nach dem Abendessen packen die Kinder ihre Geschenke aus. Nach der Mitternachtsmesse wird oft noch bis zum frühen Morgen gefeiert.

In Kolumbien werden die Weihnachtsgeschenke von El Niño Jesus oder El Niño Dios (Jesuskind) gebracht.

In Ecuador beginnen die vorweihnachtlichen Feste bereits am 6. Dezember. Ähnlich den Posadas in Mexiko, so wird auch in Ecuador vom 15. – 24. Dezember die Weihnachts-Novene gefeiert. In den Kirchen werden dem Jesuskind zu Ehren Gedichte und Lieder vorgetragen. Auch Weihnachtskrippen spielen eine wichtige Rolle. In Quito gibt es sogar einen Krippenwettbewerb. Am 24. Dezember treffen sich die Familien zum Festmahl.

In Peru heißt das Weihnachtsfest Pascuas. Nur der 25. Dezember ist ein Feiertag. In der Nacht zum 25. Dezember kommt das Christkind und bringt den Kindern die Geschenke ans Bett. Weihnachtskrippen nehmen in Peru eine besonders wichtige Stellung ein. Nach einer Jahrhunderte alten Tradition werden die Krippenfiguren in Peru noch in Handarbeit geschnitzt. Wie in Mexiko, so finden auch in Peru Prozessionen statt, bei denen die biblischen Figuren mitgetragen werden.

In Bolivien wird am 24. Dezember Weihnachten gefeiert. Vor dem Besuch der Mitternachtsmesse stellen die Kinder ihre Schuhe bereit, in die sie ihre Wunschzettel hineinlegen. Das Weihnachtsessen steht erst spät in der Nacht auf dem Programm. Am Morgen des 25. Dezember findet die Bescherung statt.

In Brasilien sind die weihnachtlichen Traditionen ähnlich wie in Europa und Nordamerika. Auch der Weihnachtsbaum und das Verschicken von Weihnachtskarten sind in Brasilien üblich. Weihnachtsbeleuchtung und Krippen spielen ebenfalls eine Rolle. Trotz des warmen Winters wird winterlich dekoriert. Der Weihnachtsmann wird auf Portugiesisch Papai Noel genannt. Der Heilige Abend ist in Brasilien der wichtigste Tag. Um Mitternacht wird in den Kirchen die Missa do Galo (Messe des Hahnes) gefeiert.

In Paraguay bringen die Heiligen drei Könige den Kindern die Geschenke am 6. Januar.

In Chile ist der Überbringer der Geschenke ein Viejo Pasquero (ein alter Hirte).

In Argentinien werden die Geschenke erst am 6. Januar gebracht. Die Kinder am Vorabend ihre Schuhe unter das Bett, damit diese von den drei Weisen mit Süßigkeiten gefüllt werden.

Villancicos aus Lateinamerika 

In der Weihnachtszeit werden in Lateinamerika die sogenannten Villancicos gesungen. Der Begriff Villancico wird im allgemeinen Sprachgebrauch für ein Weihnachtslied in spanischer Sprache gebraucht. Villancicos waren ursprünglich mittelalterliche weltliche Tanzlieder, die vom einfachen Volk (den villanos) gesungen wurden. Im 13. Jahrhundert wurden sie zu bestimmten Festen gesungen. Durch den Einfluss der Kirche entstanden später auch geistliche Villancicos. Eine bedeutende Sammlung von Villancicos erschien 1582 in lateinischer Sprache unter dem Titel piae cantiones. Die weihnachtlichen Villancicos thematisieren die Herbergssuche, die Krippe und den Aufruf an die Hirten, zur Krippe zu kommen.

Die hier vorgestellten Villancicos stammen aus Mexiko, Venezuela, Kolumbien bzw. Mittelamerika und Argentinien. Von dem Lied Venid pastorcillos gibt es verschiedene Fassungen, von denen eine aus Kolumbien stammt. Bei der unten angegebenen Version ist allerdings nur Mittelamerika angegeben.

Auch wenn es sich in der Regel um gemeinfreie Werke handelt, wird hier aus verlagsrechtlichen Gründen nur ein Ausschnitt der Gesangsstimme wiedergegeben. Die vollständigen Liedbearbeitungen mit Klavierbegleitung und Akkordbezifferung sind im Band Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt von Kurt Pahlen, Edition Hug 11582 enthalten.

