Weihnachtliche Ohrwürmer aus Amerika | Adventskalender

Weihnachten in Dublin, Kalifornien
Christmas in Dublin, CA, von V Smoothe, 13.12.2008, Wikimedia Commons, license CC BY 2.0

Der musikalische Adventskalender

18. Dezember 2016 

Weihnachtliche Ohrwürmer aus Amerika

Der musikalische Adventskalender verweilt heute noch in Amerika und präsentiert zwei weihnachtliche Ohrwürmer aus den USA. 

Das Thema des musikalischen Adventskalenders vom 17. Dezember war das Negro Spiritual bzw. das afroamerikanische Spiritual (im Unterschied zum Spiritual Song oder dem angloamerikanischen Spiritual  der weißen Bevölkerung).

Im musikalischen Adventskalender von heute geht es etwas säkularer und kommerzieller zu. Wie bereits im Beitrag vom 17. Dezember erwähnt, wurden die christlichen Weihnachtsbräuche in den Vereinigten Staaten auch mitgeprägt durch alte Bräuche aus vorchristlicher Zeit. Dies hat auch einen Einfluss auf den Kommerz und das Kaufverhalten der US-Bürger. Das Weihnachtsfest wurde im Laufe der Jahre immer mehr säkularisiert und kommerzialisiert. 

Besonders in den USA schmücken die Menschen ihre Häuser und Gärten sehr aufwändig mit Lichterketten und Weihnachtsbäumen. An manchen Orten ist das aufwändige und üppige Dekorieren der Häuser und Gärten direkt zu einem ehrgeizigen Wettbewerb ausgeartet. 

Santa Claus, der Überbringer der Geschenke, ist in den USA überall gegenwärtig. Aber auch das Jesuskind, die drei Heiligen Könige und andere Objekte wie das Rentier, Elfen, Tannenbäume, Stechpalme, Lichterketten und Christbaumschmuck in allen möglichen Farben und Formen finden sich in den Auslagen der Kaufhäuser. 

In dieses Ambiente eines säkularisierten und kommerzialisierten Weihnachtsfestes passen zwei Ohrwürmer, die aufgrund ihrer Einprägsamkeit und Popularität jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit zu Kassenschlagern avancieren.  

Jingle Bells 

Jingle Bells (etwa Klimpert, (ihr) Schellen, in Anspielung auf die Schellen am Pferdegeschirr) ist – im Gegensatz zum oben erwähnten Negro Spiritual – kein Weihnachtslied, da es säkularen Inhalts ist und der Text überhaupt keinen Bezug zum Weihnachtsfest hat. Jingle Bells ist vielmehr ein Winterlied, das von einem Pferdeschlittenrennen handelt. Das Lied wurde zwischen 1850 und 1857 vom amerikanischen Komponisten James Lord Pierpont (1822 – 1893) unter dem Titel The One Horse Open Sleigh (Der offene einspännige Pferdeschlitten) komponiert. Es wurde 1857 bei Oliver Ditson & Co. (Boston) erstmals veröffentlicht. 1859 wurde das Lied erneut veröffentlicht, diesmal unter dem Titel Jingle Bells, or The One Horse Open Sleigh.  

Es ist nicht ganz geklärt, wo genau das Lied komponiert wurde. Als Orte kommen Medford (Massachusetts) und Savannah (Georgia) in Frage. Beide Orte beanspruchen für sich, der Ort der Entstehung zu sein, und in beiden Orten befindet sich jeweils eine Gedenktafel mit dem Hinweis auf die Entstehung der Komposition. 

Nach Angaben der Medford Historical Society war das Lied inspiriert worden durch die Schlittenrennen, welche im 19. Jahrhundert auf der Salem Street zwischen Medford und dem Malden Square stattfanden. 

Im Jahre 1851 besuchte James Pierpont Mrs. Otis Watermann in Medford. Otis Watermann war die Besitzerin der Pension Seccomb Boardinghouse, der späteren Simpson-Taverne. Als Pierpont ihr das Lied auf dem Klavier vorspielte, bezeichnete Otis Watermann das Lied als „very merry little jingle“, was den Komponisten zu dem späteren Titel angeregt haben soll. 

