Vom Himmel hoch | Adventskalender

Engel mit Violine & Vers von Martin Luther
Kalenderblatt (aus dem Privatarchiv von Sylvia Kreye): Engel mit Violine & Vers von Martin Luther

Der musikalische Adventskalender

22. Dezember 2016 

Vom Himmel hoch

Im Hinblick auf das bevorstehende Luther-Jahr 2017 präsentiert Lingua & Musica heute das Weihnachtslied Vom Himmel hoch, da komm’ ich her von Martin Luther.  

Martin Luther schuf zu allen christlichen Festen Lieder; insgesamt waren es über dreißig. Eines seiner Weihnachtslieder ist besonders berühmt geworden: Vom Himmel hoch, da komm’ ich her. Der Text des Liedes, den Luther im Jahre 1535 (angeblich zur Weihnachtsbescherung seiner eigenen Kinder), gedichtet hat, basiert auf dem Lukas-Evangelium (Lukas 2, 8-18). Es ist quasi die Weihnachtsgeschichte in Form eines Krippenspiels.

Zunächst unterlegte Martin Luther seinen aus 15 Strophen gedichteten Text einer weltlichen Melodie, dem Spielmannslied Ich kumm auß frembden landen her und bring euch vil der newen mär. (Es handelte sich dabei also um eine Kontrafaktur, ein Verfahren, bei dem ein bereits bestehendes Werk mit einem neuen Gesangstext unterlegt wird.)

Im Jahre 1539 komponierte er selbst eine Choralmelodie zu dem Text. Die von Luther selbst geschriebene und 1539 veröffentlichte Melodie beginnt ursprünglich mit einem Achtelauftakt, der jedoch in der Barockzeit zu einem Viertelauftakt ausgeglichen wurde. Im Evangelischen Kirchengesangbuch von 1950 wurde jedoch wieder die ursprüngliche Fassung von 1539 verwendet (EKG, Nr. 16), ebenso im Gotteslob von 1975 (Nr. 138). 

Vom Himmel hoch (von Martin Luther)

Vom Himmel hoch da komm' ich her, Melodie
Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk 
  1. Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her,
    ich bring‘ euch gute neue Mär,
    der guten Mär bring‘ ich so viel,
    davon ich sing’n und sagen will.
  1. Euch ist ein Kindlein heut’ geborn
    Von einer Jungfrau auserkorn,
    Ein Kindelein, so zart und fein,
    Das soll eu’r Freud und Wonne sein.
  1. Es ist der Herr Christ, unser Gott,
    Der will euch führn aus aller Not,
    Er will eu’r Heiland selber sein,
    Von allen Sünden machen rein.
  1. Er bringt euch alle Seligkeit,
    Die Gott der Vater hat bereit,
    Daß ihr mit uns im Himmelreich
    Sollt leben nun und ewiglich.
  1. So merket nun das Zeichen recht:
    Die Krippe, Windelein so schlecht,
    Da findet ihr das Kind gelegt,
    Das alle Welt erhält und trägt.
  1. Des laßt uns alle frölich sein
    Und mit den Hirten gehn hinein,
    Zu sehn, was Gott uns hat beschert,
    Mit seinem lieben Sohn verehrt.
  1. Merk auf, mein Herz, und sieh dorthin!
    Was liegt dort in dem Krippelein?
    Wes ist das schöne Kindelein?
    Es ist das liebe Jesulein.
  1. Sei mir willkommen, edler Gast!
    Den Sünder nicht verschmähet hast
    Und kommst ins Elend her zu mir,
    Wie soll ich immer danken dir?
  1. Ach, Herr, du Schöpfer aller Ding,
    Wie bist du worden so gering,
    Daß du da liegst auf dürrem Gras,
    Davon ein Rind und Esel aß!
  1. Und wär’ die Welt vielmal so weit,
    Von Edelstein und Gold bereit’,
    So wär sie doch dir viel zu klein,
    Zu sein ein enges Wiegelein.
  1. Der Sammet und die Seide dein,
    Das ist grob Heu und Windelein,
    Darauf du König groß und reich
    Herprangst, als wär’s dein Himmelreich.
  1. Das hat also gefallen dir,
    Die Wahrheit anzuzeigen mir:
    Wie aller Welt Macht, Ehr und Gut
    Vor dir nichts gilt, nichts hilft noch tut.
  1. Ach, mein herzliebes Jesulein,
    Mach dir ein rein, sanft Bettelein,
    Zu ruhen in meins Herzens Schrein,
    Das ich nimmer vergesse dein.
  1. Davon ich allzeit fröhlich sei,
    Zu springen, singen immer frei
    Das rechte Susaninne schon,
    Mit Herzenslust den süßen Ton.
  1. Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron,
    Der uns schenkt seinen ein’gen Sohn.
    Des freuen sich der Engel Schar
    Und singen uns solch neues Jahr. 