Canción para Pedir Posada (aus Mexiko)

Während der Posadas machen die Kinder in Mexiko Paraden durch ihre Städte. Die Erwachsenen tragen Kerzen und gehen hinter den Kindern her. Die Parade wird von einem Kind angeführt, das als Engel verkleidet ist. Ein kleines Mädchen stellt die Maria dar, ein kleiner Junge den Joseph, und drei weitere spielen die drei Weisen aus dem Morgenland. Sie folgen dem Engel. Die anderen Kinder folgen, verkleidet als Hirten. Die Prozession geht von „Gaststätte“ zu „Gaststätte“ und bittet um eine Herberge. Sie gehen wirklich von Haus zu Haus und singen dabei ein Lied, das Villancico para pedir posada genannt wird. Die Leute in dem Haus singen zurück, dass in ihrem Gasthaus kein Platz sei. Endlich sagt ihnen ein Gast, dass sie im Stall bleiben können. In diesem letzten Haus sind die Türen für alle offen, und eine große Party beginnt! Jeder betet, isst, trinkt und ist glücklich! Eine sternförmige Piñata, die den Stern von Bethlehem darstellt, ist ein wichtiger Teil der Party.

En el nombre del cielo (aus Mexiko) 

Spanischer Text Sinngemäße Übersetzung
Villancico para pedir posada

Los Peregrinos…
En el nombre del cielo,
yo os pido posada,
pues no puede andar,
mi esposa amada.

Los Hosteleros… 
Aquí no es mesón,
sigan adelante,
no les puedo abrir,
no vaya a ser un tunante.

Los Peregrinos…
No sean inhumanos
Dennos caridad
Que el dios de los cielos
Se lo premiará.

Los Hosteleros… 
Ya se pueden ir,
y no molestar
Porque si me enfado
Los voy a apalear.

Los Peregrinos…
Venimos rendidos
Desde Nazaret
Yo soy carpintero
De nombre José.

Los Hosteleros… 
No me importa el nombre
Déjenme dormir
Pues que yo les digo
Que no hemos de abrir.

Los Peregrinos…
Posada te pide,
amado casero,
por sólo una noche,
la Reina del Cielo.

Los Hosteleros… 
Pues si es una reina,
quien lo solicita,
¿cómo es que de noche
anda tan solita?

Los Peregrinos…
Mi esposa es María
es Reina del Cielo
Y madre va a ser
Del divino verbo

Los Hosteleros… 
¿Eres tú José?
¿Tu esposa es María?
Entren peregrinos
No los conocía.

Los Peregrinos…
Dios pague señores
Vuestra caridad
Y os colme el cielo
De felicidad.

TODOS…
Dichosa la casa
Que abriga este día
A la virgen pura
La hermosa María.
Entren Santos Peregrinos,
Reciban este rincón,
que aunque es pobre la morada,
os la doy de corazón.

Lied zur Herbergssuche

Die Pilger…
Im Namen des Himmels
bitte ich euch um Unterkunft
weil meine geliebte Frau
nicht weiter laufen kann.

Die Gastwirte…
Dies ist keine Pension
geht weiter
ich kann nicht öffnen,
du könntest ein Gauner sein.

Die Pilger…
Seid nicht unmenschlich,
gebt uns Nächstenliebe,
der Gott im Himmel
wird dich belohnen.

Die Gastwirte…
Ihr könnt jetzt gehen
und uns nicht belästigen,
denn wenn ich böse werde
werde ich euch schlagen.

Die Pilger…
Wir kommen erschöpft
aus Nazareth,
ich bin ein Zimmermann
und heiße Josef.

Die Gastwirte…
Dein Name ist mir egal,
lasst mich schlafen,
ich sage es euch doch,
dass wir nicht öffnen müssen.

Die Pilger…
Ich bitte dich um Unterkunft,
teurer Hausbesitzer,
nur für eine Nacht,
die Königin des Himmels.

Die Gastwirte…
Nun, wenn sie eine Königin ist
wer verlangt das,
wie kann es sein, dass sie
in der Nacht so einsam reist?