Da das Urheberrecht auf Jingle Bells im Jahre 1857 vergeben wurde, bestehen hinsichtlich der Entstehung in Medford Zweifel, denn zu jenem Zeitpunkt wirkte James Pierpont bereits als Organist und Chorleiter an der unitarischen Kirche in Savannah, an der sein älterer Bruder John Pierpont als Pastor tätig war. Kurz vor der Vergabe des Urheberrechts hatte James Pierpont die Tochter des Bürgermeisters von Savannah, Eliza Jane Purse, geheiratet.  

1985 erklärte John Rousakis, der Bürgermeister der Stadt Savannah, das Lied zu einem „Savannah Song“ und errichtete eine Gedenktafel gegenüber der Kirche. Daraufhin entspann sich zwischen Rousakis und Michael McGlynn, dem Bürgermeister von Medford, ein unerfreulicher Briefwechsel. Beide Orte haben nun eine Gedenktafel, die sie als Entstehungsort ausweist.

Jingle Bells
J. L. Pierpont, Jingle Bells, Refrain, Public Domain, Cantorion. Original publication: published in Medford, Massachusetts, as „One horse open sleigh“

Englischer Originaltext 

Dashing through the snow in a one-horse open sleigh,

O’er the fields [hills] we go, laughing all the way.

Bells on bobtail ring, making spirits bright,

What fun it is [Oh what sport] to ride and sing a sleighing song tonight.

|:Jingle bells, jingle bells, jingle all the way.

O, what fun [joy] it is to ride in a one-horse open sleigh.:|

A day or two ago I thought I’d take a ride,

And soon Miss Fannie Bright was seated by my side.

The horse was lean and lank, misfortune seemed his lot,

He got into a drifted bank and we [we, we] got upsot.

|:Refrain:|

A day or two ago, The story I must tell

I went out on the snow, And on my back I fell;

A gent was riding by In a one-horse open sleigh,

He laughed as there I sprawling lay, But quickly drove away.

|:Refrain:|

Now the ground is white, go it while you’re young,

Take the girls tonight and sing this sleighing song.

Just get a bobtailed bay, two-forty for his speed,

Then hitch him to an open sleigh, and crack! You’ll take the lead.

|:Refrain:| 

Wörtliche Übersetzung

Wir rasen durch den Schnee, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten,

über die Felder [Hügel] hinweg, lachen den ganzen Weg.

Glöckchen klingen am kupierten Pferdeschweif, schaffen eine fröhliche Stimmung

Was für eine Freude ist es, zu fahren und zu singen ein Schlittenfahrlied heut’ Abend.

|:Klimpert, Schellen, klimpert Schellen, klimpert den ganzen Weg.

Oh welch Freude ist es, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten zu fahren.:|

Vor ein, zwei Tagen beschloss ich, eine Ausfahrt zu machen,

Und schon bald saß Miss Fannie Bright neben mir.

Das Pferd war mager und dünn, Unglück schien sein Los,

Es geriet in eine Schneeverwehung, und wir, wir stürzten.

|:Refrain:|

Vor ein zwei Tagen, die Geschichte muss ich erzählen

Bin ich wieder in den Schnee gegangen, und fiel auf meinen Hosenboden;

Ein Herr fuhr vorbei, in einem einspännigen offenen Pferdeschlitten,

Er lachte, als ich der Länge nach da lag, und fuhr schnell weiter.

|:Refrain:|

Jetzt ist die Erde weiß, nutze es, solange du jung bist,

Nimm die Mädchen heute abend und sing dies Schlittenfahrlied.

Hol dir einen kupierten Braunen, der eine Meile in 2 Minuten 40 schafft,

spann ihn in einen offenen Pferdeschlitten, und lass es knallen! Du wirst in Führung gehen.

|:Refrain:| 

Die Melodie und der Text des Originals unterscheiden sich leicht von den heute gängigen Fassungen. 

Eine andere deutsche Version (Autor unbekannt) lautet: 

Wenn die Winterwinde weh’n, wenn die Tage schnell vergeh’n,

wenn im Schranke ganz geheimnisvoll, die bunten Päckchen steh’n,

dann beginnt die schöne Zeit, auf die jeder sich schon freut.