1541 erschien das Lied im Straßburger Gesangbuch unter dem Titel: „Kinderliede auff die Weihenachten“.

Straßburger Gesangbuch, 1541
Straßburger Gesangbuch von 1541: Vom Himmel hoch (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons. – Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kkleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB) 

1555 wurde der Text noch um eine weitere, vorangestellte Strophe von Valentin Triller, ergänzt: 

Es kam ein Engel hell und klar
von Gott aufs Feld zur Hirtenschar;
der war gar sehr von Herzen froh
und sprach zu ihnen fröhlich so:
Valentin Triller (1555)

Bearbeitungen

Christian Fürchtegott Gellert dichtete auf die Melodie im Jahre 1755 das Kirchenlied Dies ist der Tag, den Gott gemacht.

Das Lied Vom Himmel hoch wurde von zahlreichen Komponisten bearbeitet. Johann Sebastian Bach verwendete das Thema für drei Choräle seines Weihnachtsoratoriums: Ach, mein herzliebes Jesulein, Schaut hin, dort liegt im finstern Stall und Wir singen dir in deinem Heer. 

Hier sind die ersten Takte des Chorals Ach, mein herzliebes Jesulein aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach:

Bach: Ach mein herzliebes Jesulein
Johann Sebastian Bach: Ach, mein herzliebes Jesulein, aus dem Weihnachtsoratorium (Anfangstakte) 

 

Später war das Lied Vorlage für Bachs Orgelwerk Canonische Variationen über Vom Himmel hoch, das im Jahre 1748 im Druck erschien. 

Auch Felix Mendelssohn Bartholdy verwendete das Thema für seine Kantate Vom Himmel hoch.

Aufnahmen:

In einer Aufnahme auf YouTube werden zwei verschiedene Bearbeitungen, von Johann Sebastian Bach und Sebastian Sager, gegenübergestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=SqMRqf8gD9U

Ein Satz von Michael Prätorius ist ebenfalls auf YouTube zu hören:

https://www.youtube.com/watch?v=i6zI9scL_vQ 

Weiters gibt es eine Aufnahme in einer moderneren Bearbeitung mit den Wiener Sängerknaben:

https://www.youtube.com/watch?v=MFrKmyzajak

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her     

Notenquellen:

Melody of Christmas hymn Vom Himmel hoch, da komm ich her in modern notation, gemeinfreies Werk:

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her?uselang=de#/media/File:Vonhimmelhoch.jpg                

Aus dem Straßburger Gesangbuch 1541: „Kinderliede auff die Weihenachten“ (Vom Himmel hoch) (Prädikantenbibliothek Isny, Theol. 255), gemeinfreies Werk, Wikimedia Commons

Anonym – Helmut Schmid: „ain liebrey zu den büchern“. Die mittelalterliche Predigerbücherei der Nikolaikirche zu Isny (Kleinode; Bd. 7). Ravensburg 2000 (DNB)

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:Stra%C3%9Fburger_Gesangbuch_1541_Vom_Himmel_hoch_(Isny).jpg        

Druck von 1567: Luther’s Christmas hymn Vom Himmel hoch in a print from 1567, Digital Image Archive, Pitts Theology Library, Candler School of Theology, Emory University, gemeinfreies Werk

Theology Library, Candler School of Theology, Emory University

https://de.wikipedia.org/wiki/Vom_Himmel_hoch,_da_komm_ich_her#/media/File:VomHimmel00007012.jpg

Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium, Ach mein herzliebes Jesulein (Ausschnitt):

Every Note Sheet Music Download

https://everynote.com/choral.show/109810.note  

Die vollständige Ausgabe kann auf der Seite von Every Note gegen Entgelt heruntergeladen werden. 

Bildquellen:

Kalenderblatt (aus dem Privatarchiv von Sylvia Kreye). Engel mit Violine und Vers von Martin Luther: Des Himmels Chör freuen sich drob, und die Engel singen Gott Lob; den armen Hirten wird vermeldt der Hirt und Schöpfer aller Welt.

 

Veröffentlicht von

Sylvia Kreye

Diplomierte Sängerin und staatlich geprüfte Musiklehrerin, Kulturjournalistin und Textredakteurin, Übersetzerin und Fremdsprachenkorrespondentin (IHK), Zertifizierte Sprachtrainerin (ÖIF)

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