Die Pilger…
Meine Ehefrau ist Maria
die Königin des Himmels
und sie wird Mutter sein
von Gottes Wort.

Die Gastwirte…
Bist du Josef?
Deine Frau ist Maria?
Kommt herein, Pilgernde,
ich habe euch nicht erkannt.

Die Pilger…
Gott belohne euch, ihr Herren,
für eure Wohltätigkeit
und der Himmel erfülle euch
mit Glückseligkeit.

ALLE…
Selig sei das Heim
das diesen Tag schützt,
die reine Jungfrau,
die schöne Maria.
Tretet ein, heilige Pilger,
empfanget diese Ecke,
auch wenn die Wohnung klein ist,
gebe ich sie euch von Herzen.

Quelle: Wikipedia (Posadas) und Mamma Lisa’s World (Posadas).
Deutsche Übersetzung: Wikipedia, überarbeitet von Sylvia Kreye.

Auf YouTube gibt es ein paar gute Aufnahmen dieses mexikanischen Posada-Brauchs:

https://www.youtube.com/watch?v=EoycrXKpnr0

https://www.youtube.com/watch?v=1I0EQYcCU0o

 

Adorar al niño (aus Venezuela)        

Adorar al nino, Noten (1)

Adorar al nino, Noten (2)

Adorar al nino, Noten (3)
Adorar al nino, Villancico aus Venezuela, Gesangsstimme (Ausschnitt), gemeinfreies Werk

 

Venid pastorcillos (aus Mittelamerika – Kolumbien?)       

Venid pastorcillos (1)

Venid pastorcillos (2)
Venid pastorcillos, Villancico aus Mittelamerika, Gesangsstimme (Ausschnitt), gemeinfreies Werk

 

Vamos pastorcillos (aus Argentinien)

Vamos pastorcillos (1)

Vamos pastorcillos (2)
Vamos pastorcillos, Villancico aus Argentinien, Gesangsstimme (Ausschnitt), gemeinfreies Werk

 

Feliz Navidad (José Feliciano)

Natürlich gibt es auch moderne Weihnachtslieder aus Lateinamerika, wie etwa der im Latino-Rhythmus komponierte Song Feliz Navidad. Das Lied wurde 1970 von dem puertoricanischen Sänger und Gitarristen José Feliciano geschrieben. Die Musik ist eingängig, der Text – eine Mischung aus Spanisch und Englisch – ist einfach:

Feliz Navidad, próspero año y felicidad.
I wanna wish you a Merry Christmas, from the bottom of my heart. 

Frohe Weihnachten, ein erfolgreiches Jahr und Glück.
Ich wünsche dir/euch eine frohe Weihnacht, von ganzem Herzen.

Nach Angaben der ASCAP (American Societey of Composers, Authors and Publishers) belegt Feliz Navidad Platz 15 auf der Liste der 25 beliebtesten Weihnachtslieder der USA.

Aus urheberrechtlichen Gründen kann die Melodie hier leider nicht abgedruckt werden. 

Den Text zu Feliz Navidad findet man auf YouTube unter:

https://www.youtube.com/watch?v=rOPZoX6ZSnE

Vom Weihnachtslied Feliz Navidad gibt es auch eine Aufnahme mit den drei Tenören Placido Domingo, José Carreras und Luciano Pavarotti:

https://www.youtube.com/watch?v=-mGuEkN62M0

Weihnachtslieder in spanischer Sprache:  

Eine reiche Auswahl an Texten zu spanischen und lateinamerikanischen Weihnachtsliedern ist auf den folgenden Websites zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_fremdsprachiger_Weihnachtslieder

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit

https://de.wikipedia.org/wiki/Las_posadas

http://www.mamalisa.com/?t=es&p=2111&c=50

http://www.lehrerweb.at/materials/gs/su/gemeinschaft/print/weihnachten/weihnacht_in_and_laendern.pdf

http://news4kids.at/spezial-38/spezial/article/weihnachten-in-sudamerika

http://latina-press.com/news/138337-ecuador-weihnachten-und-sylvester-in-quito/ 

http://meine-lateinamerika-reisen.com/weihnachten-in-mexiko/

https://de.wikipedia.org/wiki/Feliz_Navidad

https://www.heilpaedagogik-info.de/weihnachtslieder/759-feliz-navidad-merry-christmas.html

Notenquellen:

En el nombre del cielo: Mama Lisa’s World, http://www.mamalisa.com/?t=es&p=2111&c=50 

Adorar al niño: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 57.