Und die Menschen seh’n so freundlich aus und singen weit und breit

Jingle bells, Jingle bells, klingt’s durch Eis und Schnee.

Morgen kommt der Weihnachtsmann, kommt dort von der Höh‘.

Jingle bells, Jingle bells, es ist wie ein Traum.

Bald schon brennt das Lichtlein hell bei uns am Weihnachtsbaum. 

Jingle Bells, Schild in Savannah
Schild in Savannah zur Entstehung des Liedes Jingle Bells, von Deirdre, 28.02.2007, Wikimedia Commons, Public Domain, license CC BY-SA 3.0

White Christmas 

Man kann wohl nicht über amerikanische Weihnachtslieder sprechen, ohne auf das Lied White Christmas einzugehen. Im Zuge der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes sind die beiden Lieder Jingle Bells und White Christmas zu wahren Kassenschlagern geworden. In den Wochen vor Weihnachten werden die Konsumenten mit diesen beiden Ohrwürmern derart beschallt, dass die Musik so manchem Kaufhausbesucher im wahrsten Sinne des Wortes „zu den Ohren heraus kommt“! 

Der Kassenschlager White Christmas soll wegen seiner Popularität an dieser Stelle kurz erwähnt werden. Das Lied wurde von Irving Berlin komponiert. Die 1947 veröffentlichte und von Bing Crosby gesungene Version gilt mit 50 Millionen verkauften Platten als die meistverkaufte Single aller Zeiten. Der erfolgreiche Komponist Irving Berlin konnte nicht einmal Noten lesen! Die Niederschrift seiner Werke überließ er seinem Sekretär Helmy Kresa. Diesem präsentierte Irving Berlin am 8. Januar 1940 seine neue Komposition White Christmas mit insgesamt 48 Takten. Er war damals schon der Auffassung, es handele sich bei diesem Titel „nicht nur um den besten Song, den ich jemals geschrieben habe, sondern es ist der beste Song, den jemals jemand geschrieben hat“. Auch Bing Crosby war sofort von dem neuen Song überzeugt: „Darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen.“, waren damals seine Worte.  

Bing Crosby stellte den Song am 25. Dezember 1941 in seiner NBC-Radioshow erstmals der Öffentlichkeit vor. Am 29. Mai 1942 wurde der Song – neben fünf weiteren Songs – für den geplanten Film Holiday Inn (deutscher Titel: Musik, Musik) in New York City aufgenommen. In dem Film wirkte neben Bing Crosby auch noch Fred Astaire mit.

Die Single White Christmas / Let’s Start The New Year wurde im August 1942 unter dem Schallplatten-Label Decca veröffentlicht, der Film Holiday Inn kam in den Vereinigten Staaten am 4. August 1942 in die Kinos. Bereits Ende Oktober 1942 erreichte der Song die Spitze der Pop-Hitparade und hielt diese Spitzenposition 11 Wochen lang. In den folgenden Jahren kam der Titel noch 16 Mal in die Top 30. 1945 und 1947 erreichte er noch zweimal die Spitze der Charts.  

Da das Masterband aus dem Jahre 1942 durch die häufige Benutzung beschädigt worden war, musste Bing Crosby den Song am 19. März 1947 nochmals aufnehmen. Diese Version, bei welcher der Violinenpart verstärkt wurde, ist die Originalaufnahme, die bis heute – besonders vor Weihnachten – ein Kassenschlager geblieben ist. Der Film Holiday Inn erheilt 1943 den Oscar für den besten Filmsong. Nicht zuletzt aufgrund der alljährlich vor Weihnachten wiederkehrenden Plattenumsätze liegt auf White Christmas weltweit das wertvollste Song-Urheberrecht.

Aufgrund seiner großen Popularität wurde der Song White Christmas noch ein zweites Mal Grundlage für einen Film, diesmal unter dem gleichnamigen Filmtitel. Der Film White Christmas (Weiße Weihnachten) kam im Herbst 1954 in die Kinos und wurde auf Anhieb zum Kassenschlager. Wieder war Bing Crosby in der Hauptrolle, ihm zur Seite stand jedoch diesmal nicht Fred Astaire, sondern Danny Kaye. Noch im selben Jahr brachte auch Frank Sinatra eine weitere Single-Version von White Christmas heraus. Im Jahre 1957 sangen beide Künstler den Titel im Duett in Sinatras Fernsehshow auf ABC-TV. 