Venid pastorcillos: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 63. 

Vamos pastorcillos: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 64. 

Feliz Navidad (Probepartitur, Ausschnitt):

http://www.arrangement-verlag.de/pdf/pg488.pdf 

Bildquellen:

Piñata, Wikimedia Commons, Public Domain, von Jediknight 1970,  18.12.2006

https://de.wikipedia.org/wiki/Piñata#/media/File:PI%C3%91ATA.jpg

No machine-readable author provided. JEDIKNIGHT1970 assumed (based on copyright claims).

 

Weihnachtliche Ohrwürmer aus Amerika | Adventskalender

Weihnachten in Dublin, Kalifornien
Christmas in Dublin, CA, von V Smoothe, 13.12.2008, Wikimedia Commons, license CC BY 2.0

Der musikalische Adventskalender

18. Dezember 2016 

Weihnachtliche Ohrwürmer aus Amerika

Der musikalische Adventskalender verweilt heute noch in Amerika und präsentiert zwei weihnachtliche Ohrwürmer aus den USA. 

Das Thema des musikalischen Adventskalenders vom 17. Dezember war das Negro Spiritual bzw. das afroamerikanische Spiritual (im Unterschied zum Spiritual Song oder dem angloamerikanischen Spiritual  der weißen Bevölkerung).

Im musikalischen Adventskalender von heute geht es etwas säkularer und kommerzieller zu. Wie bereits im Beitrag vom 17. Dezember erwähnt, wurden die christlichen Weihnachtsbräuche in den Vereinigten Staaten auch mitgeprägt durch alte Bräuche aus vorchristlicher Zeit. Dies hat auch einen Einfluss auf den Kommerz und das Kaufverhalten der US-Bürger. Das Weihnachtsfest wurde im Laufe der Jahre immer mehr säkularisiert und kommerzialisiert. 

Besonders in den USA schmücken die Menschen ihre Häuser und Gärten sehr aufwändig mit Lichterketten und Weihnachtsbäumen. An manchen Orten ist das aufwändige und üppige Dekorieren der Häuser und Gärten direkt zu einem ehrgeizigen Wettbewerb ausgeartet. 

Santa Claus, der Überbringer der Geschenke, ist in den USA überall gegenwärtig. Aber auch das Jesuskind, die drei Heiligen Könige und andere Objekte wie das Rentier, Elfen, Tannenbäume, Stechpalme, Lichterketten und Christbaumschmuck in allen möglichen Farben und Formen finden sich in den Auslagen der Kaufhäuser. 

In dieses Ambiente eines säkularisierten und kommerzialisierten Weihnachtsfestes passen zwei Ohrwürmer, die aufgrund ihrer Einprägsamkeit und Popularität jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit zu Kassenschlagern avancieren.  

Jingle Bells 

Jingle Bells (etwa Klimpert, (ihr) Schellen, in Anspielung auf die Schellen am Pferdegeschirr) ist – im Gegensatz zum oben erwähnten Negro Spiritual – kein Weihnachtslied, da es säkularen Inhalts ist und der Text überhaupt keinen Bezug zum Weihnachtsfest hat. Jingle Bells ist vielmehr ein Winterlied, das von einem Pferdeschlittenrennen handelt. Das Lied wurde zwischen 1850 und 1857 vom amerikanischen Komponisten James Lord Pierpont (1822 – 1893) unter dem Titel The One Horse Open Sleigh (Der offene einspännige Pferdeschlitten) komponiert. Es wurde 1857 bei Oliver Ditson & Co. (Boston) erstmals veröffentlicht. 1859 wurde das Lied erneut veröffentlicht, diesmal unter dem Titel Jingle Bells, or The One Horse Open Sleigh.  

Es ist nicht ganz geklärt, wo genau das Lied komponiert wurde. Als Orte kommen Medford (Massachusetts) und Savannah (Georgia) in Frage. Beide Orte beanspruchen für sich, der Ort der Entstehung zu sein, und in beiden Orten befindet sich jeweils eine Gedenktafel mit dem Hinweis auf die Entstehung der Komposition. 