Nach einer Mitteilung der ASCAP (American Society of Composers, Authors and Publishers) aus dem Jahre 1998 ist White Christmas mit seinen weltweit 500 Versionen und weltweit 100 Millionen verkauften Singles das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten! Von dem Song wurden weltweit 125 Millionen Tonträger in allen Sprachen umgesetzt. Von der RIAA (Recording Industry Association of America) wurde es 2001 auf Platz 2 in die Liste der Songs of the Century aufgenommen. (Auf Platz 1, vor White Christmas, liegt der Song Over The Rainbow mit Judy Garland.)

Da die Melodie von White Christmas wohl allseits bekannt sein dürfte und außerdem noch urheberrechtlich geschützt ist, wird hier nur der Text wiedergegeben:

Englisch

The sun is shining, the grass is green,
The orange and palm trees sway.
There’s never been such a day
in Beverly Hills, L.A.
But it’s December the twenty-fourth,—
And I am longing to be up North—
 

I’m dreaming of a White Christmas
Just like the ones I used to know
Where the treetops glisten
and children listen
To hear sleigh bells in the snow.

I’m dreaming of a white Christmas
With every Christmas card I write
May your days be merry and bright
And may all your Christmases be white.

Eine Rarität ist der Ausschnitt aus dem Film White Christmas mit Bing Crosby in der Hauptrolle, der auf YouTube zu veröffentlicht ist:

https://www.youtube.com/watch?v=7S-IidmcSN8

Englischsprachige Weihnachtslieder:  

Eine reiche Auswahl an Texten zu englischen und amerikanischen Weihnachtsliedern ist auf den folgenden Websites zu finden:

http://www.santas.net/songs.htm

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs        

Quellen in deutscher Sprache:

https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten_weltweit                

https://de.wikipedia.org/wiki/Jingle_Bells      

https://de.wikipedia.org/wiki/White_Christmas       

https://de.wikipedia.org/wiki/Songs_of_the_Century     

Quellen in englischer Sprache:

https://en.wikipedia.org/wiki/Jingle_Bells      

http://www.41051.com/xmaslyrics/whitexmas.html        

https://en.wikipedia.org/wiki/White_Christmas_(song)   

https://www.timeanddate.com/holidays/us/christmas-day      

http://www.hymnsandcarolsofchristmas.com/Hymns_and_Carols/white_christmas.htm        

https://en.wikipedia.org/wiki/Category:American_Christmas_songs

Weihnachtslieder in englischer Sprache:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Christmas_carols  

http://www.santas.net/songs.htm 

Notenquellen:

Jingle Bells: J. L. Pierpont, Cantorion, Public Domain (gemeinfreies Werk), Cantorion – freie Noten, Notenblätter und Konzertangebote

http://cantorionnoten.de/music/49/Jingle-Bells-Vocal-line      

Vgl. auch: Kurt Pahlen, Die schönsten Weihnachtslieder aus der ganzen Welt, Hug & Co., Zürich, Edition Hug 11582, Seite 88-90.

White Christmas: (C) 1940 & 1942 Irving Berlin Music Corp., USA. Copyright renewed Warner/Chappell Music Ltd., London W6 8BS

Bildquellen:

Christmas in Dublin, CA, von V Smoothe, 13.12.2008: These people really went all out

https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AChristmas_in_Dublin%2C_CA.jpg

By V Smoothe (These people really went all out) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Schild in Savannah zur Entstehung des Liedes Jingle Bells, von Deirdre, 28.02.2007, Wikimedia Commons, Public Domain, License CC BY-SA 3.0

Veröffentlicht von

Sylvia Kreye

Diplomierte Sängerin und staatlich geprüfte Musiklehrerin, Kulturjournalistin und Textredakteurin, Übersetzerin und Fremdsprachenkorrespondentin (IHK), Zertifizierte Sprachtrainerin (ÖIF)

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