Nach Angaben der Medford Historical Society war das Lied inspiriert worden durch die Schlittenrennen, welche im 19. Jahrhundert auf der Salem Street zwischen Medford und dem Malden Square stattfanden. 

Im Jahre 1851 besuchte James Pierpont Mrs. Otis Watermann in Medford. Otis Watermann war die Besitzerin der Pension Seccomb Boardinghouse, der späteren Simpson-Taverne. Als Pierpont ihr das Lied auf dem Klavier vorspielte, bezeichnete Otis Watermann das Lied als „very merry little jingle“, was den Komponisten zu dem späteren Titel angeregt haben soll. 

Da das Urheberrecht auf Jingle Bells im Jahre 1857 vergeben wurde, bestehen hinsichtlich der Entstehung in Medford Zweifel, denn zu jenem Zeitpunkt wirkte James Pierpont bereits als Organist und Chorleiter an der unitarischen Kirche in Savannah, an der sein älterer Bruder John Pierpont als Pastor tätig war. Kurz vor der Vergabe des Urheberrechts hatte James Pierpont die Tochter des Bürgermeisters von Savannah, Eliza Jane Purse, geheiratet.  

1985 erklärte John Rousakis, der Bürgermeister der Stadt Savannah, das Lied zu einem „Savannah Song“ und errichtete eine Gedenktafel gegenüber der Kirche. Daraufhin entspann sich zwischen Rousakis und Michael McGlynn, dem Bürgermeister von Medford, ein unerfreulicher Briefwechsel. Beide Orte haben nun eine Gedenktafel, die sie als Entstehungsort ausweist.

Jingle Bells
J. L. Pierpont, Jingle Bells, Refrain, Public Domain, Cantorion. Original publication: published in Medford, Massachusetts, as „One horse open sleigh“

Englischer Originaltext 

Dashing through the snow in a one-horse open sleigh,

O’er the fields [hills] we go, laughing all the way.

Bells on bobtail ring, making spirits bright,

What fun it is [Oh what sport] to ride and sing a sleighing song tonight.

|:Jingle bells, jingle bells, jingle all the way.

O, what fun [joy] it is to ride in a one-horse open sleigh.:|

A day or two ago I thought I’d take a ride,

And soon Miss Fannie Bright was seated by my side.

The horse was lean and lank, misfortune seemed his lot,

He got into a drifted bank and we [we, we] got upsot.

|:Refrain:|

A day or two ago, The story I must tell

I went out on the snow, And on my back I fell;

A gent was riding by In a one-horse open sleigh,

He laughed as there I sprawling lay, But quickly drove away.

|:Refrain:|

Now the ground is white, go it while you’re young,

Take the girls tonight and sing this sleighing song.

Just get a bobtailed bay, two-forty for his speed,

Then hitch him to an open sleigh, and crack! You’ll take the lead.

|:Refrain:| 

Wörtliche Übersetzung

Wir rasen durch den Schnee, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten,

über die Felder [Hügel] hinweg, lachen den ganzen Weg.

Glöckchen klingen am kupierten Pferdeschweif, schaffen eine fröhliche Stimmung

Was für eine Freude ist es, zu fahren und zu singen ein Schlittenfahrlied heut’ Abend.

|:Klimpert, Schellen, klimpert Schellen, klimpert den ganzen Weg.

Oh welch Freude ist es, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten zu fahren.:|

Vor ein, zwei Tagen beschloss ich, eine Ausfahrt zu machen,

Und schon bald saß Miss Fannie Bright neben mir.

Das Pferd war mager und dünn, Unglück schien sein Los,

Es geriet in eine Schneeverwehung, und wir, wir stürzten.

|:Refrain:|

Vor ein zwei Tagen, die Geschichte muss ich erzählen

Bin ich wieder in den Schnee gegangen, und fiel auf meinen Hosenboden;

Ein Herr fuhr vorbei, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten,

Er lachte, als ich der Länge nach da lag, und fuhr schnell weiter.

|:Refrain:|

Jetzt ist die Erde weiß, nutze es, solange du jung bist,

Nimm die Mädchen heute abend und sing dies Schlittenfahrlied.

Hol dir einen kupierten Braunen, der eine Meile in 2 Minuten 40 schafft,

spann ihn in einen offenen Pferdeschlitten, und lass es knallen! Du wirst in Führung gehen.

|:Refrain:| 

Die Melodie und der Text des Originals unterscheiden sich leicht von den heute gängigen Fassungen. 

Eine andere deutsche Version (Autor unbekannt) lautet: 

Wenn die Winterwinde weh’n, wenn die Tage schnell vergeh’n,

wenn im Schranke ganz geheimnisvoll, die bunten Päckchen steh’n,

dann beginnt die schöne Zeit, auf die jeder sich schon freut.

Und die Menschen seh’n so freundlich aus und singen weit und breit

Jingle bells, Jingle bells, klingt’s durch Eis und Schnee.

Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt dort von der Höh‘.

Jingle bells, Jingle bells, es ist wie ein Traum.

Bald schon brennt das Lichtlein hell bei uns am Weihnachtsbaum. 

Jingle Bells, Schild in Savannah
Schild in Savannah zur Entstehung des Liedes Jingle Bells, von Deirdre, 28.02.2007, Wikimedia Commons, Public Domain, license CC BY-SA 3.0

White Christmas 

Man kann wohl nicht über amerikanische Weihnachtslieder sprechen, ohne auf das Lied White Christmas einzugehen. Im Zuge der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes sind die beiden Lieder Jingle Bells und White Christmas zu wahren Kassenschlagern geworden. In den Wochen vor Weihnachten werden die Konsumenten mit diesen beiden Ohrwürmern derart beschallt, dass die Musik so manchem Kaufhausbesucher im wahrsten Sinne des Wortes „zu den Ohren heraus kommt“! 

Der Kassenschlager White Christmas soll wegen seiner Popularität an dieser Stelle kurz erwähnt werden. Das Lied wurde von Irving Berlin komponiert. Die 1947 veröffentlichte und von Bing Crosby gesungene Version gilt mit 50 Millionen verkauften Platten als die meistverkaufte Single aller Zeiten. Der erfolgreiche Komponist Irving Berlin konnte nicht einmal Noten lesen! Die Niederschrift seiner Werke überließ er seinem Sekretär Helmy Kresa. Diesem präsentierte Irving Berlin am 8. Januar 1940 seine neue Komposition White Christmas mit insgesamt 48 Takten. Er war damals schon der Auffassung, es handele sich bei diesem Titel „nicht nur um den besten Song, den ich jemals geschrieben habe, sondern es ist der beste Song, den jemals jemand geschrieben hat“. Auch Bing Crosby war sofort von dem neuen Song überzeugt: „Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen.“, waren damals seine Worte.  

Bing Crosby stellte den Song am 25. Dezember 1941 in seiner NBC-Radioshow erstmals der Öffentlichkeit vor. Am 29. Mai 1942 wurde der Song – neben fünf weiteren Songs – für den geplanten Film Holiday Inn (deutscher Titel: Musik, Musik) in New York City aufgenommen. In dem Film wirkte neben Bing Crosby auch noch Fred Astaire mit.

Die Single White Christmas / Let’s Start The New Year wurde im August 1942 unter dem Schallplatten-Label Decca veröffentlicht, der Film Holiday Inn kam in den Vereinigten Staaten am 4. August 1942 in die Kinos. Bereits Ende Oktober 1942 erreichte der Song die Spitze der Pop-Hitparade und hielt diese Spitzenposition 11 Wochen lang. In den folgenden Jahren kam der Titel noch 16 Mal in die Top 30. 1945 und 1947 erreichte er noch zweimal die Spitze der Charts.  

Da das Masterband aus dem Jahre 1942 durch die häufige Benutzung beschädigt worden war, musste Bing Crosby den Song am 19. März 1947 nochmals aufnehmen. Diese Version, bei welcher der Violinenpart verstärkt wurde, ist die Originalaufnahme, die bis heute – besonders vor Weihnachten – ein Kassenschlager geblieben ist. Der Film Holiday Inn erheilt 1943 den Oscar für den besten Filmsong. Nicht zuletzt aufgrund der alljährlich vor Weihnachten wiederkehrenden Plattenumsätze liegt auf White Christmas weltweit das wertvollste Song-Urheberrecht.

Aufgrund seiner großen Popularität wurde der Song White Christmas noch ein zweites Mal Grundlage für einen Film, diesmal unter dem gleichnamigen Filmtitel. Der Film White Christmas (Weiße Weihnachten) kam im Herbst 1954 in die Kinos und wurde auf Anhieb zum Kassenschlager. Wieder war Bing Crosby in der Hauptrolle, ihm zur Seite stand jedoch diesmal nicht Fred Astaire, sondern Danny Kaye. Noch im selben Jahr brachte auch Frank Sinatra eine weitere Single-Version von White Christmas heraus. Im Jahre 1957 sangen beide Künstler den Titel im Duett in Sinatras Fernsehshow auf ABC-TV. 

Nach einer Mitteilung der ASCAP (American Society of Composers, Authors and Publishers) aus dem Jahre 1998 ist White Christmas mit seinen weltweit 500 Versionen und weltweit 100 Millionen verkauften Singles das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten! Von dem Song wurden weltweit 125 Millionen Tonträger in allen Sprachen umgesetzt. Von der RIAA (Recording Industry Association of America) wurde es 2001 auf Platz 2 in die Liste der Songs of the Century aufgenommen. (Auf Platz 1, vor White Christmas, liegt der Song Over The Rainbow mit Judy Garland.)

Da die Melodie von White Christmas wohl allseits bekannt sein dürfte und außerdem noch urheberrechtlich geschützt ist, wird hier nur der Text wiedergegeben:

Englisch

The sun is shining, the grass is green,
The orange and palm trees sway.
There’s never been such a day
in Beverly Hills, L.A.
But it’s December the twenty-fourth,—
And I am longing to be up North—
 

I’m dreaming of a White Christmas
Just like the ones I used to know
Where the treetops glisten
and children listen
To hear sleigh bells in the snow.

I’m dreaming of a white Christmas
With every Christmas card I write
May your days be merry and bright
And may all your Christmases be white.

Eine Rarität ist der Ausschnitt aus dem Film White Christmas mit Bing Crosby in der Hauptrolle, der auf YouTube zu veröffentlicht ist:

https://www.youtube.com/watch?v=7S-IidmcSN8

Englischsprachige Weihnachtslieder:  

Eine reiche Auswahl an Texten zu englischen und amerikanischen Weihnachtsliedern ist auf den folgenden Websites zu finden:

http://www.santas.net/songs.htm

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs        

Quellen in deutscher Sprache:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit                

https://de.wikipedia.org/wiki/Jingle_Bells      

https://de.wikipedia.org/wiki/White_Christmas       

https://de.wikipedia.org/wiki/Songs_of_the_Century     

Quellen in englischer Sprache:

https://en.wikipedia.org/wiki/Jingle_Bells      

http://www.41051.com/xmaslyrics/whitexmas.html        

https://en.wikipedia.org/wiki/White_Christmas_(song)   

https://www.timeanddate.com/holidays/us/christmas-day      

http://www.hymnsandcarolsofchristmas.com/Hymns_and_Carols/white_christmas.htm        

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs

Weihnachtslieder in englischer Sprache:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Christmas_carols  

http://www.santas.net/songs.htm 

Notenquellen:

Jingle Bells: J. L. Pierpont, Cantorion, Public Domain (gemeinfreies Werk), Cantorion – freie Noten, Notenblätter und Konzertangebote

http://cantorionnoten.de/music/49/Jingle-Bells-Vocal-line      

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 88-90.

White Christmas: (C) 1940 & 1942 Irving Berlin Music Corp., USA. Copyright renewed Warner/Chappell Music Ltd., London W6 8BS

Bildquellen:

Christmas in Dublin, CA, von V Smoothe, 13.12.2008: These people really went all out

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChristmas_in_Dublin%2C_CA.jpg

By V Smoothe (These people really went all out) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Schild in Savannah zur Entstehung des Liedes Jingle Bells, von Deirdre, 28.02.2007, Wikimedia Commons, Public Domain, License CC BY-SA 3.0